Dienstag, 30. Juni 2020

Sankt Mauritius: Der "Uncle Ben" Deutschlands?




Zum bisherigen bilderstürmerischen Irrsinn
Als im Rahmen der Proteste nach dem Tod von George Floyd begonnen wurde, Statuen von unliebsamen Persönlichkeiten zu stürzen, griff unter dem Todschlagargument "Kolonismus" und "Sklaverei" der Eifer der Bilderstürzer schnell von Konföderierten auf die Gründerväter (George Washington und Thomas Jefferson) selbst über, dann auf Persönlichkeiten der Geschichte wie Christoph Kolumbus, Miguel de Cervantes und zuletzt auch den heiligen Junipero Serra, dem ein regelrechter Genozid von den Hetzern von Unwissenheits Gnaden vorgeworfen wird. Ein Aktivist von Black Lives Matter hat zudem gefordert, dass "weiße Darstellungen" von Jesus und Maria zerstört werden sollten, da sie eine Zeichen "Weißer Vorherrschaft" seien.

Doch die Inquisitoren (die übrigens ihrem Namen nicht wirklch gerecht werden, da sie anders als die historischen Inquisitionen die Vorwürfe nie wirklich prüfen, sondern sofort zuschlagen) haben auch andere, "Nicht-Weiße" Ikonen entdeckt, die wegen verstecktem Rassismus aus der Öffentlichkeit entfernt werden sollten. In Deutschland war die vor zwei Jahren losgetretene Verhüllung des Sarotti-Mohrs in Mannheim nur das Menetekel zu dem, was panischer Aktionismus gegenüber Massenkritik hervorbringen sollten.

In den USA wurde vor einiger Zeit im Zuge der Unruhen bekanntgegeben, dass zwei Brandlogos wegen rassistischer Stereotypen geändert werden sollten: Uncle Ben´s und Aunt Jemima. Was vielen zwangsentdiskriminierten Schwarzen eher sauer aufstieß als wie erhofft Dankbarkeit gegenüber den Aktivisten und nun "aufgeklärten" Konzernen zu empfinden. Auch bei genauerer marketing-historischer Betrachtung stießen diese Aktionen auf Unverständnis.


Zur schieren Dummheit der typischen deutschen Nachläufer
Seien wir ehrlich: Die Sache war so schräg, dass sie mich an die versuchte Abschaffung des Mauritiuswappens Coburgs durch die Nationalsozialisten 1939 erinnerte - natürlich mit rassistischer Begründung aus der anderen Ecke, die bizarrerweise ebenfalls weniger andersrassige Vertreter in der Öffentlichkeit sehen wollte. Also habe ich mich vor einer Woche zunächst entschlossen, die geplante Abschaffung als Aufhänger für einen Artikel über den damals populären Soldatenheiligen Mauritius selbst zu nutzen. So weit, so gut.

Aber weil wir uns ja im Land der ewigen Nachläufer mit null Ahnung über deutsche Geschichte und noch weniger Rückgrat befinden, ist natürlich etwas in der Zwischenzeit passiert.

NÄMLICH DAS HIER.

Ernsthaft: Zwei Frauen haben eine Petition gestartet, die das Ziel hat, das Mauritiuswappen als "verletzenden, rassistischen, kolonialistischen Stereotype eines Schwarzen" abzuschaffen. Warum ein Schwarzer überhaupt im offiziellen Stadtwappen vertreten ist und wen es eigentlich darstellt - nämlich den heiligen Mauritius - wird zunächst nicht einmal gestellt; Hinweise darauf vom Bayrischen Rundfunk (im Video ab 3:06) und der Frankenschau werden als "irrelevant" bezeichnet. So viel mal zu aufgeklärten demokratischen Gesellschaft, die lieber Fahneneide leistet, als nachzudenken (hatten wir auch schon zwei Mal, was ich wohl für den geneigten Leser nicht näher ausführen brauche).





Die Vita des heiligen Mauritius und die Thebäische Legion
Zurück zum Heiligen selbst, der im mittelalterlichen Deutschland teilweise den Status einen Popstars genossen (der sogar die berühmte Heilige Lanze mitgebracht haben soll), heute aber (wie viele Heilige) ein regelrechtes Schattendasein fristet, wenn alleine dessen Name nicht durch Liturgie und Regionalbrauchtum weiter bekannt sein dürfte - wie bei den brave Coburgern, die natürlich wissen, warum sie ihn im Wappen haben.

Mauritius soll ein römischer Offizier der 22. - genannt die "thebäische" - Legion gewesen sein, die aus dem oberägyptischen Theben stammen und komplett aus Christen bestanden haben soll. Um das Jahr 300 wurde diese Truppe unter Kaiser Diokletian nach Agaunum (dem heutigen Walliser Saint-Maurice) gesendet und dem Heer seines Mitregenten Maximianus einverleibt, der die 6.600 Mann dieser Legion (wie im Falle der außerbiblischen Überlieferungen zum Kindermordes zu Bethlehem oder den Zehntausen Märtyrern könnte es sich um eine über die Zeit kolportierte Zahl handeln) als Christen hinrichten ließ. Eine Legende spricht davon, dass diese sich weigerten, den Göttern vor der Schlacht zu opfern, womit sie dem Kaiser und Staat Ungehorsam geleistet hätten; eine andere, dass sie das Meutern angefangen hätten, nachdem ihnen gesagt worden war, dass sie aufgespürte Christen massakrieren sollten.
Als Wortführer der Legion soll Mauritius gesprochen haben: "Kaiser, wir sind deine Soldaten, zuerst jedoch stehen wir im Dienste Gottes. Dir schulden wir militärischen Gehorsam, ihm ein schuldloses Leben. Wir bevorzugen es unschuldig zu sterben, als schuldig zu leben."


Zunächst gab Maximianus den Befehl, das Heer zweimal zu dezimieren, also nur jeden Zehnten zu töten, um die Übrigen zum Umdenken zu bewegen und den Gehorsam gegenüber ihm wiederherzustellen. Doch ließen sich die anderen Soldaten davon nicht nur nicht beeindrucken, sondern gaben sich ganz ohne Gegenwehr ihren Henkern hin, woraufhin Maximianus den Befehl gab, die gesamte Legion auszulöschen. Neben Mauritius kamen auch die der Legion ebenfalls vorgesetzten Heilige Innocentius, Exuperius und Candidus ums Leben, sowie die heilige Verena, die sich einer Legende aus dem 9. Jahrhundert zufolge im Gefolge der thebäischen Legion befand. Die Legionäre Victor und Ursus entkamen dabei nach Solothurn, wo sie aufgegriffen und ebenfalls hingerichtet wurden.

Die ältesten schriftlichen Überlieferung ist die "Passio Acaunensium Martyrum" ("Das Leiden der Martyrer von Agaunum") vom heiligen Eucherius von Lyon aus dem Zeitraum 430/440, die sich auf mündliche Überlieferungen berief und und zusammen mit den dort enthaltenen Mirakelberichten als Hauptquelle über die Martyrer der Thebäischen Legion diente. Aber schon um 430 wurden Mauritius und seine Gefährten im Martyrologium Hieronymianum genannt, was ebenfalls mit den Berichten von geheilten Pilgern auf eine gefestigte kultische Verehrung hinweist. Dazu kommt noch eine anonyme Passio, ebenfalls aus dem 5. Jahrhundert.

590 wurde von Gregor von Tours die Zugehörigkeit des hl. Gereon und seiner Gefährten, die ihr Martyrium im Rheinland erlitten, zur thebaischen Legion behauptet, in der anonymen "Passio Sanctorum Gereonis, Victoris, Cassi et Florentii Thebaeorum martyrum" ("Leiden der heiligen Martyrer Gereon, Victor, Cassius und Florentius") aus dem 11. Jahrhundert wird dargelegt, dass es sich um einen Teil der Thebäischen Legion handelte, der aber abgespalten und in die Gegend um Köln verlegt wurde, und daher getrennt von dem Walliser Teil ein eigenes Martyrium erlitt. Die Popularität der Legion des Mauritius war anscheinend so groß, dass man ihnen auch weitere herausragende Märtyrer aus dem Soldatenstand zurechnete.


Reliquien, Verehrung und Pilgerwesen
Die Reliquien der Martyrer wurden um 380 vom heiligen Bischof Theodor von Sitten aufegfunden, auf den sich Eucherius von Lyon in seiner Passio später beruft. Theodor war es auch, der eine Grabeskirche errichten ließ, die durch ihre verkehrsgünstige Lage am Fuß des Großen St. Bernhard von Reisenden leicht errreicht werden konnte. Zur Zeit Eucherius´ bestand auch eine Pilgerherberge. Das trug zur Popularität nicht nur in der Schweiz, sondern auch im Bereich des heutigen Frankreichs bei, wo er von den Merowingern verehrt und später von den Karolingern zum Schutzpatron des Heeres erhoben wurde.

515 gründete König Sigismund von Burgund die Abtei Saint-Maurice, die noch heute besteht und immer noch eine beeindruckende über Jahrhunderte hin angesammelte Schatzkammer besitzt. Nach 522 erneuerte sie Sigismund aus Buße, nachdem er aus Verdacht an Verrat seinen eigenen Sohn erdrosseln ließ, und wurde dort nach seinem gewaltsamen Tod ebenfalls als Märtyrer beigesetzt. Obwohl das Kloster 939 durch einfallende Sarazenen geplündert wurde, sind heute noch viele wichtige Schätze erhalten.

Eine weitere Kirche bei Saint-Maurice befindet sich bei Vérolliez. Auf der Steinplatte der Märtyrerkirche, die heute als Altarhimmel dient, soll der heilige Mauritius hingerichtet worden sein.

Ihre Bekanntheit, die sich mit den Martyrologien, den legendarischen Schriften und den Pilger verbreitete, waren der Anlass, dass die Reliquien der "Walliser Heiligen" auch in Kirchen außerhalb der Schweiz übertragen wurden; allen voran die des heiligen Mauritius. Der heilige Bischof Ulrich von Augsburg erwarb im 10. Jahrhundert Reliquien des Soldatenpatrons, die später zum Ausgangspunkt der Moritzkirche werden sollten, die von Bischof Bruno, dem Bruder Kaiser Heinrichs II. und Berater des ersten Salierkaisers, erbaut wurde. Wahrscheinlich hatte diese auch in der Bevölkerung einen starken Einfluss; in Allmannshofen befindet sich eine Wallfahrt zu einem Mauritius-Gnadenbild, das 1710 eine neue Kapelle, die heutige "Klause" erhielt. Weitere Reliquien gelangten in den Dom zu Köln (wo ein Buntglasfenster aus dem Mittelalter von ihm immer noch erhalten ist), in den Magdeburger Dom, Echternach, in die Abtei Tholey im Saarland, in die Jesuitenkirche in Wien, Auxerre, der Kathedrale von Vienne (Kopfreliquie) und St-Riquier. Durch den heiligen Anno von Köln gelangten Reliquien in die Abtei St. Michael nach Siegburg in Nordrhein-Westfalen, die sich seit der Auflösung des Kloster durch die Säkularisation in der Schatzkammer von St. Servatius befinden.

