Samstag, 20. April 2019

Karfreitags-Begräbnisritus der Franziskaner von Jerusalem



Keine Reaktion auf den Brand der Notre-Dame de Paris und die Rettung der dort aufbewahrten Dornenkrone. Sondern ein seit 1750 unverändert gebliebener Karfreitags-Ritus der Franziskaner in Jerusalem.


Und das ist noch nicht alles: Wie der Liturgical Arts Journal berichtet, handelt es sich hierbei um eine  komplette Inszenierung der Kreuzesabnahme und des Begräbnisses Jesu in der Jerusalemer Grabeskirche. Mit einem Kruzifix-Corpus mit beweglichen Armen.

Für die meisten von uns ein wirklich ungewohnter Anblick, aber wenn man sich in Erinnerung ruft, dass der Gründer des Franziskaner-Ordens, Franziskus von Assisi, als Erfinder des Krippenspiels gilt, dann dürfte der Apfel nicht so weit vom Stamm gefallen sein, wenn man sich den Ritus seiner Söhne genauer anschaut. Es handelt sich auch um das einzige Mal im Jahr, an dem die Lateiner den Griechischen Altar der Grabeskirche nutzen dürfen.



Auch im Kloster der Franziskaner in Jerusalem findet jeden Karfreitag eine - wenn auch vereinfachte - Version der Begräbnis-Prozession statt.




Freitag, 19. April 2019

Der Sohn Gottes und der Sohn der Sünde


Kommentar von Michael O`Brien, Schriftsteller und Autor von "Father Elijah: Eine Apokalypse"


[...] Meiner Ansicht nach hat jede Idee, die gegen das Leben und das Evangelium gerichtet ist, ihren Ursprung im Geist des Antichrist. Aber man muss vorsichtig sein. Man darf nicht zu dieser oder jener Führungspersönlichkeit sagen: „Das ist der Antichrist.“ Wir leben in einem Umfeld, das von diesem Geist, der die ganze westliche Welt erobert, beherrscht wird. In seinem ersten Brief sagt der Apostel Johannes, eines Tages würde der Mensch der Sünde, der wahre Antichrist, erscheinen. Und dass viele Antichristen eine Vorahnung davon geben werden.

Die Versuchungen zum Optimismus oder zur Verzweiflung, zur Wut, zur Angst, zur Panikmache oder Verleugnung sind alle nicht christlich. Es ist ganz normal, Angst, Abscheu oder Entmutigung zu empfinden. Dann müssen wir uns noch intensiver Christus zuwenden und Ihn um Seine Gnade bitten. Mut ist eine natürliche Tugend, die Hoffnung ist eine übernatürliche Gabe Gottes. Wenn wir also mit der Finsternis in der Welt konfrontiert sind, müssen wir um ein Übermaß an der Gabe der Hoffnung bitten.


Vor allem gilt es, mit Umsicht die Kinder zu erziehen und sie zu beschützen. Gleichzeitig müssen wir aber unsere Herzen offen halten, um alle Menschen, sogar unsere Feinde, zu lieben. Ohne Kompromisse, aber auch ohne Angst.
[...]
Quelle




Zum Weiterlesen




Samstag, 13. April 2019

Benedikt meldet sich zurück, "Intellektuelle" flippen aus



[...] Der lang vorbereitete und im Gang befindliche Auflösungsprozeß der christlichen Auffassung von Moral hat, wie ich zu zeigen versuchte, in den 60er Jahren eine Radikalität erlebt, wie es sie vorher nicht gegeben hat. Diese Auflösung der moralischen Lehrautorität der Kirche mußte sich notwendig auch auf ihre verschiedenen Lebensräume auswirken. [...]


War ja klar, dass wieder die üblichen Verdächtigen aufheulen (vergleiche dazu auch den Vortrag von P. Recktenwald FSSP). Papst Emeritus Benedikt hat im bayrischen Klerusblatt Stellung genommen zu den Missbrauchsfällen innerhalb der Kirche - und sich nicht brav an den Narrativ von der dringendst nötigen "Öffnung" der Kirche und der Kritik am "Klerikalismus" gehalten. Und auch nicht dem völlig bekifften Goldenen Kalb der "68er Bewegung" gehuldigt.

