Samstag, 10. April 2021

Von Jerusalem über Eichstätt in die Ukraine: Das Heilige Grab im Schottenkloster


Neben dem Grab der heiligen Walburga und des heiligen Willibalds hat Eichstätt auch eine andere Besonderheit zu bieten. Im Schottenkloster im Osten der Stadt befindet sich eine Nachbau des Heiligen Grabes zu Jerusalem, so wie es seit der Freilegung durch Kaiser Konstantin den Großen als eigenes Gebäude innerhalb der Auferste- hungsbasilika bis heute besteht.

Während des Mittelalters entstanden verschiedenste Nachbildungen des Ortes, an dem Christus am dritten Tag nach seinem Leiden und Sterben am Kreuz von den Toten auferstand, was für alle nachvollziehbar zum Herzstück des christlichen Glaubens gehört. 

In Deutschland sind Rotunden-Kirchen zu nennen wie die um 820 unter Abt Egil erbaute Michaelskirche in Fulda, die damals noch Teil des 1803 aufgelösten Klosters war, und die nach 940 vom hl. Bischof Konrad erbaute Mauritius-Rotunde im Konstanzer Münster. Bei runden oder oktogonalen "Templerkirchen" bleibt für viele seit dem 19. Jahrhundert die Diskussion teilweise offen, ob es sich wie in den anderen Fällen ebenfalls um einen Nachbau der Auferstehungsbasilika handelt - oder doch eher um einen Nachbau des Tempels/Felsendomes, der sich noch heute auf dem Areal des ehemaligen jüdischen Tempels befindet und bisweilen von Graphikern wie Hartmann Schedel oder Pietro Perugino als rundes Gebäude dargestellt wurde. Diskutabel, weil gerne zu schnell Parallelen zwischen der Bauform und dem beliebtesten Ritterorden der Esoterikszene gezogen werden. 

Neben dem Nachbau der Gebäudestruktur der Basilika selbst sind auch mehrere Nachbauten der sogenannten Ädikula (lat. "kleines Gebäude") selbst zu nennen. In Deutschland ist das bekannteste freistehende Beispiel das Heilige Grab in Görlitz aus dem 15. Jahrhundert. Als besonders extravagantes Beispiel in Italien kann man die Marmorversion davon in der Florentiner Kirche San Pancrazio nennen.

Auch blieben volksnahe Darstellungen der Passion Christi nicht alleine auf das Heilige Land beschränkt. Neben den Passionsspielen, die während des Mittelalters in Europa abgehalten wurden, und den Niederschlägen in der Liturgie verbreitete sich im 15. Jahrhundert die Passionsfrömmigkeit, die in den "Ölbergen" ihren Ausdruck fand, die man sogar in mehreren benachbarten Dörfern einzeln an der Kirche oder den Friedhöfen vorfinden konnte, wo sich Menschen sammelten. Im badischen Dorf Oberöwisheim ist neben einer solchen figürlichen Darstellung auch eine komplette Kanzel und die Reste einer scheinbaren Totenleuchte oder sogar einer  Bildstocklampe erhalten. In einigen Ortschaften entstanden sogar Nachbildungen der Via Dolorosa, unter denen sich besonders der Kreuzweg in Bamberg als ältester vollständig erhaltener hervortut. Im kleineren Maße sind in vielen Gemeinden auch vereinfachte Darstellungen des Grabes Christi zur Kar- und Osterzeit vertreten, die danach aber meist wieder abgebaut werden. 


Nach diesem kurzen Exkurs nun also zurück zum Heiligen Grab in der Schottenkirche zu Eichstätt.
Erbaut wurde dieses im Jahre 1166 durch Domprobst Walbrunn von Rieshofen, darüber wurde eine Rundkirche "Zum Heiligen Kreuz" mit Ost- und Westchor errichtet. 1194 wurde die Kirche durch Bischof Otto geweiht, betreut wurde sie durch "Schottenmönche" - Benediktiner aus Irland - der Abtei St. Jakob in Regensburg, daneben befand sich ein Leprosenhaus für heimkehrende kranke Kreuzfahrer. Um 1460 verlassen die Mönche das Kloster, da das Vermögen durch das Leprosenhaus aufgebraucht worden ist. 1483 wird es von den Rebdorfer Augustinerchorherren übernommen. 

 

1552 wurde das Kloster von den protestantischen Truppen des Herzogs Moritz von Sachsen, der das Jahr darauf bei der Schlacht bei Sievershausen durch eine Schusswunde getötet wird, geplündert und entweiht, wobei das Heilige Grab bestehen bleibt, das 1610 aufgrund des Abbruches der inzwischen baufälligen Kirche - von Verfallserscheinungen wird bereits in Urkunden von 1441 und 1541 berichtet - abgebaut und die Teile eingelagert wird. Daher kommen auch die eingemeißelten arabischen Ziffern, die man dort noch heute sehen kann.


Bischof Johann Konrad von Gemmingen plante zusammen mit dem dem Baumeister Elias Holl, einen runden Neubau, der auf das Heilige Grab seine besondere Betonung legen sollte. Der Plan konnte nie ausgeführt werden, dagegen kam es erst 1623 unter dessen Nachfolger Johann Christoph von Westerstetten, der auch die Kapuziner nach Eichstätt berief, zur Grundsteinlegung des heutigen Kirchengebäudes, deren Planung der Kapuzinerpater Stephan von Ellwangen übernahm. Das Heilige Grab wird in dem wesentlich vergrößerten südlichen Seitenschiff untergebracht, das von Außerhalb betrachtet optisch nicht weiter auffällt. 


Neben Verputz und Bemalungen des Heiligen Grabes im 17. Jahrhundert - das 1625 neu geweihte Kloster blieb beim Stadtbrand 1634 während des Dreißigjährigen Krieges verschont - , der um 1935/36 wieder entfernt wird, kommen im 19. Jahrhundert die Galeriebrüstung und die Laterne hinzu, auch wenn diese alten Zeichnungen zufolge schon zuvor dort bestanden haben sollen. Das Heilige Grab ist trotz dieser Umbauten immer noch der am besten erhaltene Nachbau aus romanischer Zeit. Auch der mittelalterliche Kopf über dem Eingang des Grabnachbaus, der als Engelskopf beschrieben wird, blieb trotz immer wieder unruhiger Zeiten bis heute erhalten. Auch die Grabkapelle, die neben dem Vorraum mit kleinem Altar in Eingang eine Grabkammer mit einer Christusfigur darin birgt, ist immer noch begehbar. 


Der Konvent der Kapuziner im Schottenkloster wurde 2009 aufgelöst und 2012 von den Passionisten übernommen, die neben der Messe auch in den im Ostchor zugänglichen Beichtzimmer täglich das Sakrament des Buße spenden. Zu den bekanntesten Kapuzinern des Kloster gehörten Pater Ingbert Naab, der sich als Kritiker der NS-Politik seit ihren Anfänger hervortat und auch mit Fritz Gerlich beim "Geraden Weg" zusammenarbeitete, der 1934 nach der "Nacht der langen Messer" im KZ Dachau ermordet wurde und für den seit 2017 der Seligsprechungsprozess läuft, und Pater Viktrizinus Weiß, für den seit 1935 ebenfalls der Seligsprechungsprozess läuft. Für den übrigens auch Naab geworben hat, der heute noch auf dem Friedhof der Kapuziner in Eichstätt begraben liegt. 

  

Überraschend an dem Heiligen Grab dürfte die Akkuratheit dieses Nachbaus sein, nicht nur in den Proportionen, sondern auch in den verwendeten Maßgaben, dass eine Ausmessung vor Ort wie im Falle des Bamberger Kreuzweges in keinster Weise ausgeschlossen werden kann. 