Über seine Verehrung in Magdeburg gelangte Mauritius als Heiliger über die mittelalterlichen Handelsverbindungen auch bis ins Baltikum. Die St-Georgs-Bruderschaft der sich im Baltikum aufhaltenden norddeutschen Kaufleute wurde diesem Heiligen umgewidmet und besteht unter dem Namen "Schwarzhäupter" heute teilweise immer noch. Die aus Magdeburg stammenden Bronzepforten für die Kathedrale im polnischen Płock mit einer Darstellung des Mauritius von gelangten später auf bisher ungeklärte Weise nach Nowgorod, wo sie noch heute an der Sophienkathedrale zu sehen sind.

Er gilt unter anderem als Schutzpatron der Soldaten, Waffen- und Messerschmiede, Kaufleute, Färber, Wäscher, Hutmacher und Glasmaler. Neben dem Schutzpatronat Burgunds, des Kanton Wallis und der deutsch-römischen Kaiser kam ihm auch das des Herzogtum Savoyen und von Piedmont zu. 1941 ernannte ihn Papst Pius XII. zum Schutzpatron der italienischen Alpini-Einheit.

Sein Gedenktag ist der 22. September.


Der Reichsheilige Mauritius
Bereits 960 kam Kaiser Otto der Große durch seinen Schwiegervater, den König von Burgund (als dessen Schutzpatron Mauritius seit der Krönung König Rudolfs I. 888 in der Abtei Saint-Maurice galt), in den Besitz von Mauritius-Reliquien, die für seinen Dom in Magdeburg bestimmt waren. Zwei Jahre später ließ er sich von Papst Johannes XII. das Fest und Mauritius als Schutzpatron der Ottonen bestätigen. Otto selbst schrieb der Fürsprache des Mauritius den Sieg über die Ungarn 955 bei der Schlacht gegen die Ungarn auf dem Lechfeld zu. Er  ließen sich später im Magdeburger Dom bestatten; Ottos erste Ehefrau Edgitha, die bereits 946 verstarb, wurde später ebenfalls dorthin umgebettet, nachdem sie ihr Grab im bereits vorher existierenden Moritzkloster hatte.

Später wurde das Patronat des heiligen Mauritius auch auf die übrigen Kaiser ausgedehnt, sowie auf das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Seit dem 12. Jahrhundert wurde die Salbung des deutsch-römischen Kaisers am Altar des heiligen Mauritius vollzogen.


Mauritius und die Heilige Lanze von Wien
Eine weitere explizite Nennung des Heiligen besteht bei der Heiligen Lanze, die zu den Reichskleinodien in Wien gehört. Es handelt sich dabei in ihrer Form um eine fränkische Flügellanze, die neuesten Untersuchungen zufolge wahrscheinlich zwei Metallteile einer Herrenreliquie enthält, die dort eingearbeitet wurde - wahrscheinlich von den Nägeln von der Kreuzigung Christi. Eine ähnliche Vermutung hat man übrigens auch bei der Heiligen Lanze in Echmiadzin in Armenien.

Missverständlicherweise wurde sie auch als die Lanze des Longinus gedeutet, der damit überprüfte, ob Jesus schon tot war, als man am Abend vor dem Fest den übrigens lebenden Gekreuzigten die Bein brach, um sie schneller sterben zu lassen, und daraufhin Blut und Wasser aus dessen Seite flossen (Joh 19,31-37).

Die weitere Bezeichnung als "lancea sancti Mauritii" ("Lanze des heiligen Mauritius") lässt sich schriftlich im 11. Jahrhundert nachweisen. Die Verbindung mit dem Heiligen lässt sich wahrscheinlich davon ableiten, dass sich diese Reliquie zuvor ebenfalls im Besitz des burgundischen Königs befand, bis 926 Rudolf II. diese im Tausch gegen die Region um Basel Kaiser Heinrich I. übergab, dem Vater von Otto dem Großen, der sie schließlich in der Schlacht auf dem Lechfeld bei sich führte.

Da später aus Burgund wertvolle Knochenreliquien von Mauritius in Besitz des Kaisers gelangten, wurde scheinbar ein Zusammenhang mit diesem Nationalheiligen vermutet, sodass später unter Kaiser Heinrich III. eine Silbermanschette angebracht wurde, die die "Mauritiuslanze" als von eben diesem Heiligen stammend bezeichnete.


Warum wird Mauritius auch als Schwarzer dargestellt?
Was natürlich die große Preisfrage ist, der unsere lieben Petitionistinnen am liebsten als "irrelevanter" Umstand aus dem Weg gehen wollen. Denn ursprünglich war Mauritius eben NICHT als Afrikaner mit schwarzer Hautfarbe dargestellt worden, sondern als normaler Soldatenheiliger wie auch Sankt Georg, wie man so schön am Sigismundschrein von St-Maurice sehen kann. Auch existierten neben den Afrikaner-Darstellungen parallel weiterhin Darstellungen, die Mauritius als hellhäutigen Mann zeigen.

Die älteste Darstellung als Schwarzer stammt aus der Deutschen Kaiserchronik aus dem 12. Jahrhundert, die Mauritius als den "herzoge der More" bezeichnete. Bei dem bereits im 8. Jahrhundert verwendeten deutschen Begriff Mohr bzw. Mor handelt es sich um eine Anlehnung des lateinischen Maurus, das die Einwohner der Nordwestafrikanischen Provinz Mauretanien (heute Marokko, nicht das moderne Mauretanien!) bezeichnete; erst später wurde dieser Begriff auch aufdunkelhäutige Menschen und die Einwohner Äthiopiens übertragen.

Eine Synomymisierung dürfte wahrscheinlich über Handelskontakte mit dem islamischen Nordafrika oder dem maurisch besetzten Spanien, wo Dunkelhäutige auch als Soldaten dienten, in vielen Fällen aber als Sklaven gehalten wurden (übrigens in einigen Teilen leider wieder aktuell...), die sich die Araber im südlicheren Afrika erwarben, von unwissenden Europäern aber als genuine Bevölkerung gedeutet worden sein könnten.

Nun dürfte mit dem Hintergedanken, dass Mauritius wahrscheinlich ebenfalls ein dunkelhäutiger (Nord-)Afrikaner gewesen sein könnte, der lateinische Name sprichwörtlich als "der aus Mauretanien stammende/wie ein Mauretanier" gedeutet worden sein. Neben seiner wohl berühmtesten Darstellung am Magdeburger Dom aus dem 13. Jahrhundert (das vor einiger Zeit für das Dommuseum rekonstruiert worden ist) kam es erst um das 14. Jahrhundert zu einer weitverbreiteten Darstellung des schwarzen Ritterheiligen, besonders im mitteldeutschen Raum, während andere Teile Deutschlands diese "Exotisierung" nicht mitmachten. Dazu gehören zum Beispiel die Abtei Tholey, das Straßburger Münster, aber auch außerdeutsche Darstellungen wie von El Greco in Spanien, wo man eigentlich in der Zeit nach der Reconquista 1492 die nordafrikanischen Verhältnisse und Einwohner besser kannte, die im Kontakt mit den Arabern standen, die jahrhundertelang große Teile der spanischen Halbinsel besetzt hielten.

 

Der große goldene Ohrring, der übrigens beim Coburger Wappen in seiner Frühzeit noch nicht auftauchte, kam besonders in der Barockzeit durch die Darstellungen und Drucken von Afrikareisenden als typische Stereotype für die Schwarzen Ureinwohner in Umlauf, wobei diese oft in Gold bekleidet gezeigt werden - wahrscheinlich ein Nachhall auf den fernen mythischen edlen Priesterkönig Johannes und dessen sagenhaftes Königreich, das mit seinen leicht findbaren Schätzen unter andrem in Äthiopien vermutet wurde, wo ja auch die "Mohren" beheimatet sind. Trotzdem finden sich ab und an auch Darstellungen aus der Renaissance mit dieser Darstellung, wie beim von Hans Süß von Kulmbach hergestellten Kulmbacher Altar aus dem Jahre 1518 oder einer weiteren Darstellung von ca. 1520, das Mauritius als Landsknechtführer und dessen ebenfalls dunkelhäutige Gefährten als Landsknechte zeigt - wobei Mauritius als einziger auffällige Ohrringe trägt, wahrscheinlich um ihn als Adeligen auszuzeichnen.


Das Mohrenwappen der Stadt Coburg
Bei der Übertragung der Mauritius-Reliquien nach Magdeburg machten diese auch Station in Coburg, wo auch ein Teil davon in der noch heute bestehenden Morizkirche platziert wurde. Die Popularität des Soldatenheiligen zeigte sich zunächst darin, dass zunächst diese Kirche, die bisher dem heiligen Stephan geweiht war, zwischen 1150 und dem 14. Jahrhundert umbenannt wurde. Ein zusätzlicher enormer Popularitätsschub fand 1430 statt, als er nach seiner Anrufung durch die Coburger Bürger während den Hussiteneinfällen zum Stadtpatron ernannt wurde.

Doch bereist 1380 tauchte die in der Heraldik als "Mohrenkopf" bekannte Darstellung (übrigens auch mit dem "Freisinger Mohr" im Wappen von Papst Benedikt XVI. vertreten) als Meisterzeichen eines Coburger Münzers auf (was 1493 noch einmal als verpflichtende Darstellung schriftlich in einer Urkunde genannt wird), daneben auf Coburger Münzen des 14. und 15. Jahrhunderts. Aus dem Jahre 1521 stammt schließlich das älteste Siegel mit diesem Stadtwappen. Das heute offizielle Wappen taucht in den noch immer gültigen Farben um 1570 auf. Die heute gültige heraldische genormte Form ist seit 1974 offiziell.

Eine sehr schöne Darstellung aus dem Jahre 1575 befindet sich am Erker des Coburger Rathauses, das Mauritius als dunkelhäutigen Afrikaner in der damals bei Adeligen noch weit verbreiteten Ritterrüstung mit Goldverzierung und Wappenschild mit schwarzem Meißender Löwen und Mohrenkopf zeigt. Eine weitere Mauritiusskulptur mit Marschallstab befindet sich auf dem Giebel des Rathauses, dass von den Bürgen den ironischen Spitznamen "Bratwurstmännle" erhalten hat.

