Freitag, 14. Februar 2020

Schräger als Fiktion... Teil 6


Der eigentlich Skandal besteht ja gerade darin, dass sein Bruder Luigi nie wirklich ernst genommen wurde. Aber so ist das wohl, wenn man nur den Namen kennt, aber sich nie wirklich mit dem Game Lore auseinandergesetzt hat.





Montag, 10. Februar 2020

Liturgische Kängurus in Rom




Man kennt vielleicht diverse Behälter für Öle in Form von Tauben als Zeichen des Heiligen Geistes - zu sehen zum Beispiel bei den Kronjuwelen im Jewel House im Tower of London. Oder die berühmten Aquamanilen in der Form von Löwen und Pferden (mit oder ohne Reiter), die vor allem für die Handwaschung im sakralen oder profanen Bereich im Gebrauch waren.

Neu dagegen sind Leuchter mit australischen Kängurus als Füße, die in der Kirche des Domus Australia im Zentrum Roms ihre Verwendung finden. Bei dem Domus Australia handelt es sich um ein Gästehaus für australische Pilger, das von der Erzdiözese Sydney und anderen Bistümer begründet und 2011 offiziell von Papst Benedikt XVI. nach massiven Renovierungsarbeiten am ehemaligen Konventsgebäude der Maristenpadres eröffnet wurde.

Aber vielleicht denken Viele an dieser Stelle weniger an Benedikt XVI. als an den Reisepapst Johannes Paul II., der sich gerne mit den lieben Tierchen ablichten ließ.


 




Freitag, 7. Februar 2020

Sonntag Septuagesima: Wenn am Abend zuvor nicht nur Leichen im Garten vergraben werden




Neben dem jährlichen Ritus der Franziskaner, in Jerusalem am Karfreitag eine bewegliche Figur des Gekreuzigten zu begraben, gibt es in einigen traditionellen Gemeinden ein eigenes Begräbnis für das liturgische Alleluja, auf das in der Fasten- und Karzeit verzichtet wird und erst wieder zu Ostern erklingt - wenn es gemeinsam mit dem Herr wiederaufersteht.

In manchen Gemeinden kann es sich um ein gesamtes Banner handeln, in anderen lediglich um einen kleinen Zettel.


Und in wieder anderen wird das ganze sogar mit kleinem Sarg, markiertem Grabmal und Blumenschmuck zelebriert.


In einigen anderen Gemeinden "begräbt" man es symbolisch auch ganz einfach unter der Decke eines Seitenaltares der Kirche.




Dienstag, 4. Februar 2020

Die Kapelle und Quelle St. Ottilien bei Freiburg/Breisgau




Für viele, die oft durch Arbeit oder in ihrer Freizeit in die Schwarzwaldstadt im Breisgau kommen, dürfte es ein wenig befremdlich sein, dass Freiburg je etwas anderes war als die typisch süddeutsche Esoterik- und Ökohochburg. Ganz früher war sie bisweilen Zentrum für Edelsteinschleifereien, hat dazwischen aus purem Konkurrenzneid eine ganze Siedlung plattgemacht und stieg im 19. Jahrhundert zur Regionalstadt des Okkulten auf. Heute dürfte die Stadt eher durch eine missglückte Uni-Bibliothek, Einkaufsziele für Schweizer und als Ausnüchterungsbereich des örtlichen Adrenalin-Kurortes eher bekannt sein.

Ortkundigen sind daneben auch regelrechte Juwelen von Wallfahrtskirchen bekannt, die leider weit auseinander liegen. Früher waren es in der Stadt gleich mehrere, heute sind lediglich nur noch vier von Bedeutung. Und eine davon gehört zu den wahrscheinlich ältesten Wallfahrtsorten Deutschlands.

Es handelt sich dabei um die Waldkapelle St. Ottilien, die sich in 480m Höhe im Stadtwald Freiburg südlich des Rosskopfes befindet. Zu Fuß sind es von der Freiburger Altstadt 4,5km, von der Haltestelle in Freiburg-Ebnet 2,5km - wobei die Höhensteigung berücksichtigt werden sollte.



Benannt wurde die Kapelle nach Ottilia bzw. Othilia oder Odilia vom Elsass, die im Mittelalter als Helferin gegen Augenleiden bekannt wurde. Geboren wurde Odilia um 660 im Elsass als Tochter von Herzog Eticho und Berswinde, Tochter von König Sigebert III. von Austrasien und Nichte des heiligen Märtyrers Leodegar von Autun. Lange Zeit hatte sie unter ihrem herrischen Vater zu leiden, der während den Kriegswirren später für den Tod des heiligen Abtes Germanus von Granfelden und seines Begleiters Randoald verantwortlich sein sollte, der sich gegen dessen regelmäßige Plünderungen der Bevölkerung beschwerte.



Der Legende nach soll er vorgehabt haben sie zu töten, da sie als sein erstes Kind blind geboren wurde, worauf sie ihre Mutter rettete und ihre Amme sie in das Kloster Baume-les-Dames nördlich von Besançon brachte, wo sie durch die Vermittlung eines Engels im Alter von 12 Jahren durch den heiligen Wanderbischof Erhard von Regensburg getauft wurde und dabei ihr Augenlicht zurückerhielt. Ihr jüngerer Bruder ließ sie der Legende nach wieder nach Hause zurückkehren, worauf dieser vom zornigen Vater erschlagen, von Odilia aber wieder zum Leben erweckt worden sei. Doch schon bald geriet sie selbst wieder ins Fadenkreuz, da der Vater die nun geheilte Tochter planmäßig weiterverheiraten wollte - Odilia selbst hat aber ihr Leben nur Gott geweiht, weswegen sie wieder Richtung Rhein floh. Und hier setzt die Legende um die Freiburger Ottilien-Kapelle ein, die neben dem schweizerischen Arlesheim die Höhle bergen soll, in der sich Odilia vor den sie verfolgenden Vater versteckt haben und eine Heilquelle entsprungen sein soll.

