Freitag, 31. Mai 2019

Gotische Kirchen: Labert nicht so viel, baut die Teile einfach




Auf diesem Blog wurde das Thema zwar schon einmal durchgekaut. Aber was soll´s.

Auf katholisch.de wurde der Frage nachgegangen, warum heutzutage niemand mehr gotische Kirchen bauen würde. Was uns weit mehr über die Architekten und Bauleiter als über die durchschnittlichen Gläubigen verrät. Und deren billige Argumentationsweise, die sich mehr an Funktionsbauten plus ein paar zusätzlich hinzugefügten Effekten als an einen würdigen Vollzug der Heiligen Messe und regionalen Bauweisen orientiert.

Die einzigen Argumente, die Benedikt Hotze vom Bund Deutscher Architekten gegen traditionelle Kirchenbauten aufführt, kann man einfach nur als billig und fadenscheinig aneinandergereiht bezeichnen. Es wäre in Zeiten des Gemeindesterbens seiner Meinung nach "für die Kirche unklug, wenn sie mit besonders bombastischen oder reich geschmückten Neubauten auftreten würde", außerdem "täte die Kirche nicht gut daran, heute in neuen städtebaulichen Kontexten eine historisierende Kirche zu bauen" (was übrigens vor allem der Piusbruderschaft vollkommen egal zu sein scheint - und bisher in dieser Hinsicht noch nichts "Unkluges" eingetreten ist) und man müsse vor allem die Multifunktionsfähigkeit bedenken: "[...] Die vielfältige Nutzung, die eine Kirchengemeinde heute von ihrem Gebäude erwartet, ist in einem modernen Bau einfach besser unterzubringen als in einem riesigen neugotischen Kirchenschiff, wo es noch nicht einmal eine Toilette [sic!!!]  gibt, weil die eben nicht vorgesehen war."

Weiterhin seien die Kosten zu bedenken, da gotische Elemente ja sorgfältig hergestellt und dann irgendwann wieder renoviert werden müssten - und außerdem kostet die Wiederherstellung von Notre-Dame de Paris ja Millionen (dass ein Grund dafür die durch den Brand beschädigten wichtigen Strebepfeiler und -bögen sind, ist an dieser Stelle wohl nicht weiter erwähnenswert). Nur um dann anzumerken, dass es nicht um das Geld gehe, sondern "baukulturell gewollte Setzung der Entscheidungsträger" sei und außerdem modernes Bauen ein "wichtiger Meilenstein der Architekturgeschichte" sei. Einerseits wird hier mit abschreckenden Baukosten, anderseits mit der zwingenden Traditionsverpflichtung der Moderne jongliert. Zum spirituellen Nutzen des Ganzen, den man aus solchen Bauten ziehen kann, heißt es schlicht und einfach: "Kontemplation vielleicht". Und es wird schnell klar: Der Typ hat scheinbar nicht einmal Ahnung, was Liturgie überhaupt ist.

Auch eine Art von rhetorischem Missbrauch muss hier explizit angesprochen werden:

Die "franziskanische Bescheidenheit"
Denn zum größten Missverständnis selbst innerhalb moderner Theologen gehört die Ansicht, dass die Franziskaner die Liturgie bescheiden und einfach gefeiert hätten. Dem ist nicht so. Denn bescheiden waren die Minderbrüder lediglich in ihrer persönlichen Lebensweise. In Sachen Liturgie waren sie diejenigen, die regelmäßig aufgeprotzt haben, um der Gegenwart Gottes in der heiligen Liturgie eine würdige Ausstrahlung für die einfachen Gläubigen zu verleihen. Diejenigen, die vielleicht die Liturgie nüchterner Feierten, waren die Dominikaner. Noch extremer waren die Zisterzienser, die anfangs in ihrer Regel nur bemalten Holzkreuze zuließen. Warum also Franziskus? Weil er den Ruf des "Rebellen", des "Kirchenkritikers" gegen den Prunk hat und viele Menschen sich mit dieser Gestalt anfreunden konnten. Auch wenn er selbst es war, der wertvolle Paramente und Gefäße für die Feier der Heiligen Messe forderte.

