Samstag, 12. September 2020

Schräger als Fiktion... Teil 10




Es gibt übrigens auf der Homepage ganz unten einen Bereich, in den man seine Meinung schreiben kann.

Ihr wisst also, was ihr wieder mal zu tun habt, meine Groyper Gang...
Wenn ihr Glück habt, wird eure Meinung vielleicht sogar als Postkarte veröffentlicht.



Mittwoch, 9. September 2020

Die Pell-Affäre: Fünf Monate danach wird immer noch gelogen und verheimlicht, was das Zeug hält



Fünf Monate ist nun der Freispruch von Kardinal George Pell vom Vorwurf des aktiven  Missbrauchs von Minderjährigen her. Wir erinnern uns: Pell wurde angeklagt, 1996 in der Kathedrale von Melbourne zwei Jungen sexuell missbraucht zu haben.

Einziger Zeuge war ein ehemaliger Chorknabe (der andere, den er persönlich ebenfalls als Opfer angab, starb bereits 2014), der auch als Ankläger auftrat; trotz vehementen Widersprüchen im Tathergang und in Anbetracht der übrigen damals vor Gericht anwesenden Zeugen waren es vor allem die Medien, die Polizei von Victoria und das Gericht, die öffentliche Stimmung gegen Pell und die katholische Kirche von Australien an sich anfeuerten. Pell wurde - trotz mangelhafter Beweislage -schließlich verurteilt und verbüßte eine Haftstrafe von mehr als einem Jahr im Gefängnis. Bis am 7. April der High Court das Urteil als ungültig einstufte, da Pell nur wegen subjektiver Vermutungen, nicht aber wegen expliziter objektiver Beweise verurteilt worden sei. Dass im selben Jahr auch der Film Der Fall Richard Jewell ausgestrahlt wurde, der eine ähnliche Problematik eines ebenfalls realen Medien- und Ermittlungsirrtums behandelt, dürfte man am Rande tatsächlich als ironischer Zufall bezeichnen.


Der Zorn, der schließlich vom Stapel brach, zeigte sehr schön die Panik, die dieser Schritt auslöste sowie die Unbelehrbarkeit "gelehrter" Persönlichkeiten, Journalisten und Prominenter, für die eine unerwiesene Schuld kein Argument für die Unschuld des Angeklagten sei. Zuletzt wurde auch eine Petition gestartet, um Journalist Andrew Bolt zu entlassen, dem man vorwirft, einen "überführten Pädophilen" verteidigt zu haben  - trotz seiner früheren kritischen Haltung gegenüber Kardinal Pell übte Bolt vehemente Kritik an der teilweise absurden Strafverfolgung, den sich widersprechenden Zeugenaussagen, die als "Beweise" ohne weitere Überprüfung übernommen wurden, sowie dem Verhalten der Journalisten des Senders ABC - und führte noch dazu mit dem frisch entlassenen George Pell ein persönliches Interview, wo nochmals auf dieses gesellschaftsübergreifende Kesseltreiben hingewiesen wurde.




Roland Freisler wäre sicher stolz auf solche Leute gewesen.


Auch der Sender ABC (der sich in den Augen vieler Australier bisweilen schon auf dümmere Weise ins eigene Bein geschossen hat) und diverse andere Medienanstalten legten sich noch einmal so richtig ins Zeug: Wenige Tage nach George Pell´s Freispruch machte die Meldung die Runde, dass die Polizei wegen neuer Anschuldigungen in das Seminar gekommen sei, wo sich der Kardinal derzeit aufhielt. Was auch von Journalistin Louise Milligan geteilt wurde. Zu ihr kommen wir übrigens noch.


Die Herald Sun jedoch bemerkte schnell den Etikettenschwindel: Die Polizei kam nicht wegen neuer Vorwürfe persönlich vorbei, sondern wegen Morddrohungen, die gegen Pell eingingen. Diese Meldung wurde zusammen mit den angeblichen Aufnahmen dennoch in der Zwischenzeit von Medienanstalten wie 9NEWS und The Guardian als angebliche Hausdurchsuchung übernommen.

Trotzdem bleibt man bei ABC dabei: Die bisherige Berichterstattung gegen Pell war "keine Hexenjagd".


Polizeichef Graham Ashton von der Victoria Police verblieb übrigens immer noch im Amt und ging im Juni 2020 in Pension. Trotz der Vorwürfe, die Untersuchungen gegen Pell als Ablenkungsversuch zu nutzen, um die Laywer X-Affäre zu decken, die Veröffentlichung falscher  Opferzahlen und der völligen Inkompetenz, die seine Abteilung bei der Untersuchung der Causa Pell an den Tag legte, blickt er zurück auf "eine lange und ereignisreiche Karriere".

Inzwischen hat das Parlamentsmitglied Bernie Finn (Liberal Party) eine unabhängige Untersuchung gefordert, bei der besonders das Verhältnis zwischen Ashton und der ABC in den Blick genommen werden soll, um einen "medialen Prozess in Zukunft verhindern" zu können.


In der Zwischenzeit wurde nach langem Händeringen, um das wiederum von der ABC viel Tamtam gemacht wurde, die zensierten Stellen im Bericht der Royal Commission veröffentlich. Und ratet mal, wer sich wieder mal wie ein Raubtier mit unfehlbarer Deutungshoheit darauf stürzte...




Richtig, Louise Milligan, die allen Voran Werbung für die "Glaubwürdigkeit" des mutmaßlichen Opfers (ohne den Widersprüchen seiner Aussagen weiter nachzugehen) mit ihren Artikeln und sogar einem ganzen mehr melodramatischen als dokumentarischen Buch ("Cardinal - The Rise and Fall of George Pell") und einer Dokumentation auf ABC machte, auf das sie noch immer stolz wie Bolle ist und es auch den unwissendsten aller Twitter-User deutlich unter die Nase reibt. Sie schreibt auch ein neues Buch geschrieben namens "Witness" ("Zeuge"), in dem sie anklagt, dass im Australischen Rechtssystem "Wahrheit nicht immer garantiert wird". Man kann sich an dieser Stelle tatsächlich fragen, ob diese Frau wirklich so dummdreist-zynisch ist oder das Ganze einfach nur perfekt schauspielert. 



Bei kritischen Fragen zu den Widersprüchen und den fehlenden Beweisen in ihrem Buch weigert sie sich übrigens immer noch, diese zu beantworten oder blockiert kritische Twitter-Nutzer, die nicht brav das sagen, was sie von braven Social Media-Nutzern erwartet und die sie lediglich als "Troll Bots" bezeichnet, um munter mit ihren Relotieren weiterzumachen.


Ach ja, Louise. Das nennt man offenen und demokratischen Diskurs.
Aber man ja auch unangemeldet weiterhin interessante Screenshots machen.

Kein Wunder, wenn sie sofort reagiert wie ein Hund, dem man versucht, seinen Kauknochen wegzunehmen, wenn ein Verlag ein Buch herausbringt, zu dem sie nichts zu sagen hat. Wie den Gefängnismemoiren von George Pell, das der Jesuiten-Verlag Ignatius Press vorhat, zu veröffentlichen (hier übrigens ein Auszug davon auf Deutsch; der vorgesehene Termin für die Veröffentlichung ist der Januar 2021).


Wobei wir natürlich beim nächsten Etikettenschwindel von ABC, Milligan & Co. wären.

Denn der von ihr erwähnte Bericht der Royal Commission enthält nicht nur fragwürdige Vermutungen wie dass 1982 der 2016 verstorbene Bischof Ronald Mulkearns von Ballerat bei einem persönlichen Treffen dem damals noch jungen Priester George Pell ganz offen gesagt haben soll, dass er den Priester und Triebtäter Gerald Ridsdale (Opfer bis 1992: mindestens 65 Kinder) bewusst versetzen würde - wofür die RC keinerlei Beweise aufzeigen kann (und auch mit der Anmerkung des Sekretärs und späteren Weihbichofs Brian Finnigan unzufrieden ist, nach dem es keine Aufzeichnungen des damaligen Gespräches gäbe) , sondern stellt eine subjektive Vermutung, die der Öffentlichkeit ohne weitere Erklärung präsentiert wird mit dem "die Royal Commission sieht als erwiesen an"-Gütesiegel. Obwohl nirgends handfeste Beweise aufgezeigt werden - außer dass Pell eine damals Unterredung mit dem Bischof hatte. Und die Royal Commssion auch anmerkte, dass Mulkeans bis auf wenige Ausnahmen "kaum Informationen" an seine Berater weitergegeben hätte.



Es ist auch anzumerken, dass die Royal Commission nicht wie weitgehend behauptet nach den Regeln einer gerichtlichen Beweissuche agiert, sondern nach der "ehrlichen Gesinnung der Kommissionsmitglieder und ihrer Angestellten". Was natürlich bei Punkten fragwürdig wird wie bei unbegründete Anschuldigungen, die nicht weiter nach ihrer Plausibilität überprüft werden; wie dem Vorwurf, dass der Bischof dem damals noch jungen Priester George Pell lauwarm gesagt haben soll, dass er einen Sexualstraftäter versetze.

Seltsam ist außerdem das Verhalten gegenüber dem ehemaligen Priester und heutigen Journalisten Paul Bongiorno, dem man im Bericht Glauben schenkt, dass ihm keinerlei Straftat von Ridsdale gemeldet wurde, obwohl ein Opfer dies ausdrücklich getan haben will, während Pell, dessen direkter Amtsbruder, mit Vorwürfen und Verdächtigungen überschüttet wird. Die ABC (wo Bongiorno übrigens als politischer Kommentator tätig war) hat in diesem Fall ebenfalls keine kritischen Fragen in einem Interview gestellt; die Harold Sun dagegen wundert sich, dass er Pell persönlich vorwirft, er hätte damals "die Kinder schützen können".

Im Übrigen überrascht es auch, wie relativ ungeschoren die Polizei von Victoria davon kommt. Im Bericht der Royal Commission heißt es, das die Polizei "spätestens im Dezember 1992" die Ermittlungen gegen den Priester und Sexualstraftäter Ridsdale aufgenommen hätte - und spielt dabei die Ermittlungen von 1976 herunter, als die Polizei bereits Kenntnisse von sexuellen Übergriffen hatte. Nachdem Bischof Mulkearns informiert und Ridsdale schließlich in Therapie geschickt wurde, um danach erst richtig mit dem Missbrauch Minderjähriger zu beginnen, schien es die Polizei von Victoria und deren sogenannte Child Exploitation Squad seltsamerweise nicht weiter zu interessieren, ob er eventuell wieder rückfällig werden würde. Bis eben 1992 und dessen Verhaftung 1993.

Dass Pell dagegen mit seiner Ernennung zum Bischof sofort aktiv wurde und genau das Gegenteil von dem machte, was sein Vorgänger Bischof Frank Little (der übrigens in Milligan´s Buch gegenüber Pell als "progressiv" und "ganz für Offenheit und einladend zu den Laien" beschrieben wird) tat, scheint keinerlei weitere Bedeutung für die Deuter dieses Berichtes zu haben - wie auch in anderen Medienanstalten, wo das landesweit gelobte Vorbild "Melbourne Response" im Kampf gegen den sexuellen Missbrauch Minderjähriger, das Pell praktisch alleine aus dem Boden gestampft hat, regelrecht heruntergespielt oder sogar angeschmiert wird.