Eine ganz besondere Anerkennung dieses Sachverhaltes erhielt das Heilige Grab von Eichstätt durch den griechisch-katholischen Metropolit von Ternopil, Vasyliy Semenyuk, der es als Vorbild für eine weitere Nachbildung für den ukrainischen Marienwallfahrtsort Zarvanytsja - dem größten in der Westukraine - nutzte als Teil eines "ukrainischen Jerusalems". Es solle vom Aussehen her orignalgetreuer sein als das Heilige Grab in Jerusalem selbst, das immer wieder renoviert und gleichzeitig äußerlich verändert worden sei. Das Heilige Grab in Eichstätt sei "aufgrund seiner Genauigkeit und seines guten Zustandes einzigartig"

Nach einem Besuch 2013 in Eichstätt sei Erzbischof Semenyuk sofort von der Idee eines Nachbaus für die Gläubigen in der Ukraine, die sich keine Reise ins Heilige Land leisten können, begeistert gewesen. Das Diözesanbauamt hat ihm auch die Bauzeichnungen gegeben. Einen letzten Schliff erfuhr das Projekt, das von 2014 bis 2018 verwirklicht wurde, durch einen nochmaligen Besuch durch die Architekten, die es nochmals für die Planung begutachteten und vermaßen. Ein besonderes Geschenk brachte Francesco Patton von der Franziskaner-Kustodie des Heiligen Landes mit: 
Ein Stein aus der Grabeskirche, der als Reliquie in den Nachbau eingebaut wurde. 



Samstag, 3. April 2021

The Catholic Talk Show: Wer war der Dieb, der neben Jesus gekreuzigt wurde?

 


In ihrer neuesten Folge wendet sich The Catholic Talk Show einer außerhalb der Passion eher wenig beachteten Persönlichkeit zu, die als "erster Heiliger" das Patronat der Gefängnisinsassen, Gefängnissen, Gefägnisseelsorgern, reuigen Verbrechern, (zum Tode) Verurteilten, Sterbenden und der Totengräber sowie der Städte Gallipoli in Italien und Merizo in Guam innehat: Der "Gute Schächer", der neben dem Matthäus- und Markus-Evangelium mit besonderem Augenmerk in der Passion des Lukas-Evangeliums erwähnt wird als Mitgekreuzigter Jesu und auch unter dem Namen "Dismas" bekannt ist. 


Ryan DellaCrosse: Was wissen wir über Dismas bevor er an das Kreuz kam?

Ryan Scheel: Nun ja... Überraschenderweise eine Menge und überraschenderweise nichts, korrekt? Also, alles was wir wissen über Dismas vor dem Karfreitag ist [aus der] Goldenen Legende 
[die als Quelle das apokryphe "Nikodemus-Evangelium" nennt], verstehst du?

Ryan DellaCrosse: Ja.

Ryan Scheel: Also eine dieser Goldenen Legenden - ich denke sie kommt von einer der syrischen Kindheitsevangelien, klar. Eine der syrischen oder arabischen Kindheitserzählungen sagt, dass Sankt Dismas der Name des Guten Schächers, der Name des Bösen Schächer Gestas ist, okay. Und als sie nach dieser Tradition auf der Flucht nach Ägypten - als Maria, Jesus und Joseph nach Ägypten gingen, um dem Herodes zu entkommen - durch die Wüste gingen, um dorthin zu gelangen, war die Welt zu dieser Zeit sehr gefährlich, weil es dort keine Polizeistreifen gab, und wenn man dort unterwegs war, du weißt schon, [konnte] man auf Banditen treffen. Das war eine sehr gewöhnliche Sache. Und nach der Tradition wurde die Heilige Familie von Gestas und Dismas angetroffen, als sie nach Ägypten gingen. Und Gestas sagte: "Schau dir mal diese Familie an. Was ist das da?" Und sie haben diese Reichtümer gesehen, bei denen es sich wahrscheinlich um die Gaben der Weisen [aus dem Morgenland] handelte. Und sie waren der Meinung: "Lass uns diese Leute ausrauben und ... [Geste] umbringen. Und Dismas war aus irgendeinem Grund bewegt bei dem Anblick des Jesuskindes und überzeugte Gestas, das nicht zu tun, und ging sogar so weit, sie unterzubringen und ihnen Essen und Proviant zu geben für ihre Reise. Und dann hat Maria ihm gesagt, dass: "Du wirst eines Tages dafür gesegnet werden. Eine Tages empfängst du einen großen Segen dafür, wie du uns behandelt hast." Und nach der Tradition, trug Dismas dies immer bei sich und hatte die Erwartung, dass das passieren wird, er hatte immer diesen Samen des Glaubens in sich. Nun, das ist eine...

Fr. Rich Pagano: Das ist eine wunderschöne Geschichte. Ich denke, die habe ich noch nie zuvor gehört. Hast du die schon gehört DellaCrosse?

Ryan DellaCrosse: Nein.

Ryan Scheel: Also, ja. Das...

Fr. Rich Pagano: Woher stammt die nochmal?

Ryan Scheel: Es ist eine der Kindheitserzählungen. Sie sind - du weißt schon - Tradition, apokryphisch [Schriften, die von der Kirche bei Zusammenstellung nicht zum Kanon der vom Heilgen Geist inspirierten Heiligen Schriften anerkannt wurden]. Wahrscheinlich nicht wahr oder vielleicht doch. Das waren die Traditionen der frühen Christen.

[...]

Ryan Scheel: Nun, der Name von Dismas kommt von dem griechischen Wort für "Sonnenuntergang". Daher kommt der Name.

Fr. Rich Pagano: Also Sonnenuntergang, um darauf anzuspielen, dass Jesus am Nachmittag gekreuzigt wurde und bis 3 Uhr, als er seinen Geist aushauchte, sich die Sonne verfinsterte und um zu zeigen, dass die Sonne unterging - ihr wisst schon, die Sonne der Gerechtigkeit ging auf in der Menschwerdung; die Sonne ging nieder in seinem Tod und Dunkelheit kam über die Erde und die Erde bebte. Und ihr wisst: Beim Tod von Dismas wurde Dismas zum Produkt von dem, was Jesus im Untergang der Sonne in [/und?] seinem Tod erreicht hat, indem er ihn zum neuen Leben erhob, zum neuen Aufgang, zum neuen Tag, wenn man das so sagen kann, in seiner Auferstehung. "Noch heute wirst d mit mir im Paradiese sein." Das ist das Versprechen, das Wirklichkeit wird in der untergehenden Sonne und wie passend ist es, dass der Name Dismas darauf anspielt. Das ist irgendwie bewegend.

[...]

Ryan Scheel: Und das ist einer dieser Fälle der Begierdetaufe. Okay.

Ryan DellaCrosse: Das ist ein guter Punkt.

Ryan Scheel: Wie konnte der heilige Dismas der erste Heilige werden - ihr wisst schon - er war nicht getauft. Und das war etwas ungewohntes für mich: Er war nicht getauft. Das ist das, was die Kirche als Begierdetaufe lehrt: Er hat es mit seinem ganzen Herzen verlangt, indem er den Retter anerkannte und sagte: "Herr, nimmt mich auf in dein Reich." [...]

Ryan Scheel: Eine andere Sache, die jedes Mal so interessant ist es, den reuigen und den reuelosen Dieb zu vergleichen und um was sie gebeten haben.

Ryan DellaCrosse: Ja.

Ryan Scheel: Dismas, der reuige Dieb hat nicht darum gebeten, heruntergenommen zu werden vom Kreuz. Gestas machte eine auf "Wenn du der Sohn Gottes bist, dann bring uns herunter." Dismas sagte: "Nimmt mich mit zu dir hinauf in dein Reich." So, wenn man am Kreuz ist, gibt es zwei natürliche Reaktionen oder zwei Richtungen: Du gehst runter oder du gehst hoch. Und es ist so interessant, dass er nicht gebeten hat, herabgenommen zu werden. Er hat darum gebeten, hinauf genommen zu werden. Und das ist der Grund, warum er dieser erste Heilige ist im Gegensatz zu Gestas, der als reueloser Sünder bekannt ist, der ... wer weiß, was mit ihm passiert ist.

Ryan DellaCrosse: Ja. Und das Heil kommt offensichtlich durch Leiden. Wie... Du weißt, das ist der Grund, warum wir während der Fastenzeit Opfer bringen. Darum bringen wir unsere Herzen zu Gott durch das Leiden. Leid hat einen Wert für das Reich Gottes, hat einen Wert im Gebet, um den Heiligen Geist auszugießen wie auch immer Gott entscheidet, es zu tun. Aber Gott berücksichtigt dieses Leiden. Wir leben in einer Welt, in der Leiden um jeden Preis ... ihr wisst, man versucht ihm aus dem Weg zu gehen. Wo Jesus das Leiden annimmt und [es] in der Anerkennung des Königs - wie du schon gesagt hast - zwei verschiedene Wege geht.
[...] 