Der Vater wurde von herabstürzenden Felsen schwer verletzt . Durch dieses Erlebnis schwer erschüttert, bekehrte er sich und versöhnte sich mit seiner Tochter, der er ein Grundstück auf dem heutigen Odilienberg in den Vogesen 40km südwestlich von Straßburg schenkte, wo sich heute das Kloster Hohenburg befindet, der als "Heiliger Berg des Elsasses" Mont Sainte-Odile allgemein bekannt ist. Dort wurde sie nach ihrem Tod um 723 bestattet und dort wurde auch ihr Vater in einem Grabmal beigesetzt, das man noch heute (in gotischer Form) sehen kann. Zwischen 700 und 710 gründete sie als Äbtissin neben ihrem Hauptkloster auch das Hospiz Niedermünster am Fuß des Odilienberges, das unter ihrer heiligmäßigen Nichte Gundelinde zum Kloster ausgebaut wurde, seit dem Brand 1542 aber nur noch als Ruine besteht.

Unterhalb des Klosters Hohenberg befindet sich auch die berühmte Odilienquelle, die die heilige Äbtissin für einen Bettler entsprungen lassen haben soll als von ihrem Hospiz wieder ins Kloster zurückkehrte.

Der Gedenktag der heiligen Odilia ist der 13. Dezember. Ihr Kult ist vor allem ihrer Heimat, dem Elsass, und in Süddeutschland verbreitet. Neben den Quellen auf dem Odilienberg, in Arlesheim und in Freiburg gibt es auch mehrere schon bestehende Quellen (z.B. aus angeblichen keltischen Quellheiligtümern), die ihr übertragen wurden z.B. in Bettringen bei Schwäbisch Gmünd. Ihre Reliquien sind unter anderem in der Waldkapelle Freiburg, in Buttisholz im Kanton Luzern durch eine Schenkung durch Kaiser Karls IV. und in Gohr bei Neuss zu finden. Eigenständige Wallfahrtsorte befinden sich unter anderem in Eppingen, in Möschenfeld bei München und in der Erzabtei Sankt Ottilien bei Landsberg am Lech. In einigen Gegenden herrscht übrigens auch Verwechslungsgefahr mit der Märtyrerin Odilia von Köln.

Die erste Kapelle soll am Standort der heutigen Waldkapelle bei Freiburg schon 675 bestanden haben, eine Wallfahrt setzt zwischen dem 7. und 13. Jahrhundert ein. In welcher Form dies ausgesehen haben mag, dürfte offen bleiben - vor allem wenn man bedenkt, dass dies noch im frühen Leben der Odilia eingesetzt worden sein soll. Dürfte man das plötzliche Auftauchen einer wundertätigen Quelle mit einer Person verbinden, die beim einfachen Volk bald als heiliggemäße Frau im Gespräch war, dürfte theoretisch man nicht ausschließen, dass es wohl wie im Falle moderner Volksheiliger zu einer Popularisierung dieses Ortes gekommen sein dürfte.



Auf jeden Fall wurde 1100 eine neue Kapelle gebaut, die 1503 durch die Stiftung des Freiburger Ratsherren Peter Sprung und seine Frau Elisabeth Zehenderin ihre heutige Gestalt erhielt. 1714 kam es zu einem Neubau nach Westen, wobei die bisher freistehende Höhle mit Quelle in das Gebäude integriert wurde. Davor musste die Kapelle oft unter den  Kriegen um Freiburg leiden. 1632 wurde sie durch die Schweden geplündert und zerstört, 1713 kam es während des Spanischen Erbfolgekrieges zur Zerstörung durch den französischen Marschall Louis-Hector de Villars, das nur eines der Techtelmechtel der Franzosen mit den Habsburgern um die Vorherrschaft darstellt, unter der auch 1744/45 die Burg Freiburg geschleift wurde, die sich 4km von der Ottilienkapelle entfernt befindet. Die letzten Restaurierungen fanden 1966/67 statt (wobei die heute sichtbaren Fresken freigelegt wurden) und von 2015 bis 2017, wobei eine automatische Belüftung der Quelle eingebaut wurde, um die zunehmende Feuchtigkeit und Schimmelbildung einzuschränken.

Neben den physischen Zerstörungen kündigte sich auch öfters das säkulare Ende dieser Kapelle an. 1770 wurde durch ein Einschreiten von Kaiser Joseph II. eine Schließung verhindert, der jedoch andere Kapellen zum Opfer fielen. 1785 kam es zur Schließung durch ein Kaiserliches Dekret, das auf Joseph II. ausgestellt war, was jedoch 1791 nach Protesten der Bevölkerung wieder aufgehoben wurde. Der sich daraus ergebende Bescheid verhinderte ebenfalls eine Schließung durch die Badische Regierung während der Säkularisation 1807.

Die Wallfahrer kamen früher hauptsächlich aus dem Elsass, Baden und dem Oberrheingebiet bis in die Schweiz und ist mit der Gaststätte nebenan ein beliebtes Ausflugsziel.



Anfangs hat mich diese Kapelle besonders wegen der Frage interessiert, ob hier tatsächlich so etwas wie eine Höhle besteht. In einigen Photographien war zwar die bekannte Vorderfront aus Kalksteinstücken mit den Figuren aus dem Jahre 1780 zu sehen; jedoch war nicht ersichtlich, ob es sich um eine echte Höhle mit Quelle oder nur einen Nachbau oder ein nachträglich selbstgebautes Brunnenhaus handelt. Was sich nur bei einem Besuch vor Ort begutachten lässt.