Auch beim Fall Peter Searson* wird das übliche Hütchenspiel gespielt:
Pell hätte als 1987 geweihter Weihbischof von Melbourne es einerseits versäumt, seinen Bischof Frank Little von Melbourne über die Schandtaten von Pater Searson zu informieren; was an sich absurd ist, da die ersten Vorwürfe gegen den Priester 1974 aufkamen und sich 1982 mehrten, sodass Bischof Little bereits bescheid wusste - bei dem Fall von 1974, bei dem Searson eine Frau vergewaltigt haben soll, ging sogar der Vorwurf sogar direkt bei Little ein. Pell hat 1989 lediglich die Meldungen mehrerer betroffener Mitarbeiter der Holy Family School an den Bischof weitergegeben, die Belästigungen durch Searson betrafen (auf die in der Auflistung nicht näher eingegangen, sondern neben anderen bizarren Vorfällen relativ am Ende genannt wird) - wobei die Lehrkräfte paradoxerweise selbst (!) keine Entfernung Searsons aus dem Amt, sondern auf einer Beibehaltung des Priesters in ihrer Einrichtung als "zweite Chance" bestanden. Pell ist dabei weder von seiner Diözese vorher noch von den Lehrkräften über die problematische Vorgeschichte Searsons zureichend aufgeklärt worden. Pell selbst führte zu diesem Zeitpunkt als Weihbischof vornehmlich Firmungen durch.

Auch der Vorwurf dass er Bischof Little hätte dazu bringen können, Schritte gegen Searson einzuleiten, stellt sich als nicht wirklich haltbar dar, da einerseits Pell in anderen Tätigkeitsfeldern beschäftigt war, andererseits Little als Erzbischof derjenige war, der die letzte Vollmacht hatte und auffälligerweise genau so handelte wie Pell´s früherer Vorgesetzter Bischof Mulkeans - nämlich vertuschte.

Nachdem George Pell im Oktober 1996 selbst Erzbischof von Melbourne wurde und damit die Diözesanleitung selbst in der Hand hatte, leitete er Ermittlungen gegen Searson ein, was er auch an die öffentlichen Medien weitergab. Im März 1997 wurde er seines Amtes enthoben; worauf sich dieser beim Vatikan beschwerte und Recht bekam. Was jedoch Pell nicht hinderte, ihn 1998 nochmals des Amtes zu entheben. Was Journalisten wie Monica Doumit auffiel war die Sache, dass neben Bischof Little und den anderen Weihbischöfen auch das Lehrpersonal und selbst die Polizei nichts groß gegen Searson zu unternehmen schien.


Dass ganze Medienanstalten, eine Kommission, die Polizei und das Gericht von Victoria diese Ungereimtheiten bis zur Untersuchung des High Court nicht gemerkt haben wollen und regelrecht Hand in Hand gingen, um ihre Sichtweise durchzusetzen, dürfte zu denken geben; heißt es doch immer wieder, dass man zukünftige Fälle mit solchen "Aufklärungsarbeiten" zu verhindern suche, was angesichts der bisherigen Umstände einen völlig absurden Eindruck macht. Außer wenn man bemüht ist, eine gesamtgesellschaftliche Beruhigungspille zu schaffen, indem man sich auf einen offiziellen Sündenbock konzentriert, der einem die Arbeit erspart, für die man mit offziellen bürgerlichen Steuergeldern bezahlt wird.

Warum wohl würde eine "investigative Journalistin" wie Louise Milligan (die übrigens gleichzeitig beim staatich fianzierten Sender ABC beschäftigt ist) wohl einen aktiven Vertuscher wie Bischof Frank Little in ihrem Buch - für das sie sogar mit Preisen ausgezeichnet wurde - als humaner als George Pell darstellen, der dessen Sauerei letztendlich aufräumen durfte, wenn es nicht um die Aufrechterhaltung eines Narrativs geht, den niemand zu hinterfragen scheint bzw. nicht weiter hinterfragen will, weil vielleicht noch eine andere Sorte von gesellschaftlichem Morast an die Oberfläche kommen würde, der sich nicht so einfach auf einzelne Personen oder Institutionen schieben lässt?

Nämlich die eigene Bereitschaft, Leute von der Klippe zu stoßen, wenn es persönliche Vorteile bringt und nicht am eigenen bis zur Unkenntlichkeit oberflächlichen Weltbild gerüttelt wird?





*An dieser Stelle sei dem Schriftsteller Gerard Charles Wilson gedankt, der mich dazu auf wichtige Quellen hingewiesen hat und selbst eine beträchtliche Quellen- und Kommentarsammlung auf seinem Blog besitzt, auf die ich bereits beim Vorgängerbericht zurückgegriffen habe. Ich habe ihn bezüglich der Quellenlage zum Fall Searson persönlich angeschrieben, da wegen der regelrechten Flut von Anti-Pell-Artikel keine weiteren brauchbaren Informationen zu dessen Strafverfolgung durch den George Pell zu finden waren, obwohl sie in diversen Reportagen kurz genannt wurden - jedoch viel zu kurz und leider ohne weiterführende Informationen. 
An dieser Stelle nochmals vielen Dank, Gerard. 



Samstag, 5. September 2020

Priester auf Abwegen 3: Johannes Greber - Der Spiritist, der auch mal von Zeugen Jehovas zitiert wurde




Neben den Gefahren, die einen Priester von seiner Berufung entfremden - besonders wenn bestimmte persönliche Schwächen nicht rechtzeitig erkannt werden und sich mit der Zeit sogar verfestigen - gehören neben den bereits erwähnten materiellen und sinnlichen Versuchungen (denen man auch erfolgreicher begegnen kann) auch die intellektuelle Schwächen des ungefestigten Glaubens, der sensationalistischen Neugierde und der unmäßig angemaßten Deutungshoheit, die sich unter bestimmten Umständen explosionsartig verschlimmern können.

Während nach dem 1. Weltkrieg dies besonders die soziologischen Problemfelder betraf, wobei besonders die spätere Befreiungstheologie zu nennen ist, kamen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts neben der vorangehenden soziale Vergesellschaftung der Kirche ein heute eher als obskur betrachteter Bereich hinzu: Der Spiritismus, das angebliche Kontaktieren der jenseitigen Geisterwelt - seien es Verstorbene, scheinbare Engel oder andere übermenschliche Wesen. 


Zum Begriff und zur damaligen Bedeutung des Spiritismus
Für den modernen Menschen, der skeptisch nicht nur gegenüber angeblichen übernatürlichen Erscheinungen ist, sondern auch einem Weiterleben der Person nach dem Tod ihres physischen Körpers im Allgemeinen, mag dies vielleicht eine seltsame, aber vernachlässigbare Spinnerei sein - im Kontext der damaligen wissenschaftlichen Diskussionen stellte sich das jedoch etwas anders dar. 

Mit der zunehmenden naturwissenschaftlichen Unterwerfung der Wirklichkeit bildeten sich neben dem positivistischen Materialismus parallel auch ein vergeistigter Materialismus. Mit der Erkenntnis, dass für das Auge unsichtbare elektrische Impulse und Kräfte für das Funktionieren des tierischen und menschlichen Organismus zuständig sind, bildeten sich auch Spekulationen um diesen "Tierischen Magnetismus". Mediziner, freidenkerischer Philosoph und Evolutionspropagandist Ernst Haeckel war einer von vielen, die das materielle "Protoplasma" hinter der Lebenskraft sahen - und dahinter das Material der Seele vermuteten. 

Andere vermuteten das Weiterbestehen eines reellen energetischen Körpers auch außerhalb des materiellen Leibes, was beispielsweise in Geisterseherkreisen (die übrigens seit dem 18. Jahrhundert von gehobenen Kreisen und ihrer sensationellen Neugierde immer weitere Popularität und sogar Aufmerksamkeit bei Gelehrten fanden) die Übernahme des Begriffes "Ektoplasma" durch den französischen Mediziner Charles Richet erklärt, um die augenscheinliche Sichtung von Geisterwesen materiell beschreiben zu können (worunter auch die weit verbreiteten manipulierten "Geisterphotographien" zählten; in der Popkultur wurde der Begriff Ektoplasma übrigens durch den Film Ghostbusters von 1984 bekannt). Das Aufkommen des Faches der Parapsychologie paarte sich mit dem Bedürfnis der einfachen Bevölkerung, im Kontakt mit ihren meist zu früh Verstorbenen zu bleiben - was besonders nach Unglücken wie den amerikanischen Sezessionskriegen, dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg zu beobachten war.

In der heutigen Zeit erlebt die Beschäftigung zeitweise eher nur partielle mediale Beachtung; bei Fernsehsendungen im angelsächsischen und amerikanischen Kulturkreis wie Ghost Adventures von Zak Bagans (der übrigens eine Dokumentation zum "Demon House" drehte, bei dem wegen mehreren Fällen von Besessenheit sogar die Erzdiözese Indiana eingeschaltet werden musste) ist trotz aller expliziten Warnungen auch die Motivation zu beobachten, den Zuschauer selbst zu solchen Untersuchungen anzuleiten - natürlich auch mit entsprechenden per Online-Shop zu erwerbenden Utensilien... 

Eine Materialisierung nicht nur von geistigen Personen (bzw. das, was irgendwie in einem "Jenseitsäther" überlebt zu haben scheint), sondern auch von Emotionen, Schwingungen und (positiven oder negativen) Gedanken, die bereits im 18. Jahrhundert von Franz Anton Mesmer in Ansätzen vertreten wurde, entwickelte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zum Spiritismus weiter, der sich schon bald mit esoterischen Strömungen mischte und das Seelenleben, das bisher nur Terrain der Religion darstellte, selbst schon zu einer empirischen Wissenschaft und Philosophie machte, deren Vertreter - von Sherlock Homes-Autor Sir Arthur Conan Doyle bis "Euro-Buddhismus"-Guru Helena Blavatsky - sich in verschiedenste Richtungen auffächerten, wobei Bewegründe und Überzeugungen teils weit auseinandergehen, teils für Außenstehende überraschende Parallelen bilden.

An einem gewissen Punkt begannen auch Kirchenobere sich für das Phänomen Spiritismus zu interessieren, der in seinen teilweise echten immateriellen Kommunikationen ein ernstzunehmendes Argument gegen den materialistischen Atheismus und dessen Leugnung der den leiblichen Tod überlebenden Seele zu sein schien. Auf der anderen Seite bestand aber weiterhin das kirchenrechtliche Verbot magischen Praktiken (d.h. einem durch eine fremde Kraft erfragte, beschworene und erzeugte präternatürliche Einwirkung, die über den allgemeinen natürlichen Aufwand hinausgeht), was das Heraufbeschwören von fremden Kräften, Dämonen oder Verstorbenen beinhaltet (Nekromantie, vgl. dazu auch Dtn. 18,10-15; im Katechismus der Katholischen Kirche 2115-2117, was nach dem Codex Iuris Canonici von 1983 Can. 915 und 916 unter Verharrung in diesen Praktiken immer noch Ausschluss von der Kommunion und der Feier der Messe bedeutet), sodass man sich nach den Ursachen und den Urhebern hinter solchen Phänomenen erkundigen musste.

Zu dessen näherer Untersuchung tat sich unter anderem ehemalige anglikanische Geistliche Godfrey Raupert (1858-1929) besonders hervor. 