Im Kurzen und Ganzen verweise ich zur etwaigen Einordnung auf den Artikel über Milo Yiannopoulos´ Buch Diabolical, in dem auf den Zusammenhang zwischen Glaubens- und Disziplinabwertung innerhalb der Kirche und dem Aufkommen von Seilschaften unter Geistlichen hingewiesen wird. Mit besonderem Blickpunkt auf die "Progressivität" und gesellschaftliche Nützlichkeit bestimmter Personen, die Viele über seltsame Verhaltensweisen und signifikante Anschuldigungen hinwegsehen ließ.

Im Artikel von Benedikt XVI. wird natürlich ein ganz anderer Blickwinkel eingenommen als im investigativen Bericht von Yiannopoulos, der sich mehr auf den angelsächsischen Bereich konzentriert. Auch konzentriert er sich direkt auf die geistige Erosion des katholischen Moralbegriffes, der von einer naturrechtlichen Begründung zu einer rein biblizistischen ("Sola Scriptura" lässt grüßen) kam und schließlich bei der subjektivistisch-progressiven Auslegung von Moral landete - was durch eine naive Propagierung der sexuellen Freiheit durch die meist subjektivistisch-nihilistischen Vertreter der 68er besondere Sprengkraft erhielt, die in der Einschränkung der "Urkraft Sexualität" nichts anderes als ein Verbrechen sahen.

Aus dem Hindernis für eine verantwortungsbewusste Persönlichkeitsentwicklung machte man eine Persönlichkeitsentwicklung, die meist auf Hedonismus, das alternativlose Ausleben der Sexualität (weil man ja sonst gefährliche Störungen entwickelt. Aber ansonsten gleichzeitig bei Pädophilie fleißig beide Augen zudrückte) und den sozialen Druck der jeweiligen durchhedonisierten Gruppe begründet wurde. Und natürlich die Gesellschaft mitmachte, denn wie es bei den Kommunisten gerne hieß: "XY bedeutet Frieden. Bist DU etwa NICHT für FRIEDEN, Genosse?!!" Und man ist ja nicht gegen Hedonismus, wenn dies andernfalls Menschen kaputt machen würde. Nicht wahr, Genosse?

Wer denkt, dass dies übertrieben sei, muss sich nur einmal die Kritiker Benedikts genauer anschauen, um schnell zu merken, wie der Hase läuft. Denn diese sitzen meist in wichtigen Positionen des kirchlichen Ausbildungsbetriebes und profitieren von eben obig genannten Relativismus, der tatsächlich - manche mögen das immer noch für ein Paradoxon halten - zu einer geistigen Diktatur verkommen ist, die exekutieren darf, wer nicht brav diese Charade mitspielt. Wer einmal eine durchschnittliche deutsche Theologie-Fakultät von Innen gesehen hat, weiß, dass dies mit der Zeit auch auf völlig unvorbereitete Studenten abfärbt - und zwar nicht nur wegen der Angst, dass die Semesterarbeit zerrissen und damit das Vorankommen im Studium weiter erschwert wird. Besonders wenn es sich um Dozenten mit Prominentenstatus handelt.

Nur was allzu gerne aus dem Auge verloren wird: Die Kirche ist keine geschlossene Gesellschaft. Und sie ist vor allem kein universitärer Elfenbeinturm. Das zeigt sich gerade an dem völlig schief verlaufenden Verständnis der Kirche, das keinerlei Rücksicht auf das Verhältnis von Glaube, Gottes Realexistenz und der Kirche als Garant der Überlieferung nimmt, sondern an einem luftleeren Legalismus kränkelt, für den Theologie scheinbar nur noch die Verwaltung einer 2.000 Jahre alten Bude darstellt. Und das wird der Punkt sein, an dem der Auflösungsprozeß weiter voranschreiten wird bis zur Gretchenfrage: "Wie hält´s du´s mit der Religion?" Und plötzlich klar wird, dass dieses trotz schöner Worte nicht mehr vorhanden ist.