Die Höhle befindet sich in einem abgetrennten Bereich im Westen der Kapelle, die man durch eine gotische Tür betritt. Und hier fängt die Überraschung an, denn es geht über eine Treppe erst einmal drei Meter abwärts, wo sich die obig gezeigte künstliche Höhlenfront befindet.


Unterhalb dieser Aufschüttung befindet sich ein gemauerter Schachtzugang, der durch ein Gittertor verschlossen ist und aus dem über eine Rinne das Quellwasser abfließt. Und hier dürfte die Suche schon schnell wieder aufhören, wenn man zufälligerweise keine Taschenlampe bei sich hat.


Wie gesagt: Wenn man keine Taschenlampe dabei hat. Hat man eine dabei, dann kann man tatsächlich durch den gemauerten Schacht durchleuchten bis man an dessen Ende eine massive Höhle vorfindet, in der Richtung links locker ca. vier Personen Platz haben und sich Wasser in einer Böschung am Boden sammelt, das über eine Rinne nach außen gelangt.


Es lässt sich jedoch nicht mit Genauigkeit sagen, ob dies wirklich die Höhle gewesen ist, in der sich die heilige Odilia versteckt hat. Eine Untersuchung hat übrigens ergeben, dass das Wasser, das meist zum Auswaschen der Augen verwendet wurde, Radon enthält; ein ähnliches Wasser wird auch in den Vital Thermen in Menzenschwand bei St. Blasien im Schwarzwald verwendet.

Von einem Konsumieren würde ich persönlich abraten. Vor allem wegen der alten Wasserrinne, in der sich so Einiges angesammelt haben dürfte.


Die Wanderroute mit dem Kreuzweg beginnt bei der ehemaligen Kartause (kleiner Kreis), wobei es mehrere Wege zur Kapelle mit der Gaststätte gibt (großer Kreis):





O Gott, Du Licht der Völker,
Du hast die Hl. Ottilia durch Wunder verherrlicht und der Blindgeborenen im Hl. Sakrament der Taufe das Augenlicht gegeben. Wir bitten Dich nun vertrauensvoll:
Schenke uns auf ihre Fürbitte hin die Gesundheit des Leibes und der Seele, damit wir hier in diesem Leben mit den Augen unseres Leibes in der Schöpfung die Spuren Deiner Weisheit und Liebe sehen können und dereinst im anderen Leben Dich selbst unverhüllt schauen dürfen ohne Ende.

Durch Christus, unseren Herrn. Amen





Zu empfehlende Lektüren, die als Quelle dienten: 
- Hermann Bromer (Hrsg.): Wallfahrten im Erzbistum Freiburg. Verlag Schnell & Steiner, 1990. ISBN: 978-3-7954-0850-3. Da das Buch inzwischen vergriffen ist, wird eine Bestellung bzw. Anfrage in Antiquariaten oder auf Amazon empfohlen.
- Diese nette Festschrift der Erzabtei St. Ottilien
- Ihr Eintrag in dieser ausführlichen Legendensammlung


Freitag, 24. Januar 2020

Charles A. Coulombe: Die Wissenschaft hinter den Eucharistischen Wundern




Autor Charles A. Coulombe antwortet in der Tumblar House-Serie einer Zuschauerfrage, ob es wissenschaftlich einsehbare Ergebnisse zu den eucharistischen Wundern gibt, von denen man immer wieder hört - wie im polnischen Liegnitz:


Vincent Francini: Ich würde hierzu eine wichtige Sache ergänzen, die viele Kleriker gesagt haben - zurecht -, dass man vorsichtig sein muss, wenn man Gott in eine Petrischale legt und man das Mikroskop nimmt und man sagt: "Okay, lasst mich das verifizieren. Diese Sache passiert wirklich, weil..." Du bist der Wissenschaftler und Gott ist dein Experiment - aber so funktioniert das nicht.


Charles A. Coulombe: Nein. Das gute an diesen Experimenten ist - mit der Ausnahme von Lanciano, wo ich glaube, dass sie gewusst haben, womit sie es hier zu tun hatten - mit all den neuen eucharistischen Wundern ordnet die Kirche routinemäßig an, dass sie untersucht gehören. Der Grund, warum das getan wird ist, weil es bestimmte Dinge gibt, bestimmte Bakterien und ähnliches, die Blut nachahmen. Was sie also tun, wenn etwas zu bluten scheint - sagen wir eine Hostie - ist ein fester Ablauf: Man sendet es zu einem Labor, aber dem Labor wird nicht gesagt, was sie da untersuchen. 

Das ist extrem wichtig, weil es sich auf den Endbericht auswirkt. Es sind diese Berichte, die den Ausschlag geben, weil die Wissenschaftler nicht wissen, was sie da untersuchen. Das macht das ganze so wichtig. Zum Beispiel in dem einen Fall, wo das Brot und das Fleisch ineinander übergingen, da haben sie festgestellt, dass es sich um menschliches Fleisch handelte und Brot - die ineinander übergingen. Und sie: "Das geht nicht. Das ist nicht möglich, so etwas kann nicht passieren. Wie habt ihr... was ist das überhaupt für eine Probe?"

Die andere Sache, die in diesen Berichten auftaucht, ist, dass es immer die gleiche Blutgruppe ist. Und das ist in modernen Blutwundern der Fall, in Lanciano - das 800 Jahre alt ist - , bei dem Grabtuch von Turin, dem Sudarium von Oviedo. Es ist immer der gleiche Bluttyp.