Godfrey Raupert und die Gefahr des echten Spiritismus
Dem später zum Katholizismus übergetretenen anglikanischen Geistlichen Raupert waren wie auch anderen Forschern die Doppelbödigkeit des Phänomens Spiritismus vertraut - dass viele intellektuelle Persönlichkeiten wie der schon erwähnte Sir Arthur Conan Doyle ebenso leicht auf Schwindel hereinfallen konnten, um "Beweise" für ihre Überzeugung zu finden (wie im Falle der sogenannten  Cottingley Fairies), aber auch das handwerkliche und schauspielerische Erzeugen von "Erscheinungen" war ebenso allgemein bekannt. Einer der bekanntesten Persönlichkeiten, die falsche Spiritisten und deren Methoden entlarvten, war der berühmte Illusionsmagier Eric Weisz - bekannt unter seinem Künstlernamen Harry Houdini.  

Dennoch kam es immer wieder zu Phänomenen, die nicht weiter als Schwindel erklärt werden konnten bzw. Umstände enthüllten, die der als Medium benutzen Person unmöglich bekannt gewesen sein könnten.

Kirchliche Forscher wie der österreichische Zisterzienserabt Alois Wiesinger (1885-1955) vermuteten hinter den auftretenden Phänomenen teilweise präternatürliche Rudimente der ersten noch in göttlichen Gnadengaben lebenden Menschen, nach denen Adam und Eva dadurch theoretisch zu dem fähig gewesen seien, was man in paranormalen Gesellschaften als Telepathie, Telekinese und Hellsichtigkeit bezeichnet. Wiesinger wies dabei aber auch auf natürliche psychosomatische Erklärungen wie assoziative und unbewusste Beeinflussungen durch eine weitere Person bei Seancen (also Manipulation) hin, wozu er auch verschiedene Forscher des Jesuitenordens nennt, die diese Dynamik auch an Universitäten untersuchten. Eine generelle dämonische Ursache als einzige Erklärung lehnte er als generellen Ausgangspunkt ab und stand - wie er selbst in seinem Werk "Okkulte Phänomene im Lichte der Theologie" (1948) anmerkt - Forschern wie dem nun folgenden Godfrey Raupert offen kritisch gegenüber, die vehement vor der Gefahr durch das Okkulte und der Auseinandersetzung damit warnen.

In diesem Zusammenhang forschte auch der anglikanische Geistliche Raupert, zunächst mit der Society for Psychical Research, die 1882 in London gegründet wurde und sich mit paranormalen Phänomenen beschäftigte. Nach eigenen Angaben kam er zur Überzeugung, dass man es in vielen Fällen nicht mit der Entnahme eines "geistigen Reservoirs" aus dem Unterbewusstsein des Mediums und anwesender Personen zu tun hatte (sei es durch eine Art geistigem "Erfühlen" oder Telepathie), sondern mit Wesen, die Zugang zu Informationen hatten, die meist keine der anwesenden Personen überhaupt wissen konnte und sich doch als wahr erwiesen. In einem Experiment mit einem Medium stellte sich die Feststellung ein, dass das Wesen hinter diesen Tätigkeiten meist nur eine Zeit lang sich als Verstorbener oder allwissender Geist ausgeben kann. Als es in einer solche Seance dazu kam, dass der angeblich kontaktierte Verstorbene nach meist korrekten Angaben plötzlich eine unerwartet falsche Aussage machte, die so nie stattgefunden haben konnte, und bei der Beschwörung mit dem Namen Gottes plötzlich nicht nur angab, eben NICHT dieser bisher vorgegebene Verstorbene zu sein, sondern auch begann, die anwesenden Personen zu beleidigen, wurde Raupert plötzlich die Natur dieses dämonischen Lügengeistes bewusst.

Raupert begann aktiv, vor solchen Kontaktierungen zu warnen, und konvertierte später zum Katholizismus. Er hielt auch im expliziten Auftrag der kirchlichen Autorität (u.a. durch Papst Pius X.) Vorlesungen zu den Gefahren des Okkultismus, die er durch Begegnungen mit skeptischen Spiritisten immer wieder bestätigt fand: Ein angeblicher Verstorbener, ein Hochgeist oder ein anderes angeblich allwissendes Wesen fängt erst an, einen mit angeblichem Wissen und Sicherheit zu locken - um dann einen Fehltritt zu machen, der das Trugbild zusammenbrechen lässt. Oder die Person mit seiner Anwesenheit langsam, aber sicher in den Wahnsinn treibt, was Raupert ebenfalls erlebt hat. Seine Erfahrungen hat Raupert in Werken wie "The Dangers of Spiritualism" ("Die Geister des Spiritismus"), "Modern Spiritism: A Critical Examination of Its Phenomena, Character, and Teaching in the Light of the Known Facts" , "The Supreme Problem" und "Christ and the Power of Darkness" festgehalten. [Eine gelungene Zusammenfassung des Themas stellt auch das von Paulus Deusdedit herausgegebene Heft "Spiritismus - Der tote Kardinal erscheint" von Gotthard Media dar, der Raupert explizit zitiert.]

Auch unter modernen Exorzisten wie dem 2016 verstorbenen P. Gabriele Amorth, und P. Chad Ripperger, die sich auch gleichzeitig mit den auftretenden psychologischen und seelsorgerischen Phänomenen dahinter beschäftigen, werden besonders ebenso Geistliche vor einem "Absteigen" durch die eigene Neugierde regelmäßig gewarnt. Zwar könne man Fälle, in denen eine Besessenheit vermutet werden, versteckte Gegenstände und Zettel mit Fragen oder Inschriften zur Überprüfung verwenden (kann der Person durch einen Dämon versteckte Umstände und Inhalte auf Befehl des Exorzisten offenbar werden? Ist dies korrekt oder spielt die Person lediglich Scharade für mehr Aufmerksamkeit?), jedoch sollte weitere Fragen und Erkundigungen unterlassen werden; nicht nur weil man nach vermeintlich richtigen Antworten durch darauf folgende falsche Angaben in die Irre geführt werden kann, sondern weil der Dämon die individuelle Neugierde oder angesprochene Vorlieben zu nutzen weiß, um den beteiligten Priester selbst zu umgarnen und in eine Versuchung zu führen.

Eine solche Neugierde stellt auch nach Ripperger die "Öffnung" bei der evangelikale Praxis der "Zungenrede" dar, wie sie besonders in Amerika praktiziert wurde und später auch nach Europa gelangte und - wie wir gleich sehen werden - in spiritistischer Absicht eines ursprünglicheren  "Geistchristentums" von Greber angewandt wurde.


Ein besonderen Fall stellte auch der ehemalige Sekretär von Kardinal Herbert Vaughan dar, den Raupert in seinem Buch "Die Geister des Spiritismus" erwähnt. Dieser wandte sich trotz vehementer Warnung des Erzbischofs von Westminster nach dessen Tod 1903 aus Neugierde (die anscheinend schon vorher bestand) spiritistischen Gesellschaften zu, wo ein kontaktiertes Wesen angab, der verstorbene Kardinal zu sein und sich in Sachen Spiritismus schwer getäuscht zu haben, jetzt wo er das Jenseits selbst sehen könne. Die Erfragungen, die sich meist als wahr erwiesen, erschütterten den Sekretär so stark, dass er aus der Kirche austrat und selbst Spiritist wurde. Raupert, der noch zu Lebzeiten Vaughans gleich nach seinem Übertritt zum Katholizismus beauftragt worden war, seine Feststellungen über den Spiritismus katholischen Studenten und Seminaristen darzulegen und auf dieses Problem vorzubereiten, blieb in Kontakt mit dem Sekretär, der bald seine eigene Enttäuschung mit den Geistern erlebte und als laisiertes Mitglied der Kirche wieder beitrat, um letztendlich für immer die Finger vom Spiritismus zu lassen.

Einen vollkommen anderen Weg ging dagegen der deutsche Priester Johannes Greber.


Johannes Greber
Parallel zu den Aufklärungsaktionen Rauperts verlief die Karriere des 1874 im pfälzischen Wenigerath geborenen Pfarrers Johannes Greber. Nach Abitur in Prüm und Theologiestudium in Trier wurde der hochbegabte Greber 1900 zum Priester geweiht. 

Ab 1904 war er besonders im diakonischen Bereich tätig, gründete einen Hilfsbund, setzte sich während des Ersten Weltkrieges für die Versendung von Kindern zu deren gesundheitlichem Wohl - was er auch aus eigener Tasche bezahlte - und war als Mitglied der katholischen Zentrumspartei in Koblenz für soziale Fragen vertreten. 

Die große Veränderung kam jedoch mit einem Besuch bei einem "christlichen" Spiritistenkreis 1923 in Koblenz, wo er das Medium Erich Zimmermann (1908-1988) kennenlernte. Wobei die Umstände für Außenstehende immer noch rätselhaft erscheinen. Ein Laie soll ihn erst vorsichtig auf seine Meinung zu Spiritismus angesprochen haben, ihn jedoch nach einiger Zeit im Namen eines Auftraggebers etwas aufdringlicher zugeredet haben, zu einer dieser Sitzungen zu kommen, da er sich als Geistlicher mit solchen Bewegungen auseinandersetzen müsste und andererseits ein schweres Versäumnis begehe, worauf Greber seine Zustimmung gab. Allen Anschien nach ist Greber von diesem für ihn dato noch unbekannten Auftraggeber gezielt herausgesucht worden, was erst später klar werden sollte.

Greber soll als Seelsorger nach eigenen Angaben zunächst skeptisch und darauf bedacht, den Fall ohne großes öffentliches Aufsehen zu erregen lediglich zu überprüfen, da es sich hierbei um einen Personenkreis handelte, der eine Art Gottesdient mit Gebet und Bibellesen mit dieser obskuren Praxis verband. Womit auch schon das eigene Abgleiten in die undurchsichtige Geisterwelt begann. Angeblich soll Greber nicht sehr viel vom Thema Spiritismus gewusst haben, sondern eher ab und zu etwas davon etwas in der Zeitung gelesen haben, ohne sich näher damit zu beschäftigen.

Greber hatte zur Überprüfung des Sachverhaltes einen Zettel in seiner Tasche versteckt, von dem niemand wusste und der die Frage enthielt, warum in der jüngeren Zeit das Christentum auf immer weniger Menschen Einfluss ausübe. Was von dem Geist in dem scheinbar komplett fremdgesteuerten im Trancezustand befindlichen Medium nicht nur sofort korrekt erkannt wurde, sondern auch mit der weitschweifigen Bemerkung beantwortet wurde: Die Bibel sei vom bestimmten Personen (ohne Namen zu nennen) schon im ersten Jahrhundert verfälscht worden und die derzeitige Übersetzung basiere auf keinerlei kompletten Originalhandschrift. Eine Bemerkung, die praktisch deckungsgleich mit der Häresie des Modernismus ist und von vielen (besonders deutschen) Theologen trotz ihrer Verurteilung als glaubenszersetzender Aktionismus oftmals in der Geschichte immer wieder aufgekocht wurde. Auch Greber schien entsprechende Zweifel bereits zu hegen, für die ihm jetzt eine bestätigende Quelle aufzutun schien.


Greber im Bann der Geister und Hochengel
Nach vielen Besuchen und Vorkommnissen mit dem Medium und dessen angeblichem Hochengel, aber auch "assoziierten Geistern", die dem anwesenden Geist untergeordnet wären, bei dem ihm immer neues verborgenes Wissen offenbart wurde, das sich bei weiterer Nachforschung als korrekt erwiesen hat, gründete er auf dessen Anweisung in seiner Pfarrei einen eigenen Spiritistenkreis mit zwei Medien, den Brüdern Heinrich (geb. 1897) und Carl Gasber (geb. 1899), um weitere "Wahrheiten" geoffenbart zu bekommen - besonders im Hinblick auf jenseitige und existenzialistische Themen.