Während sich diese geschlossene und vom (nicht mehr wirklich christlichen) Staat mit seinen eigenen Interessen subventionierte Gesellschaft weiter im Abstieg befindet, machen Große Teile der Gläubigen sich auf den Weg der Tradition und einer ernsthaften Verehrung Gottes - eine Sache, die ihnen "Intellektuelle" am liebsten als "vorkonziliar" ausreden wollen und diese deshalb auf eigene Faust suchen gehen. Dass traditionell ausgerichtete Medienkanäle im englischsprachigen Raum derzeit einen Boom erleben, sei hier nur am Rande erwähnt. Auch traditionell ausgerichtete Priesterseminare zeigen ein verstärktes Interesse und bringen risikobereite und begeisterungsfähige Priester hervor - obwohl diese nach moderner Logik eigentlich mental völlig kaputt sein müssten aus Mangel an "gesunder Sexualität" und "Selbstverwirklichung". Dass vermehrte Berufungen nicht wegen theologischer Liberalisierung und dem Anbiedern an eine völlig wankelmütige Gesellschaft, sondern wegen eines ernst gemeinten Verhältnisses mit Gott in seiner Kirche entstehen, dürfte sich wahrscheinlich auch noch nicht herumgesprochen haben.

Und alleine die Anmerkung, dass eben ihre bisherige Methode sogar Schuld an der ganze Misere ist ... Kinder, ratet einfach mal, warum gewisse Personen derzeit wieder mal über Benedikt herumgiften. Und warum man nichts besseres tun kann, als diese schlicht und einfach zu ignorieren.

Unabhängig von dieser Frage wurde in weiten Kreisen der Moraltheologie die These entwickelt, daß die Kirche keine eigene Moral hat und haben kann. Dabei wird darauf hingewiesen, daß alle moralischen Thesen auch Parallelen in den übrigen Religionen kennen würden und ein christliches Proprium daher nicht existieren könne. Aber die Frage nach dem Proprium einer biblischen Moral wird nicht dadurch beantwortet, daß man zu jedem einzelnen Satz irgendwo auch eine Parallele in anderen Religionen finden kann. Vielmehr geht es um das Ganze der biblischen Moral, das als solches neu und anders ist gegenüber den einzelnen Teilen. Die Morallehre der Heiligen Schrift hat ihre Besonderheit letztlich in ihrer Verankerung im Gottesbild, im Glauben an den einen Gott, der sich in Jesus Christus gezeigt und der als Mensch gelebt hat.
Auszug aus dem Brief Benedikts zum kirchlichen Missbrauch




Wie, ihr habt den Brief noch nicht gelesen?!
Los, los! Lesebefehl!



Donnerstag, 4. April 2019

Jonathan Pageau zur ungenügenden Auslegung von Symbolen



Wir haben sie sicher alle schon einmal getroffen. Evangelikale, die versuchen, Katholiken wegen bestimmter Symbole und Bräuche als Heiden und/oder Satanisten abzustempeln und Neuheiden, die in kirchlichen Symbolen "ihren" Kram erkennen wollen. Die Antwort darauf: "Stop being silly."


Manche erinnern sich sicher noch an "Da Vinci Code"/"Sakrileg" von Dan Brown, als es damals in den Kinos anlief und plötzlich Diskussionen losgingen, ob Jesus verheiratet gewesen sei, wie viele Leichen die Kirchen im Keller hat (meine nicht mitgerechnet) und ob Leonardo da Vinci einen geheimen Code in seinen Werken versteckt habe, um uns das alles mitzuteilen.

Das wichtigste Thema des Filmes wurde gleich zu Beginn angesprochen: Symbole. Protagonist und Symbolologe Professor Robert Langdon erklärt in einem Vortrag, gleich bevor die große Schnitzeljagd losgeht, dass Symbole oft mehrere Bedeutungen haben - um anschließend seine eigene Feststellung für den Rest des Filmes regelmäßig über Bord zu werfen und eher durchgeknallten Geheimgesellschaften zu folgen und beinahe vom Killer-Albino von Opus Dei getötet zu werden.