Aber um es noch schlimmer zu machen: In all diesen Fällen konnten sie nicht die DNA entschlüsseln. Weißt Du warum? Um die DNA zu entschlüsseln, muss die DNA zwei Stränge haben. Das Zeug hat nur einen.


Vincent Francini: Es gibt keine väterliche DNA?


Charles A. Coulombe: Keine väterliche DNA. […] 







Weitere empfehlenswerte Links:
- Kurze PDF-Berichtesammlung über Eucharistische Wunder
- Der Twitter- und Facebook-Seite von Charles A. Coulombe
- Die Homepage von Tumblar House und deren Patreon-Seite
- Der Youtube-Kanal von Tumblar House
- Die Twitter- und Facebook-Seiten

Royales Getwitter


Vergesst Harry und Meghan.

Verehrt das Allerheiligste Altarsakrament. Das ist royal.
(Gefunden HIER)


Die Sage von Rudolf von Habsburg und dem Priester war übrigens ein beliebtes Motiv der Historikenmaler der Romantik, die von einer Restauration des mittelalterlichen Reiches träumten und dessen Tugenden bildlich umsetzten.
Wie dieses Gemälde von Johann Peter Krafft (1780-1856) von 1849, als die Revolution in den Deutschen Landen tobte.



Bestattet liegt Kaiser Rudolf I. übrigens in der Kaiserkrypta im Dom zu Speyer am Rhein.




Sonntag, 12. Januar 2020

RIP Sir Roger Scruton




Heute verstarb mit 75 Jahren der britische Schriftsteller und Philosoph Sir Roger Scruton.

Er wurde vor allem für sein Eintreten für den Konservatismus in Politik und Kultur bekannt, was auch dazu führte, dass er im April 2019 Opfer einer Diffamierungskampagne wurde, weswegen er als Berater für Fragen der Baukultur bei der britischen Regierung entlassen wurde. Als bekennender Anglikaner wies er auf die "Entfinsterungsfunktion des menschlichen Geistes" durch die Religion hin und kritisierte die Banalisierung der Kultur, die in ihrer letzten Funktion nur noch eine zynische "Wertschöpfung" mit Verfallsdatum darstellt.

2016 wurde Scruton von Königin Elisabeth II. durch Prince Charles zum Ritter geschlagen. Scruton lobte auch dessen experimentelle Projektstadt Poundbury, die der Prince of Wales zusammen mit dem Luxemburger Architekten Léon Krier ins Leben gerufen hat, wobei er das Augenmerk auf die "menschlichen Proportionen" richtete.







Samstag, 11. Januar 2020

Östliche Orthodoxie als Alternative zur Römischen Kirche?




Wenn man in der letzten Zeit immer wieder diverse Skandale innerhalb der Kirche und um Papst Franziskus mitbekommt, wird gleichzeitig oft auch immer die individuelle oder sogar kollektive Überlegung geäußert, aus der Kirche auszutreten. Viele, die schon immer nichts mit der Kirche anfangen konnten, halten sich auch weiterhin davon fern oder wenden sich dem Protestantismus zu, andere gehen auf die Suche nach einer persönlichen Spiritualität (was das auch immer sein soll).

Und wieder andere wollen die volle Ladung Tradition weiterhin für sich behalten und gehen entweder (wenn zuvor übertrieben romantisiert) zu sedisvakantistischen Gruppierungen - oder zu den Orthodoxen der Ostkirche, die sich nicht nur eher im Bereich des Legalen aufzuhalten scheinen, sondern auch "die ursprünglichere Tradition" vorweisen würden, wie man das auch von viele Katholiken hören kann. Weswegen derzeit die Mitgliederzahl der Ostkirchen auf genuin westkirchlichem Gebiet durch konfessionelle Konversionen zunehme.

Dass dies jedoch nicht nur autoritative, sondern sogar weitere ernsthafte dogmatische Probleme mit sich bringt, bei denen man glaubt, sich in der Ostkirche nicht weiter damit beschäftigen zu müssen, zeigt das Interview von Dr. Taylor Marshall mit Timothy Flanders, der von der Orthodoxen zur Katholischen Kirche konvertierte.

[…]
Taylor Marshall: In meinem Buch "Infiltration" sage ich am Ende: Schaut her, die Katholische Kirche ist in der größten Kontroverse, die es je in den letzten 2000 Jahren gegeben hat. Das ist meine Überzeugung. Als wir in das nächste Jahr kamen, wurde meine Überzeugung gefestigt. 

Und ich gebe [meinen Lesern] Optionen: Okay, vielleicht sollen wir den Katholizismus aufgeben. Sollen wir dann Atheisten werden und die ganze Sache war nur ein Witz? Vielleicht evangelikale Protestanten? Sollen wir Sedisvakantisten werden, sollen wir ost[kirchlich] Orthodoxe werden? 

Und ich habe alle diese Möglichkeiten ausgelegt, was der Vorteil davon wäre und warum es falsch wäre. Und meine Feststellung dabei ist: 2019 und 2020 aufwärts besteht die Antwort darin, ein traditioneller Katholik zu sein. Erkenne die Hierarchie an, erkenne den Papst an, aber leiste den Irrtümern des Modernismus Widerstand. Das ist immer noch mein Standpunkt. Man sollte nicht Sedisvakantist werden oder ost[kirchlich] Orthodox. 

Ich weiß, dass es Menschen gibt - ich sehe diese Leute im Kommentarbereich -, die sagen "Ich habe die katholische Kirche bereits verlassen, weil sie ein Witz ist - ich bin nun Orthodox". Und es gibt andere Menschen, die sagen "Franziskus ist so schrecklich, ich werde jetzt Orthodox. Wer braucht überhaupt den Papst?" Was würden Sie zu ihnen sagen, Timothy Flanders?