Auffällig ist, dass dieses Wappen nach Einführung der Reformation 1524 weiterhin beibehalten wurde. Eine ähnliche Beobachtung kann man bei Bad Sulza machen, in deren Siegel er 1567 noch vertreten war und als Schutzpatron der Salzsieder galt. Daneben existieren in Deutschland auch weitere Wappen mit Darstellungen eines Mohren bzw, eines explizit dunkelhäutigen Ritters, der sich auf den heiligen Mauritius zurückführen lässt.


Ist der Coburger Mohr rassistisch? Ein Blick auf die Ideologien.
Die Frage nach Rassismus ist immer auch die Frage nach der Ideologie, die das Thema durch die entsprechende Brille betrachtet. 1934 waren dies (mit sichtbaren Erfolg) die Nationalsozialisten, die den Coburger Mohr auf längere Zeit losgeworden sind. Da der Mohr in den Augen der neuen Machthaber der Stadt für einen fremden, der deklarierten heroischen und kulturfähigen nordischen Rasse entgegenstehenden Menschenschlag stand, wurde das alte Wappen durch die Darstellung eines farbig geteilten Schwertes mit Hakenkreuzgriff in den üblichen Farben Schwarz und Gelb ausgetauscht. Ab dem 1. Mai 1945 kehrte dann das Mauritiuswappen ohne Beschwerde von Seiten der alliierten Besatzungsmacht als Zeichen der Stadt zurück.

Dass die Diskussion von Amerika nun auf Deutschland versucht überzuschwappen, verrät schon die Oberflächlichkeit dieser monologen Diskussion, die in jeder Darstellung eines Schwarzen durch eine "Weiße Kultur" als geistige Unterdrückungsphantasien deutet, um vermeintliche "Verantwortliche" bloßzustellen, während man selbst den Eindruck macht, mit diesen Situationen selbst nicht klar kommen zu können. Im Falle des Uncle Ben´s-Logos wurde behauptet, dass es sich bei diesem um einen "schwarzen Farmer" gehandelt habe, obwohl dieser (sein Name soll Frank Brown gewesen sein) Angestellter in einem Restaurant in Chicago um 1946 war und dessen Gesicht wegen seiner vertrauenserweckenden Ausdrucks übernommen wurde. Der Name "Uncle Ben" stammt dagegen wirklich von einem afroamerikanischen Reisbauer, der nach Angaben des Mars-Konzerns für die Qualität seines Reises berühmt gewesen sein soll; mit den Südstaatensklaven dürfte das wohl wenig zu tun haben, die es übereifrige Demonstranten gerne suggerieren wollen. Auch bei Schwarzen sorgt die Bilderstürmerei für Unverständnis, die man teilweise bei den ersten Nennungen für humoristische Fehlmeldungen hielt.

Der Witz an der ganzen Sache ist natürlich, dass sich damals viele für die Darstellung des Mauritius als Schwarzen nicht etwa wegen "weißen" Überlegenheitsgefühlen gegenüber Nicht-Weißen entscheiden haben, sondern weil eine Darstellung als Weißer von einigen als unangemessen betrachtet wurde, wenn es sich bei ihm doch wahrscheinlich um einen "Mauretanier" gehandelt habe - eine Ansicht die man in einem moderneren Terminus vielleicht als Kritik an einem scheinbaren "Whitewashing" bezeichnen könnte und man deswegen mit einer akkurateren Darstellung nachkommen wollte, die natürlich wegen ihrer für viele Menschen in Deutschland ungewohnten Erscheinung noch bekannter wurde.

Ein gegenteiliges Extrem ist inzwischen in der englischsprachigen Sphäre zu beobachten, wo das Mauritiuswappen als Beweis für die Überlegenheit der "schwarzen Rasse" herhalten muss, deren weltweite Kulturleistung durch die Verschwörung der Weißen ("Albinos") systematisch gestohlen worden sein soll. Nationalsozialistisches Rumgedöhnse also diesmal auf Afroamerikanisch (vgl. dazu auch die rassistische und antisemitische Black Hebrew-Bewegung, die damals maßgeblich an der Bedrängung der Schüler von Covington High beteiligt waren), wobei behauptet wird, dass es sich bei den Darstellungen von Mauritius um schwarze Adelige handelte, die in Europa geherrscht hätten. Der völker- und rassenübergreifende Heilige muss nun also als Vehikel für die eigenen Herrschaftsphantasien herhalten.

Natürlich muss man sich an dieser Stelle fragen, was Rassismus bedeutet. Durch das Abdriften von genetisch-äußerlichen Merkmalen kann es zu verschiedenem Wuchs, Statur und Hautfarbe bei den Menschen kommen. Menschen jedoch nur darauf als alleinigen Wert reduzieren (was besonders bei "Mischrassen" wie südamerikanischen Latinos schwierig werden wird), stellt eine Ungerechtigkeit innerhalb der Schöpfungsordnung Gottes dar.

Menschen jedoch zu bevormunden alleine wegen vermuteter "rassistischer Strukturen" stellt ebenfalls eine Form des Rassismus dar, da man sie in vielen Fällen lediglich zu Opfern degradiert und ihnen vormacht, dass sie auf Dauer alleine durch diesen Status sich Rechte einklagen könnten. Bei der Demokratischen Partei in den USA (deren Mitglieder in der Vergangenheit übrigen den Ku-Klux-Klan und die eugenischen Aktionen Margearet Sangers unterstützten) ist dies in der letzten Zeit bereits oft zum Vorwurf geworden, man  gehe regelmäßig mit Versprechen, den Rassismus zu beenden auf Stimmenfang bei der afroamerikanischen Bevölkerung, ohne wirklich dem Problem nachzukommen - wenn es kein Problem mehr gibt, dann kann man ja auch nicht mehr wiedergewählt werden, um dieses Problem zu beseitigen. Während in der Zwischenzeit die Unruhen um den Tod von George Floyd sich besonders in von Demokraten regierte Gebiete handelt, wo auch die Geschäfte von Schwarzen geplündert und sogar Schwarze von Schwarzen getötet werden.

Auch die Protestler und Randalierer im Zuge des George Floyd-Falles sind regelrecht besessen von der Idee, dass es nur Gerechtigkeit geben könne, wenn die Struktur DES ANDEREN entfernt werde. Wobei jedoch nie angemerkt wird, dass man selbst in solche Fallen geraten kann.


Worauf es letztendlich ankommt
Egal ob man Weiß ist oder Schwarz, Europäer, Afrikaner, Aborigine, Asiate oder Latino - es hat immer Menschen in allen Kulturen gegeben, die nicht nach außerpersönlichen Strukturen als Quelle alles Bösen suchten, sondern in das eigene von Gott gegebene Herz schauen und sehen, dass sie selbst verletzt sind. Verletzt durch den Willen, besser als alle anderen sein zu wollen und nach Rache zu sinnen, wenn andere diesen Vorstellungen nicht gerecht werden. Die Vorstellung, dass man selbst mehr wert sei als alle anderen, sogar mehr als diejenigen verdiene, denen in Not Gnade zukam, sieht man am besten im Ausspruch Lamechs, dem Sohn des Brudermörders Kain: "Ada und Zilla, hört auf meine Stimme, ihr Frauen Lamechs, horcht meiner Rede! Ja, einen Mann erschlage ich für meine Wunde und ein Kind für meine Strieme. Wird Kain siebenfach gerächt, dann Lamech siebenundsiebzigfach." (Gen 4, 23-24) Besser wurde die Situation übrigens nicht - trotz aller gottvergessenen Kraftprotzerei.

Jesus Christus hat sein Leben aus Liebe zum gefallenen Menschen - zu jedem gefallenen Menschen - hingegeben, dass er an der neuen Schöpfung und der Liebe teilhabe, für die er von Anbeginn den Menschen bestimmt hat, aber diese durch die Sünde zerstört wurde. Die Apostel haben aus Liebe zu den Menschen ihr Leben hingegeben für ihren Schöpfer. Und das taten auch Mauritius und seine Gefährten. Jeder Mensch ist in den Augen Gottes unendlich wertvoll. "Gottes Ruhm ist der lebende Mensch", sagte Aurelius Augustinus, ebenfalls aus Nordafrika, dazu. Das können weder Besitz, Sklaverei, Gesellschaft, Unfreiheit, Rasse oder körperliche und geistige Einschränkungen ändern.

Jeder wird am Ende seines Lebens vor dem Richterstuhle Gottes enden und gerichtet werden nach seinen Werken - nicht nach denen der anderen. Und keine ideologischen Strukturen oder Rassen können das ändern. Der heilige Mauritius und seine Gefährten gingen uns voran und warten mit dem Siegeskranz des Lebens auf uns.

Wollen wir uns im Kreise drehen mit der Frage, welche Hautfarbe er hatte und ob Bilder von ihm irgendwie rassistisch und beleidigend seien in einer Welt, die sich durch die Sünde kaum mehr selbst zusammenhalten kann, während wir dessen Zeugnis und das aller anderen Nachfolger Christis verachten - oder folgen wir ihm direkt nach zu Dem, für den er Zeugnis mit seinem ganzen Leben ablegte?

Durch himmlische Sakramente und Freuden erquickt, bitten wir Dich, flehentlich, Herr, dass wir durch die Hilfe derjenigen, deren Triumph wir uns rühmen, beschützt werden. Durch unseren Herr.  
Kommemoration vom Hl Mauritius und seinen Gefährten



Empfehlenswerte Links zum Thema:
- Informationen zum hl, Mauritius und dem Wappen der Stadt Coburg
- Der Eintrag zum hl. Mauritius im Ökumensichen Heiligenlexikon
- Eintrag auf "Gebet für die Schweiz"
- Die Abtei Saint-Maurice in Wallis

Samstag, 27. Juni 2020

"Gott braucht kein Amazon"


Nachdem hier schon einmal das Thema "Alternative Publikationsplattformen" angesprochen wurde, können an dieser Stelle gleich zwei Fälle genannt werden, die für einen Wechsel bzw. eine Parallelnutzung einer Plattform abseits von Youtube, Amazon & Co. sprechen.

Vor hat es (wieder einmal) den irischen Youtuber Dave Cullen aka Computing Forever erwischt. Ein kritisches Video zum Thema Corona-Maßnahmen mit Prof. Dolores Cahill) wurde von Youtube gelöscht. Glücklicherweise hat Cullen schon vorher einen Parallel-Account auf Bitchute angelegt, auf dem dieses Video noch vorhanden ist.

Auffällig an der Sache, auf die Cullen auch explizit eingeht, ist die regelrechte Denunziationslust, die man anderen auch in beinahe schon sadistischer Manier unter die Nase reibt. Wenn man bedenkt, dass es schon mehrere Versuche gegeben hat, Cullen als eine Art Rechtsradikalen dastehen zu lassen (übrigens ohne gravierenden Beweise dafür aufzubringen), ist diese Dummdreistheit, die glaubt, einfach mit niedrig hängenden Früchten journalistischen Profit zu machen, selbst für Außenstehende tatsächlich schon schockierend.