Im Podcast wird außerdem die Kirche Saint Dismas erwähnt, die sich als einzig freistehende Kirche innerhalb eines US-Gefängnisses in New York befindet. Als einer ihrer prominentesten Spender ist der Mafioso Lucky Luciano zu nennen, der seit 1936 im Gefängnis einsaß und die Roteichenholz für die Kirchenbänke stiftete. Auch sollen sich in ihr zwei geschnitzte Engelsfiguren vom Flaggschiff des Seefahrers und Entdeckers Ferdinand Magellans befinden, die von dessen Nachkommen an die Kirche gestiftet wurden. 






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Samstag, 20. März 2021

Kardinal Woelki, Thomas Schüller und die liebe deutsche Journaille




Ein sehr lesenswerter Artikel von Martin D. Wind zur Causa Woelki wurde auf the GERMANZ veröffentlicht. Es geht dabei um die fragwürdigen "Ergebnisse" die bis hin zu einem Grad den man fahrlässig bizarr nennen möchte, an dem sich die deutsche Presse von einer Gruppe, die innerhalb der Kirche wie eine Wildsau im Weinberg wütet (ja, der Verfasser weiß ganz genau, wo dieser Ausdruck verwendet wurde - und es ist in keinster Weise ehrerbietend gemeint), an der Nase herumführen lässt. Was beileibe nichts Neues in den deutschen Landen ist. 

[...] [Thomas]Schüller liefert zuverlässig. Er liefert selbst dann, wenn ein 800 Seiten dickes Missbrauchsgutachten den Kölner Erzbischof, Kardinal Woelki, von persönlicher Verantwortung freispricht. Das alles zählt nicht, wenn Schüller einmal den Daumen gesenkt hat. In der Münsteraner Kirchenzeitung kirche + leben schwadroniert [was er übrigens schon öfter getan hat, nur mal so am Rande bemerkt] er mit Blick auf die Präsentation des Gutachtens von einer fehlenden Entschuldigung des Kardinals für eine „Instrumentalisierung“ des Betroffenenbeirats. In der Zeitung „Die Tagespost“ klärt das Mitglied des Betroffenenbeirates Peter Bringmann-Henselder auf, dass es die nie gab: „… alle anwesenden Beiratsmitglieder waren sich einig und haben einhellig zugestimmt, das WSW-Gutachten nicht zu veröffentlichen, sondern ein neues, rechtssicheres Gutachten durch Herrn Prof. Gercke erstellen zu lassen. …“. Das war auch schon vorher bekannt.

Das beirrt einen Thomas Schüller nicht. Oder meint er den Missbrauch des Missbrauchs für die Ziele der Frauenbewegung „Maria 2.0“, über das Bringmann-Henselder deutlich Worte verliert: „… Sie nutzen medial den sexuellen Missbrauch als Vehikel für ihre politischen Forderungen innerhalb der katholischen Kirche. In meinen Augen war dies ein Missbrauch an uns Betroffenen, an uns Missbrauchsopfern. (…)“ Hier hört man vom Kirchenrechtler nichts. Liegt das daran, dass „Maria 2.0“ Forderungen an Papst Franziskus stellt, von denen auch er einige vertritt?
[...]

Ironischerweise wird im Artikel ebenfalls auf ein Thema verwiesen, dass auch international zwar von Vielen bisher angesprochen wurde, aber im ach so aufgeklärten und auf empirische Ergebnisse ausgerichteten deutschen Journalismus gemieden wird wie das Weihwasser vom Teufel - außer es geht um die negativen Effektes des Zölibats, wo aber auch wieder das selbe Spielchen gespielt wird, das bei anderen Gruppen gerne unterlassen wird

[...] Inzwischen wurde aber geforscht. Z. B. von Father Paul Sullins am Ruth Institute der Catholic University of America, Washington D.C.:

„Sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche hat sehr viel mit der Homosexualität von katholischen Priestern zu tun. Die Korrelation beträgt 0, 98, was in der Sprache der Statistik eine nahezu vollständige Übereinstimmung bedeutet. (…) Demnach sei der Anteil homosexueller Männer unter den Priestern seit den fünfziger Jahren bis in die achtziger Jahre stark gestiegen. (…) Dieser Trend war stark gekoppelt mit zunehmendem Kindesmissbrauch. (…)“
[...]


Dienstag, 16. März 2021

Sankt Joseph, Schrecken der Transen. Oder: Milo goes Superstraight




Man darf nun darüber schmunzeln, ob das im Kontext zum neuesten Aufreger jetzt nur ein Zufall sein kann - aktuell ist es auf jeden Fall:

Milo Yiannopoulos aka. die "Ken-Puppe aus der Hölle", von dem auf diesem Blog bereits berichtet wurde, hat sich von seinem bisherigen homosexuellen Lebensstil distanziert und sich dem heiligen Joseph geweiht. Der provokante Journalist und Redner, der sich mal Themen wie Gamergate und dem aufkommenden Phänomen der "Social Justice Warriors" (kurz SJWs) zuwendet, dann indirekt Wahlwerbung für Donald Trump betrieben hat, um dann anschließend an einer Universität, wo gegen ihn wegen angeblicher Frauenfeindlichkeit als Drag Quenn Ivanka Wall einen Vortrag zu halten und dann nach dessen Wahlniederlage den Republikanern Rache schwörte, ist bereits seit längerem für seine persönlich sehr orthodoxe Nähe zu katholischen Kirche bekannt. 

Anders als beispielsweise Francis Palmquist behauptet, der ein Jahr nach seiner Weihe zum FSSPX-Priester sowohl von seiner Weihe als auch von seinem Glauben abgefallen ist (was Kritiker der Priesterbruderschaft in den USA natürlich genüsslich ausschlachten, er aber kritisch zurückweist) und seit einiger Zeit unter dem Kanal-Namen " I am Judas Project" auf Youtube herumtuntet, hat sich Yiannopoulos nicht zum Katholizismus "bekehrt". Obwohl er offen zugab, mit der Enthaltsamkeit so seine Probleme zu haben, war er gegen eine Unterstützung der Homosexuellenverbände durch die Kirche, auch speziell im Hinblick auf die Priesterseminare, wobei er explizit auf die Gefahr der Seilschaften-bildung untereinander und einer sich damit anbahnender Korruption einer durch persönlichste Interessen geleitete Gruppe innerhalb des Klerus hinwies wie im Falle von Theodore McCarrick. Was unter anderem James Martin SJ zu spüren bekam, dessen Interview mit ihm letztendlich nicht im Amerikanischen Jesuiten-Magazin abgedruckt wurde, sodass Milo es privat veröffentlichte, der in diesem Interview besonders auch durch seine Kenntnisse der Kirchenväter und des Katechismus glänzte. 

Nun also der große Paukenschlag, den er in einem Interview mit LiveSite News näher darlegt:

Milo: [...] Ich fühle als hätte sich ein Schleier in meinem Haus gelüftet - als wäürde da etwas mehr reales und ehrliches als zuvor vorgehen. Es war mehr ein stufenweises Aufdecken gewesen als eine dramatische Enthüllung. Vielleicht ist der Mangel am theatralischen oder spektakulären ein Zeichen dafür, dass die schwulen Reize wahrhaft zurückgehen?

Die beste Metapher, die ich kenne ist die einer blühenden Blume - aus der Offenbarung der Natur -, ein Bild, das meines Wissens von Caryll Houselander [Katholische Künstlerin, Poetin und Schriftstellerin asu England] gefunden wurde. Ich denke, dass es Houselander war, die sagte "Was immer liebend im Menschen ist und was immer liebenswürdig ist im Menschen ist Christus im Menschen." Ich verstehe das so, dass je mehr Liebe und weniger Lust in uns ist, desto mehr hören wir auf, Christus zu verdunkeln und Ihn stattdessen zu enthüllen, in dessen Bild wird geschaffen sind.