Timothy Flanders: Na ja, ich würde sagen: Eure ost[kirchlich] orthodoxen Heiligen lehren das Papsttum. Ihr müsstet also den heiligen Leo, der euer Heiliger ist, in Frage stellen - lest einfach seine Werke. Wenn das Papsttum eine Häresie darstellt, ist euer eigener Heiliger ein Häretiker. Damit müsst ihr euch auseinandersetzen. 

Und da ist... Ich meine, es läuft letztendlich darauf hinaus, was die Heiligen lehren. Und die Heiligen lehren das Papstamt.  Wenn man Newman liest, ist er wirklich gut darin. Er spricht darüber, wie es selbst in der vor-nizäischen Zeit - also vor [dem Konzil von] Nizäa so viele Referenzen zum Vorrang des römischen Prinzipats gab unter den Heiligen dieser Zeit, die sogar die Referenzen zur Realexistenz Christi in der Eucharistie übersteigen. 

Es gibt mehr Evidenz zum Papstamt. Wenn man das große Buch von Adrian Fortescue, "The Early Papacy", liest - und er spricht über [den Zeitraum] vom [Jahr] 0 bis 451 - und er sagt: "Es gibt mehr Kontroversen über die Dreifaltigkeit unter den vor-nizäischen Kirchenvätern als Kontroversen um das Papstamt." 

Ich meine, es gibt so viele starke Standpunkte von Seiten der Päpste. Der heilige Viktor - wann war das? 140? [Korrektur: 190] - diese Päpste agieren mit einer universellen Jurisdiktion gleich vom Anfang an - ich meine von der Kirchengeschichte aus betrachtet war das gleich von Anfang an. 50 Jahre [Korr.: 100 Jahre] nach den Aposteln - das ist wirklich unverzüglich. […]







Weiteres von Dr. Taylor Marshall und Timothy Flanders:
- Die Homepage von Dr. Marshall
- Die Homepage des New Saint Thomas Institutes
- Sein Youtube-Kanal 
- Homepage von The Meaning of Catholicism mit Timothy Flanders
- Dessen Youtube-Kanal, sowie der Präsenz auf Twitter



Dienstag, 7. Januar 2020

Polen - wo sonst? Teil 2




Was kann den exzessiven Gebrauch von Weihwasser noch toppen?

Papst Johannes Paul II. als Charakter in ein Star Wars-Game einbauen.


Überraschen dürfte das nicht wirklich. 2018 war sein Gesicht auch als Mondoberfläche(n) für Skyrim verfügbar (wenigstens besser gelungen als das hier).

Doch JPII ist nicht der einzige Pole, den man spielen kann. Denn Gamer xD0IT hat auch Janusz Korwin-Mikke (HIER), Krzysztof Krawczyk (HIER) und Jerzy Urban (HIER) als spielbare Skins umgesetzt.

Der einzige, der noch fehlt, dürfte König Jan III. Sobieski sein. Besonders nachdem die Wiener sein Denkmal in den Sand gesetzt haben. Aber das dürfte man Polen in dieser Hinsicht kein zweites Mal sagen...



Samstag, 4. Januar 2020

C.S. Lewis: Evolution als Mythos des "neuzeitlichen" Menschens



[…] Für den Biologen ist die Evolution eine Hypothese. Es deckt eine Menge mehr Fakten als jede andere Hypothese, die derzeit präsent ist und wird deswegen akzeptiert bis eine neue Annahme gezeigt werden kann, die mehr Fakten erklären kann mit weit weniger Vermutungen. Das wäre wenigsten das, wovon ich glaube, dass dies die meisten Biologen sagen würden. Professor D.M.S. Watson würde freilich nicht so weit gehen. Nach ihm wird Evolution von Zoologen akzeptiert, nicht weil bei ihr festgestellt wurde, dass sie auftrete, oder durch logisch schlüssige Beweise bewiesen werden könne, sondern weil die einzige Alternative - bewusste Schöpfung - eindeutig unglaubwürdig sei. Das würde bedeuten, dass der einzige Grund, daran, an sie zu glauben, nicht empirisch, sondern metaphysisch ist. […] 
 Zu den originellsten Denkern christlicher Apologetik kann man mit Recht Clive Staples Lewis zählen. Durch den Einfluss seines Kollegen und "Herr der Ringe"-Autor J.R.R. Tolkien und den Werken von G.K. Chesterton  konvertierte der ehemalige Atheist und Oxford-Professor für Literatur und Philosophie zur Anglikanischen Hochkirche. Neben seinen literarischen Werken wie den Chroniken von Narnia und der Perelandra-Trilogie wurde er durch seine christlichen Apologien und Vorträge so bekannt, dass ihm - trotz fehlenden offiziellen Studiums - 1946 die Ehrendoktorwürde für Theologie verliehen wurde.

Seine Analyse ist vom metaphysischen Standpunkt aus gehalten. Wenn Evolution nur eine Hypothese darstellt, wie kann es sein, dass sie für den modernen Menschen eine komplette Weltanschauung darstellt? Und warum ähnelt dieses Phänomen sehr stark den philosophisch-naturalistischen Entwicklungen VOR den Entdeckungen Darwins, die die exakt gleichen Schlüsse für die Geschichte der Menschheit zogen? Die These Lewis´ zeigt anhand der geschichtlich immer wieder mit allen Konsequenzen auftretenden Hybris des Menschen auf, wie Evolution zu einem Grundmythos der modernen Gesellschaft - und sogar der Politik - werden konnte.