Der Geist hat ihm bereits die Überzeugung eingeflößt, dass nicht nur Teile der Bibel und der christlichen Lehre gefälscht worden seien, sondern dass der Spiritismus elementares Bestandteil des Christentums sei. Botschaften und Offenbarungen seien durch Medienengel auf Menschen übertragen worden, von denen sie Besitz ergriffen hätten; ein Teil des hoherpriesterlichen Ornats der Israeliten sein sogar eine Art Planchette, der urchristliche Gottesdienst sei eigentlich eine spiritistische Sitzung gewesen. Dass Greber nicht misstrauisch wurde besonders bei dem Umstand, dass so etwas weder von den Kirchenvätern genannt wird noch irgendwelche anderen Zeugnisse dafür existieren als Bibelstellen, die im rein spiritistischen Sinne neu gedeutet werden, mag verwundern. Wahrscheinlich war er inzwischen zu bezirzt von diesen wunderbar außergewöhnlichen Wesen. 

Ernsthafte Bedenken scheint Greber in diesem "Selbsterleben der Wahrheit" auch gegenüber den Ankündigungen des Geistwesens nicht groß gehabt zu haben, auch wenn ihm direkt gesagt wurde, dass der eine Junge "ganz unter der Gewalt des Geistes" stehen werde und "gezwungen" werden würde, die eingegebenen Gedanken" auszusprechen oder "niederzuschreiben", der andere dagegen in Trance fallen würde. Zwar wurde Greber gewarnt, dass er sich dagegen entscheiden könne, doch drohte ihm dieses Wesen, dass er "die Verantwortung zu tragen" habe, wenn nicht "von der Wahrheit Zeugnis gegeben" werden würde. 

Wobei auch diese Peitsche und Zuckerbrotmentalität nach den Zeugnissen Grebers immer wieder durchschimmerte. Mal wird Greber und seine Teilnehmer gewarnt vor weltlichen Dingen, die von den hohen Wahrheiten ablenken, um zu gewissen Gelegenheiten regelrecht mit verborgenem Wissen überschüttet und schmeichelnden Bemerkungen angebiedert zu werden, um das "freundschaftliche" und exklusive Verhältnis aufrecht zu erhalten. Komikenhaft wirkt auch das Auftreten zweier angeblicher ägyptischen Herrscher, die durch die Medien Pläne ihrer noch verborgenen Gräber zeichnen lassen, in den sich neben Schätze auch Werke über Weiße Magie befinden würden, nach denen Greber suchen solle. Was er zu Lebzeiten trotz vollmundiger Versprechen der beiden Geistgestalten nie umsetzen wird - er stirbt 1944 überraschend an einem Herzinfarkt. 


Verwarnung durch den Bischof, Auswanderung in die USA, Lehre und Tod
Trotz Verwarnung durch den Bischof betrieb Greber weiterhin parallel zu seinen Aufgaben in der Seelsorge und dem Hilfsbund seine spiritistischen Kreise. Ein vorangegangenes Verhör in der benachbarten Abtei Maria Laach beendete Greber dadurch, dass er auf einen dortigen Mönch hinwies, der an einer spiritistischen Versammlung teilgenommen hätte - was ihm eines seiner Medien sagte und sich bei weiterer Untersuchung auch als zutreffend erwiesen hat. Auch wenn es sich anscheinend um Untersuchungszwecke gehandelt hat, für die der Abt eine Sondergenehmigung erteilte.

Sein Bischof verlas ihm anschließend das kirchenrechtliche Verbot, an spiritistischen Sitzungen teilzunehmen, was Greber auch dokumentarisch unterschrieb, aber sich letztendlich nicht daran hielt. Um einem Amtsenthebungsver- fahren zuvorzukommen, bat er den Bischof, der nach mehreren weiteren Meldungen über Grebers ignorante Haltung wiederum vorlud, am 31. Dezember 1925 um Beurlaubung, um sich in Koblenz weiter um seinen Hilfsbund zu kümmern. Wo er - geneigter Leser mag an dieser Stelle vielleicht nicht sehr überrascht sein - als offiziell unlaisierter Priester weiterhin spiritistische Sitzungen trotz bischöflichem Verbot abhielt und 1929 auf Anraten einer Geisterbefragung in die mehr dem Spiritismus aufgeschlossene USA auswanderte - und wiederum eine Spiritistengruppe gründete, für die er seine bisher religionslosen deutschen Gastgeber zu Medien mit Trancezustand und allem Drumherum ausbildete. 

Greber bezog eine Wohnung in New York und heiratete eine gewisse Elisabeth, die zwei Kinder von ihm bekam und die ihm als Medium für eine vermeintliche Originalversion des Neuen Testamentes diente, für das er wiederum die Geister um Hilfe befragte und 1935 unter dem Titel Das Neue Testament - Eine Übersetzung nach ältesten Manuskripten (sic!) veröffentlichte. Darin wird weiterverfahren mit den spiritistischen Umdeutungen, die letztendlich auch die Leugnung der Dreifaltigkeit Gottes hinausgeht, die in den Übersetzungen Christus lediglich als gottähnlich darstellt.

Seine Ansichten legte er 1932 in seinem Buch Der Verkehr mit der Geisterwelt, seine Gesetze und sein Zweck dar, in dem er auch sein Abgleiten in den Spiritismus schildert und seine Christologie weiterführt: Christus sei nicht DER Sohn Gottes, sondern sei nur "Der erste" Sohn Gottes, der in seiner Präexistenz der Erzengel Michael gewesen sei und eine Sonderstellung unter den Geisterheeren hätte. Luzifer/Satan sei sein abgefallener "Bruder", bei dem Heiligen Geist müsse man eigentlich von der "heiligen Geisterwelt Gottes" sprechen, womit auch die Dritte Person geleugnet wäre durch Existenzverleugnung. Auch sei Gott nicht allgegenwärtig, da er Gestalt und Persönlichkeit besitze, also gebunden sei; auch wird ihm die Allwissenheit abgesprochen, da er die von ihm nicht festgesetzten zukünftigen Schicksale nicht kenne. Dazu kam noch ein Jenseitsverständnis, das typisch spiritistisch geprägt ist (Reinkarnation, Leugnung einer ewigen Hölle, aber auch einer ewigen Seligkeit, da man mit einer echten Willenfreiheit ständig von Gott abtrünnig werden könne - Luther lässt dazu herzlichst grüßen), sowie diverse Verschlimmbesserungen des Glaubens - die sich übrigens trotz angeblicher Originalität wie oben angedeutet ebenfalls nicht einmal bei den ältesten Zeugnissen der Kirche finden lassen. Ein ähnliches Phänomen konnte man bei den "Privatoffenbarungen" des 1864 in Graz verstorbenen Jakob Lorber beobachten, der ebenfalls die Dreifaltigkeit ablehnte und esoterisches Ersatzgut wie die Reinkarnation einführte - und heute ebenfalls in geistchristlichen Kreisen gerne aufgeführt wird.

Johannes Greber gründete seine eigene spiritistische Kirche, die er die "Church of Believers in God" nannte. Er starb am 31. März 1944 überraschend in New York. Seine Bewegung wurde von einigen Medien weitergeführt, dazu kommen noch diverse "geistchristliche" Kleingruppen die sich auf ihn berufen. 


Das "ursprüngliche" Evangelium Grebers und die Zeugen Jehovas
Wie schon in einem früheren Artikel angesprochen setzten sich viele im 19. und 20. Jahrhundert in den USA entstandene "urchristliche Bewegungen" auffälligerweise aus Elementen zusammen, die alles andere als "urchristlich" bzw. "christlich" sind. Neben den pentekostalen Einschlägen, die das eigene Ergriffenwerden zum persönlichen Lehramt erheben, so kam auch oft eine geistige Art von Boderlinestörung hinzu, die mal in krassen Relativismus, ein anderes Mal dagegen eine ebenso blinde (und aus dem Kontext gerissene) Buchstabengläubigkeit mündet, die sich durch eine echte oder nur eingebildete Gruppenkonkurrenz weiter verschärft und die eigene Exklusive Identität gegenüber den (übrigens heidnisch, wenn nicht den eigenen Ansichten folgenden) "Normalos" festigt. 

Bei den angesprochenen Zeugen Jehovas waren das einerseits ein primitivistisch romantisierter und gleichzeitig nie  wirklich dogmatisch gefestigter Glaube, der anfangs durch den obskuren Pyramidenmystizismus ihres Gründers Charles Taze Russell zunächst einen pseudowissenschaftlich-esoterischen Anstrich erhielt, später aber unter Hervorhebung des Begriffes "Bibelforscher" bemüht war, selbst die Modernisten in ihrer Anzweiflung des bisherigen offiziellen kirchlichen Bibelglaubens zu übertrumpfen. Als deutlichstes Beispiel sei die Ablehnung des Kreuzes gegenüber dem "Pfahl" genannt, das sich eher auf einen sich tiefer einfleischenden Antikatholizismus zurückführen lässt als auf historisch-kritische Textforschung.

Aber nicht nur fiktive Geschichten (!) wurden dafür als historische Zeugnisse hinzugezogen, sondern auch alles, was irgendwie alternativ gegenüber der allzu katholischen Auffassung des Glaubens wirkte. Es musste nur intellektuell genug wirken. Wie der Bibelkommentar vom anglikanischen Theologen E.W. Bullinger, von dem die Zeugen Jehovas die Ganztodtheorie übernommen zu haben scheinen, also die Überzeugung, dass mit dem Körper auch die Seele sterbe und lediglich eine Kopie davon nach dem Jüngsten Gericht mit dem ewigen Leben belohnt werde, während andere nicht wieder zurückgeholt werden. 

Und an dieser Stelle trat auch Johannes Greber hinzu. Denn dieser vermarktete seine Bibelversion wie schon zitiert als "Übersetzung nach ältesten Manuskripten". Und wie schon im Artikel mit der Leugnung des Kreuzes gegenüber dem Pfahl aufgezeigt, wurde diese "Übersetzung" nun zum Beweis herangezogen, dass Christus nicht Gott selbst sei, sondern "göttlich" bzw. "(wie) ein Gott" wie die Bibelforscher in ihrer Bibelübersetzung behaupten - obwohl dies dem ursprünglichen griechischen Text nach nicht haltbar wäre. Aber wozu gibt es denn sonst "Experten" wie den ehemaligen katholischen Priester Johannes Greber, der sogar noch in der Online-Version zu finden ist?



Eine weitere Stelle, an der Greber mit seiner "Übersetzung" auftaucht, ist die Behauptung, dass die auferweckten Gerechten, die nach der Auferstehung Christi in Jerusalem gesichtet wurden (Mt 27, 52-53), nicht wirklich auferweckt wurden - was ja sonst der Ganztodtheorie widersprechen würde -, sondern lediglich ihre Leichen freigelegt wurden. Oder "emporgeschleudert".



1983 wird jedoch von einem Leser gefragt, warum in den Schriften der Zeugen Jehovas "aus der Übersetzung des ehemaligen Priesters Johannes Greber" nicht mehr zitiert wird. Die Antwort: Anhand eines Vorwortes aus dem Jahre 1980 habe sich herausgestellt, dass Greber als Hilfe zur Übersetzung vom Spiritismus Gebrauch gemacht habe. Und das "wird für ungebührlich erachtet, im „Wachtturm“ eine Übersetzung zu zitieren, die mit dem Spiritismus in so enger Verbindung steht (5. Mose 18:10-12)."