[EDIT 30.6.2020: Inzwischen hat es ebenfalls nach Angaben von Cullen den Youtube-Kanal des bekannten libertären Essayisten Stephan Molyneux erwischt.]


Letzte Woche hat es auch auf einer andere Plattform eine Sperrung gegeben - sogar mit noch gravierenderen Auswirkungen. Es handelt sich dabei um die Amazon-Angebote vom katholischen Autor Dr. E. Michael Jones, mit dem Dave Cullen zufälligerweise selbst schon Interviews geführt hat.

Dr. Jones brachte erst vor Kurzem das Buch "Logos Rising - A History of Ultimate Reality" heraus. Vor drei Wochen wurde er dazu von Patrick Coffin in zwei Videos interviewt. Er ist in der letzten Zeit durch seine Werke, die als regelrechter Geheimtipp gelten, immer bekannter geworden, vor allem auch durch sein Werk "Libido Dominandi" (2000) oder die "Modernism-Trilogy", aus deren Teil "Degenerate Moderns - Modernity as Rationalized Sexual Misbehavior" auf diesem Blog eine Leseprobe ins Deutsche übersetzt wurde. Kontroversen brachte seine These hervor, dass durch die Ablehnung von Jesus, der zweiten Person der Dreifaltigkeit und dem Urheber der vernünftig geordneten Schöpfung, als dem Messias innerhalb des Judentums eine geistliche Toxidität hervorbrachte, die sich auch auf das geistige Gesellschaftsleben auswirke.

Dr. Jones betonte dabei immer, dass es sich um eine rationalisierte irrationale Ablehnungshaltung handelt (vgl. dazu nochmals die Modernism-Trilogy), die innerhalb einer ethnischen Gruppe kultiviert wurde, was er in "The Jewish Revolutionary Spirit" darlegt. Trotz des regelmäßig hervorgebrachten Vorwurfes handelt es sich bei ihm NICHT um einen Antisemiten - Dr. Jones lehnt die rassistische Theorie des Antisemitismus ab, da er den freien Willen des Menschen von seinem zufälligen Erbgut abhängig mache und somit den freien Willen, den Gott jedem Menschen gegeben hat, leugne, auch bemüht sich Jones um einen geistigen Diskurs, wie zuletzt mit dem jüdischen Kabbalisten und Autor Andrew Meyer.

In einem Dokument wird er trotzdem von der jüdischen Anti-Defamation League (ADL) explizit als "Anti-semitic Catholic writer" bezeichnet, was jedoch nur durch eine mangelnde Auseinandersetzung mit dem Material seinerseits (übrigens unter extrem starker Kürzung) zu erklären ist. Die ADL war es übrigens auch, die das Meme "Pepe der Frosch" zum "General Hate Symbol" der "White Supremacists" erklärt hat, nachdem die Demokraten sich bei der Wahl 2016 beißender humoristischer Kritik ausgesetzt sahen und wurde auch selbst von amerikanischen Juden ungewöhnlich stark kritisiert, als sie sich gegen die Resolution aussprach, den Genozid an den Armeniern als Völkermord zu bezeichnen. Für Aufsehen erregten diese, aber auch andere fragwürdige Methoden eher außerhalb der öffentlichen Medien und eigentlich sehr offenen Suchmaschinen, sodass von der ADL ausgestellte Gutachten auch weiterhin als absoluter Standard von Politik, Medien, Gelehrten und Unternehmern dargestellt werden.

Trotz alldem war es bisher möglich, bis auf einige Ausnahmen die Werke und Essays von E. Michael Jones auf Amazon in gedruckter und E-Book-Form zu bekommen. Bis nun plötzlich alle Werke bis auf "Barren Metal" und eine Essaysammlung überraschend und ohne Vorankündigung entfernt wurden. Jones vermutet dahinter seinen neuesten Essay, der eine Kritik an der Amazon Prime-Serie "Hunters" darstellt, die bereits in Culture War Magazine veröffentlicht wurde, wo er nicht nur auf die verharmlosende Rechtfertigung von Gewalt eingeht, sondern auch auf das Bemühen, die Bekehrungsnotwendgikeit von Juden innerhalb der katholischen Kirche als genuin "antisemitisch" darzustellen.



In der Zwischenzeit hat Dr. Jones angekündigt, dass man nach einer Lösung für den Vertreib der E-Book-Versionen suche - unabhängig von Amazon als den Big Player auf dem Markt. Die meisten Bücher sind schon seit längerer Zeit auf der Seite von Fidelity Press direkt erhältlich; parallel zu Youtube werden Videos auch auf Bitchute veröffentlicht, nachdem es dort ebenfalls zu Löschungen bestimmter Videos kam.

Angesichts dessen bleibt jedoch ein unangenehmer Nachgeschmack: Konzerne, die Geld damit verdienen, dass sie den Menschen auf einfachste Weise Handel ermöglichen, sind gleichzeitig in der Lage, unliebsame Vlogger bzw. Verkäufer abzusägen und weiterhin Geld zu machen, ohne sich fragen zu müssen, ob dieser Schritt überhaupt gerechtfertigt gewesen ist.

Es entsteht eine Unsicherheit, gegenüber einer Gesellschaft, die sich in der Öffentlichkeit demokratisch, aufgeklärt und menschlich zeigt, aber gleichzeitig praktisch jedem, der nicht so handelt, wie man es selbst sehehn möchte oder eine Gruppe, die deswegen Druck macht, einfach in so einer Weise in den Rücken fallen kann, dass es sogar existenzbedrohend wird. Und das nicht nur im angelsächsischen Raum.

Angesichts dessen dürfte es klar sein: Die Welt ist nicht von Amazon, Youtube & Co abhängig. Es gab auch eine Zeit vor Amazon, Youtube & Co, mit Amazon & Co. kam nur die Zeit, in der auch einmal alles leichter wurde.

Da sich Konzerne generell vor Löschungen scheuen, so lange sie keinen Grund haben, auch "Hassbotschaften" gestoßen zu sein, ist ein Prallelpublizieren mit einer möglichst großen Streuradius problemlos weiterhin möglich. Außerhalb dessen wäre nur noch Mundpropaganda von Seiten von Fans und Followern einer oder mehrerer Szene oder ein zufälliges Finden möglich. Auch eigene Homepages können erstellt werden, in der Zwischenzeit ist sogar eine Alternativform von Facebook entwickelt worden. Texte können ebenfalls mit einem bestimmten Aufwand als Online-PDFs oder unter größerem Aufwand als Printprodukte vertreiben und weitergereicht werden - wie es Fidelity Press schon seit einiger Zeit tut.

Die einzige Problematik besteht darin, in einer homogen hypermedialisierten Welt sich Gehört zu verschaffen, ohne dass man durch Google-Suchergebnisse von Artikeln gewisser routinierter Schreiberlinge medial hingerichtet wird, die sich nicht einmal darüber Gedanken machen und munter so weiterarbeiten, um den eigenen damit erarbeiteten Status aufrecht zu erhalten.

Aber seien wir ehrlich: Im Rom zur Zeit von Nero und Diokletian sah es nicht besser aus.
Und jetzt nehmt auch mal eine Runde geistigen Urlaub und schaut, wie es heute dort so aussieht.




Samstag, 13. Juni 2020

Schräger als Fiktion... AUTONOMER SONDERTEIL


Es ist an sich schon schwer zu entscheiden, ob man die Berichterstattung in den deutschen öffentlich-rechtlichen Medien als amüsant oder eher als verstörend bezeichnen sollte, wenn immer noch von "friedlichen Protesten" gesprochen wird, wenn gleichzeitig ein ganzes Viertel abgefackelt wird, das den Protestlern (und oftmals auch Plünderern) vom Bürgermeister selbst überlassen wurde, mehrere schwarze Polizisten von eben jenen Plünderern getötet werden und ganze Monumente alleine aus dem Grund vom Mob niedergerissen werden, weil man "koloniale Unterdrücker" dahinter vermutet - was inzwischen auch in Großbritannien und Belgien zu beobachten ist. Und an all dem irgendwie Donald Trump Schuld hat - ohne das nicht weiter für den durchschnittlichen GEZ-Zahler auszuführen.

Eine andere Sache ist da auch die "Autonome Zone" CHAZ, bei der deutsche Journalisten ebenfalls eher damit beschäftigt sind, ihre seit vier Jahren währende PostTrumpmatische Belastungsstörung abzuarbeiten, als über die näheren Umstände zu berichten. Oder ebenfalls auf die Sicherheitsbehörde munter einzuprügeln.


[EDIT 14.06.2020: Man stelle sich schon das Popcorn bereit für diese beiden Videos.]


Aber wie hat auch schon der heilige Einsiedler Antonis der Große so schön gesagt:




Samstag, 6. Juni 2020

Seelsorge in Zeiten des Corona-Virus 8: Die heilige und heilende Gegenwart Christi im Allerheiligsten




Kleiner Anhang zum Schreiben von P. Alexander Metz FSSP zum Thema "Geistige Kommunion in Zeiten, in denen der Leib Christi nicht physisch empfangen werden können".

Der Historiker Charles A. Coulombe, der bereits eine kurze Einführung in das Thema Eucharistische Wunder gegeben hat, machte bereits in einem älteren Vortrag mit Professor William L. Biersach über die Eucharistische Anbetung eine Anmerkung über dem Wert, den die bloße Realexistent Christi in der Hostie für damalige Menschen hatte (ab 13:50), die später unter Betonung der anthropozentrischen "gemeinsamen Feier" größtenteils komplett unter den Tisch fallen sollte und deren Vernachlässigung heute in Deutschland flächendeckend praktisch die Regel ist.

[…]
Charles Coulombe: Bei der Aussetzung geht es um das Allerheiligste Sakrament. Sie weist dich darauf hin, dass der Anblick des Allerheiligsten und das Gesegnetwerden mit dem Allerheiligsten wichtig sind - fast genau so gut wie es zu empfangen. Der Gedanke dahinter ist, dass Christus wirklich und wahrhaft gegenwärtig ist und alleine ihm ausgesetzt sein ist gut. 

Nun, im Mittelalter war es eine wichtige Sache, dem Allerheiligsten ausgesetzt zu sein. Man hört immer wieder von den Rittern - ihr wisst, in den alten Geschichten - die nichts tun wollten, bevor sie die Hostie in der Messe gesehen haben. Und an vielen Orten zeigten sie dem sterbenden Kranken einfach nur die Hostie, wenn man ihm die letzte Wegzehrung geben wollte, aber dieser zu krank war, um sie zu empfangen. Das wurde ab bestimmter Stelle nicht mehr weitergeführt, aber es zeigt, was diese Leute davon hielten. 