Ich will damit nicht den Eindruck erwecken, dass es leicht sei, sondern einfach: Unser Herr hat mehr ertragen als ein Jeder von uns und hat uns versichert, dass wir täglich ein chweres Kreuz auf uns zu nehmen hätten. Ronald Knox [Katholischer Priester, Radiosprecher, Satiriker und Kriminalbuchautor, ebenfalls aus England] hat gesagt, dass der Kreuzweg uns drei Arten zeige, wie wir unser Kreuz tragen: Mit Verbitterung, wie der reuelose Dieb; mit bitterer Resignation wie der reuige Dieb, der sagte, dass es das sei, was er verdient habe; oder mit Liebe wie der Herr, der niemals das Leiden verkleinert hat, aber uns sagte, es würde in Gottes Zeit uns erlösen.

Insgeheim fühle ich, in diesem Leben schon genug Gutes getan zu haben, um mich von irdischer Buße für mein vergangenes Leben zu entschuldigen. Ihre Leser werden zweifelsohne antworten - zurecht -, dass diese Bemerkung zeige, wie weit ich zu gehen habe. Den besten Tipp, den ich anderen in meiner Situation geben kann ist: Überdenkt euren Stolz, nicht eure Priviligien. Es ist so oft Eitelkeit oder die Einbildung der Selbstzufriedenheit, die einem in die Quere kommt, Christus anzunehmen. Lern es zu fassen, bevor es Wurzeln schlägt, und schwierige Dinge scheint auf einmal nicht mehr so schwierig. 

LifeSite: Was hat dich dazu gebracht, dein Leben dem heiligen Joseph zu weihen?

Milo: Säkulare Versuche, von der Sünde zu genesen sind entweder zeitlich oder vollständig ineffektiv. Erlösung kann nur durch die Ergebenheit an Christus und die Werke der Heiligen, Katholischen und Apostolischen Kirche erreicht werden. Der heilige Joseph ist die geistliche Vaterfigur der Heiligen Familie. In dieser Zeit des Gender-Wahnsinns ist die Hinwendung an den männlichen Beschützer des Jesuskindes meinerseits ein Akt des Vertrauens in Gottes heiligen Patriarchen und eine Zurückweisung des Schreckens der Transsexuellen [Anm.: Eine Anspielung auf die Josephslitanei, in der er der "Schrecken der bösen Geister" genannt wird]. Transen sind dämonisch: Sie sind die Galli, die kastrierten Priester der Kybele, der Magna Mater, die Augustinus in den Straßen von Karthago in Frauenkleidern tanzen sah.

Ich will nicht einmal mit der Drag Queen Story Hour anfangen. Für mich braucht es nur diese vier Worte, um vom Bedürfnis überkommen zu werden, mir einen Strick zu besorgen. 

LifeSite: Gibt es noch etwas, das du hinzufügen möchtest?

Milo: Ich habe ein Leben lang eine Neigung zum Absurden und Empörenden gehabt, so dass ein Teil von mir vergnügt den Tag erwartete, an dem ich die moralische Überlegenheit erlangen konnte, wie kurz auch immer, um andere für die Fehler der Frömmigkeit und Dezentheit vorzuladen. Ich hoffe, dass man mich unterstützt und für mich betet, wenn nicht für einen anderen Grund als meine Freude auf die Aussicht von Milo Yiannopoulos zu teilen, gegen Homosexuelle wegen der Sünde des Fleisches blindwütig und ungehalten zu zetern. 

Wie Sie vielleicht erwarten, werden meine professionellen Prioritäten sich nach meinen neuen spirituellen Hauptbeschäftigungen irgendwie verlagern. Über die nächste Dekade würde ich gerne helfen, das zu rehabilitieren, was die Medien "Konversationstherapie" nennt. Es funktioniert, wenn auch nicht für jedermann. Im Hinblick auf meine übrigen Bestrebungen und Pläne gibt es, nun ja, keine Änderungen: Ich habe schon immer Abtreibung als den herausragenden moralischen Horror der menschlichen Geschichte betrachtet. Ich werde das weiterhin so sagen - sogar lauter als zuvor.

Man sagt, dass wenn man eine Sünde hereinlässt, dass andere folgen werden, und ich weiß wahrlich, was das bedeutet als ich anfing, sündhaften sexuellen Begierden zu widerstehen. Ich fand mich weniger trinkend, weniger rauchend, ... Sie wissen schon. Ich bekenne, dass meine Schwäche für Designerschuhe und Handtaschen noch zerstreut werden muss. Aber ich beginne zu realisieren, wenn auch langsam, dass Lust - wie Augustinus sagt - ein ungeordnetes Verlangen für alle Arten von Dingen ist, nicht nur für NFL [Anm.: American Football] Spieler. 


Wie man sieht, bedeutet wohl das nicht das Ende des provokant-kecken Aktivisten. Neben seiner Ankündigung, in Florida ein "Zentrum für Entgiftungstherapie" für Menschen zu eröffnen, die sich von ihrem homosexuellen Neigungen befreien wollen und einer offenen Kritik des "so geboren werden"-Arguments, kündigt er sein Steckenpferd an, das er bereits in der Gamergate-Sache fleißig geritten hat: 






Dienstag, 2. März 2021

Andacht für eine Priesterseele im Fegefeuer




Als Ergänzungen zu dem Artikel über die Allerseelenbruderschaft bei St. Kajetan in München sei eine weitere Andacht empfohlen, die ich zufälligerweise unter einem Stapel Gebets- und Andachtskärtchen in einem Antiquariat gefunden habe und ein zweites Mal in der Bücherauslage einer Kapelle der Piusbruderschaft. Das auf der Rückseite aufgedruckte Impressum gibt neben dem Erscheinungsort "Benediktus-Bote, 1952, Verlag Reisinger, Wels" auch die Imprimatur an: "Mit kirchlicher Druckeraubnis. Cum permissu Superiorum."


Für die ärmste Priesterseele
Eine Barmherzige Schwester schrieb am 23. Mai 1952: Euer Hochwürden! Ich lese sehr gerne den Benediktus-Boten. Was mich besonders freut, ist das, daß viele die verlassenen Priesterseelen um Hilfe anrufen und auch erhört werden. Ich bin eine besondere Verehrerin dieser Andacht. Und ich muß sagen, daß ich immer erhört wurde. Daher würde ich mich sehr freuen, wenn Hochwürden so gut wäre und die beiliegende Andacht in die Zeitschrift geben möchte. Vielleicht würden manche Leser diese Andacht verrichten. Ich bete dieselbe ununterbrochen, acht Jahre täglich. Diese Andacht stammt aus einer alten Zeitschrift. Besonders im innerlochen Leben hilft sie wunderbar. Sie wird von unseren Schwestern sehr gern gebetet, wenn sie auch keine Anliegen am Herzen haben. Eine Schwester betete auch die Andacht laufen ein Jahr hindurch. Und dann hatte dieselbe gedacht, ich gebe es wieder auf. Und in derselben Nacht träumte sie: Die Schwester befand sich in der Kapelle und betete diese Andacht, da ging die Sakristeitür auf und es kam ein wunderbar schöner Bischof, segnete sie dreimal sehr würdevoll und kehrte mit Infel und Stab wieder in die Sakristei zurück. Und so faßte die Schwester Mut und betete wieder weiter diese Andacht. Eine zweite Schwester betete im Jahre 1946 diese Andacht, daß ihr Bruder heimkehre, der in Gefangenschaft war; die Andacht war abgeschlossen und nach einigen Tagen kam der Bruder heim. Gerade am Heiligen Abend, wo die Frau mit ihren drei Kindern betete, klopfte es an der Tür. Und der Vater kam heim...

Ich schreibe das, vielleicht wenn es Hochwürden hineingeben würde, um die Leser mehr anzueifern. Ich betete zwei Andachten hintereinander für eine laue Priesterseele. Er war ein Spitalseelsorger und so luden ihn die Ärzte öfter ein. Und es wurde nach 12 Uhr nachts noch Wein getrunken. Eines Tages gab der Priester diese Gewohnheit auf. Er wußte nicht, daß jemand für ihn gebetet hat. Wir waren einige Schwestern, die beteten. Er bekehrte auch den Arzt. Und der Priester führt ein vorbildliches tugendhaftes Leben.