Was jedoch nicht verraten wird: Bereits 1956 war im Wachturm-Artikel "Triumph über böse Geistermächte" die Verbindung Grebers zum Spiritismus bekannt.


Auch von den Veränderungen in Grebers "Übersetzung" wusste man bereits.


Aber bereits ein Jahr zuvor wies man auf den Spiritisten und "früheren katholischen Geistlichen" Johannes Greber hin, um aufzuzeigen, dass die katholische Kirche angeblich Menschen für den Spiritismus anfällig mache und dagegen keine Einwände erhebe. Was man - im Hinblick auf die obig genannten Fälle Rauperts und Grebers und der ausdrückliche Verurteilung solcher Praktiken durch kirchliche Obere - im besten Falle nur noch als erschreckende Unwissenheit, im schlimmsten letzendlich als schamlose Verlogenheit bezeichnen werden kann.



Epilog: Die Verblenung ihrer Gegner ist der beste Beweis der katholischen Kirche
Trotzdem muss man fragen: Wenn das alles schon 1955 bekannt war - warum wurden dann Zitate von Johannes Greber bis 1983 (explizit in den Schriften 1962 und 1976) verwendet?

Und hier werden die unheimlichen Parallelen zu Johannes Greber selbst sichtbar:
Um seine eigenen Ansichten bestätigt zu bekommen, darf die Fragwürdigkeit der Quelle gerne übersehen werden. Johannes Greber hätte bereits beim seltsamen Verhalten des "Hochengels" und seiner "Untergebenen" skeptisch werden müssen trotz aller wunderbaren Dinge, die er durch ihn erleben und erfahren durfte; die Zeugen Jehovas hätten selbst trotz aller Bestätigung der einen Position eine Art Unterscheidung der Geister bei ihren Quelltexten vornehmen müssen - dann wären nach einiger Zeit noch mehr Ungereimtheiten aufgefallen.

Oder wurden diese aus dem Grund nicht weiter beachtet, weil Greber ebenfalls davon ausging, dass Christus eigentlich der Erzengel Michael gewesen wäre, wie auch die Zeugen Jehovas davon ausgehen und damit die Frage der Glaubwürdigkeit aus subjektiver Sicht bereits geklärt war? War das Gütesiegel "Übersetzung nach ältesten Manuskripten" zu verlockend, um weitere Untersuchungen überhaupt anzustellen oder ist das schlicht und einfach beim Rosinenpicken der Quellen nicht weiter beachtet worden? Wie auch die übrigen Widersprüche, die sich bei einem wirklich kritischen "Bibelforschen" hätten ergeben sollen, aber wegen genereller personaler Inkompetenz dieser "Experten" nicht weiter ins Gewicht fiel?

Es stellt tatsächlich eine ordentliche Portion Ironie dar, dass Antikatholiken wie die Zeugen Jehovas gerade das Selbe lehren wie ein letztendlich heillos zum Spiritismus abgefallener Katholik, wenn beide gerade Christus zu einem Erzengel degradieren, seine Wesenseinheit mit dem Vater leugnen, die Erweckung der Toten zu beseitigen suchen und versuchen, die Ewigkeit der Seele herunterzuspielen - was niemand weiter zu merken scheint. Und sich anscheinend noch niemand über deren Idee Vater Gedanken gemacht hat, der seit den Stammeltern immer wieder gerne Gebrauch macht von der persönlichen Empörung gegenüber einer übergeordneten "angemaßten" Autorität, die einfach nicht so funktioniert, wie man es selbst am liebsten sehen und verstehen möchte.

Greber hat dazu die Hilfe der Geister gesucht, Jehovas Zeugen die einer "kritischen Bibelforschung".
Greber hatte genug Hinweise gehabt, dass diese Geister ihren eigenen Prinzipien widersprechen, die Zeugen Jehovas das Wissen, dass ihre Lehren nur aus zusammengeschusterten und aus dem Kontext gerissenen Textstellen bestehen können.
Und dazu war (und ist) es beiden Recht, für ihr "wahres", einem nur Wenigen zugänglichen exklusives Verständnis des Glaubens und Weltbild die Allmacht Gottes zu leugnen, indem sie das zeitlich fortdauernde Bestehen seiner Offenbarung in der Welt und damit direkt den aktiven Offenbarungs- und Heilswillen Gottes leugnen, der in der Kirche bis zum heutigen Tag wirkt und von dieser auch so verteidigt und verkündigt wird.


Allmächtiger und barmherziger Gott, schau gnädig auf mein demütiges Beten und mache mich, Deinen Diener, den Du, ohne eigene Verdienste, durch die unermessliche Freigebigkeit Deiner Milde den himmlischen Mysterien dienen lässt, zu einem würdigen Diener der heiligen Altäre, damit, was meine Stimme hervorbringt, durch Deine Heiligung gestärkt werde. Durch unseren Herrn. 
Oration für den Jahrestag der Priesterweihe



Donnerstag, 13. August 2020

Kamala Harris: Neues vom demokratischen "Vorzeigekatholik" Joe Biden


Wer denkt, dass Alexandria Ocasio-Cortez (die ich persönlich tatsächlich bereits als amerikanische Version von Swasan Chebli bezeichnen würde)  ein ordentlicher Ausrutscher für die Partei der Demokraten in den Vereinigten Staaten ist, hat bisher noch nichts von Kamala Harris gehört, die vom demokratischen "Vorzeigekatholiken" Joe Biden zur seiner Vizepräsidentin ernannt wurde für den Fall, dass er bei der Präsidentschaftswahl am 3. November gewählt wird.




Für viele US-Katholiken ist sie wie auch Joe Biden bereits als unwählbar eingestuft worden wegen ihrer Feindseligkeit gegenüber katholischen Organisationen, die sich gegen Abtreibung einsetzen, wie den Knights of Columbus, aber auch wegen ihrer Verwicklungen im Planned Parenthood-Skandal, bei denen heimlich Körperteile abgetriebener Kinder weiterverkauft wurden, bei der sie nicht etwa gegen besagte Organisation ermitteln, sondern eine Razzia gegen David Daleiden durchführen ließ, der den Skandal durch heimliche Videoaufnahmen überhaupt öffentlich machte.

Planned Parenthood hat ihr übrigens auch zur Nominierung gratuliert, was an dieser Stelle nicht wirklich verwundern dürfte; Daleiden und die Central for Medical Progress dagegen haben bereits im Mai 2020 Anzeige gegen sie eingereicht.


Aber auch andere Berichte existieren über die "Anwältin der kleinen Leute" - wie sie in manchen deutschen Medien als "erste weibliche schwarze Vizepräsidentin" gerne überschwänglich dargestellt wird - unter den US-Amerikanern, von denen man nicht gerne redet. Die Tagesschau berichtet so neben ihrer Betonung als "Einwandererkind" und den Problemen in den USA, die sie anspricht, auch von der Kritik linker Demokraten, die darauf hinweisen, dass sie gerade sie es war, die während der Wirtschaftskrise 2008 eher auf den "kleinen Leuten" rumhackte, als ihnen Gerechtigkeit zu verschaffen.

Aber es kommt noch besser. Oder eher schlimmer. Kommt darauf an, wie man es sieht...




Mittwoch, 5. August 2020

Pater Damian de Veuster: Ist Diakonie bald auch rassistisch?


 
 


Man kann schon erstaunt sein, auf welche Ideen bestimmte Aktivisten kommen, wenn sie versuchen, "sozialkritische" Treuepunkte zu erhaschen. Nachdem im Rahmen der Unruhen um den Tod von George Floyd das Stürzen von Statuen von Konföderierten langweilig wurden, kamen schnell aus Spanien kommende Entdecken und Siedler ins Fadenkreuz wie Christopher Columbus oder Junipero Serra. Mit Uncle Ben´s, Aunt Jemima und in Deutschland deutlich weniger erfolgreich das Mohrenwappen des heiligen Mauritius peilte man auch schon Darstellungen von Schwarzen an, die trotz Fehlens eindeutig negativ rassistischer Intuitionen als "rassistisch" und "diskriminierend" abgestempelt wurden.

Einen besonderen Patzer an schierer Dummheit erlaubte sich nun in den Vereinigten Staaten die Demokraten-Politikerin,  Aktivistin und Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez (das war übrigens auch die mit den gestellten Photos...), die die von Hawaiianern gestiftete Statue vom heiligen Pater Damian de Veuster als ein Beispiel des "Patriarchats und Weißer Vorherrschaft"  im Capitol von Washington anführte. 

Was natürlich nicht unbeantwortet blieb. Bischof Robert Barron weist auf die Absurdität ihrer medialen Bemerkung hin und stellt den realen Heroismus Pater Damians heraus:



Knights of the Republic schreibt dazu:

Das Schüren von rassischen Spannungen in den Vereinigten Staaten war nur der Steigbügelhalter für den Angriff auf den Katholizismus. Die neueste Forderung von Abgeordneter Alexandria Ocasio-Cortez, die sich selbst als Katholikin bezeichnet, die hawaiianische Statue vom heiligen Damian [de Veuster] von Molokai im U.S. Capitol zu entfernen [pers. Anm: Nein, nicht wirklich], wobei sie es irtümlicherweise es als Symbol des Kolonismus und der "patriarchalen und weißer Vorherrschafts-Kultur" angreift.

Diese Phrasendrescherei kann nicht ferner von der Wahrheit sein und begegnete schnell dem Widerstand Hawaiianischer Katholiken und dem hochgeachteten Bischof Robert Barron, der die Opfer von St. Damian darlegt, die er darbrachte, als er die vernachlässigte Leprosenkolonie auf der Insel Molokai verwaltete und sich darum kümmerte. Tatsächlich ist diese Forderung von AOC ein direkter Angriff auf dieses Opfer. 

Nach 11 Jahren der Pflege von Kranken und Sterbenden steckte sich der heilige Damian mit dieser schrecklichen Krankheit an erlag ihr. Für seine Opfer und vielen Akte der Liebe und Wohltätigkeit wird der heilige Damian von den Gläubigen in Hawaii im hohen Maße verehrt.

In einem Interview mit der Catholics News Agency erklärte Dallas Carter, gebürtiger Hawaiianer und Katechet der Diözese von Honolulu, dass "jeder Hawaiianer, der sich seiner Geschichte bewusst ist - was die meisten Hawaiianer sind - würde, sei er Katholik oder nicht, das Erbe von Damian als einem Mann, der vom Volk geliebt wird, und der für uns ein Held ist, verteidigen wegen seiner Liebe zu den Hawaiianern."

Carter fährt weiter fort, indem er anmerkt, dass "wir ihn nicht aufgrund der Hautfarbe beurteilen. Wir beurteilen ihn aufgrund der Liebe, die er für unser Volk hatte."

AOC und die sozialistischen Demokraten repräsentieren nicht die Überzeugungen und Meinungen der Großen Mehrheit der Amerikaner und Katholiken. Und trotzdem erklären sie, Katholiken zu sein und die liberalen Medien wie der National Catholic Reporter verkünden sie als die "Zukunft der Katholischen Kirche"

Es ist kein Zufall, dass einige der meisten marxistischen und politisch toxischen Leiter im Parlament selbsternannte Katholiken sind [siehe auch das Beispiel Joe Biden]. Diese Politiker sind Produkte einer Kirche, die schweigsam in ihren Lehren wurde und sich selbst entmannte von der Verantwortung, die Stimme der tugendvollen Vernunft und die Führerin des Guten in der Welt zu sein. Leider sind sie ebenfalls Werkzeuge, um den Katholische Widerstand gegen eine atheistische, säkulare und marxistische Regierung zu schwächen. [...] 