Ich meine, wenn das Allerheiligste Sakrament das ist, was wir sagen, was es ist, dann kann jede Art von Aussetzung, egal wie flüchtig, eine heilsame Hilfe sein. Wenn aber andererseits - wie die Lutheraner sagen, die Anglikaner, die Low Church-Anglikaner und die traditionellen Anglikaner sagen  - Christus nur in dem Grad gegenwärtig ist, in dem man ihn empfängt, dann ist dieses Herumtragen und Prozessieren und dergleichen einfach nur furchtbar.

William Biersach: Was würde das für all die blutenden Hostien überall auf der Welt bedeuten?

Charles Coulombe: Sie haben gelogen. 

William Biersach: Oh, Okay.

Charles Coulombe: So einfach ist das - ich meine, ich...

William Biersach: Ich muss hier einfach mal Halt machen und darüber nachdenken: Sie sagen, Christus sei nur in der Hostie gegenwärtig, wenn man ihn empfängt und dann wird es wieder Brot. Ihr wisst, wir haben Hostien, die hunderte von Jahren alt sind und noch immer Bluten. Bedeutet das jetzt, dass Brot blutet?

Charles Coulombe: Ja. 

William Biersach: Habe ich mir schon gedacht. 
[…]









Weitere empfehlenswerte Links:

- Der Twitter- und Facebook-Seite von Charles A. Coulombe
- Autor-Informationen zu Professor William L. Biersach
- Die Homepage von Tumblar House und deren Patreon-Seite
- Der Youtube-Kanal von Tumblar House
- Die Twitter- und Facebook-Seiten


Montag, 1. Juni 2020

"Wie die Nordländer Christen wurden"


"[…] Den ersten Missionar, den wir kennen, war Willibrord der um 710 und 714 von Friesland nach Schleswig - zu dieser Zeit dänisches Territorium - reiste. um die Einheimischen zu bekehren. Er hatte wenig Erfolg, was weitere Versuch um ein Jahrhundert verzögerte. Wie dem auch sei, die christliche Religion hatte immer noch einen Einfluss auf die Nordländer und ihre Praktiken, die über die Jahrhunderte oft modifiziert oder geändert wurden. Beispiel dieser Praktiken, die wir nur in der späten nordischen Eisenzeit finden sind der Brauch, Runensteine im Gedenken an Verstorbene zu meißeln oder die Vorstellung von Walhalla, das wahrscheinlich vom Konzept des christlichen Paradieses losgetreten wurde. […]"

Ein sehr schönes Video zu dem Thema "Nordischer Paganismus und Christentum" findet man bei dem Youtube-Kanal Kings and Generals, der garantiert für einigen interessanten Gesprächsstoff außerhalb des Mainstream-Bildes der nordischen Mythologie sorgen wird - die bei Neo-Paganisten eher weitgehend ignorierte Problematik, warum ein zwielichtiger Toten- und Kriegsgott wie Odin den eigentlichen germanischen Hauptgott Tyr verdrängt hat, wird übrigens in einem weiteren sehr interessanten Video eines anderen Kanals behandelt.





Donnerstag, 28. Mai 2020

St. Landelin von Ettenheimmünster: Noch ein Ire im Schwarzwald



Ein weitere relativ bekannter unbekannter Wallfahrtsort im Schwarzwald stellt die Wallfahrtkirche St. Landelin in Ettenheimmünster im Ortenau dar. Die Ortschaft ist 5 km von der bekannten Barockstadt Ettenheim entfernt, das sich an der Ausfahrt A6 Kappel-Grafenhausen/Ettenheimmünster nördlich der großen Ausfahrt Richtung Europapark Rust befindet. Von der Autobahnausfahrt dauert es ca. 15 bis 20 Minuten in das Schwarzwaldtal, vorbei an dem Dorf Münchweier, wo sich der zweite Ableger dieser Wallfahrt befindet.


Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts stand in Ettenheimmünster das Benediktinerkloster, das 1804 aufgelöst und bis auf wenige Außengebäude wie die Grundmauern und die Klostermühle nach und nach abgebrochen wurde. Die Silbermannorgel der Klosterkirche von 1769 sowie die barocken Beichtstühlen von, die in den Werkstätten den Klosters von Bruder Aegidius Butsch (1725–1785) hergestellt wurden, befinden sich heute in der Wallfahrtskirche mit dem auffällig schlanken Turm. Wie der Wallfahrtsort des heiligen Trudpert in Münstertal bei Staufen im Schwarzwald befand sich das Kloster im Besitz des Benediktinerordens. Wie dessen 607 getötete irische Glaubensbruder wurde auch der in Ettenheimmünster lebende Einsiedler Landelin gut dreißig Jahre später mit der Krone der Martyriums gekrönt.


Über das Leben des heiligen Landelin


Über Landelins (bzw. Landolin) Herkunft gibt es wie beim heiligen Trudpert immer noch Spekulationen unter Fachkreisen. Wie Trudpert soll er (nach späterer legendarischer Hinzufügung) der Sprößling eines Adelsgeschlechtes gewesen sein und von den britischen Inseln stammen. In manchen Berichten wird er als "Schotte" bezeichnet, in der Vita aus dem 12. Jahrhundert dagegen als "Ire", der den "schottischen" Mönchen d.h. einer Gruppe iro-schottischer Mönche folgte - wobei man beachten muss, dass der Begriff "Schotte" ebenfalls manchmal als Bezeichnung der Iren verwendet wurde. Ob es sich nicht vielleicht wie bei Trudpert wegen des fränkischen Namens (in älteren Versionen auch als "Lendelinus") doch um einen Franken handelte oder sein Name auf seiner Reise durch den fränkisch dominierten Kontinent zum  besseren Verständnis (was auch von Trudpert als Pilger in Rom legendarisch berichtet wird) geändert wurde, ist bis heute umstritten.


 

Der Vita zufolge begab sich Landelin im Zeitraum von ca. um 600 bis 640 auf Pilgerschaft (bzw. auf Missionsreise) auf den Kontinent und gelangte schließlich ins Elsass. Nach Untersuchung der Reliquien muss er zu diesem Zeitpunkt bereits im fortgeschrittenen Alter gewesen sein. Beim Rhein bestieg er ein Schiffchen, um den Fluss zu überqueren und soll bei Kappel (wie auch der ebenfalls irische Alemannen-Missionar Fridolin) das rechtsrheinische Gebiet der Ortenau betreten haben, von wo aus er sich Richtung Westen auf den Weg nach Altdorf - heute Teil der Stadt Ettenheim - machte, wo er bei einem gewissen Hedolf (in einigen späteren Texten auch "Edulf" oder "Adolf" genannt) und seiner Familie lebte.

Anhand von Ausgrabungsfunden ab dem frühen 19. Jahrhundert handelte es sich hierbei um eine alte gallo-römische Verkehrsstraße, die bis in das Münstertal führte und während der Merowingerzeit deutlich besiedelt war - auf entsprechende Plattengräber, wo Alemannen und Franken bestattet lagen, stieß man in der Nähe des sogenannten Landelinbrunnens, der heute dort stehen soll, wo damals die Wohnung Hedolfs befand. Die Angabe, dass Landelin im Jahre 698 vom Kloster St. Thomas in Straßburg - wo der Heilige ebenfalls verehrt wurde - mit zwei weiteren Brüdern aus Andacht in die Wildnis begeben habe, dürfte wegen Ungenauigkeiten in der Chronik des Daniel Specklin eher unter den Tisch fallen. Wahrscheinlich handelte es sich bei ihm wie beim heiligen Trudpert um einen herumziehenden Wandermönch, die in dieser Form zu dieser Zeit noch existierten.


Nach einiger Zeit beschloss Landelin, entlang der Unditz (dem heutigen Ettenbach) tiefer in die Wildnis zu ziehen, wo er auch eine Einsiedelei errichtete. Offen dürfte bleiben, ob es sich hierbei um herrenloses Land in der Wildnis oder ein Grundstück des Hedulf handelte - im Falle des heiligen Trudpert in Münstertal war eine vorherige Anfrage beim rechtlichen Besitzer bzw. Verwalter dieses Platzes nötig. Ein weiteres Detail war die Bitte Landelins an seine Gastgeber, nach ihm zu sehen, sollte er sich nach einer gewissen Zeit nicht mehr nach Altdorf zurückkommen. Bei der Überlieferung wird davon gesprochen, dass dieses Gebiet ein Rückzugsgebiet von Räubern war; die Ortenau soll vor ihrer zunehmenden Besiedelung als "Mordenau" ("Mortinaugia") genannt worden sein wegen den Banden, die hier ihr Unwesen trieben.

Und deren Opfer Landelin schließlich wurde, der vom Jäger eines gewissen heidnischen Fürsten namens Giso (in der Vita auch als "König" bezeichnet) erschlagen wurde, der ihn der Wilderei verdächtigte und anscheinend ein Exempel für potentielle Kumpanen statuieren wollte. Landelin soll sich mit dem Werkzeug, das er sich von Hedulf auslieh, eine Einsiedelei mit einem Kreuz davor errichtet haben, auf die der Jäger schließlich stieß. In einigen Überlieferungen hieß es, dass dessen Herr selbst Landelin für einen Zauberer gehalten habe, andere, dass er zufällig auf ihn gestoßen sei; an anderen Stellen hieß es, dass sich um dessen Einsiedelei sich das Wild sammelte und selbst die Jagdhunde in Landelins Gegenwart zahm wurden, als der Jäger diese auf das Wild hetzen wollte. Darüber geriet er so in Zorn, dass Landelin trotz allen Zusprechens merkte, dass sich dieser nicht besänftigen ließ und sich auf das Schlimmste gefasst, sich vor dem Jäger niederlegte. Daraufhin schlug dieser auf ihn ein und trieb sein Spiel mit ihm, bis er ihm den letzten tödlichen Schlag versetze und seine Leiche auf dem Waldboden liegen ließ.


Nachdem Hedulf und seine Familie längere Zeit nichts mehr von ihm hörten, machten sich seine Frau sowie dessen Töchter, von denen eine blind war, auf den Weg zum Einsiedler. Sie fanden schließlich die Einsiedelei mit dem Leichnam des Einsiedlers, zu den Enden seiner Gliedmaße sollen sich auf unerklärliche Weise Quellen aus dem blutgetränkten Boden gebildet haben. Während die Mutter mit ihrer einen Tochter nach geeigneten Holz für eine Bahre suchte, blieb die blinde Tochter beim Leichnam. Als diese nach dem Toten tastete, berührte sie aus Versehen dessen Blut, das sie sich über die Augen stricht und plötzlich sehen konnte. Als die Bahre schließlich fertig war, trugen die Frauen den Toten bis zum heutigen Standort des Dorfes Münchweier, von wo sie ihn aus nach Altdorf und weiter auf die andere Rheinseite tragen wollten, da es in dieser Gegend keinen christlichen Friedhof gegeben haben soll. Nach kurzem Abstellen ließ sich die Bahre jedoch nicht mehr von der Stelle bewegen, worauf Landelin hier bestattet wurde. Sein Wanderstab, der auf das Grab gesteckt wurde, soll kurze Zeit später gegrünt haben und zu einem Baum herangewachsen sein.