Ich werde besonders Hochwürden in mein Gebet und Opfer einschließen und alle Mitwirkenden. Ich werde auch für die Verbreitung sorgen.

Um den heiligen Segen bitten die Barmherzigen Schwestern ..
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Andacht zu den Armen Seelen
Hauptsächlich zur Seele jenes Priesters, die im Fegfeuer am meisten zu leiden hat, um eine besondere Gnade zu erhalten.

Wenn man bedenkt, daß Gott die Priester, wie seinen Augapfel liebt, ist gewiß, daß man dem Herrn sehr wohlgefalle, wenn man für die Seele jenes Priesters betet, die im Fegfeuer am meisten zu leiden hat, und Gott wird ohne Zweifel die gewünschte Gnade gewähren.

Die hohe Stufe, die den Priestern im Himmel zuerkannt wird sobald sie die Befreiung aus dem Fegfeuer erlangen und das Richteramt, das dieselbe am Letzten Gerichtstage ausüben werden, alles das möge uns aneifern, die folgende Andacht mit größerem Eifer und Vertrauen zu unternehmen, in der besten Überzeugung, daß wir durch die Fürsprache jener Seele erlangen werden, was wir von Gott erbitten.

Die Andacht macht man in folgender Weise: Man wählt die Seele jenes Priesters, die im Fegfeuer am meisten leidet, damit sie uns von Gott die gewünschte Gnade erbitte.

Zu diesem Zwecke opfert man 33mal jeden Tag hindurch zum Andenken der 33 Lebensjahre unseres Herrn Jesus Christus das kostbare Blut auf.

Jeden Sonntag empfängt man die heilige Kommunion, opfert sie für die Seele auf, welche man einschließt. Man schließt die erste Woche in die heilige Wunde der linken Hand, die zweite Woche in die Wunde der rechten Hand, die dritte Woche in  in die Wunde des rechten Fußes, die vierte Woche in  die Wunde des linken Fußes, die letzten fünf Tage in die heilige Seitenwunde unseres Herrn Jesus Christus. Während der ganzen Andacht stellt man sich unter dem Schutz Unserer Lieben Frau, indem man sie täglich anruft, damit sie uns helfen möge. Es hat sich noch nie ereignet, daß derjenige, welcher die genannte Andacht mit Eifer verrichtete, nicht erhielt, um was er flehte.


Gebet

Ewiger Vater, ich opfere dir das kostbare Blut auf für die Seele jenes Priesters, die im Fegfeuer am meisten zu leiden hat und am verlassensten ist.
(Täglich 33mal zu beten.)

Und du, o heilige Seele, erbitte mir die Gnade, wenn es zur Ehre Gottes gereicht und zu meinem Seelenheile. (Hier sagt man ein Anliegen; einmal.)

O unsere Liebe Frau vom Heiligen Herzen, bitte für diese arme Priesterseele. (12mal zu beten.)






Mittwoch, 17. Februar 2021

Zweierlei Memento Mori




Zum Aschermittwoch noch einmal zum Thema "Memento Mori":
Natürlich muss man anmerken, dass nicht jedes Gedächtnis an die Sterblichkeit des Menschen, die in der Aschermittwochsliturgie mit den Worten Meménto, homo, quia pulvis es, et in púlverem revertéris ("Gedenke, Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehren wirst") ausgedrückt wird, dieselbe ist - besonders in der moderne Gesellschaft, in der nicht nur übliche säkulare Strömungen wie Atheismus, Materialismus, Naturalismus, Hedonismus und bisweilen eine weichgespülte Version des Nihilismus fröhliche Umstände feiern, sondern auch Gläubige gerne in das Loch des Immanentismus fallen und zwischen ungläubigen Existenzialismus und gläubigen Progressismus ständig einherspringen. 

Man könnte das alles natürlich auf eine dekadente Moderne, die mit dem "Erleben des Lebens" (was auch die Idee der Reinkarnation für Viele so sympathisch macht) und Konsumieren nicht mehr nachkommt und sich am liebsten Unsterblichkeit auf direktem Wege der Wissenschaft - gepriesen sei Ihr Name - wünscht, schieben. 
Aber das wäre ganz ehrlich betrachtet falsch. 

So gibt es im Ägyptischen Museum Berlin ein äußerst interessantes Exponat (das leider Online nicht aufzufinden ist im Gegensatz zu einer antiken Strafarbeit und diversen Grabfigürchen), bei dem es sich um ein 9cm hohes Kästchen und einem 5,7cm großen Modell eines Skeletts aus der Ägyptischen Spätzeit handelt. Zu diesem Objekt, das als Inventar Nr. 20472 aufgelistet ist, heißt es im Katalog von 1967: 

Der kleine Holzschrein mit einer in Leinen gewickelten Skelettfigur aus Holz erinnert so sehr an das, was Herodot von den Gastmählern der Reichen berichtet, daß ein entsprechender Zusammenhang überaus wahrscheinlich ist. Herodots Bericht lautet: "Beim Gastmahl, wie es die Reichen halten, trägt nach der Tafel ein Mann ein hölzernes Bild einer Leiche, in einem Sarg liegend, herum. Es ist auf beste geformt und bemalt und eine oder zwei Ellen lang. Er hält es jedem Zechgenossen vor und sagt: 'Den schau an und trink und sei fröhlich! Wenn Du tot bist, wirst du das, was er ist.' Solche Sitten haben sie bei ihren Gelagen" (II, 78). Auf der oberen Hälfte der Vorderseite des Kästchens sind die Riegel wiedergegeben, mit denen Klapptüren solcher Schreine zu öffnen waren. Die tatsächliche Öffnung des Kästchens ist jedoch ein Schiebdeckel auf der Unterseite des Behälters.


Natürlich kommt an dieser Stelle auch der Gedanke an den 1. Korintherbrief des heiligen Apostels Paulus ( 1 Kor 15,32):

Wenn die Toten nicht auferweckt werden, dann lasst uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot. 

Nicht nur dem in der hellenistischen Kultur durchschnittlich bewanderten Juden Paulus aus dem kleinasiatischen Tarsus dürfte daher dieser Ausspruch bekannt gewesen sein, sondern auch seinen Zuhörern, die in Korinth lebten, das man in etwas heutigen Sinne als Partystadt á la Berlin oder Hollywood bezeichnen könnte - der Ausdruck "Korinthisches Mädchen" war übrigens am Rande bemerkt eine weiterhin andersweitige Bezeichnung für eine Prostituierte; den üblichen städtischen antiken Rest (Ess- und Trinkgelage etc.) kann man sich selbst dazudenken...

Wobei Paulus nicht bei diesem Hedonismus stehen bleibt, wenn er auf Christus und dessen Auferstehung verweist, an der auch die Schöpfung am jüngsten Tages Anteil haben wird: Ist Christus nicht auferstanden und werden die Toten nicht eines Tages auferstehen, dann kann man sich kurz vor knapp noch mit weltlichen Genüsslichkeiten, Vergnü- gungen und Gelüsten ruhig die Zeit vertrödeln, denn man das Licht einmal aus ist, dann ist es endgültig aus und man sinkt ins Nichts zurück, aus dem man kommt oder als "Schatten" in die Totenwelt, wie es die damaligen Heiden glaubten. 

Wenn dagegen noch etwas kommt - und das ist die letztendliche Erfüllung durch Gott den Schöpfer allen Lebens und allen existierenden Seins selbst -, dann werden diese Dinge sekundär und auch die Torschlusspanik, die man auch (und besonders) bei vielen Menschen beobachten kann, die nicht bekommen, was sie wollten, lässt nach. Ebenso das heute weit verbreitete Verlangen, sich im Leben unbedingt vor anderen beweisen zu müssen bzw. wie die wohlhabenden Heiden der Antike besondere Dinge zu hinterlassen, auf dass der eigene Name nicht so schnell von kommenden Generationen vergessen werde. 