Das Video wurde erstellt von CSLewisDoodle


Dienstag, 31. Dezember 2019

Die hl. Unschuldigen Kinder: Historizität, Grabkapelle in Bethlehem und Reliquien



Nach Weihnachten geht es sofort wieder blutig zu. Nachdem am 25. Dezember, am 2. Weihnachtsfeiertag, das Gedächtnis des Märtyrers Stephanus begangen wurde, folgte am 29. Dezember das Martyrium des Hl. Bischofs Thomas Becket. Dazwischen liegt das Gedächtnis der Unschuldigen Kinder, das mit dem Kindermord in Bethlehem für die meisten definitiv das verstörendsten Ereignis der Weihnachtsgeschichte darstellt.

Im Hinblick auf das Kreuz und Leiden Christi sowie der Streitenden und auch Triumphierenden Kirche werden hier liturgisch die Schatten vorausgeworfen. Die Menschwerdung Gottes ist kein rührseliges Sicherinnerns (bisweilen auch mit gesellschaftspolitischem Anstrich), sondern manifestes Aufeinanderprallen der Realität von selbstherrlicher Sünde und der lebendigen Barmherzigkeit Gottes - das im blutigen Opfer gipfelt, das in jeder Messe als Ziel und Höhepunkt des kirchlichen Lebens vergegenwärtigt wird.

Doch zunächst zurück zu der Erzählung des Kindermordes durch König Herodes. Im Evangelium nach Matthäus (2,1 - 2,18) heißt es dazu:

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Bethlehem in Judäa geboren worden war. kamen Sterndeuter aus dem Osten  nach Jerusalem und fragten: "Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen." Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Er leiß alle Priester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle. Sie antwortetem ihm: "In Bethlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten:

"Du Bethlehem im Gebiet von Juda / bist keineswegs die unbedeutendste / unter den führenden Städten von Juda / denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen / der Hirt meines Volkes Israel." [Micha 5,1]

Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sch von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach Bethlehem und sagte: "Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auh ich hngehe und ihm huldige. […]

[…] Als Herodes merkte, dass ihn die Sterndeuter getäuscht hatten, wurde er sehr zornig und er ließ in Bethlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten, genau der Zeit entsprechend, die er von den Sterndeutern erfahren hatte. Damals erfüllte sich, was durch den Propheten Jeremia gesagt worden ist:

"Ein Geschrei war in Rama zu hören / lautes Weinen und Klagen / Rahel weinte um ihre Kinder / und wollte sich nicht trösten lassen / denn sie waren dahin." [Jer 31,15 - Diese Stelle nimmt in diesem Kontext eine aktualisierende Stellung ein. In der Nähe von Bethlehem befindet sich auch das damals bereits bekannte Rahelsgrab]



Zur bis heute diskutierten und oft in Frage gestellten Historizität muss man notwendigerweise einiges anmerken, bevor wir zu den weiteren Themen dieses Postings kommen.

Viele Historiker halten zunächst den Aufenthalt von Maria und Joseph in Bethlehem für unwahrscheinlich. Es sollte lediglich eine Art angehängte Bestätigung der Besonderheit Jesu sein, wenn er wie König David auch in dessen Geburtsstadt zur Welt gekommen sei. Eine offizielle Volkszählung durch die Römer sei erst nach dem Sturz von Herodes´ Sohn Archelaos möglich gewesen - dann um diesen Zeitraum wurde Judäa als Provinz in das römische Reich eingegeliedert, der Titel "König der Juden" abgeschafft und durch die Bezeichung "Ethnarch" bzw. "Tetrarch" ersetzt, der auf die Erben des Herodes überging, unter denen das ehemalige Königreich nun aufgeteilt wurde, um weitere exzessive Gewalttätigkeiten  wie unter einem anfechtbaren Alleinherrscher wie Herodes dem Großen einzuschränken (wie das Massakrieren von 3.000 Juden unter Archelaos, der bald schon von Rom in die Verbannung geschickt wurde).

Zum einen muss hier angemerkt werden, dass Herodes bereits ein Vasalle Roms war. Es waren der römische Senat und der ab 31 v.Chr. als Kaiser herrschende Octavianus Augustus, die den 47 v.Chr. von seinem Vater Antipatros als Statthalter eingesetzten Idumäer Herodes 30 v.Chr. als König Judäas bestätigten, nachdem er es 37 v.Chr. fertigbrachte, dass der nach der Eroberung Jerusalems rechtmäßigen Hasmonäer-Herrscher Antigonos (die aus der Familie der Makkabäer hervorgingen, die Judäa von der Unterdrückung der Seleukiden befreiten) unter Marcus Antonius hingerichtet wurde, und vor dem Fall Antonius´noch rechtzeitig die Seiten wechselte.

Herodes musste dafür nicht nur selbstständig sein nun eigenes Königreich verwalten, das er mit prachtvollen Bauten wie der Festung von Masada und der Vergrößerung des Jerusalemer Tempels bereicherte, sondern wahrscheinlich auch verwaltungstechnische Erhebungen für Rom durchführen, wo man wissen musste, ob der Vasall noch dem Bündnis treu war und wie es mit der Truppenstärke und der Gesellschaftssituation aussah. Um jedoch die Romhörigkeit vor der dortigen Bevölkerung zu verbergen, durfte dieses Klientelverhältnis nicht offen zutage kommen - auch wenn viele Juden genau davon wussten.