Die Gisenburg und mögliche Siedlungsanlagen

In dieser Hinsicht stellt Ettenheimmünster eine - wenn auch rätselhafte, da weitere Forschungen zu diesem Thema immer noch ausblieben - historische Besonderheit im Zusammenhang mit der Geschichte vom Martyrium Landelins dar. Südlich hinter der heutigen Wallfahrtskirche befindet sich ein Berg mit zwei verschiedenen Ausläufern, die eine noch heute sichtbare befestigte Bebauung aufweisen, die diesen Teil der Legende in handfester Weise bestätigen könnten.


Auf dem westlichen Bergvorsprung befindet sich gut zwei Kilometer zu Fuß entfernt (erreichbar über den Lärchengartenweg, dann Saatschulweg und Wolfswinkelweg) ein Bauwerk, das als "Heidenkeller" bzw. "Pyramide" bekannt wurde. Diese Wallanlage mit dem aufgemauerten "Heidenkeller", die mehrmals umgebaut worden zu sein scheint (zuletzt 1815/16 als Aussichtsplattform mit Tanzterrasse für Kurgäste) wurde bis heute noch nicht ausreichend untersucht und konnte noch nicht zufriedenstellend datiert werden. Jedoch stieß man in diesem Bereich auf eine Keramikschale aus der Hallstattzeit.


Auf dem östlichen Ausläufer sollen sich die Spuren der "Gisenburg" befinden (erreichbar über die Sägereute und den Gisenburgweg über eine steile Abzweigung, jedoch NICHT beschildert und ziemlich gut versteckt), in der der heidnische Fürst Giso gelebt haben soll. Von dieser Befestigung sind heute nur noch die beiden von Menschen angelegten Halsgräben zu sehen, die Angreifern den Zugang erschweren sollten. Wann und von wem diese angelegt wurden, ist noch immer unbekannt, neben den Gräben sind keinerlei Gebäudereste erhalten. Die frühere Anlage (vielleicht sogar eine Fliehburganlage?) könnte von einem Alemannenstamm oder einer Gruppe weitergenutzt worden sein, nachdem bereits Römer, von denen man hier ebenfalls auf vereinzelte Spuren in Form von Münzfunden stieß, sich regelmäßig auf diesem Bergmassiv aufhielten. Ob es sich vielleicht um eine weit angelegte Höhensiedlung gehandelt habe, muss weiter offen bleiben, auch wenn es viele flache Stellen gibt, bei denen Ansiedlungen und Hofhaltung möglich gewesen wären.

Fraglich wäre in einem entsprechenden Ausmaß dieser Siedlung dann an dieser Stelle, ob mit Landelin nicht nur ein Exempel gegenüber fremden Wilderern, sondern auch Spionen gegenüber statuiert werden sollte, die potenziell die Anlage auskundschaften wollten. Ein ähnlicher Fall ist aus dem österreichischen Stockau bekannt, wo im 11. Jahrhundert der wie Landelin aus Irland stammende heilige Koloman gehängt wurde, da man ihn wegen seiner fremdländischen Kleidung für einen Spion hielt. Was an dieser Stelle trotz fehlender Hinweise jedenfalls diskutabel wäre.


Das Kloster Ettenheimmünster und die Verehrung Landelins


Von dem Kloster Ettenheimmünster, in das anscheinend schon früh Reliquien aus dem Münchweierer Grab kamen, liegen erst 1111 und 1121 gesicherte Urkunden vor, doch bereits der Reichenauer Mönch Herman der Lahme berichtete in seiner Weltchronik, dass Bischof Eddo von Straßburg (ehemals Abt von Reichenau) 734 ein Kloster namens "Ethenheim" errichtet habe. Wegen der späten Überlieferung sind sich manche unsicher, ob bereits um 728 ein kleines Anachoretenkloster durch Bischof Widegern gegründet wurde; auch ob e sich zunächst in Münchweier befand, bevor es an den Ort des Martyriums verlegt wurde, ist bis heute stark umstritten.

Die früheste Wallfahrt ist für das Jahr 1183 in einer Urkunde aus Straßburg belegt, wo die Gastfreundschaft der Mönche gegenüber den Pilgern erwähnt wird. Im 9. Jahrhundert wird Münchweier erstmals urkundlich erwähnt, 1225 über eine Bestätigung von Papst Honorius III. die dortige Pfarrei und Kirche, wobei Landelin nicht explizit genannt wird. Erst für 1268 ist die Übertragung mehrerer Reliquien von ihm in die Altäre des Klosters bekannt. 1336 wird in einer Ablassurkunde von Papst Benedikt XII. aus Avignon namentlich eine Landelinskirche genanntDaruf befindet sich auch die älteste bekannte Darstellung Landelins als Verzierung des Briefanfangs; zwischen 1160 und 1200 wurde die schriftliche (später verlorengegangene, aber 1621 von P. Martinus Stephani gesicherte) Landelinuslegende verfasst, die auf ältere Überlieferungen zurückgehen soll. Eine inhaltlich deckungsgleiche Schrift entstand um 1200 und war im Besitz des Stifts Böddeken in Westfalen. Weitere ausführliche Urkunden aus dem Mittelalter sind leider nicht näher bekannt. Das Kloster wurde 1525 von Bauern in Brand gesteckt, im Dreißigjährigen Krieg wurde es von schwedischen Truppen geplündert, die große Teile der Bibliothek, die man vor ihnen in Sicherheit bringen wollte, beschlagnahmten und nach Schweden brachten, dann aber über Gustav Adolfs Tochter Christina nach Rom gebracht wurden. Dort wurden sie zwar einmal gesehen, gingen dann aber wahrscheinlich über den Transport nach Paris durch Napoleon oder auf andere Weise angeblich verloren. Weitere wichtige Dokumente könnten durch die schlecht überwachte Auflösung des Klostereinrichtung 1803 (mehrere Bücher aus der Bibliothek wurden nach Karlsruhe übertragen, wo sie sich noch heute befinden) verloren gegangen sein.


Dennoch konnten über Landelin in der Straßburger Gegend wichtige Informationen zu seiner Verehrung im Mittelalter gefunden werden. Dort taucht sein Name bis zur Übertragung der rechtsreheinischen Gebiete an das Erzbistum Freiburg 1821 bzw. 1827 immer wieder in liturgischen Büchern auch mit einem Eigenoffizium auf; in späteren Wallfahrtsbüchern (u.a. 1587 in Ettenheimmünster) wird er sogar als "Patronus Alsatum" bezeichnet, was nicht nur auf die vielen Pilgern aus dem Elsass zurückgeht, die regelmäßig den Rhein überquerten. Die älteste schriftliche Nennung erfolgt hier um 1000 im Kalendar des bereits obig genannten Benediktinerstiftes St. Thomas in Straßburg, wo sein Festtag mit dem des Apostels Matthäus für den 21. September eingetragen ist; ein weiteres Heiligenkalendarium von 1175 aus Straßburg erwähnt ihn ebenfalls an diesem Tag mit Matthäus ebenso wie ein Kalendarium des Straßburger Domstiftes aus dem letzte drittel des 11. Jahrhunderts. Medard Barth schloss daher auf eine liturgische Übernahme spätestens im 10. Jahrhundert. 1779 wird sein Gedenktag auf den 22. September verlegt, was auch später das Erzbistum Freiburg übernahm. Eine Vigilfeier für den 21. September existierte, wurde später gestrichen; dennoch kommt er im 18. und 19. Jahrhundert als fester Bestandteil der Straßburger Allerheiligenlitanei vor.

Nach 1730 ist von ihm wie auch von Thomas Morus ein Jesuitendrama bezeugt, das im Theatersaal des Mannheimer Jesuitenkollegs aufgeführt wurde. Auch eigene Benediktusmedaillen wurden hergestellt, die auf der einen Seite den Mönchsvater mit dem Benediktuskreuz zeigen, auf der anderen eine jugendliche Darstellung des Landelin.


Die Reliquien und das Landelinsgrab


Über die mittelalterliche Behandlung der Reliquien gibt es praktisch keine Aufzeichnungen. Deren Handhabung lässt sich jedoch anhand von Ausgrabungen und kunsthistorischen Untersuchungen einigermaßen rekonstruieren.

In Ettenheimmünster liegen das Schädelfragment sowie einige kleinere Reliquienstücke vor, während sich das offizielle Hauptgrab in Münchweier befindet, das 1827 beim Abbruch der alten Kirche geöffnet wurde, um 1828/29 die heutige Heilig-Kreuz-Kirche von Hans Voss im klassizistischen Weinbrennerstil zu erbauen. Es handelte sich dabei um ein Bodengrab, das nach einer schon vorangegangenen Umbettung angelegt wurde. Die Knochen befanden sich in einem kleinen Kasten aus Sandstein in einem Meter Tiefe hinter dem Hochaltar. Bedeckt wurde das Grab von einer massiven Grabplatte aus dem Jahre 1624, das von Abt Kaspar Geiger gestiftet wurde. Das Original befindet sich heute hinter dem Altar der Kirche, in dem sich auch die Reliquien befinden, ein Abguss davon ist für Besucher in einem Raum unter der Empore zu sehen.


Nach den Berichten der erneuten Öffnungen 1897 und 1941 (durch den Reliquienforscher P. Timotheos Stumpfl, der 1944 zusammen mit Eberhardt Marckhott die Reliquien der Lorcher Märtyrer wiederentdeckte, im Auftrag des Freiburger Erzbischofs Conrad Gröber) von befanden sich die Reliquien in einem sehr schlechten Zustand (es konnten bereits Schäden durch bloße Berührung entstehen), der daher führen könnte, dass sich sie Knochen zu lange im Erdboden befanden. Beim Schädelfragment in Ettenheimmünster ist die Knochenrinde aus dem Grund noch erhalten, weil das Fragment wahrscheinlich schon sehr früh aus dem Grab entnommen wurde, während dieses bei den Münchweierer Schädelfragmenten und Knochen fehlt. Es befanden sich bei Öffnung auch Erdklumpen an den Knochen und Kohlereste - wahrscheinlich ein ehemaliger Verschlusszapfen des Steinkastens. Sowohl die Münchweierer als auch die Ettenheimmünsterer Reliquien stammen von der gleichen Person, was man auch an den an beiden Orten befindlichen Zähnen und Knochen nachweisen konnte, die von einer Person fortgeschrittenen Alters stammen.