Was hier besonders hervorsticht, ist die inzwischen typisch deutsche Expertengläubigkeit. Experte sagt so, Experte will so - wird gemacht, auch wenn es andere das nicht wollen. Das Gleiche hat es bei der Rekonstruktion der Neuen Altstadt Frankfurt gegeben - man war sich dabei nicht einmal zu schaden, Fachwerkarchitektur als "faschistisch" zu bezeichnen, um Leute, die anders als modernes Bauen dachten, mundtot zu machen. Und jetzt schau sich einer Frankfurt an und wie viele Touristen sogar aus der näheren Umgebung deswegen hinströmen.

Und besonders beim Bau traditioneller Kirchen braucht man sich auch nicht entmutigen zu lassen. Das einzige, was speziell in Deutschland zum Problem werden könnte, wäre das weitgehende Fehlen genügender traditioneller Architekten - auch weil der Einfachheit halber viele Studiengänge traditionelle Bauelemente und deren Bedeutung einfach beiseite lassen. Eine Sache, die in Großbritannien und sogar den Vereinigten Staaten komplett anders aussieht. Wo man sich übrigens traditionelles Bauen alles andere als madig machen lässt - egal wie sehr sich die "Experten" aufregen. Und genau das sollten wir auch tun, genau wie die Franzosen und "ihre" Notre-Dame". Damals als die Dinger gebaut wurden, gab es ja auch keine selbstgefälligen "Experten", die ohne weiteres Vorwissen die öffentliche Meinung diktierten - sondern nur Stifter, die Gemeinde und den Herrn als "Gremium".


Und wer sich zum Schluss noch etwas schönes reinziehen möchte:
- The Prince´s Foundation - School of Traditional Arts
- ALBL Oberammergau
- Baker Architects - Catholic Church Architects
- Cram & Ferguson Architects
- Ferdinand Stuflesser
- Liturgical Environs, PC
- McCrery Architects




Samstag, 25. Mai 2019

Heiliger Petrus Martyr: Sogar eine Axt im Kopf kann dich nicht von friedlichen Bekehrungen abhalten



Vor einiger Zeit wurde ich wegen dem netten Mönch angesprochen, der die Leser dieses Blogs mit seiner bloßen Anwesenheit anfangs jedesmal so freundlich begrüßt. Dabei handelt es sich um einen Heiligen aus Italien, der für durchschnittliche Kirchgänger (oder Nicht-Kirchgänger) herzlich unbekannt und seine Darstellung noch herzlich verstörender sein dürfte, nämlich dem Heiligen Petrus Martyr bzw. Petrus von Mailand oder Petrus von Verona.

Jedenfalls dürfte er für den durchschnittlichen modernen deutschen Kunstliebhaber eher ein exotischer Fall sein - auch im "Heiligen Köln", wo er der Schutzpatron der Kölner Brauer darstellt, nach dem auch die Petrus von Mailand-Bruderschaft benannt wurde, und wo im Kapitelsaal des Domes ein Buntglasfenster aus dem 13. Jahrhundert mit ihm darauf abgebildet zu sehen ist. Umso überraschender dürfte an dieser Stelle die Popularität des 1252 in Mailand Ermordeten und bereits 1253 Heiliggesprochenen sein, dass bereits um 1280 solch ein Kunstwerk am Rhein vorhanden gewesen ist - wohl auf aktives Betreiben des Dominikaner-Ordens, dem Petrus angehörte und der sich damals wie die Franziskaner explosionsartig in ganz Europa ausbreitete.

In diese Zeit fiel auch das Leben des Petrus: Geboren wurde er um 1205 in Mailand als Kind von einer Familie, die der Sekte der Albigenser angehörte - darauf kommen wir jedoch gleich noch einmal zu sprechen. In seiner Schulzeit fand er mit sieben Jahren dennoch einen Weg zum katholischen Glauben, der ihn Gott als den Schöpfer der Welt näher brachte, der ihn so sehr bewegte, dass er sich nach Verlassen seines Elternhauses zum Theologie-Studium in Bologna entschloss. Wie auch der Heilige Albertus Magnus (übrigens in der Kölner Dominikaner-Kirche St. Andreas beigesetzt) in Padua, so begegnete er als Student dem neu gegründeten Predigerorden der Dominikaner, in den er 1221 aufgenommen wurde.