Es kann sein, dass es Leute gibt, die im Fasten lediglich eine Möglichkeit zur Gesundheitsverbesserung sehen, um möglichst lange und gesund leben zu können, was ja auch aus biologischer und medizinischer Sicht ein vollkommen vernünftiger Gedanke ist - auch Kirchenväter wiesen immer wieder auf die körperlichen Vorteile dieser Übung hin. Geht dies jedoch in der kirchlichen Fastenzeit mit einem Verlust der geistlichen Dimension einher - dem Vorbereiten auf die Hochfeste Ostern und Pfingsten, sowie den Gnaden, die das Fasten und Beten für denjenigen bereithält, der aus Liebe und Vorbereitung auf Gott verzichtet -, ist dies unter diesem Umstand notwendigerweise als unberechtigte Verkürzung der dem Menschen von Gott gegebene Zeit zu kritisieren. 

Denn wie auch die Hedonisten mit Eintreten des Todes keinen Wein mehr nachschütten können, so macht auch der Umstand, den Schädel von einem unvorhersehbar herunterfallenden Ziegel eingeschlagen zu bekommen, eine letzte Umkehr vor dem persönlichen Gericht (vor dem auch der Herr in Gleichnis vom reichen Prasser und dem armen Lazarus warnt, Lk 16,19-31) unmöglich, wenn man diese Angelegenheit viel zu lange hinausgeschoben hat. 
Ein Punkt also, in dem sich tatsächlich beide Seiten paradoxerweise einmal einig sind. 


Lasst uns bessern, was wir unwissend gesündigt haben, damit wir nicht, plötzlich am Tag des Todes überrascht, Zeit der Buße suchen und sie nicht mehr finden können. 
Responsorium zur Auflegung der Asche





Freitag, 29. Januar 2021

Die Allerseelenbruderschaft bei St. Kajetan in München



Vor einiger Zeit hat mich eine Leserin angeschrieben und auf eine empfehlenswerte Bruderschaft aufmerksam gemacht, die sich der Hilfe der Armen Seelen im Fegefeuer widmet. 

Auf diesem Blog wurde bereits vorletztes und wegen der Corona-Situation noch einmal letztes Jahr auf den Allerseelenablass aufmerksam gemacht, jährlich ab 1. November erworben werden kann. Bei der Allerseelenbruderschaft bei St. Kajetan handelt es sich dagegen um eine eigene in München befindliche Bruderschaft, die neben dem Gebet für andere Verstorbene auch ihre eigenen Mitglieder nach Eintreffen der Todesnachricht in die Gebete und Messen einschließt. 

Errichtet wurde die Bruderschaft am 28. Februar 1615 durch Bischof Stephan von Freising in der (zu Beginn des 19. Jh. abgebrochenen) Kirche des hl Laurentius "im Alten Hof" auf Ersuchen von Kurfürst Maximilian I. (auf den auch die Münchner Mariensäule zurückgeht) und dessen Gattin Elisabeth Renata, Herzogin von Lothringen, "zu Hilf und Trost aller christgläubigen Seelen im Fegefeuer". Diese Bruderschaft wurde von Papst Paul V. mit reichen Ablässen ausgestattet, 1622 bestätigte Papst Gregor XV. die Bestätigung der Bruderschaft für alle ihn umgebenden Lande. Neben einfachen Leuten traten auch Adelige und hochgestellte Persönlichkeiten bei wie die Prinzen des bayrischen Fürstenhauses und sämtliche Kurfürstinnen und Prinzessinnen. Der erste Präfekt der Allerseelenbruderschaft war kein anderer als der bayrische Feldherr Freiherr von Tilly

Heute wird die Bruderschaft von den Dominikanern mit Sitz in der Kirche des hl. Kajetan (auch als Theatinerkirche bekannt) betreut. 


In der Broschüre, die per E-Mail angefordert werden kann und auch den Anmeldebogen beinhaltet heißt es weiter zur Allerseelenbruderschaft: 

Der Zweck, zu dem die Allerseelenbruderschaft gegründet wurde und den sie auch heute noch zu erfüllen sucht, entspricht dem Zeugnis der Heiligen Schrift. So lesen wir im 2. Buch der Makkabäer: Der edle Judas "veranstaltete eine Sammlung, an der sich alle beteiligten, und schickte etwa zweitausend Silberdrachmen nach Jerusalem, damit man dort das Sühnopfer darbringe. Damit handelte er schön und edel, denn er dachte an die Auferstehung. Hätte er nicht erwartet, dass die Gefallenen auferstehen werden, wäre es nämlich überflüssig und sinnlos gewesen, für die Toten zu beten. Auch hielt er sich den herrlichen Lohn vor Augen, der für die hinterlegt ist, die in Frömmigkeit sterben. Ein heiliger und frommer Gedanke! Darum ließ er die Toten entsühnen, damit sie von der Sünde befreit werden" (2 Makk 12,43-45).

So leitete die Allerseelenbruderschaft ihre Mitglieder an, durch gemeinsame Gebete, Gottesdienste und gute Werke den im Reinigungsort ("Fegfeuer") leidende Seelen Trost und Hilfe zu bringen. Vor allem soll diese Hilfe nach Meinung der frommen Stifter jenen zuteil werden, die auf Erden niemanden haben, der ihrer im Gebet gedenkt. Auch dürfen die Mitglieder darauf vertrauen, ihrerseits einmal die Früchte dieser Gebets- und Opfergemeinschaft ernten zu dürfen.


Zu den Ablässen heißt es im Aufnahmezeugnis:

Um dem Armen Seelen besser helfen zu können, hat die Kirche die Bruderschaft mit Ablässen ausgestattet. Nach der letzten Anordnung der Apostolischen Pönitentiarie vom 29. Märt 1980 sind es zur Zeit folgende:

A. Vollkommene Ablässe
1. Am Tag der Aufnahme in die Bruderschaft
2. Am Fest des heiligen Laurentius, des Patrons der Bruderschaft, (10. August) oder am folgenden Sonntag.
3. An Allerheiligen und am Sonntag nach Allerseelen.

Bedingung: Beichte und Kommunion, Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters (Vater Unser, Ave Maria) und der gute Vorsatz, jede Sünde zu meiden.

B. Teilablässe
1. Wer in seiner Pflichterfüllung und in den Mühen des Lebens in demütigem Vertrauen zu Gott aufschaut und dabei - wenigstens im Geist - ein Stoßgebet verrichtet.
2. Wer im Geist des Glaubens sich selber und/oder seine Güter für die Notleidenden einsetzt.
3. Wer in Bußgesinnung freiwillig auf Angenehmes und Erlaubtes verzichtet.

Dazu sind vorausgesetzt der Stand der Gnade sowie die allgemeine Absicht, diese Ablässe zu gewinnen.

Vollkommene und Teilablässe können auch den Verstorbenen zugewendet werden.


Eigentlich sind die angegebenen Verpflichtungen für die örtliche Mitgliedschaft um St. Kajetan in München vorgesehen, es besteht aber dennoch die Möglichkeit, der Bruderschaft anzugehören, ohne unbedingt vor Ort wohnen zu müssen.


Die üblichen vor Ort gültigen Andachten, Gottesdienste und Verpflichtungen sehen wie folgt aus:
1. Täglich wird der Rosenkranz für die Armen Seelen gebetet: am Werktag um 17:00 Uhr, an Sonn- und Feiertagen um 18:00 Uhr.
2. Für jedes verstorbene Mitglied wird in der Kirche eine Hl. Messe gelesen, obald die Nachricht von seinem Tod bei der Bruderschaft eingetroffen ist. Auch wird es fortan in alle Gebete und Messopfer der Bruderschaft eingeschlossen.
3. An den vier Quatembersonntagen, also am 2. Adventsonntag, am 2. Fastensonntag, am Dreifaltigkeitssonntag und am 2. Sonntag im Oktober findet um 17:00 Uhr eine Konventsandacht statt mit Rosenkranz, Predigt und Gebet vor ausgesetztem Allerheiligsten. Jeweils am darauffolgenden Montag wird um 8:00 Uhr ein Requiem für die Stifter der Erzbruderschaft, ihre Verstorbenen Mitglieder und alle verstorbenen Christgläubigen gefeiert.
4. Die Erzbruderschaft steht unter dem Schutz des hl. Märtyrers Laurentius, in dessen Kirche "im alten Hof" sie einst errichtet wurde. Da das Fest dieses Heiligen am 10. August begangen wird, findet am Sonntag darauf um 17:00 Uhr eine Konventsandacht statt.
5. Am Allerseelentag ist um 17:30 Uhr ein Requiem für alle Verstorbenen. Am Sonntag darauf findet um 10:30 Uhr ein Hochamt für alle lebenden und verstorbenen Mitglieder der Erbruderschaft und um 17:00 Uhr eine Konventsandacht statt.
6. Zu all diesen Gottesdiensten und Andachten sind die Mitglieder dieser Bruderschaft herzlich eingeladen. Wer daran nicht teilnehmen kann, wird gebeten, durch andere Gebete und gute Werke den Armen Seelen zu helfen. Doch er geht keine Bindung ein, die ihn unter Sünde verpflichten würde. 