Wie das Reliquiengrab vorher aussah, steht noch zur Diskussion. Vor dem Bodengrab befand sich in der Kirche ein Hochgrab, das während des Bauernkrieges stark beschädigt wurde und das mit dem 1,59m mal 0,75m großen Sarkophargdeckel in Verbindung gebracht wurde, der 1859 von Grafenhausen nach Karlsruhe verkauft wurde (1935 folgte der Sarkophag selbst, der zwischenzeitlich als eine Art Viehtränke genutzt wurde) und sich im Besitz des Badischen Landesmuseums befindet. Nach der These von Joseph Braun (siehe PDF-Seite 45-58) handelt es sich hierbei um den mittelalterlichen Hochgrab Landelins, das nach Reparatur der Schäden des Bauernkrieges in das zum Kloster gehörige Grafenhausen zunächst in der Kirche ausgelagert und beim Umbau der Kirche 1789 auf den dahinter liegenden Friedhof gebracht wurde, wo die Herkunft in Vergessenheit geriet.



Der gotische Sarkophagdeckel stammt ungefähr aus dem Zeitraum von 1300 und zeigt einen unbekleideten (stilisierten?) jungen Heiligen, dessen Unterleib von einem Leichentuch gedeckt wird, der von mehreren Personen scheinbar zum Begräbnis hergerichtet wird, während ein Engel ihn auf der Rückseite mit einem Weihrauchfass beweihräuchert. Die ganze Szene ist ungewöhnlich dynamisch verklärt dargestellt, der Heilige liegt locker auf etwas, was wie eine Leichenbahre aussieht; das Leichentuch scheint über den Sargdeckel hinauszuragen

. Die Kritik, dass es sich nicht um Landelin handeln könne, weil der Kopf nicht vom Leib abgetrennt sei, konterte Braun mit dem Argument, dass es auch Heiligendarstellungen aus dieser Zeit gäbe mit dem Begräbnis eines geköpften Heiligen, die ebenfalls keine Trennung aufweisen würden; nur wo dies Relevanz gehabt hätte wie bei der Legend des heiligen Johannes des Täufers oder des heiligen Dionysius von Paris hätte man dies auch dargestellt.

Ein weiteres bereits genanntes Reliquienbehältnis befindet sich in Form einer Reliquienbüste unter Sicherheitsverschluss im Besitz der Pfarrei von Ettenheimmünster. In der Wallfahrtskirche befindet sich jedoch unter der Empore eine digitale Diaschau, über die man sich das Reliquiar und die dort eigearbeiteten Detail betrachten kann.

 

Das 62cm hohe Reliquiar wurde im Auftrag von Abt Laurentius Effinger 1506 aus teilvergoldeten Silber angefertigt. Es gilt als eine Hauptwerk der oberrheinischen Goldschmiedekunst und wurde vermutlich nach einem Entwurf von Nikolaus von Hagenau angefertigt. Neben der Reliquie selbst befindet sich im Inneren des Reliquiars auch eine kleine Reliquienurkunde aus Pergament, wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert.Neben den regulären Prozessionen vom Kloster in die Wallfahrtskirche und zurück (wobei man den Gläubigen die ausgestellte Reliquie auch zum Küssen reichte) wurden damit auch bei Dürre, Regen und Seuchen mit bischöflicher Erlaubnis Sonderprozessionen gehalten. An einer dieser Prozessionen nahm auch der vor der Revolution aus Straßburg geflohene und in Ettenheim lebende Kardinal Rohan teil.

 

Mehrmals musste die Reliquie vor Plünderern in Sicherheit gebracht werden, so bei den Franzoseneinfällen 1674 und 1713. 1803 sollte das Silberreliquiar vom badischen Staat eingezogen werden, was für öffentlichen Ärger sorgte, als der staatliche Kommisär das Reliquiar mit einer Salzwaage wiegen ließ, was er beinahe auch mit den Kelch aus dem Tabernakel getan hätte, in dem sich noch das Allerheiligste befand. Nur auf Drängen von Pater Bernard Stöber, der die Sache selbst beobachtete, konnte ein Einzug verhindert werden, da sonst der komplette Wallfahrtsbestrieb zusammengebrochen wäre.


Die Wallfahrtskirche und die Brunnenkapelle


Neben dem Kloster war vor allem die nördlich gelegene und noch heute erhaltene Wallfahrtskirche mit den Quellen, die nach dem Martyrium Landelins entstanden, das Ziel der Pilger. Ein Besuch der Quelle geschah oft in Verbindung in Verbindung mit dem Grab in Münchweier, das heute als weniger spektakuläre Sehenswürdigkeit bei vielen Touristen eher unbekannt ist (der versteckte Parkplatz hinter dem Pfarrhaus dürfte vielleicht ebenfalls ein Grund sein).


So erlebte eine Schweizer Familie aus Hornussen im Fricktal die Heilung des 13 Jahre alten gelähmten Kindes sukzessiv erst in Münchweier, wo er nach einem Liegen auf der Grabplatte Landelins plötzlich stehen, bei der Quelle in Ettenheim dann schließlich gehen konnte.
Das Aussehen der weitaus kleineren mittelalterlichen Kirche ist bis auf die Darstellung des Brunnens mit niedrigem Brunnenhaus und Wasserbecken von ca. 1500. Von der Reliquienbüste von 1506ist auch eine Darstellung von Badezubern bekannt, in die sich ganze Personen setzten konnten und die auch damals in Badehäusern und Kurorten benutzt worden sein könnten. Bis ins ca. 20. Jahrhundert war Ettenheim neben dem Landelinsbrunnen auch wegen weiterer im Ort vorhandener Quellen als touristische Wasserkurort bekannt. Eines dieser Kurhäuser ist heute ein Seniorenheim.

Zur weiteren, ausführlichen Geschichte von Gast- und Badehaus in Ettenheimmünster siehe man den Artikel "Das Gast- und Badehaus des Klosters. Ettenheimmünster vor und nach der Säkularisation" von Bernhard Uttenweiler in "Die Ortenau" Band 78, 1996 (PDF-Seite 260-277).


1687 wurde vom Klosterkapitel ein Neubau als "Notwendig" erachtet, 1688 begann der Bau unter Abt Maurus Geiger, der vom elsässischen Baumeister Johannes Regutz ausgeführt wurde und wegen der ständigen militärischen Bedrohung aus Frankreich erst 1699 vollendet wurde. Der damalige Bau enthielt in der nun überdachten Brunnenkapelle im äußeren Westteil der Kirche enthielt noch einen eigenen Altar in der Kirchenwand. Die Kirche hatte einen doppelten Chor, in dem sich zwischen Hochaltar und Kirchenschiff zwei innere Sakristeibauten befanden, vor denen jeweils ein Altar stand und scheinbar die Funktion des Lettners übernahmen. Das Kirchenschiff war auch dementsprechend kleiner.

Der Bau der heutige Kirche wurde im Jahre 1763 beschlossen, nachdem eine starke Baufälligkeit der 1699 vollendeten Kirche einsetzte. Umgesetzt wurde der wiederholte Neubau durch den aus Meßkirch stammenden fürstlich-fürstenbergischen Baudirektor Joseph Salzmann. Der 1826 wegen Baufälligkeit entfernte Dachreiter wurde 1857 durch einen kompletten Kirchturm hinter dem Chor ersetzt.


Die verhinderte Abschaffung des Kultes durch das Erzbistum Freiburg
Diese Frage steht seit der Veröffentlichung der Acta Sanctorum im Raum und hätte beinahe zur Abschaffung des Kultes durch den Freiburger Bischof zu Folge geführt. 1757 erschien im 6. Band der Septemberausgabe der Acta Sanctorum (PDF-Seite 240-241) die Mutmaßung, die aus dem Martyrologium Usuardi (Antwerpen, 1714), dass es sich bei dem heiligen Landelin von Ettenheimmünster nicht um einen echten Heiligen, sondern um eine regionale Umdeutung des heiligen Abtes Landelin von Crespin aus Belgien (gestorben 686) handle, dessen Reliquien lediglich nach Kloster Ettenheimmünster gekommen seien, dann aber fälschlicherweise eine eigene Legendentradition entstanden sei, die man wegen den zeitlichen Lücken und unterschiedlichen Versionen in Frage stellen müsse. Ausgangpunkt dieser Unterstellung war die Behauptung, dass der frühere Gedenktag des Landelin von Ettenheimmünster am 21. September mit der Reliquienübertragung des Landelin von Crespin zusammenfalle, die ebenfalls am 21. September stattgefunden habe - obwohl dessen mittelalterlicher Gedenktag in Südwestdeutschland allgemein am 28. November begangen worden seien - an dem Tag, an dem im Jahre 841 Reliquien nach Paderborn kamen.

Auf die Unbegründetheit dieser Kritik wies bereits der elsässische Historiker Philippe André Grandidier 1776 in seinem Werk "Histoire de l'Eglise et des évêques-princes de Strasbourg" hin, zuletzt folgte mit "Die Anfänge des Christentums und der Kirche in Baden" 1911 durch Joseph Sauer der Hinweis auf die Historizität der Landelinslegende. Trotz dieser Kritik (vor allem erstere) blieb der Vorwurf gerade wegen dem guten Ruf der Acta Sanctorum weiter im Raum, sodass durch eine wiederholte verhemente Absprechung der Existenz Landelins durch den Historiker Josef Clauss sich der Freiburger Erzbischof Conrad Gröber veranlasst sah, den Kult an sich abzuschaffen und durch die Übertragung einer Reliquie des Abtes Landelin von Crespin "zum Ursprung" der Wallfahrt zurückzukehren.

1944 erfuhr Gröber jedoch über einen Bekannten von dem Vortrag "Kulturströmungen am Oberrhein", an der auch Medard Barth beteiligt war und für die damalige Jahresversersammlung des kirchlichen Vereins auf Einladung von Dr. Sauer gehalten wurde. Der Vortrag, der die Kritik von Clauss erheblichen Schaden zufügte, sollte auf Wunsch des Erzbischofs, der bereits 1941 das Landelinsgrab in Münchweier vom Reliquienforscher P. Timotheos Stumpfl noch einmal gründlich  untersuche ließ, für die Öffentlichkeit abgedruckt werden. Aufgrund des Krieges und dessen folgen konnte dieser erst 1949 verbreitet werden, ebenfalls erschien 1949 posthum das Werk "Zur ältesten Missions- und Patroziniumskunde im alemannischen Raum" von Pfarrer Heinrich Feurstein aus Donaueschingen, der 1942 im KZ Dachau an den Folgen der Haft verstarb und 1999 in das Deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen wurde.