1232/1233 wirkte er in Mailand und nutze seine Kontakte für die Vorbereitung seines großen Vorhabens: Der Bekehrung der Albigenser, durch die er durch seine Tätigkeit als Prediger und Diskutant berühmt werden sollte, die er ab 1238 in Mittel- und Oberitalien ausübte.



Dazu muss man an dieser Stelle einen kurzen Abriss geben über die Sekte der Albigenser, die auch als Katharer bekannt sind - im Deutschen entstand durch die Verballhornung dieses Namens übrigens der Begriff "Ketzer". Das moderne Bild der Katharer ist hauptsächlich geprägt von ihren Ruf als friedfertige Mysterienreligion mit urchristlichem oder esoterischem Geheimwissen (gewisse Personen lassen grüßen), als deren Gegenpart sich die nach Geld und Macht lechzende Kirche darstellt - also ziemliches Dan Brown-Verschwörungs-Niveau. Doch die Wirklichkeit dahinter ist etwas komplizierter, erklärt aber den raschen Aufstieg und Fall dieser Abspaltung.

Das fängt bereits bei dem Namen selbst an, der auf das griechische καθαρός (katharos, "rein" im übertragenen Sinne "die Reinen") zurückgeht. Dabei handelt es sich um eine dualistische Sekte, die starke Ähnlichkeiten mit einer ältere esoterisch-dualistische Bewegung, den Manichäern hat. Der Begriff Katharer stellt jedoch einen älteren Sammelbegriff dar, der im Mittelalter auf verschiedenste Gruppen überging, die ihren Ursprung in den oströmischen Bogomilen vom Balkan haben, die ebenfalls Elemente älterer dualistischer Sekten aufweisen - man könnte also den Katharismus als Zeitkaspel bezeichnen, die unter bestimmten Umständen schließlich irgendwann wie ein im Boden vergessener Blindgänger hochgehen sollte. Der erste Umstand war der Verkehr des westlichen Europa mit dem byzantinischen Reich, auf dessen Wege dualistische Prediger nach Frankreich, Deutschland und Italien gelangen sollten. Ein weiterer Umstand waren die Missstände im Klerus, die von diesen Predigern ausgeschlachtet wurde, sowie das Entstehen von pantheistischen bzw. quasi-pantheistischen Strömungen, die von sich glaubten, von sich aus so voll des göttlichen Geistes zu sein, dass sie keine Sünden mehr begehen könnten und daher keine Amtskirche mehr bräuchten. Ein Vierter war die Unterstützung durch Wohlhabende und Fürsten.

Trotz Aufsplitterung in verschiedene Gruppen waren ihnen die Ablehnung Gottes als Schöpfer der Welt (diese wurde einem ewigen bösen Wesen bzw. einem bösen Gott zugeschrieben, das von den Bogomilen als Gottessohn Satanael bezeichnet wurde, zu dessen Bekämpfung der andere Gottessohn Jesus Christus auf die Welt kam ), die Ablehnung der Göttlichkeit Christi, dessen Menschwerdung (er erschien den Menschen ihrer Meinung nach lediglich in einem Scheinleib) und dessen Kreuzestod gemeinsam. Außerdem zeichneten sie sich durch einen aggressiven Antiklerikalismus aus, der die Kirche wegen ihrer zu starken Bindung an Besitz ablehnte, sowie die Sakramente, die nach deren Meinung keinerlei Wirkung besaßen, da die Priester seelisch nicht rein genug seien. Man könnte sie im heutigen Sinne mit der Sekte Universelles Leben vergleichen - außer dass die Katharer selbst Bischöfe sowie einen eigenen Klerus hatten.