Wie auch immer, das Thema Mehrdeutigkeit und die Frage nach Kontext und der Anhängigkeit von jeweiligen zugrunde liegenden Weltbildern und ihren Platz darin kommt nicht wieder vor und wird zugunsten eines vereinfachten roten Fadens auch von Zuschauern nicht weiter in Frage gestellt. Was auch heutzutage nicht nur ein Problem bei jungen Leuten ist, die eine Fast Food-Erklärung für ein Problem haben wollen und man sie dann für den Rest des Tages (oder noch länger) einfach in Ruhe lassen soll - weil alles ist ja irgendwie relativ und "die" Wahrheit gibt es ja nicht.

Das Problem liegt dabei noch tiefer. Gerne wird alleine vom Symbol her ein Schluss daraus gezogen, was die Beweggründe von diesem oder jenem Nutzer sind. Tauchen irgendwo pflanzliche Ornamente oder sogar pagane Elemente innerhalb einer gotischen Kathedrale auf, wird darauf geschlossen, dass es sich um "heidnische/germanische Architektur" handelt (selbst schon von einem Neuheiden gehört), ohne das ausgeklügelte Hierarchie- und Ordnungssystem zu hinterfragen, in der sie in der Kathedrale als einem Abbild der göttlichen Schöpfung den Platz einnehmen: Die für den Menschen notwendigen, aber im Hinblick auf die Heilsnotwendigkeit dem Menschen untergeordneten Welt. Mussten Naturkräfte sakral besänftigt werden, sind diese heute nur noch Bauwerke, die der Mensch kultiviert; die Götter, die mit Menschenblut besänftigt wurden, sind heute nur noch marginale Verzierungen von Kreuzgängen.

Zwar tauchen sie ab und zu auf und können kunsthistorisch oder etymologisch zurückverfolgt werden, doch liegt ihnen eine vollkommen andere INTENSION zugrunde. Und die Intension ist auch das Herzstück jeder Nutzung von Symbolen und Bräuchen.

Und das sind Dinge, die leider sogar Konservative durcheinander bringen oder im Extremfall aus diesem falschen Verstehen heraus einen übertriebenen Skrupel entwickeln. Im folgenden Video legt der orthodoxe Künstler Jonathan Pageau daher das Verständnis von der Intension und der Verwendung von Symbolen näher dar.





Weitere Vorträge von Jonathan Pageau sind verfügbar auf
- seiner Homepage von The Symbolic World
Youtube
Soundcloud
iTunes



Montag, 1. April 2019

Milo Yiannopoulos: Diabolical



Warum man in der Kirche niemals zu sehr auf Spendengelder setzen darf, künftige Skandale nur mit einer Rückkehr zum Glauben und zur Disziplin verhindert werden können und man am besten keine Homosexuellen mehr in das Priesterseminar lassen sollte - erklärt von einem Homosexuellen.
Hört sich schräg an, ist aber so.
Und es ist die einzig mögliche Lösung.


Zugegeben, es gab schon so einige schräge Gestalten in der Geschichte der Kirche.
Scheinbare und wirkliche. Zu einer dieser orthodoxen Skandalnudeln kann man mit Fug und Recht den aus England stammenden Journalisten Milo Yiannopoulos zählen. Als rechts-konservativer Redner mit einem ordentlich losen Mundwerk brachte er bisher schon genug Feministinnen und Social Justice Warriors auf die Palme. Was die "Ken-Puppe aus der Hölle" mit seiner offenen Unterstützung von Donald Trumps Präsidentschaft-Kandidatur sogar noch toppen konnte und damit erst recht für eine derartige linke Kernschmelze sorgte, dass sogar ein Campus verwüstet wurde.