In dem Werk "Der hl. Märtyrer Landelin von Ettenheimmünster - Sein Kult in Baden und Elsass" legte Barth in der Ausgabe des Freiburger Diözesanarchiven von 1955 noch einmal mit der Kritik am Zweifel von Landelins Existenz nach. Er wies nach, dass es sich mit der Nennung Landelins als Märtyrer im Kalendarium des St. Thomasstiftes in Straßburg um 1000 unmöglich um einen fremden Heiligen gehandelt haben könne, dessen Legende durch die hiesige Bevölkerung verzerrt worden sei, da sie Reliquienerhebung Landelins von Crespin, deren Datum Kritiker des Ettenheimer Landelins hauptsächlich zitieren, erst 1105 stattfand. Wie obig angedeutet kann eine Verwechslung des Datums ebenfalls nicht vorliegen, weil nach Paderborn, von dem damals auch andere Kirchen den Gedenktag übernommen haben, die Reliquien bereits am 28. November 841 (!) übertragen wurden und somit auch dessen Todestag am 15. Juni nicht weiter beachtet wurde. Auch wäre auch der 21. September als Gedenktag nicht für alle Kirche bindend gewesen, da viele Kirchen auch eigene Gedenktage des Heiligen pflegten, dessen Reliquien an diesem Tag feierlich in ihre eigen Kirche überführt wurden - siehe nochmals Paderborn.

Auch die Menge der Reliquien in Münchweier macht unter diesen Umständen stutzig. Nach deren Untersuchungen handelt es sich um Knochen einer vollständigen Person, die sich vor der Erhebung bereits jahrelang in der Erde befunden haben. Der einigermaßen bessere Zustand des Schädelfragments in Ettenheimmünsters lässt sich aus den Umständen erklären, dass dieses schon früher der Erde entnommen wurde. Auch fanden sich in dem kleinen Steinsarkophag nicht nur Reste des Schädels (Fragmente der Schädeldecke, Zähne), sondern auch andere Knochen, was von mehr als nur einer gespendeten Reliquie sprechen könnten, unter diesen Umständen aber wirklich schlampig behandelt worden sein müssen, wenn sie schon damals nicht etwa im Friedhof beigesetzt, sondern wie im Normalfall in ein Reliquienbehältnis, einem Schrein (wie in Münchweier) oder einer Nische oder einem Altar verwahrt worden wären. Eine eigene Person, die damals wirklich in Münchweier beigesetzt, später komplett exhumiert und nach dem Bauernkrieg als Schutz vor Plünderern noch einmal beigesetzt worden wäre, ist an dieser Stelle gegenüber einer fremden Reliquie, die man schon damals für einen Transport präpariert hätte, eher plausibel.


Die veröffentlichten Mirakelberichte


Neben diversen Andachtsbildern, Heiligenlitaneien und -liedern, die dem heiligen Landelin gewidmet und in Büchern abgedruckt wurden, sind auch die sogenannten "Miracelberichte" zu nennen, die im Kloster gemeldet werden, das 1617 im sogar im Besitz einer eigenen Druckerei ist. 1621 verlegt P. Martinus Stephani sein "Historia de vita et martyrio S. Landelini", in denen er auch Wunder aufzählt, die ein unbekannter Autor um 1200 selbst erlebt haben will und in der Landelinsvita erfasste, die leider im Original verloren ging, sowie Gebetserhörungen aus den Jahren 1608 bis 1620.

Es entstanden auch weitere Wallfahrts- und Heiligenbüchlein, die die Wunderberichte jedes Mal um neuere Zeugenaussagen aktualisierten. Eines davon ist "Leben und Miracul des hl. Märtyrers und Landespatronen Landelini", das 1682 zum ersten Mal erschien und drei Neuauflagen 1687, 1712 und 1746 erlebte, von Abt P. Maurus Geiger, der sich dem heiligen Landelin gegenüber zum persönlichen Dank verpflichtet fühlte. Während der Vorbereitung auf das Priestertum erkrankte er an der Roten Ruhr und genaß auf dessen Fürsprache hin. Ein weiterer Mönch, der Prior P. Karl Scherer, erfuhr ebenfalls Heilung durch den heiligen Landelin, als er durch ein Bad im Quellwasser von Gichtleiden befreit wurde.



Neben der Überlieferung von "Vergeltungswundern" (wie gegen einen Ritter, der den Mönchen das Land abtrotzen wollte und dem Landelin lässterte, später aber von wieder durch dessen Fürsprache und Reliquiensegen geheilt worden sein soll), sowie Berichten von Geistlichen und Adeligen (wie der Markgräfin Augusta Sybilla von Baden und Hochberg, die ebenfalls im Quellwasser badete) sind es vor allem Berichte von einfachen Leuten, die in das Verzeichnis aufgenommen wurde; sogar nach Begutachtung durch einen Arzt. Die Pilger, denen Gebetserhörung oder Heilung widerfahren ist, stammen oft aus dem badischen (z.B. Freiburg, Offenburg, Ettlingen, Staufen, Sasbach, Herbolzheim, Haslach, Ringsheim, Rust etc) oder elsässischen Raum (Straßburg, Colmar, Fort-Louis, Rheinau, Oberlauterbach, etc), vereinzelt auch aus dem Württembergischen (Stuttgart, Eixheim, Rottenmünster), Hohenzollerischen (Haigerloch), Bayrischen (Aibling, Dinkelsbühl), Rheinpfälzischen (Brosel, Sulzfeld) und dem Schweizerischen (Drilken bei Zürich, Hochdorf bei Luzern, Hornussen in Fricktal). Im Falle von Sulzfeld (1695) und dem Züricher Drilken (1719) handelte es sich um Heilungen, die zur Konversion zum Katholizismus führten; dazu gehört auch die Heilung des 27-jährigen Josef Heimb aus Freistett im Hanauerland (1697), der an epleptischen Anfällen litt und von einem Katholiken über die Wunder durch die Fürsprache des heiligen Landelin hörte. Anfangs wurden die Namen und Wohnorte der Konvertiten nicht angegeben, was später jedoch erfolgte.

Heilungen traten den Berichten zufolge bei Beschwerden wie Lähmung, Augenleiden (man wusch sich mit den Quellwasser auch die Augen), Erblindung, Taubheit, Rheuma, Gicht, offene Füße, Wassersucht, Ruhr, Hautausschlägen, Epilepsie, Kinder- und Frauenleiden sowie bei den Folgen von Schlaganfällen und Unfällen auf. Auch von der wunderbaren Erfüllung von Kinderwünschen wird berichtet, aber auch von erfolgreichen Exorzismen. Zu letzterem soll es in der alten Münchweierer Kirche sogar eine Darstellung gegeben haben.

Wie heute in älteren unbelassenen Wallfahrtkirchen wie in St. Walburg in Eichstätt befanden sich auch in der Wallfahrtskirche des Landelin Votivtafeln und Krücken, die Geheilte als Zeugnis zurückgelassen haben. Später wurden diese komplett entfernt.


Feste, Prozessionen und Zugang zur Landelinquelle
Mit der Auflösung des Benediktinerklosters, das durch die Verbreitung von Druckzeugnissen für zusätzliche Bekanntheit sorgte, ging die Bekanntheit der Wallfahrt zum heiligen Landelin extrem stark zurück. Trotzdem wird jedes Jahr das St.Landelinsfest abgehalten, bei der auch das wervolle Reliquiar mitgeführt wird. Seit 1956 geschieht dies in Verbindung mit einem Pferderitt und einer Pferdesegnung, die ursprünglich seit etwa 1685 bis nach 1800 abgehalten wurde und danach nicht mehr durchgeführt wurde. Das Fest findet am Sonntag nach dem 22. September statt, wobei bereits Samstag die Feierlichkeiten beginnen können (man frage für nähere Informationen am besten direkt beim Pfarramt an).

Das Wasser aus der Landelinsquelle in der Brunnenkapelle an der Kirche ist nicht nur zum Waschen geeignet, sondern kann auch getrunken werden, wobei hier auf die überraschend gute Qualität hingewiesen werden soll. Das Wasser darf man auch in größeren Mengen abfüllen, um einen entsprechenden Obolus für das Spendenkässchen wird gebeten. Flaschen und Wasserkanister muss man aber selbst mitbringen. Die Brunnenkapelle ist eigentlich regulär von 9:00 bis 17:30 Uhr geöffnet, wobei es sein kann, dass sie wegen Einschränkung des Wassertourismus (ja, die Erdstrahlungsleute kommen auch hier vorbei...) während des Gottesdienstes und der Feiertage geschlossen wird, um die Stille dieses Ortes zu wahren.

Derzeit ist es leider auch so, dass die Kapelle wegen der Corona-Pandemie komplett geschlossen sein kann (vor Ort schon vor einigen Wochen selbst gesehen), um größere Menschenansammlungen und Infektionsherde zu verhindern. 

Für Wandertouristen gibt es übrigens auch die sogenannte Landolin Tour. Wie Franziskus von Assisi blieb auf unser lieber Blutzeuge nicht von der Naturromatisierung verschont.




Gott, zu Ehre deines Namens hat der heilige Landelin das Martyrium erlitten. Schenke uns auf seine Fürsprache hin, dass auch wir den Weg gehen, der zu dir führt, Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Aus der Landelinus-Litanei





Zu empfehlende Lektüren, die als Quelle dienten: 
- Hermann Bromer (Hrsg.): Wallfahrten im Erzbistum Freiburg. Verlag Schnell & Steiner, 1990. ISBN: 978-3-7954-0850-3. Da das Buch inzwischen vergriffen ist, wird eine Bestellung bzw. Anfrage in Antiquariaten oder auf Amazon empfohlen.
- Bernhard Uttenweiler: "Wallfahrtskirche St. Landelin Ettenheimmünster". Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 1. Auflage 2006. ISBN: 3-89870-299-5
- Hubert Kewitz: "Zur Geschichte des hl. Landelin von Ettenheimmünster". Erschienen in "Die Ortenau", Band 76, 1985. PDF-Seite 102-119. 
- Bernhard Uttenweiler: "Das Gast- und Badehaus des Klosters. Ettenheimmünster vor und nach der Säkularisation". Erschienen in "Die Ortenau" Band 78, 1996. PDF-Seite 260-277. Aus diesem Artikel stammt auch der Holzdruck des Landelinbrunnens von 1500.
- Freiburger Diözesanarchiv (PDF, digital): 
- Medard Barth: "Der hl. Märtyrer Landelin von Ettenheimmünster - Sein Kult in Baden und Elsass", Ausgabe 65, 1955. PDF-Seite 213-256. 
- Robert Merkle: "Zur Kulturgeschichte des hl. Landelin", Ausgabe72, 1952. PDF-Seite 152-171.
- Joseph Braun: "Eine mißgedeutete Darstellung auf einem Sarkophag im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe", Band 70, 1950. PDF-Seite  45-58. Aus diesem Bericht stammen auch die beiden Photographien vom Landelinsarkophag.