Als die Kritik immer lauter wurde, hieß es ihrerseits, dass sie nicht Pater Damian persönlich angegriffen hätte (an dessen Stelle sie vielleicht gerne die letzte Hawaiianische Königin Liliʻuokalani gesehen hätte), sondern die alleinige Vertretung weißer Männer im Capitol allgemein. Was sie auch durch die Anmerkung zu relativieren versuchte, dass sie in dem meist herausgeschnittenen Teil ihres Videos auf die allgemeine weiße männliche Vertretung eingehe.




Was das Problem ihres "Virtue Signaling" nicht wirklich zur allgemeinen Zufriedenheit löst, wenn man noch einmal ihre Originalaussagen hervorkramt, wo speziell die Statue von Pater Damien de Veuster als Beispiel der typischen Vertretung durch "Kolonisten und Siedler" herangezogen wird - auch wenn sie anschließend die übrigen Statuen anpeilt, hätte sie die Bedeutung eben dieser Persönlichkeit kennen sollen. Pater Damian wurde als Beispiel der vermeintliche kolonialen Vertretung der "Weißen" auf Hawaii explizit ohne Rücksicht auf deren indigenen Stifter ausgesucht; da hilft kein nachträgliches "diplomatisches" Herausreden mehr. Nein. 


  


Nicht genannt wird übrigens die Statue von König Kamehameha I., dem ersten König von Hawaii, die wie die Statue von Pater Damien von der Hawaiianischen Bevölkerung selbst an das Capitol gespendet wurde.

Wie das Ökumenische Heiligenlexikon anmerkt war es paradoxerweise auch ihr Parteikollege Barack Obama, der als gebürdiger Hawaiianer und Präsident der Vereinigten Staaten Pater Damian bei seiner Heiligsprechung 2009 durch Benedikt XVI. (1995 wurde er in Brüssel durch Paps Johannes Paul II. seliggesprochen) in höchsten Tönen lobte. Auf Hawaii existiert neben dem Katholischen Gedenktag am 10. Mai sogar ein Father Damien Day, der von der Episkopalkirche der Vereinigten Staaten von Amerika jeden 15. April begangen wird. 

1999 wurde sogar ein Spielfilm mit dem Namen "Molokai: The Story of Father Damien" veröffentlicht, der das Leben und den Einsatz Pater Damians einer breiten Masse von Zuschauern nachvollziehbar darstellt. 



Wie auch die Podcast-Sendung The Catholic Talkshow anmerkte, tat Pater Damian das, was erfolgsverwöhnte politische Karrieristen und Buffet-Katholiken wie Ocasio-Cortez nie tun würden: Echten Leprakranken helfen, ganz alleine eine echte Infrastruktur für die von allen gemiedene Minderheit aus dem Boden stampfen, Beichte hören, Kommunion spenden und die toten Leprakranken selbst beerdigen - bis man am Ende selbst mit der tödlichen Krankheit angesteckt wird und trotzdem bis zum eigenen Tod weitermacht, alleine getröstet von der Gegenwart Jesu im Allerheiligsten der Dorfkapelle. 



Ich werde nie vergessen, wie am Tag meiner Gelübde ein Leichentuch über mir ausgebreitet wurde, um deutlich zu machen: Wer freiwillig den Tod auf sich nimmt, beginnt ein  neues Leben.
Hl. Damian de Veuster


Dienstag, 30. Juni 2020

Sankt Mauritius: Der "Uncle Ben" Deutschlands?




Zum bisherigen bilderstürmerischen Irrsinn
Als im Rahmen der Proteste nach dem Tod von George Floyd begonnen wurde, Statuen von unliebsamen Persönlichkeiten zu stürzen, griff unter dem Todschlagargument "Kolonismus" und "Sklaverei" der Eifer der Bilderstürzer schnell von Konföderierten auf die Gründerväter (George Washington und Thomas Jefferson) selbst über, dann auf Persönlichkeiten der Geschichte wie Christoph Kolumbus, Miguel de Cervantes und zuletzt auch den heiligen Junipero Serra, dem ein regelrechter Genozid von den Hetzern von Unwissenheits Gnaden vorgeworfen wird. Ein Aktivist von Black Lives Matter hat zudem gefordert, dass "weiße Darstellungen" von Jesus und Maria zerstört werden sollten, da sie eine Zeichen "Weißer Vorherrschaft" seien.

Doch die Inquisitoren (die übrigens ihrem Namen nicht wirklch gerecht werden, da sie anders als die historischen Inquisitionen die Vorwürfe nie wirklich prüfen, sondern sofort zuschlagen) haben auch andere, "Nicht-Weiße" Ikonen entdeckt, die wegen verstecktem Rassismus aus der Öffentlichkeit entfernt werden sollten. In Deutschland war die vor zwei Jahren losgetretene Verhüllung des Sarotti-Mohrs in Mannheim nur das Menetekel zu dem, was panischer Aktionismus gegenüber Massenkritik hervorbringen sollten.

In den USA wurde vor einiger Zeit im Zuge der Unruhen bekanntgegeben, dass zwei Brandlogos wegen rassistischer Stereotypen geändert werden sollten: Uncle Ben´s und Aunt Jemima. Was vielen zwangsentdiskriminierten Schwarzen eher sauer aufstieß als wie erhofft Dankbarkeit gegenüber den Aktivisten und nun "aufgeklärten" Konzernen zu empfinden. Auch bei genauerer marketing-historischer Betrachtung stießen diese Aktionen auf Unverständnis.


Zur schieren Dummheit der typischen deutschen Nachläufer
Seien wir ehrlich: Die Sache war so schräg, dass sie mich an die versuchte Abschaffung des Mauritiuswappens Coburgs durch die Nationalsozialisten 1939 erinnerte - natürlich mit rassistischer Begründung aus der anderen Ecke, die bizarrerweise ebenfalls weniger andersrassige Vertreter in der Öffentlichkeit sehen wollte. Also habe ich mich vor einer Woche zunächst entschlossen, die geplante Abschaffung als Aufhänger für einen Artikel über den damals populären Soldatenheiligen Mauritius selbst zu nutzen. So weit, so gut.

Aber weil wir uns ja im Land der ewigen Nachläufer mit null Ahnung über deutsche Geschichte und noch weniger Rückgrat befinden, ist natürlich etwas in der Zwischenzeit passiert.

NÄMLICH DAS HIER.

Ernsthaft: Zwei Frauen haben eine Petition gestartet, die das Ziel hat, das Mauritiuswappen als "verletzenden, rassistischen, kolonialistischen Stereotype eines Schwarzen" abzuschaffen. Warum ein Schwarzer überhaupt im offiziellen Stadtwappen vertreten ist und wen es eigentlich darstellt - nämlich den heiligen Mauritius - wird zunächst nicht einmal gestellt; Hinweise darauf vom Bayrischen Rundfunk (im Video ab 3:06) und der Frankenschau werden als "irrelevant" bezeichnet. So viel mal zu aufgeklärten demokratischen Gesellschaft, die lieber Fahneneide leistet, als nachzudenken (hatten wir auch schon zwei Mal, was ich wohl für den geneigten Leser nicht näher ausführen brauche).





Die Vita des heiligen Mauritius und die Thebäische Legion
Zurück zum Heiligen selbst, der im mittelalterlichen Deutschland teilweise den Status einen Popstars genossen (der sogar die berühmte Heilige Lanze mitgebracht haben soll), heute aber (wie viele Heilige) ein regelrechtes Schattendasein fristet, wenn alleine dessen Name nicht durch Liturgie und Regionalbrauchtum weiter bekannt sein dürfte - wie bei den brave Coburgern, die natürlich wissen, warum sie ihn im Wappen haben.

Mauritius soll ein römischer Offizier der 22. - genannt die "thebäische" - Legion gewesen sein, die aus dem oberägyptischen Theben stammen und komplett aus Christen bestanden haben soll. Um das Jahr 300 wurde diese Truppe unter Kaiser Diokletian nach Agaunum (dem heutigen Walliser Saint-Maurice) gesendet und dem Heer seines Mitregenten Maximianus einverleibt, der die 6.600 Mann dieser Legion (wie im Falle der außerbiblischen Überlieferungen zum Kindermordes zu Bethlehem oder den Zehntausen Märtyrern könnte es sich um eine über die Zeit kolportierte Zahl handeln) als Christen hinrichten ließ. Eine Legende spricht davon, dass diese sich weigerten, den Göttern vor der Schlacht zu opfern, womit sie dem Kaiser und Staat Ungehorsam geleistet hätten; eine andere, dass sie das Meutern angefangen hätten, nachdem ihnen gesagt worden war, dass sie aufgespürte Christen massakrieren sollten.
Als Wortführer der Legion soll Mauritius gesprochen haben: "Kaiser, wir sind deine Soldaten, zuerst jedoch stehen wir im Dienste Gottes. Dir schulden wir militärischen Gehorsam, ihm ein schuldloses Leben. Wir bevorzugen es unschuldig zu sterben, als schuldig zu leben."


Zunächst gab Maximianus den Befehl, das Heer zweimal zu dezimieren, also nur jeden Zehnten zu töten, um die Übrigen zum Umdenken zu bewegen und den Gehorsam gegenüber ihm wiederherzustellen. Doch ließen sich die anderen Soldaten davon nicht nur nicht beeindrucken, sondern gaben sich ganz ohne Gegenwehr ihren Henkern hin, woraufhin Maximianus den Befehl gab, die gesamte Legion auszulöschen. Neben Mauritius kamen auch die der Legion ebenfalls vorgesetzten Heilige Innocentius, Exuperius und Candidus ums Leben, sowie die heilige Verena, die sich einer Legende aus dem 9. Jahrhundert zufolge im Gefolge der thebäischen Legion befand. Die Legionäre Victor und Ursus entkamen dabei nach Solothurn, wo sie aufgegriffen und ebenfalls hingerichtet wurden.

Die ältesten schriftlichen Überlieferung ist die "Passio Acaunensium Martyrum" ("Das Leiden der Martyrer von Agaunum") vom heiligen Eucherius von Lyon aus dem Zeitraum 430/440, die sich auf mündliche Überlieferungen berief und und zusammen mit den dort enthaltenen Mirakelberichten als Hauptquelle über die Martyrer der Thebäischen Legion diente. Aber schon um 430 wurden Mauritius und seine Gefährten im Martyrologium Hieronymianum genannt, was ebenfalls mit den Berichten von geheilten Pilgern auf eine gefestigte kultische Verehrung hinweist. Dazu kommt noch eine anonyme Passio, ebenfalls aus dem 5. Jahrhundert.

590 wurde von Gregor von Tours die Zugehörigkeit des hl. Gereon und seiner Gefährten, die ihr Martyrium im Rheinland erlitten, zur thebaischen Legion behauptet, in der anonymen "Passio Sanctorum Gereonis, Victoris, Cassi et Florentii Thebaeorum martyrum" ("Leiden der heiligen Martyrer Gereon, Victor, Cassius und Florentius") aus dem 11. Jahrhundert wird dargelegt, dass es sich um einen Teil der Thebäischen Legion handelte, der aber abgespalten und in die Gegend um Köln verlegt wurde, und daher getrennt von dem Walliser Teil ein eigenes Martyrium erlitt. Die Popularität der Legion des Mauritius war anscheinend so groß, dass man ihnen auch weitere herausragende Märtyrer aus dem Soldatenstand zurechnete.