Was immer wieder für Verwirrung sorgt, ist sein offen bekannter Katholizismus und seine scharfe Kritik an Homosexuellen-Verbänden - obwohl er selbst offen homosexuell lebt. Während eben jene auf den Schlips getretene Verbände ihm vorwerfen, kein echter Homosexueller zu sein, gab es auch mal den Versuch, ihn für diverse Aktionen innerhalb der katholischen Kirche einzuspannen. Mit verheerenden Folgen - für eben jene Aktivisten.

Oder eben jenen Aktivist. Denn es war der populäre Jesuiten-Priester James Martin, der Yiannopoulos zu einem Interview beim amerikanischen Jesuiten-Magazin einlud und sich scheinbar eine unterstützende Meinung für eine Öffnung der Kirche für Homosexuellen-Verbände erhoffte. Und von Milo daraufhin so theologisch und kirchenrechtlich zerlegt wurde, dass sich das Magazin schließlich entschloss, das Interview nicht abzudrucken. Was aber Yiannopoulos auf seiner Homepage tat und damit James Martin bloßstellte, von dem er selbst der Meinung ist, dass es sich bei ihm um einen selbst homosexuellen Aktivisten im Priestergewand handelt, der "sich doch endlich einmal outen sollte".

Dieses Interview warf einen Schatten voraus auf das, was noch kommen sollte. Letztes Jahr veröffentlichte er das Buch Diabolical - How Pope Francis betrayed clerical abuse victims like me - and why he has to go ("Diabolisch - Wie Papst Franziskus Opfer des kirchlichen Missbrauchs wie mich verriet - und warum er gehen muss"). Zum einen kommt er auf seinen eigenen Missbrauch durch einen Geistlichen zu sprechen, sowie auf den "Sommer of Shame", in der neben neuen Missbrauchsfällen (von denen es sich übrigens in 80% der Fälle NICHT mehr um Kinder handle) auch die engen Verbindungen um den inzwischen laisierten Kardinal Theodore McCarrick ans Tageslicht kamen, der jahrzehntelang Seminaristen missbrauchte, von Benedikt XVI. außer Dienst gestellt (was McCarrick durch öffentliche Reden und Auftritten offen missachtete), nach Aussagen von Carlo Viganò von Papst Franziskus aber trotz eindringlicher Warnungen wieder eingesetzt wurde.

Viganò war es auch, der eine öffentliche Anschuldigung gegen Papst Franziskus veröffentlichte, die als "Vigano Letters" bekannt wurden.

An dieser Stelle setzt Yiannopoulos in seinem Buch an. "Ja, es gibt eine schwule Mafia. Und ihr Outfit ist fabulös": Gab es vorher immer wieder Gerüchte über homosexuelle Seilschaften im Vatikan, die als homophobe Verschwörungstheorie abgetan wurden, kamen besonders nach Vigaò immer mehr Details über Gruppierungen innerhalb von Seminaren ans Tageslicht, die sogar von kirchlichen Verantwortlichen gesteuert wurden und ein doppeltes Leben führten, das aus Täuschungen der Gläubigen, Förderungen von Günstlingen und dem Ausbeuten ihrer Opfer bestand, von dem McCarrick nur den prominentesten Charakter darstellt.

Milo ist der Meinung, dass Papst Franziskus angesichts verschiedenster Verbindungen mit diesen Personen, die er in seinen engsten Kreis kommen ließ, aus Anstand zurücktreten solle. Aber er ist weder Sedisvakantist noch der Meinung, dass die Gläubigen einen Papst absetzen dürfen sollten - nicht nur weil es sich um ein Amt handelt, das von Christus selbst implementiert wurde. Er sieht ein ganz anderes Problem dahinter, was mit einem Rücktritt Franziskus´ nicht aus der Welt geschafft wäre, sondern noch weiter an Fahrt gewinnen könnte: Die Umstrukturierung der Einen vom Herrn selbst ins Leben gerufene Heiligen Katholischen und Apostolischen Kirche zu einer rein humanitären  Vereinigung, wie viele Aktivisten das direkt nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil gerne sehen wollten, die selbst ebenfalls dafür sorgten, dass die Kirche zu einer menschlichen Moral-Institution verkam, die Gläubige eher anwidert als sie in das Geheimnis Gottes zu führen.