Ein Grund, warum Joseph mit Maria nach Bethlehem kam, dürfte tatsächlich die Erfassung einer "regionalen" Kopf- und Grundsteuer gewesen sein. Joseph stammte aus dem damals verarmten Hause Davids, das aus Bethlehem stammte. Obwohl er als Handwerker viel unterwegs gewesen sein dürfte, könnte er trotz seines Wohnsitzes in Nazareth im Besitz von Land gewesen sein, das der Familie gehörte und theoretisch als Erbe übertragen worden sein könnte. Leider liegen dazu keine Akten vor, sodass man unter dem Gesamtkontext nur starke Vermuten anstellen kann; ein Weiterverpachten als Zusatzeinkunft wäre denkbar. Hätte eine gleichzeitige Erhebung von Kopf- und Grundsteuer (aus Verwaltungstechnischen Gründen) stattgefunden, dann hätte er nicht nur die Pflicht gehabt, seine Zahl an Familienangehörigen anzugeben, sondern auch dessen Besitzansprüche zu aktualisieren, die vielleicht mit länger anhaltender Meldeverweigerung vor der örtlichen Verwaltung verfallen wären. Der damaligen politischen Partei der "Herodianer" gehörten auch Verwaltungsbeamte und Zöllner an, die Herodes selbst und seinen politischen Nachkommen unterstützten und sich persönliche Vorteile daraus versprachen - und im Gegenzug dazu Order beim Volk durchführten. Solche Verwaltungsarbeit war also machbar; Herodes selbst dürften solche verwaltungstechnischen Vorgänge auch nicht unbekannt gewesen sein, da sein Vater Ratgeber und römischer Verwalter in Judäa war.

Zum Zeitpunkt der letzten Lebenswochen des Herodes wurde bereits im vorherigen Posting über die Datierung von Christi Geburt eingegangen. Rätselraten herrscht dagegen bei der Authentizität des Kindermordes von Bethlehem. Zeitgenössische Historiker wie der Jude Flavius Josephus (36/37-ca. 100 n.Chr.) überliefern dazu nichts, was der Hauptgrund dieser Skepsis ist. Herodes war ein extrem gewalttätiger Tyrann, der alles versuchte, um seinen Machtanspruch zu erhalten. Zwei seiner Söhne ließ er hinrichten, ein dritter - der eigentlich Thronfolger sein sollte - folgte nur fünft Tage vor dessen Tod. Die Mutter der ersteren, Prinzessin Mariamne, die er wegen ihrer Herkunft aus dem Hause der Hasmonäer nur deswegen heiratete, um seine Stellung den Juden gegenüber zu festigen, ließ er kurze Zeit später wegen des Verdachts der Untreue zusammen mit deren Mutter hinrichten. Ein weiteres  Familienmitglied der Hasmonäer, den ehemaligen Hohenpriester Johannes Hyrkanos II. - dem der Vater als Ratgeber diente -, ließ er hinrichten wegen Verschwörung, nachdem er bereits nach der Eroberung Jerusalems sein Priesteramt verloren hat und ihm beide Ohren abgeschnitten wurden.

Seinen Schwager Aristobulos, den er auf Bitten der Mariamne zum Hohenpriester machte, ließ er ein Jahr später während eine Bades von Gefolgsleuten ertränken - weil er als frommer Hohepriester zu beliebt beim Volk wurde, das von ihm begeistert war und somit einen potentiellen Konkurrenten darstellte. Auch der bereits erwähnte Tod von zwei Rabbinern dürfte in diesem gesamtgesellschaftlichen Kontext für Josephus schwerer ins Gewicht gefallen sein als ca. 6 bis 20 Kinder, die irgendwo in der Provinz aus übertriebener Paranoia getötet wurden. Auf jeden Fall lässt sich Josephus als gebürtiger Jude mit allen Details des wohlverdienten Todes dieses Usurpators aus.

Eine ungewöhnliche außerchristliche Nennung einer Ermordung von Kindern in Syrien kommt jedoch in einer Zitatensammlung des Kaisers Augustus selbst im Werk Saturnalia des 430 verstorbenen Heiden Macrobius Ambrosius Theodosius vor:

Als er [Kaiser Augustus] hörte, dass unter den Knaben in Syrien, die jünger als zwei Jahre waren, die Herodes, der König der Juden, anordnete zu töten, sein eigener Sohn ebenfalls getötet worden war, sagte er: Es ist besser ein Schwein des Herodes zu sein als dessen Sohn. 

Da es dem Blogger noch nicht möglich war, den Originaltext einzusehen, muss dieses Nennung leider (halbwegs) unkommentiert offen bleiben. Dennoch war dieser Textabschnitt im Mittelalter so bekannt, dass der Theologe und Gelehrte Petrus Abelardus ihn in einen Hymnus einbaute.

Das einzige weitere Geschichtswerk, in dem der Kindermord von Bethlehem nochmals vorkommt, ist die Kirchengeschichte des Eusebius von Cäsarea (263- ca. 338), der neben der Wiederholung der biblischen Geschichte eine weitschweifige Aufzählung unterlässt und stattdessen auf das Geschichtswerk von Flavius Josephus hinweist, da eine detaillierte Aufzählung der Grausamkeiten des Herodes aus Platzgründen nicht möglich sei. Auch werden die Stellen vom Tod des Herodes zitiert, wozu es anschließend heißt:

Er erlitt damit eine gerechte Strafe dafür, daß er, unserem Erlöser nachzustellen, die Knäblein in der Gegend von Bethlehem hatte ermorden lassen.


Wie Johannes als Vorläufer und Wegbereiter des Wirkens Christi auf Erden geehrt wird, so wurden auch die unschuldig getöteten Kinder zu den Sinnbildern des unschuldig Gekreuzigten und zu ersten Blutzeugen dessen, der die Messias-Prophezeiungen des Alten Bundes erfüllen sollte. So darf es auch nicht wundern, dass ihnen als Martyrer des Bundes in der Kirche ein eigener Festtag zukam, der ihre Geburt für das Himmelreich feiert.