Reliquien, Verehrung und Pilgerwesen
Die Reliquien der Martyrer wurden um 380 vom heiligen Bischof Theodor von Sitten aufegfunden, auf den sich Eucherius von Lyon in seiner Passio später beruft. Theodor war es auch, der eine Grabeskirche errichten ließ, die durch ihre verkehrsgünstige Lage am Fuß des Großen St. Bernhard von Reisenden leicht errreicht werden konnte. Zur Zeit Eucherius´ bestand auch eine Pilgerherberge. Das trug zur Popularität nicht nur in der Schweiz, sondern auch im Bereich des heutigen Frankreichs bei, wo er von den Merowingern verehrt und später von den Karolingern zum Schutzpatron des Heeres erhoben wurde.

515 gründete König Sigismund von Burgund die Abtei Saint-Maurice, die noch heute besteht und immer noch eine beeindruckende über Jahrhunderte hin angesammelte Schatzkammer besitzt. Nach 522 erneuerte sie Sigismund aus Buße, nachdem er aus Verdacht an Verrat seinen eigenen Sohn erdrosseln ließ, und wurde dort nach seinem gewaltsamen Tod ebenfalls als Märtyrer beigesetzt. Obwohl das Kloster 939 durch einfallende Sarazenen geplündert wurde, sind heute noch viele wichtige Schätze erhalten.

Eine weitere Kirche bei Saint-Maurice befindet sich bei Vérolliez. Auf der Steinplatte der Märtyrerkirche, die heute als Altarhimmel dient, soll der heilige Mauritius hingerichtet worden sein.

Ihre Bekanntheit, die sich mit den Martyrologien, den legendarischen Schriften und den Pilger verbreitete, waren der Anlass, dass die Reliquien der "Walliser Heiligen" auch in Kirchen außerhalb der Schweiz übertragen wurden; allen voran die des heiligen Mauritius. Der heilige Bischof Ulrich von Augsburg erwarb im 10. Jahrhundert Reliquien des Soldatenpatrons, die später zum Ausgangspunkt der Moritzkirche werden sollten, die von Bischof Bruno, dem Bruder Kaiser Heinrichs II. und Berater des ersten Salierkaisers, erbaut wurde. Wahrscheinlich hatte diese auch in der Bevölkerung einen starken Einfluss; in Allmannshofen befindet sich eine Wallfahrt zu einem Mauritius-Gnadenbild, das 1710 eine neue Kapelle, die heutige "Klause" erhielt. Weitere Reliquien gelangten in den Dom zu Köln (wo ein Buntglasfenster aus dem Mittelalter von ihm immer noch erhalten ist), in den Magdeburger Dom, Echternach, in die Abtei Tholey im Saarland, in die Jesuitenkirche in Wien, Auxerre, der Kathedrale von Vienne (Kopfreliquie) und St-Riquier. Durch den heiligen Anno von Köln gelangten Reliquien in die Abtei St. Michael nach Siegburg in Nordrhein-Westfalen, die sich seit der Auflösung des Kloster durch die Säkularisation in der Schatzkammer von St. Servatius befinden.

Über seine Verehrung in Magdeburg gelangte Mauritius als Heiliger über die mittelalterlichen Handelsverbindungen auch bis ins Baltikum. Die St-Georgs-Bruderschaft der sich im Baltikum aufhaltenden norddeutschen Kaufleute wurde diesem Heiligen umgewidmet und besteht unter dem Namen "Schwarzhäupter" heute teilweise immer noch. Die aus Magdeburg stammenden Bronzepforten für die Kathedrale im polnischen Płock mit einer Darstellung des Mauritius von gelangten später auf bisher ungeklärte Weise nach Nowgorod, wo sie noch heute an der Sophienkathedrale zu sehen sind.

Er gilt unter anderem als Schutzpatron der Soldaten, Waffen- und Messerschmiede, Kaufleute, Färber, Wäscher, Hutmacher und Glasmaler. Neben dem Schutzpatronat Burgunds, des Kanton Wallis und der deutsch-römischen Kaiser kam ihm auch das des Herzogtum Savoyen und von Piedmont zu. 1941 ernannte ihn Papst Pius XII. zum Schutzpatron der italienischen Alpini-Einheit.

Sein Gedenktag ist der 22. September.


Der Reichsheilige Mauritius
Bereits 960 kam Kaiser Otto der Große durch seinen Schwiegervater, den König von Burgund (als dessen Schutzpatron Mauritius seit der Krönung König Rudolfs I. 888 in der Abtei Saint-Maurice galt), in den Besitz von Mauritius-Reliquien, die für seinen Dom in Magdeburg bestimmt waren. Zwei Jahre später ließ er sich von Papst Johannes XII. das Fest und Mauritius als Schutzpatron der Ottonen bestätigen. Otto selbst schrieb der Fürsprache des Mauritius den Sieg über die Ungarn 955 bei der Schlacht gegen die Ungarn auf dem Lechfeld zu. Er  ließen sich später im Magdeburger Dom bestatten; Ottos erste Ehefrau Edgitha, die bereits 946 verstarb, wurde später ebenfalls dorthin umgebettet, nachdem sie ihr Grab im bereits vorher existierenden Moritzkloster hatte.

Später wurde das Patronat des heiligen Mauritius auch auf die übrigen Kaiser ausgedehnt, sowie auf das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Seit dem 12. Jahrhundert wurde die Salbung des deutsch-römischen Kaisers am Altar des heiligen Mauritius vollzogen.


Mauritius und die Heilige Lanze von Wien
Eine weitere explizite Nennung des Heiligen besteht bei der Heiligen Lanze, die zu den Reichskleinodien in Wien gehört. Es handelt sich dabei in ihrer Form um eine fränkische Flügellanze, die neuesten Untersuchungen zufolge wahrscheinlich zwei Metallteile einer Herrenreliquie enthält, die dort eingearbeitet wurde - wahrscheinlich von den Nägeln von der Kreuzigung Christi. Eine ähnliche Vermutung hat man übrigens auch bei der Heiligen Lanze in Echmiadzin in Armenien.

Missverständlicherweise wurde sie auch als die Lanze des Longinus gedeutet, der damit überprüfte, ob Jesus schon tot war, als man am Abend vor dem Fest den übrigens lebenden Gekreuzigten die Bein brach, um sie schneller sterben zu lassen, und daraufhin Blut und Wasser aus dessen Seite flossen (Joh 19,31-37).

Die weitere Bezeichnung als "lancea sancti Mauritii" ("Lanze des heiligen Mauritius") lässt sich schriftlich im 11. Jahrhundert nachweisen. Die Verbindung mit dem Heiligen lässt sich wahrscheinlich davon ableiten, dass sich diese Reliquie zuvor ebenfalls im Besitz des burgundischen Königs befand, bis 926 Rudolf II. diese im Tausch gegen die Region um Basel Kaiser Heinrich I. übergab, dem Vater von Otto dem Großen, der sie schließlich in der Schlacht auf dem Lechfeld bei sich führte.

Da später aus Burgund wertvolle Knochenreliquien von Mauritius in Besitz des Kaisers gelangten, wurde scheinbar ein Zusammenhang mit diesem Nationalheiligen vermutet, sodass später unter Kaiser Heinrich III. eine Silbermanschette angebracht wurde, die die "Mauritiuslanze" als von eben diesem Heiligen stammend bezeichnete.


Warum wird Mauritius auch als Schwarzer dargestellt?
Was natürlich die große Preisfrage ist, der unsere lieben Petitionistinnen am liebsten als "irrelevanter" Umstand aus dem Weg gehen wollen. Denn ursprünglich war Mauritius eben NICHT als Afrikaner mit schwarzer Hautfarbe dargestellt worden, sondern als normaler Soldatenheiliger wie auch Sankt Georg, wie man so schön am Sigismundschrein von St-Maurice sehen kann. Auch existierten neben den Afrikaner-Darstellungen parallel weiterhin Darstellungen, die Mauritius als hellhäutigen Mann zeigen.

Die älteste Darstellung als Schwarzer stammt aus der Deutschen Kaiserchronik aus dem 12. Jahrhundert, die Mauritius als den "herzoge der More" bezeichnete. Bei dem bereits im 8. Jahrhundert verwendeten deutschen Begriff Mohr bzw. Mor handelt es sich um eine Anlehnung des lateinischen Maurus, das die Einwohner der Nordwestafrikanischen Provinz Mauretanien (heute Marokko, nicht das moderne Mauretanien!) bezeichnete; erst später wurde dieser Begriff auch aufdunkelhäutige Menschen und die Einwohner Äthiopiens übertragen.

Eine Synomymisierung dürfte wahrscheinlich über Handelskontakte mit dem islamischen Nordafrika oder dem maurisch besetzten Spanien, wo Dunkelhäutige auch als Soldaten dienten, in vielen Fällen aber als Sklaven gehalten wurden (übrigens in einigen Teilen leider wieder aktuell...), die sich die Araber im südlicheren Afrika erwarben, von unwissenden Europäern aber als genuine Bevölkerung gedeutet worden sein könnten.

Nun dürfte mit dem Hintergedanken, dass Mauritius wahrscheinlich ebenfalls ein dunkelhäutiger (Nord-)Afrikaner gewesen sein könnte, der lateinische Name sprichwörtlich als "der aus Mauretanien stammende/wie ein Mauretanier" gedeutet worden sein. Neben seiner wohl berühmtesten Darstellung am Magdeburger Dom aus dem 13. Jahrhundert (das vor einiger Zeit für das Dommuseum rekonstruiert worden ist) kam es erst um das 14. Jahrhundert zu einer weitverbreiteten Darstellung des schwarzen Ritterheiligen, besonders im mitteldeutschen Raum, während andere Teile Deutschlands diese "Exotisierung" nicht mitmachten. Dazu gehören zum Beispiel die Abtei Tholey, das Straßburger Münster, aber auch außerdeutsche Darstellungen wie von El Greco in Spanien, wo man eigentlich in der Zeit nach der Reconquista 1492 die nordafrikanischen Verhältnisse und Einwohner besser kannte, die im Kontakt mit den Arabern standen, die jahrhundertelang große Teile der spanischen Halbinsel besetzt hielten.

 

Der große goldene Ohrring, der übrigens beim Coburger Wappen in seiner Frühzeit noch nicht auftauchte, kam besonders in der Barockzeit durch die Darstellungen und Drucken von Afrikareisenden als typische Stereotype für die Schwarzen Ureinwohner in Umlauf, wobei diese oft in Gold bekleidet gezeigt werden - wahrscheinlich ein Nachhall auf den fernen mythischen edlen Priesterkönig Johannes und dessen sagenhaftes Königreich, das mit seinen leicht findbaren Schätzen unter andrem in Äthiopien vermutet wurde, wo ja auch die "Mohren" beheimatet sind. Trotzdem finden sich ab und an auch Darstellungen aus der Renaissance mit dieser Darstellung, wie beim von Hans Süß von Kulmbach hergestellten Kulmbacher Altar aus dem Jahre 1518 oder einer weiteren Darstellung von ca. 1520, das Mauritius als Landsknechtführer und dessen ebenfalls dunkelhäutige Gefährten als Landsknechte zeigt - wobei Mauritius als einziger auffällige Ohrringe trägt, wahrscheinlich um ihn als Adeligen auszuzeichnen.