Aufgeteilt waren sie in "Vollkommene", die angeblich keine Sünden mehr begehen konnten, sowie den "Credentes", die ihren Vorgesetzten versprechen mussten ("Convenenza"), vor ihrem Tode die Geisttaufe ("Consolamentum", nicht zu verwechseln mit der kirchlichen sakramentalen Taufe, die die Katharer ablehnten) zu empfangen, um selbst zu "Vollkommenen" zu werden. Um danach nicht wieder diesen Zustand zu verlieren, hungerten sich viele zu Tode oder vergifteten sich ("Endura"), wenn der Tod nicht von selbst einzutreffen drohte. Während die Vollkommenen sich an keine Gesetze halten mussten (da diese von der bösen Welt stammten und damit selbst böse seien), konnte die Sünde den Credentes nach ihren Ansicht nach nichts anhaben, da durch das Consolamentum diese wieder vollkommen aufgehoben werden konnte. Ausschweifungen und Missachtung gesellschaftlicher Normen waren daher selbst unter den Albigensern nicht selten - Luthers "Glaube fest und Sündige tapfer" lässt grüßen.  Der Katharergraf Raimund VI. von Toulouse konnte sich fünfmal von seinen Frauen trennen, da die Ehe für sie keine Gültigkeit besaß (übrigens galt die Zeugung von Nachwuchs wie Besitz und Verzehr von Fleisch als unrein, da damit noch mehr Kinder als eine Art teuflische Brut auf die Welt gebracht worden wäre. Schwangere wurden daher nicht zum Consolamentum zugelassen), und ließ sich aufgrund seiner Unterstützung ständig von Vollkommenen umgeben, die ihm im Notfall das Consolamentum spenden konnten. Es kam auch vereinzelt zu Zusammenrottungen, Brandstiftungen und Plünderungen von Kirchen und Mordanschläge durch katharische oder ähnliche Gruppierungen in ganz Europa wie in Antwerben, wo 1115 der häretische Wanderprediger Tanchelm mit 3.000 Bewaffneten den Aufstand wagte, jedoch von einem Priester erschlagen wurde. In diesen Fällen war bereits die weltliche Obrigkeit alarmiert.

Die Reaktion der Kirche war sehr verhalten. Wegen ihrer beißenden Kritik am Wohlstand des Klerus und ihren Erfolgen bei der einfachen Bevölkerung als "Gute Christen" hatten die Kirchenoberen wenig Chancen selbst einzuschreiten. 1206 schickte Papst Innozenz III. Zisterziensermönche zum Zentrum der Katharer, nach Südfrankreich, um sie durch Glaubensdispute wieder zur Kirche zurückzuführen. Nachdem der Zisterzienser Pierre de Castelnau von einem Gefolgsmann des Raimund VI. von Toulouse getötet wurde, kam es zum offenen Konflikt, den Albigenserkreuzzug, der bis 1229 dauerte und auf beiden Seiten zu brutaler Gewalt führte, die schließlich in Massakern an Albigensern von Seiten der Kreuzritter endete. Auch hielt das viele katharische Gruppen nicht auf, sich in Norditalien zu verbreiten, woher auch Petrus Martyr stammte.



Dieser hielt es wie der Heiliger Dominikus weitaus wichtiger, die Irrlehren der Albigenser durch ein authentisches Leben und die Verkündigung des Glaubens zu bekämpfen. Petrus prangerte in seinen Predigten die Doppelmoral vieler Christen an, die zwar ihren Glauben mündlich bekunden, aber in ihren Werken vollkommen anders handelten. Wie der Heilige Dominikus, der den Rosenkranz etablierte, der in seinen fünfzehn Geheimnissen von der Menschwerdung, dem Leiden und der Verklärung des Leibes sich gegen die oberflächlich , aber in sich lebensfeindliche Lehren der Katharer wendete, wirkte Petrus Martyr verschiedene Wunder durch das Zeichen des Heiligen Kreuzes - ein Zeichen, das durch die Katharer ebenfalls abgelehnt wurde (und schon wieder sind wir hier beim Thema Kreuz und Triggern). Auch das Anbiedern als "Gute Christen" und eigentliche Katholiken machte Petrus ihnen immer schwerer - woran auch heute noch eine Kapelle in der Basilika Sant’Eustorgio in Mailand erinnert.