Zu den den Andachtsübungen heißt es ebenfalls im Aufnahmezeugnis:

Nach altem Brauch beten die Mitglieder der Bruderschaft für die Armen Seelen täglich die beiden Psalmen 51 und 130.

Doch können sie stattdessen auch folgende Gebete verrichten:
Gott, du Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, schenke den Seelen deiner Dienerinnen und Diener Nachlass aller Sünden, damit sie die stets ersehnte Verzeihung durch unsere frommen Fürbitten erlangen durch Christus, unseren Herrn. Amen. 

Oder: 
Vater unser, Ave Maria und 
Herr gibt ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen. Lass sie ruhen in Frieden. Amen

Allen Mitglieder wird empfohlen, die von der Kirche gewährten vollkommenen Ablässe an den entsprechenden Tagen zum Nutzen der Armen Seelen zu gewinnen, außerdem Notleidende zu unterstützen, Verzicht und gute Werke zu üben, für die Verstorbenen zu beten sowie die Hl. Messe für die Armen Seelen aufzuopfern.

Gottesdient und Gebetsveranstaltungen sind aus dem Faltblatt, welches am Schriftenstand der Theatinerkirche aufliegt, sowie aus den Anschlägen im Schaukasten der Kirche zu ersehen. 


Auf persönliche Anfrage, was Mitglieder tun sollen, die nicht vor Ort wohnen d.h. aufgrund der Entfernung keine Möglichkeit an einer Teilnahme haben, wurde ich auf Punkt 6 obiger Auflistung verwiesen. 

Zum Beispiel können Mitglieder im Anschluss an das Abendessen ein Gebet für die Verstorbenen beten; aus dem Neuen Gotteslob (2013) zum Beispiel GL18, GL 28 (Hausgebet für die Verstorbenen), GL 569 (Litanei für die Verstorbenen), GL 655-658 (Totenvesper) oder GL 675 3+4 ( Andachtsabschnitte zum Totengedenken). 

Sofern möglich könne man auch Werktags eine Messe besucht werden, ein gutes Werk - auf welche Weise auch immer - sollte unterstützt werden, was eine innere Disziplin und Treue voraussetze. 

Bestimmte Gebete wie bei der Josefsbruderschaft gäbe es nicht, wenn man vom täglichen Rosenkranz mit der Lauretanische Litanei absehe, den man zu Hause für sich beten könne (werktags 17:00 Uhr, sonntags 18:00 Uhr). 


Für weitere Informationen kontaktiere man die angegebene Adresse und Telephon-Nummer oder per E-Mail.





Sonntag, 17. Januar 2021

Cornelius a Lapide: Warum der Name "Jesus" und nicht wie prophezeit "Emmanuel"?


Als Nachtrag zum Fest des Heiligsten Namens Jesu sei hier aus dem Matthäus-Kommentar des Jesuiten Cornelius a Lapide (1567-1637) zitiert, von dem ich bisher leider nur englische Übersetzungen seiner Werke aus dem Lateinischen gefunden habe: 


[...] Man würde vielleicht sagen: Wie ist der Name Jesus [Übers: "Gott rettet"] derselbe wie Emmanuel [Übers.: "(Gott) mit uns"], wie der heilige Matthäus [Mt. 1,23] es andeutet? Tertullian (lib. contra Judaeos) antwortet darauf, dass er derselbe ist im Wortsinne wenn nicht im Klang. Dass Gott mit uns sein würde, ist derselbe Sinn wie wenn ein Retter - d.h. Jesus - mit uns sein würde. Denn niemand anderes als Gott könnte unser Retter sein.

Man beachte den Hebraismus, der hierzu verwendet wird. Er soll Emmanuel genannt werden, das heißt: Er soll Emmanuel sein. Von der Sprachfigur her ist das eine Metonymie, zur der auch folgende Stellen eine klare Ähnlichkeit aufweisen: Jer. 23,6 
["In seinen Tagen wird Juda gerettet werden, Israel kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Der HERR ist unsere Gerechtigkeit."] ; Sach. 8,3 ["So spricht der HERR: Ich bin nach Zion zurückgekehrt und werde wieder in der Mitte Jerusalems wohnen. Dann wird Jerusalem Stadt der Treue heißen und der Berg des HERRN der Heerscharen Heiliger Berg."] und Is. 9,6 - "Und er soll genannt werden: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. " Denn all die Dinge werden ausgedrückt - sei es explizit oder implizit - vom Namen Jesus.

Man bemerke ebenso, dass Christus von Matthäus nicht Isaiah Emmanu Jehovah genannt wird oder Emmanu Adonai oder Elohim, obwohl dies alles Namen Gottes sind, weil
Jehovah [Korr.: Jahwe "Ich bin der ich bin / der ist". Zur fehlerhafte und veraltete Übersetzung "Jehovah" siehe dazu den Wikipedia-Eintrag HIERdeutet auf das Wesen Gottes hin oder zeichnet Gott aus als die erste, oberste und unbeschreibliche Wesenheit, von der alle anderen Wesen ihre Existenz beziehen. Adonai deutet die Oberherrschaft Gottes und zeichnet Gott aus wie Er der Herrscher ist, der Richter und der Rächer aller Dinge. El dagegen deutet auf die Kraft und Allmacht Gottes hin und zeichnet Gott als den starken und allmächtigen aus, weil Gott seine höchste Kraft und Macht in der Menschwerdung manifestiert und in Christus, weil er durch Christus seine stärksten Feinde überwand, sogar die Teufel, die Hölle, den Tod und die Sünde und außerdem alle Sünden und Laster, wie viele und wie große auch immer. Aus diesem Grnd wurde auch der Engel, der dieses Geheimnis verkündete, Gabriel genannt - d.h. die Stärke Gottes.

Woraus man außerdem tropologisch beachten müsse: Gott ist mit uns, nicht nur in seiner Essenz, Präsenz und Kraft wie Er in aller und jeder Kreatur ist, sondern durch seine Menschwerdung Er auch wahrhaftig, in rechter Weise und wirklich mit uns ist als ein Bruder, lebend, mit uns sprechend in der menschlichen Natur, die Er angenommen hat. Deshalb - 2. - ist Er mit uns als das Haupt mit dessen Gliedern. Durch Christus als Haupt der Gläubigen strömt in diese geistlicher Sinn und Bewegung zusammen mit Ausrichtung und Führung. 3. Der Selbe, Mensch geworden, ist mit uns in der Eucharistie, als wäre es unsere Speise, uns sein eigenes Fleisch und Blut zur Speise gebend. So weit zum Physischen. 4. Sittlich ist Christus mit der Kirche wie ein Bräutigam mit seiner Braut ist, helfend, schützend, ertragend, sie zierend und fruchtbar machend. Daher sagt der Psalmist: "Auch wenn ich wandere im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir."(Ps 23,4) Deshalb ruft jeder Glaubende in jeder Schwierigkeit, Anstrengung und Bedrängnis Emmanuel an, das ist Gott mit uns, mit unserem Fleisch vertraut. Und freudig ruft er: "Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser." Und Ps. 27,1: "Der Herr ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist die Zuflucht meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen? Dringen Frevler auf mich ein, um mich zu verschlingen, meine Bedränger und Feinde; sie sind gestrauchelt und gefallen. Mag ein Heer mich belagern: Mein Herz wird nicht verzagen. Mag Krieg gegen mich toben: Ich bleibe dennoch voll Zuversicht." Und mit Paulus [Röm 8,31] : "Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?" Deswegen ist es nun rechtmäßig für jeden Gläubigen, aber besonders für einen Heiligen oder Märtyrer zu sagen, was der Engel zu Gideon gesprochen hat: "Der Herr sei mit dir, starker Held." (Ri 6,22) [Korr.: Ri. 6,12].