Das Mohrenwappen der Stadt Coburg
Bei der Übertragung der Mauritius-Reliquien nach Magdeburg machten diese auch Station in Coburg, wo auch ein Teil davon in der noch heute bestehenden Morizkirche platziert wurde. Die Popularität des Soldatenheiligen zeigte sich zunächst darin, dass zunächst diese Kirche, die bisher dem heiligen Stephan geweiht war, zwischen 1150 und dem 14. Jahrhundert umbenannt wurde. Ein zusätzlicher enormer Popularitätsschub fand 1430 statt, als er nach seiner Anrufung durch die Coburger Bürger während den Hussiteneinfällen zum Stadtpatron ernannt wurde.

Doch bereist 1380 tauchte die in der Heraldik als "Mohrenkopf" bekannte Darstellung (übrigens auch mit dem "Freisinger Mohr" im Wappen von Papst Benedikt XVI. vertreten) als Meisterzeichen eines Coburger Münzers auf (was 1493 noch einmal als verpflichtende Darstellung schriftlich in einer Urkunde genannt wird), daneben auf Coburger Münzen des 14. und 15. Jahrhunderts. Aus dem Jahre 1521 stammt schließlich das älteste Siegel mit diesem Stadtwappen. Das heute offizielle Wappen taucht in den noch immer gültigen Farben um 1570 auf. Die heute gültige heraldische genormte Form ist seit 1974 offiziell.

Eine sehr schöne Darstellung aus dem Jahre 1575 befindet sich am Erker des Coburger Rathauses, das Mauritius als dunkelhäutigen Afrikaner in der damals bei Adeligen noch weit verbreiteten Ritterrüstung mit Goldverzierung und Wappenschild mit schwarzem Meißender Löwen und Mohrenkopf zeigt. Eine weitere Mauritiusskulptur mit Marschallstab befindet sich auf dem Giebel des Rathauses, dass von den Bürgen den ironischen Spitznamen "Bratwurstmännle" erhalten hat.

Auffällig ist, dass dieses Wappen nach Einführung der Reformation 1524 weiterhin beibehalten wurde. Eine ähnliche Beobachtung kann man bei Bad Sulza machen, in deren Siegel er 1567 noch vertreten war und als Schutzpatron der Salzsieder galt. Daneben existieren in Deutschland auch weitere Wappen mit Darstellungen eines Mohren bzw, eines explizit dunkelhäutigen Ritters, der sich auf den heiligen Mauritius zurückführen lässt.


Ist der Coburger Mohr rassistisch? Ein Blick auf die Ideologien.
Die Frage nach Rassismus ist immer auch die Frage nach der Ideologie, die das Thema durch die entsprechende Brille betrachtet. 1934 waren dies (mit sichtbaren Erfolg) die Nationalsozialisten, die den Coburger Mohr auf längere Zeit losgeworden sind. Da der Mohr in den Augen der neuen Machthaber der Stadt für einen fremden, der deklarierten heroischen und kulturfähigen nordischen Rasse entgegenstehenden Menschenschlag stand, wurde das alte Wappen durch die Darstellung eines farbig geteilten Schwertes mit Hakenkreuzgriff in den üblichen Farben Schwarz und Gelb ausgetauscht. Ab dem 1. Mai 1945 kehrte dann das Mauritiuswappen ohne Beschwerde von Seiten der alliierten Besatzungsmacht als Zeichen der Stadt zurück.

Dass die Diskussion von Amerika nun auf Deutschland versucht überzuschwappen, verrät schon die Oberflächlichkeit dieser monologen Diskussion, die in jeder Darstellung eines Schwarzen durch eine "Weiße Kultur" als geistige Unterdrückungsphantasien deutet, um vermeintliche "Verantwortliche" bloßzustellen, während man selbst den Eindruck macht, mit diesen Situationen selbst nicht klar kommen zu können. Im Falle des Uncle Ben´s-Logos wurde behauptet, dass es sich bei diesem um einen "schwarzen Farmer" gehandelt habe, obwohl dieser (sein Name soll Frank Brown gewesen sein) Angestellter in einem Restaurant in Chicago um 1946 war und dessen Gesicht wegen seiner vertrauenserweckenden Ausdrucks übernommen wurde. Der Name "Uncle Ben" stammt dagegen wirklich von einem afroamerikanischen Reisbauer, der nach Angaben des Mars-Konzerns für die Qualität seines Reises berühmt gewesen sein soll; mit den Südstaatensklaven dürfte das wohl wenig zu tun haben, die es übereifrige Demonstranten gerne suggerieren wollen. Auch bei Schwarzen sorgt die Bilderstürmerei für Unverständnis, die man teilweise bei den ersten Nennungen für humoristische Fehlmeldungen hielt.

Der Witz an der ganzen Sache ist natürlich, dass sich damals viele für die Darstellung des Mauritius als Schwarzen nicht etwa wegen "weißen" Überlegenheitsgefühlen gegenüber Nicht-Weißen entscheiden haben, sondern weil eine Darstellung als Weißer von einigen als unangemessen betrachtet wurde, wenn es sich bei ihm doch wahrscheinlich um einen "Mauretanier" gehandelt habe - eine Ansicht die man in einem moderneren Terminus vielleicht als Kritik an einem scheinbaren "Whitewashing" bezeichnen könnte und man deswegen mit einer akkurateren Darstellung nachkommen wollte, die natürlich wegen ihrer für viele Menschen in Deutschland ungewohnten Erscheinung noch bekannter wurde.

Ein gegenteiliges Extrem ist inzwischen in der englischsprachigen Sphäre zu beobachten, wo das Mauritiuswappen als Beweis für die Überlegenheit der "schwarzen Rasse" herhalten muss, deren weltweite Kulturleistung durch die Verschwörung der Weißen ("Albinos") systematisch gestohlen worden sein soll. Nationalsozialistisches Rumgedöhnse also diesmal auf Afroamerikanisch (vgl. dazu auch die rassistische und antisemitische Black Hebrew-Bewegung, die damals maßgeblich an der Bedrängung der Schüler von Covington High beteiligt waren), wobei behauptet wird, dass es sich bei den Darstellungen von Mauritius um schwarze Adelige handelte, die in Europa geherrscht hätten. Der völker- und rassenübergreifende Heilige muss nun also als Vehikel für die eigenen Herrschaftsphantasien herhalten.

Natürlich muss man sich an dieser Stelle fragen, was Rassismus bedeutet. Durch das Abdriften von genetisch-äußerlichen Merkmalen kann es zu verschiedenem Wuchs, Statur und Hautfarbe bei den Menschen kommen. Menschen jedoch nur darauf als alleinigen Wert reduzieren (was besonders bei "Mischrassen" wie südamerikanischen Latinos schwierig werden wird), stellt eine Ungerechtigkeit innerhalb der Schöpfungsordnung Gottes dar.

Menschen jedoch zu bevormunden alleine wegen vermuteter "rassistischer Strukturen" stellt ebenfalls eine Form des Rassismus dar, da man sie in vielen Fällen lediglich zu Opfern degradiert und ihnen vormacht, dass sie auf Dauer alleine durch diesen Status sich Rechte einklagen könnten. Bei der Demokratischen Partei in den USA (deren Mitglieder in der Vergangenheit übrigen den Ku-Klux-Klan und die eugenischen Aktionen Margearet Sangers unterstützten) ist dies in der letzten Zeit bereits oft zum Vorwurf geworden, man  gehe regelmäßig mit Versprechen, den Rassismus zu beenden auf Stimmenfang bei der afroamerikanischen Bevölkerung, ohne wirklich dem Problem nachzukommen - wenn es kein Problem mehr gibt, dann kann man ja auch nicht mehr wiedergewählt werden, um dieses Problem zu beseitigen. Während in der Zwischenzeit die Unruhen um den Tod von George Floyd sich besonders in von Demokraten regierte Gebiete handelt, wo auch die Geschäfte von Schwarzen geplündert und sogar Schwarze von Schwarzen getötet werden.

Auch die Protestler und Randalierer im Zuge des George Floyd-Falles sind regelrecht besessen von der Idee, dass es nur Gerechtigkeit geben könne, wenn die Struktur DES ANDEREN entfernt werde. Wobei jedoch nie angemerkt wird, dass man selbst in solche Fallen geraten kann.


Worauf es letztendlich ankommt
Egal ob man Weiß ist oder Schwarz, Europäer, Afrikaner, Aborigine, Asiate oder Latino - es hat immer Menschen in allen Kulturen gegeben, die nicht nach außerpersönlichen Strukturen als Quelle alles Bösen suchten, sondern in das eigene von Gott gegebene Herz schauen und sehen, dass sie selbst verletzt sind. Verletzt durch den Willen, besser als alle anderen sein zu wollen und nach Rache zu sinnen, wenn andere diesen Vorstellungen nicht gerecht werden. Die Vorstellung, dass man selbst mehr wert sei als alle anderen, sogar mehr als diejenigen verdiene, denen in Not Gnade zukam, sieht man am besten im Ausspruch Lamechs, dem Sohn des Brudermörders Kain: "Ada und Zilla, hört auf meine Stimme, ihr Frauen Lamechs, horcht meiner Rede! Ja, einen Mann erschlage ich für meine Wunde und ein Kind für meine Strieme. Wird Kain siebenfach gerächt, dann Lamech siebenundsiebzigfach." (Gen 4, 23-24) Besser wurde die Situation übrigens nicht - trotz aller gottvergessenen Kraftprotzerei.

Jesus Christus hat sein Leben aus Liebe zum gefallenen Menschen - zu jedem gefallenen Menschen - hingegeben, dass er an der neuen Schöpfung und der Liebe teilhabe, für die er von Anbeginn den Menschen bestimmt hat, aber diese durch die Sünde zerstört wurde. Die Apostel haben aus Liebe zu den Menschen ihr Leben hingegeben für ihren Schöpfer. Und das taten auch Mauritius und seine Gefährten. Jeder Mensch ist in den Augen Gottes unendlich wertvoll. "Gottes Ruhm ist der lebende Mensch", sagte Aurelius Augustinus, ebenfalls aus Nordafrika, dazu. Das können weder Besitz, Sklaverei, Gesellschaft, Unfreiheit, Rasse oder körperliche und geistige Einschränkungen ändern.

Jeder wird am Ende seines Lebens vor dem Richterstuhle Gottes enden und gerichtet werden nach seinen Werken - nicht nach denen der anderen. Und keine ideologischen Strukturen oder Rassen können das ändern. Der heilige Mauritius und seine Gefährten gingen uns voran und warten mit dem Siegeskranz des Lebens auf uns.

Wollen wir uns im Kreise drehen mit der Frage, welche Hautfarbe er hatte und ob Bilder von ihm irgendwie rassistisch und beleidigend seien in einer Welt, die sich durch die Sünde kaum mehr selbst zusammenhalten kann, während wir dessen Zeugnis und das aller anderen Nachfolger Christis verachten - oder folgen wir ihm direkt nach zu Dem, für den er Zeugnis mit seinem ganzen Leben ablegte?

Durch himmlische Sakramente und Freuden erquickt, bitten wir Dich, flehentlich, Herr, dass wir durch die Hilfe derjenigen, deren Triumph wir uns rühmen, beschützt werden. Durch unseren Herr.  
Kommemoration vom Hl Mauritius und seinen Gefährten



Empfehlenswerte Links zum Thema:
- Informationen zum hl, Mauritius und dem Wappen der Stadt Coburg
- Der Eintrag zum hl. Mauritius im Ökumensichen Heiligenlexikon
- Eintrag auf "Gebet für die Schweiz"
- Die Abtei Saint-Maurice in Wallis