1232 stieg er zum päpstlichen Gesandten in Mailand auf, 1241 wurde er Prior in Asti, 1251 Prioir in Como und im gleichen Jahr päpstlicher Inquisitor. Die Inquisition entstand nach Ende der Albigenserkriege 1229 explizit wegen der Ausbreitung der Katharer, die sich inzwischen sogar in Kircheninstitutionen einschleusten, um deren Prediger und Agitatoren auszuheben und dingfest zu machen - eine Sache, die bereits 1184 beschlossen wurde, sich aber wegen fehlender Organisation und mangelnder Berücksichtigung der Konzilsbeschlüsse von Verona nicht wirklich durchsetzen konnten.

Trotz der Möglichkeiten, die Petrus nun offen standen, zog er es weiter vor, statt Strafe von Überzeugsgesprächen und Disputen Gebrauch zu machen, um die Herzen direkt zu bekehren. Damit machte er sich bei den nicht nur asketischen, sondern auch wohlhabenden und wohlvernetzten Albigensern alles andere als beliebt, die bald zwei Auftragsmörder anheuerten. Diese fingen ihn am 6. April 1252 und seinen Mitbruder Dominikus auf dem Weg von Como nach Mailand ab. Carino von Balsamo, einer der beiden, schlug mit einer Axt auf seinen Kopf ein, sein Begleiter wurde tödlich verletzt und starb fünf Tag nach dem Anschlag. Doch Petrus war noch nicht tot. Er richtete sich noch einmal auf seine Knie und sprach noch einmal den ersten Satz des Glaubensbekenntnisses - der Legend nach soll er die Worte "Credo in unum Deum" sogar mit seinem eigenen Blut als Aufopferung auf den Boden geschrieben haben. Als sein Mörder dies merkte, versetzte er ihm mit seinem Dolch einen endgültigen Stich ins Herz.


Doch die Geschichte war an dieser Stelle noch nicht zu Ende. Auch nicht für den Mörder. Während sein Komplize Manfredo Clitoro in die Alpen zu den damaligen Waldensern floh, die teilweise gemeinsame Sache mit den Albigensern machten, packte Carino von Balsamo die Reue und er erlebte eine Bekehrung. In Forlì fand er Zuflucht in einem Dominikanerkloster, wo er dem Seligen Giacomo Salomoni von Venedig seine Tat beichtete und zur Buße als Laienbruder dort eintrat. 1293 verstarb er im Rufe der Heiligkeit.

Zurück zu Petrus Martyr. Bereits am 25. März 1253 wurde er von Papst Innozenz IV. heiliggesprochen (dabei handelt es sich übrigens um die schnellste Heiligsprechung der Geschichte). Zunächst war er in der Basilika San Simpliciano im Norden Mailands aufgebahrt worden - die Nachricht von seiner Ermordung hat sich so schnell verbreitet, dass es zu einem Volksauflauf kam, der es unmöglich machte, Petrus direkt nach Mailand zu bringen. Seinen endgültigen Ruheplatz erhielt er in der Basilika Sant’Eustorgio in einem prunkvollem Hochgrab. Seine Geschichte wurde in die damals weit verbreitete und beliebte Legenda Aurea  (geschrieben 1263-73) aufgenommen, wo vom "neuen Martyrer" die Rede ist und von fünf Wundern nach seinem Tod berichtet wird (die Albigenser werden in dieser Schrift übrigens als "Arianer" bezeichnet, ein Begriff, den auch Bernhard von Clairvaux gebrauchte). Es wird spekuliert, ob der Autor, der Dominikaner Jacobus von Voragine, ihn sogar persönlich kannte. Auf jeden Fall trug dies immens zu seiner Bekanntheit bei.

Sein traditioneller Gedenktag war der 6. April, der Tag, an dem Petrus ermordet wurde. Später wurde er auf den 29. April verschoben, um nicht in die Osteroktav zu fallen. Am Sonntag um diesen Tag findet auch in Mailand die Prozession mit seinen Reliquien statt. Noch heute sind an seinem Schädel neben der Hiebwunde auch der Bart und die Tonsur vorhanden. Nach dem Liturgiereformen nach dem II. Vatikanischen Konzil wurde sein liturgisches Andenken als nicht nichtgebotener Gedenktag eingestuft. Das verwundert bei der Tatsache, dass bis Ende des 14. Jahrhunderts Petrus Martyr neben dem Heiligen Dominikus und Thomas von Aquin als einzige Heilige des Dominikanerordens galten.