Und gerade diese Versessenheit, die Kirche zugleich in eine Karrierestätte umzuwandeln - wie es gerne (linke) politische Karriereristen mit jeder Institution tun, um selbst Bestimmer und Sozialkonstrukteure zu spielen - ist es, was das Eindringen solcher Gestalten ermöglicht hat. Schaut man sich die diplomatischen Reisen von McCarrick an, sowie die immens hohen Beträge für karitative Projekte, die er zustande brachte, wird schnell klar, dass man nicht gerne auf ihn verzichten wollte. Auch war er bei Prominenten wie Bono von U2 beliebt, sodass bei solchen "großzügigen Menschen" gerne mal ein Auge oder zwei zugedrückt wurden.

Der Lösungsvorschlag von Yiannopoulos ist schlicht und einfach: Holt endlich wieder echte Männer in das Seminar. Es braucht keine Karrieristen und erst recht keine Verwässerer der katholischen Lehre, die versuchen, sich für ihre Ziele überall anzubiedern, weil diese nur das Gegenteil bewirken von dem, was die Aufgabe eines Priesters ist: Den Glauben zu verkünden und Seelen in den Himmel zu führen - eine Sache, die jahrhundertelang das Leben der Kirche prägte und die westliche Zivilisation hervorbrachte, so wie wir sie kennen. Und was im Laufe der Kirchengeschichte immer Opfer forderte, weshalb auch Jungen endlich wieder die echte Männlichkeit beigebracht und auch aktiv gefördert werden sollte, statt sie zu manipulativen Soy Boys zu erziehen - was viele Jugendliche, die es ernst mit dem Glauben meinen, übrigens anwidert. Und natürlich die Erhaltung der orthodoxen Lehre, die durch keine SJW- und Climate Change-Hysterie zu ersetzen ist, wie manche Kirchengemeinden derzeit meinen.

Mit 155 Seiten ist das Buch innerhalb von wenigen Tagen schnell durchzulesen, erhält aber besonders durch das Fokusieren und Analysieren der Missbrauchsskandale um die "Lavender mafia" eine ungewöhnlich tiefgehende Sprengkraft. Es handelt sich dabei nicht um ein reines Franziskus-Bashing (auch wenn die Vorwürfe gravierend sind und es im Untertitel bereits angekündigt wurde), sondern besticht besonders mit der Auseinandersetzung der Verdunstung von Glauben und Disziplin innerhalb der Kirche, sowie der Kritik am Karrierismus innerhalb gesellschaftlicher Institutionen, die Yiannopoulos aus überraschenden Perspektiven betrachtet und dem Leser deutlich macht, was auf dem Spiel steht: Nicht der Niedergang irgendeiner beliebigen  Institution. Sondern der Verfall der einzigen Wahrheit auf der Welt, die der Katholizismus darstellt - und dessen Verschwinden auch der Niedergang der menschlichen Zivilisation bedeutet und dessen Vakuum nur schwer gefüllt werden kann - besonders nicht mit derzeit bei jungen Erwachsenen angesagtem Atheismus, Paganismus und Okkultismus (siehe das dritte Video). Die Kirche hat aber auch andererseits schon schlimmere Ereignisse vollkommen überraschend überstanden. Weswegen es auch immer Hoffnung auf Veränderung und echte Reformen gibt. Was aus dem Skandalbericht letztendlich auch einen Essay gerade für einen Verbleib in der Kirche macht.

In diesem Kontext die ein oder anderen Kraftausdrücke oder schlüpfrigen Bemerkungen vom Stapel zu lassen, kann man da sogar einem Milo Yiannopoulos am Ende auch von Herzen verzeihen.



Und hier eine kleine Kostprobe für all diejenigen, die sich nicht sicher sind, auf was sie sich dabei einlassen. Oder schlicht und einfach zu faul zum Lesen sind.


Interview mit Michael Voris von Church Militant zu "Diabolical"


Catholics Are Right About Everything



Über den Verfall des Christentums in den USA und den Aufstieg des Okkultismus