Als Märtyrer wurden sie bereits zur Zeit des um 202 verstorbenen Kirchenlehrers Irenäus von Lyon genannt, Augustinus und Caesarius von Arles hielten ganze Predigten zu ihnen. 505 wurden sie in einem liturgischen Kalender aus Karthago erwähnt, Ende des 5. Jahrhunderts im Sacramentarium Leonianum. Im 5. Jahrhundert wird von Reliquien in Gallien berichtet - zu letzteren aber gleich mehr.

Verschiedene Hymnenwerke entstanden unter Prudentius ("Salvete Flores Martyrum") , Beda Venerabis ("Hymnum canentes Martyrum") und Notker dem Stammler ("Laus tibi Christe"). Ein eigenes Synaxarion ist in der Ostkirche in Gebrauch.

Auch viele Legenden und Kolportierungen ranken sich - leider - um deren Verehrung. In der griechischen Liturgie ist von 14.000 ermordeten Kindern die Rede, in der syrischen von 64.000, im mittelalterlichen Tradierung davon sogar von 144.000 (vgl. auch dazu die Geschichte der Ursula-Legende). In dieser Hinsicht bewegt man sich also auf einem Terrain der Überlieferung, bei dem man außerordentlich vorsichtig sein muss, da sich bereits viele örtliche Folklorisierungen eingeschlichen haben, wie es bei vielen Überlieferungen aus dem östlichen Mittelmeerraum der Fall ist. 


Eine Besonderheit stellt in Bethlehem eine eigene Grabkapelle der Unschuldigen Kinder dar, die sich in einer der Höhlen unter der Geburtskirche in Bethlehem befindet. Kaiserin Helena, die viele Heiligtümer freilegte, soll im Jahre 328 auch auf die Überreste der Unschuldigen Kinder gestoßen sein, die sie bei der Geburtskirche in Bethlehem beisetzen ließ. Deren Reliquien gelangten aber auch nach Rom (wo sie auch die Passionsreliquien aufbewahren ließ), von dort aus dann teilweise nach Konstantinopel, wo Teile in der Hagia Sophia und den Kaiserlichen Palästen verwahrt wurden. 

Auch in Bethlehem werden deren Überreste verwahrt (siehe Bilder hier). Die Höhlen - die teilweise auf Wohn- oder sogar Bestattungsräume bis ins 7. Jahrhundert vor Christus zurückgehen - wurden weiterhin als Grablege für die Christen genutzt, die 614 von den einfallenden Persern getötet wurden. Was die vielen Knochen von Erwachsenen erklärt, die man dort noch heute sehen kann:



Als Stationskirche des Gedenktages der Unschuldigen Kinder ist nach dem römischen Ritus St. Paul vor den Mauern festgelegt, weil sich dort Leiber der Unschuldigen Kinder befinden sollen. Reliquien davon wurden von Papst Sixtus V. in die Basilika S. Maria Maggiore übertragen, wo sich auch die Krippenreliquien befinden.

Ebenfalls Anspruch auf den Besitz von Reliquien der Kinder erheben die Basilika St. Justina in Padua, wo sich auch der Leib des Evangelisten Lukas befindet, sowie die Kathedrale von Mailand und Lissabon. Auf Athos wird ebenfalls eine Reliquie verwahrt.

Einer Liste zufolge gelangte neben einer Krippenreliquie auch eine Reliquie der Unschuldigen Kinder durch Wilhelm dem Eroberer in die englische Battle Abbey. In Deutschland befinden sich Reliquien in der Residenz von München und in der deutschsprachigen Schweiz ehemals im Basler Münster, werden jedoch derzeit im Schweizerischen Nationalmuseum verwahrt. Die dortige Reliquie eines Fußes soll vom hl. Columban hierher gebracht worden sein.

In den USA finden sich Reliquien in der katholischen Universität von Norte Dame, eine weitere Reliquie befindet sich in einem französischen Vortragekreuz, das heute im Metropolitan Museum of Art in New York verwahrt wird.

Unter dem Namen des hl. Sicarius ("Dem die Kehle durchgeschnitten wurde") sollen ebenfalls Reliquien unter Karl dem Großen (der vom Bischof von Jerusalem auch die heute in Aachen befindlichen Herrenreliquien geschenkt bekam) in die Abtei von Brantôme gelangt sein, wo sie noch heute in einem Schrein aufbewahrt werden.

Die Unschuldigen Kinder gelten als Schutzpatrone der Chorknaben, Findelkinder und Kindern in Gefahr. Letzteres dürfte auch der Widmungsgrund sein für die Kapelle des Heiligen Blasius und der Unschuldigen Kindlein in der Münchner Frauenkirche.

Im Nationalen Schrein der Göttlichen Barmherzigkeit in Stockbridge/Massachusetts in den USA existiert ebenfalls eine ihnen geweihte Kapelle im Gedenken an die frühverstorbenen Kinder, ebenso in Saugerties/New York. Außerdem gibt es in New York eine Prozessionen an deren Gedenktag.

Eine ihnen gewidmete anglikanische Kirche existiert in Hoboken/New Jersey, wobei diese offensichtlich die Tradition der anglikanischen Hochkirche als traditionell "Anglo-Katholische Kirche" aufgreift und alte englische Widmungen übernimmt, da viele solcher Kirchen auch weiter in England bestehen. Aber auch im Elsass existieren noch heute Kirchen unter diesem Namen, der ansonsten heutzutage sich nicht gerade großer Beliebtheit erfreut.


Gott, dessen Lob am heutigen Tag die Unschuldigen Blutzeugen nicht durch ihr Reden, sondern durch ihr Sterben verkündet haben, ertöte in uns die Übel aller Laster, damit den Glauben an Dich, den unsere Zunge ausspricht, auch unser Leben durch sittlichen Wandel bekenne. Durch unseren Herrn Jesus Christus, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit. Amen.
Oratio am Fest der Unschuldigen Kinder