Eine besondere Sakramentalie kann übrigens an seinem Gedenktag geweiht werden:
Die Sankt Petrus Martyr Palmzweige.



Im Übrigen wird er auch gegen Kopfschmerzen angerufen.
Aber das dürfte wohl selbsterklärend sein.


Gewähre, so bitten wir, allmächtiger Gott, dass wir dem Glauben Deines heiligen Martyrers Petrus, der zur Verbreitung eben dieses Glaubens die Palme des Martyriums zu erlangen verdient hat, mit angemessener Andacht folgen. Durch unseren Herrn. 
Oratio zum Gedenktag des Petrus Martyr am 29. April



Samstag, 18. Mai 2019

Das Kreuz mit dem Pfahl - Zeugen Jehovas und wortwörtliches Rosinenpicken auf Crystal Meth




Zeugen Jehovas sind lupenreine Häretiker.

Okay, das war jetzt ein wenig hart. Aber schauen wir uns das ganze mal etwas genauer an:
Eine Gruppe, die Anfang des 20. Jahrhunderts nach drei Schismen (man merkt schon, wir befinden uns bei Protestanten) aus der Gruppe der amerikanischen Bibelforscherbewegung hervorging, behauptet, alleine durch kritische Schriftforschung 2.000 Jahre christliche Kirchen- und Dogmengeschichte wiederlegt zu haben. Wozu auch gruppeninterne Zerwürfnisse kommen - aber dazu später mehr.

Vor der Haustüre oder im Bahnhof am Schriftenstand auf Rädern hat man bei der ersten Begegnung zuerst einen ganz anderen Eindruck. Ja, sie sorgen sich um die Zukunft der Menschen. Ja, sie glauben an die Auferstehung. Wollen sie mal zu einer Versammlung vorbei schauen? Scheint ziemlich harmlos, scheinen sogar ziemlich orthodox zu sein (für Protestanten).

ABER HOLLA DIE WALDFEE, JETZT KOMMT DER KNACKPUNKT

Denn diese netten Leute verraten nicht alles. Nur das, womit sie oberflächlich mit anderen Christen übereinstimmen. Um sie schließlich mit den Lehren ihrer Abspaltung zu überrumpeln. Dazu gehören der Antitrinitarismus (die Ablehnung der Teilhabe Christi an der Natur Gott Vaters und des Heiligen Geistes), die Ablehnung einer unsterblichen Seele (die am Jüngsten Tag übrigens durch eine Art Copy-Paste-Prozess zusammen mit dem Körper wiederhergestellt wird) und die Ablehnung des Kreuzes als Hinrichtungswerkzeug beim Erlösungstod Christi.

Befasst man sich näher mit den Argumenten, hier als Beispiel mit der Überzeugung, dass Jesus nicht an einem Kreuz, sondern einem Pfahl gestorben sei, wird es erst so richtig schräg. Bei der kurzen Ablehnung heißt es, dass "es in der Bibel Anhaltspunkte dafür gibt, dass Jesus nicht an einem Kreuz, sondern an einem einfachen Pfahl gestorben ist". Jetzt muss man aber wissen: Nicht nur die Argumentation von Jehovas Zeugen ist sehr tendenziös, sondern auch deren Übersetzungen und Interpretationen dieser Übersetzungen. Und dafür existiert sogar eine eigene Bibel-Version: Die Neue-Welt-Übersetzung.

Dort werden an viele Stellen nicht nur ideologische Randverweise gesetzt, wie man diese Stelle zu verstehen habe, sondern tatsächlich ganze Wörter falsch übersetzt. Und zwar mit Absicht, um sie an die eigene Argumentation anzupassen. Als Beispiel sei hier der Prolog des Johannes-Evangeliums (Joh 1,1) zu nennen.

Zunächst zur deutschen Version aus der Einheitsübersetzung:
Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.