Mittwoch, 16. Dezember 2020

Von Schafen, Lämmern und dem Wetter in Bethlehem




In dieser Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie und sie fürchteten sich sehr. Der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.
Evangelium nach Lukas, 2, 8-12


Neben der Behauptung, dass es sich bei dem Datum von Weihnachten um eine Übernahme aus dem Heidentum handle (ein scheinbares Manko, das wir auch beim Thema Allerheiligen und Halloween hatten) und der Skepsis gegenüber der Existenz des Kindermordes von Bethlehem gibt es noch ein weiteres Argument, dass gerne gegen die Historizität des kirchlichen Weihnachtsfestes im Dezember ins Feld gebracht wird: Dass es von der Jahreszeit her viel zu kalt für die Hirten, die die Heilige Familie aufsuchten, und deren Schafe gewesen sei.

Um ganz am Anfang mal das einfachste Argument abzuarbeiten: 
Nein, das gerne im Internet herumgereichte Photo von Bethlehem im Schnee entstand nicht in nahöstlichen Bethlehem im Autonomen Palästinensergebiet, sondern im britischen Bethlehem in der walisischen Grafschaft Carmarthenshire, das seinen Namen von einer Kapelle her ableitet. 2002 wurde die aus den 1960ern stammende dortige Tradition, Weihnachtskarten hier im Postamt absenden zu lassen, übrigens zur Freude von Einheimischen und Touristen wiederbelebt. 

Auch wenn dieses Bild ab und zu gerne hervorgezogen wurde, um zu mit den klar sichtbaren Schneemassen zu "beweisen", dass es in Bethlehem zu kalt wäre, um draußen Schafe zu weiden, stammt es dennoch in Wirklichkeit von der Bethlehem Village Band, die das Photo als Albumcover verwendete.


Das Bild mal komplett beiseite gelassen, wird trotzdem gerne das Argument von dem Klima, das sogar für Schafe zu kalt sei, vorgebracht. Gerne werden dazu ebenfalls Bilder vom verschneiten Jerusalem gezeigt. Wenn man jedoch nach den durchschnittlichen Wetterdaten geht, stellt dies in vielen Fällen eher eine klimatische Seltenheit dar, in Jerusalem selbst wird oft die Tiefsttemperatur von 3°C selten unterschritten. Auch in Bethlehem, das mit 775m beinahe auf gleicher Höhe liegt, ist die Durchschnittstemperatur um die 10°C nachts im Januar am niedrigsten. Auch unter der Berücksichtigung, dass es im Laufe der Zeit zu Änderungen der Temperatur kommen kann, ergeben sich keine ernsthaften Probleme, warum Hirten um den 24. Dezember vor 2.000 Jahren nicht auf den Feldern gelagert haben sollen. 

Diese Tatsache wird gerne übersehen und mit einer winterlichen Situation wie in Europa oder Vereinigten Staaten gerne durcheinandergebracht, wenn auch aus Unwissenheit. Einen besonderen absichtlichen Taschenspielergriff dagegen versuchten zum Beispiel die Zeugen Jehovas, die zwar von "kalt und verregnet" sprechen und dem Januar als den kältesten Monat in Heiligen Land, jedoch ganz einfach die genauen Temperaturen dem Leser vorenthalten; wer den Artikel über die Einstellung der Zeugen Jehovas zum Kreuz gelesen hat, dürfte dieses Phänomen schon ausführlich bekannt sein. 



Neben den Temperaturen muss man sich auch die Schafe dieser Gegend selbst etwas genauer anschauen. Die Schafe dieser Gegend, die Awassi bzw. Fettschwanzschafe, die von Arabien bis Ägypten auch wegen ihrer Milchproduktion gerne von Nomaden gehalten werden, sind auffällig schädlingsresistent und tolerant gegenüber extremen Temperaturen. Bei vielen Schafen in Israel, Palästina, Jordanien und Syrien kann außerdem die Geburtszeit von Lämmern aufgrund der Negativen Photoperiode, bei der der Eisprung bei Schafen bei abnehmenden Licht im Herbst stattfindet (und einer Tragezeit von 150 Tagen wei bei den Ziegen) auf die Monate Dezember/Januar fallen. In dieser Zeit sind die Hirten von besonderer Bedeutung, da sie die säugenden Schafe in offener Natur schützen müssen. 

Dass dieser Zeitraum in dieser Gegend auch heute vollkommen selbstverständlich ist, zeigt ein Artikel der IFCR (International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies) vom Januar 2017, in dem berichtet wird, dass 1.000 Schafe und10 Tonnen Schaffutter in die ländlichen Gebiete in Homs und Latakia geliefert wurden:

[...] Jedes Schaf war schwanger und erreichte die Familien rechtzeitig zur Ablammsaison. Aber ein Mutterschaf konnte nicht warten und die neuen Besitzer erhielten eine Überraschungsankunft eines neugeborenen Lammes, das sie mit der Mutter mit nach Hause nahmen.

"Es geschah so schnell!", erklärte Ylanda Davila, IFRC Lebensunterhaltsdelegierte, die bei der Verteilung anwesend war. "Die Schafe sind eine starke heimische Züchtung und das Mutterschaft wusste, was es tun musste. In weniger als fünf Minuten war das Lamm geboren und stand bereits. Es war eine wundervolle Überraschung für die Familie, die zwei Schafe mit nach Hause nahm und das Neugeborene einlebte."

Im Gesamten erhielten 500 Familien (200 in Al Hosn, Al Shawahed und Midan und 300 im ländlichen Latakia) jeweils zwei Schafe und 200kg Schaffutter für den Winter und werden weitere 200kg im Frühling bekommen. [...] 



Interessant ist ebenfalls, was P. Martin Ramm FSSP in seinem Pilgerreiseführer über das Heilige Land auf Seite 140 zu den Umständen vermerkt: 

[...] Gegen das "Schafsargument" [d.h. dass man keine Schafe im Dezember im Freien gehalten hätte]  wird erwidert, die Juden hätten damals drei Arten von Schafherden unterschieden. Die weißen Schafe, die sie für rein hielten, seien abends in die Ställe gebracht worden. Die gefleckten Schafe wurden in einen Stall außerhalb der Stadt geführt. Die schwarzen Schafe aber, die als unrein galten, mussten das ganzen Jahr hindurch mit ihren Hirten draußen bleiben. Folglich kann sich das Evangelium durchaus auf jene unterste Klasse von Hirten beziehen, wenn es heißt: "In derselben Gegend waren Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihren Herden."

Andere Deutungen gehen so weit, dass man die Hirten sogar als "Levitischen Hirten" deutet, die für die Opferlämmer für den Jerusalemer Tempel zuständig waren und das makellose Lamm in Stoff wickelten und in einer Krippe unterbrachten, um es vor Gefahr und Schaden zu schützen. 

Natürlich könnte es auch sein, dass es sich um von Pater Ramm genannte Hirten handelte, die jedoch unter dieser den anderen Hirten aufgetragenen Handlungsweise den Messias erkannten, der in Bethlehem geboren wurde (vgl. Micha 5)und für sein Volk wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt werden wird, um es von seinen Sünden reinzuwaaschen (Jes 53,7)




Und es geschah, als die Engel von ihnen in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Lasst uns nach Betlehem gehen, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr kundgetan hat! So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie von dem Wort, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über das, was ihnen von den Hirten erzählt wurde. Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen. Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für alles, was sie gehört und gesehen hatten, so wie es ihnen gesagt worden war. 
Evangelium nach Lukas, 2, 15-20