Jetzt zum griechischen Originaltext:
εν αρχη ην ο λογοσ και ο λογοσ ην προσ τον θεον και θεοσ ην ο λογοσ

Die Vulgata-Version:
In principio erat Verbum et Verbum erat apud Deum et Deus erat Verbum

Und hier die Neue-Welt-Übersetzung:
Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war ein Gott [Fußnote: Oder „war göttlich“]

Während in den übrigen Übersetzungen der Sachverhalt des artikellosen θεοσ (theos, "Gott") wie zuvor mit derselben Person, nämlich Gott, übersetzt wird, macht die Neue-Welt-Übersetzung kurzerhand "ein Gott" bzw. "göttlich" daraus, um einen Beweis in der Hand zu haben, dass Jesus das Wort nicht mit Gott wesensgleich, sondern lediglich "göttlich" also nur ähnlich oder dem Anschein nach Gott und damit nicht notwendigerweise Gott sein muss. Könnte vielleicht neben der Sache, dass hier einfach θεοσ und nicht etwa θείος (theios, "göttlich") steht und das Wörtchen "ein" einfach nicht vorhanden ist, logisch sein, da hier der Artikel fehlt. Was natürlich zum nächsten Problem führt, da dieses artikellose θεοσ noch weitere Male im gleichen Text auftauchen wird - und zwar in diese Kontext vollkommen anders übersetzt.

In Joh 1,6 folgt ein artikelloses θεοσ mit Präposition
εγενετο ανθρωποσ απεσταλμενοσ παρα θεου ονομα αυτω ιωαννησ

statt wie in 1,1, wo ein θεοσ mit Präposition und Artikel vorhanden ist
εν αρχη ην ο λογοσ και ο λογοσ ην προσ τον θεον

Trotzdem wird es aus dem Sinnzusammenhang in der Neuen-Welt-Übersetzung ebenfalls mit "Gott" und nicht "ein Gott" übersetzt: 
Es kam ein Mensch, der als Repräsentant Gottes gesandt wurde. Sein Name war Johạnnes.

Das gleiche Spiel bei Joh 1,12
οσοι δε ελαβον αυτον εδωκεν αυτοισ εξουσιαν τεκνα θεου γενεσθαι τοισ πιστευουσιν εισ το ονομα αυτου
Doch alle, die ihn aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, weil sie an seinen Namen glaubten

und bei Joh 1,13
οι ουκ εξ αιματων ουδε εκ θεληματοσ σαρκοσ ουδε εκ θεληματοσ ανδροσ αλλ εκ θεου εγεννηθησαν
- Und sie wurden nicht durch Menschen noch durch menschliches Wollen noch durch den Willen eines Mannes geboren, sondern durch Gott.

Was das Argument mit dem fehlenden Artikel und somit einer fehlenden Bestimmtheit ad absurdum führen und auf eine Voreingenommenheit der Exegeten hinweisen würde. Eine Ausweichmöglichkeit stellt der Verweis auf andere Übersetzungen dar, zum Beispiel aus dem Koptischen (besser gesagt aus EINEM koptischen Dialekt. Ein koptisches Zitat wird übrigens nicht aufgeführt). Was natürlich den Verdacht erhärtet, dass man irgendwie irgendeinen Beleg aus allem möglichen Übersetzungen sucht, um die eigene Überzeugung zu stützen, während man den Rest praktisch über Bord wirft.

Das ist nun ein Punkt, an dem es so richtig perfide wird: Man warnt in den öffentlichen Publikationen vor "hochrangige katholische Geistlichen" die verärgert waren, dass "manche Laien nicht katholische Dogmen vertraten, sondern das, was wirklich in der Bibel steht", die als "Bibel liebende" Menschen bezeichnet werden. Um schließlich bei einer Clique von "Bibelforschern" zu enden, die nun selbst bestimmen, wie man die Bibel zu lesen hat und eigene Dogmen aufstellen, die Menschen beachten müssen, wenn sie die Bibel wirklich ernst nehmen und gottgemäß leben wollen. Gedeckt von einem regelrechten Fetischismus für möglichst viele verschiedene Bibelübersetzungen, deren Urheber nicht nur nicht mit den Zeugen Jehovas einer Meinung gewesen wären, sondern sich auch selbst teilweise untereinander gegenseitig bekämpften. Um schließlich von einer von vielen Gruppierungen zu deren Zwecken verwurstet zu werden - und zwar zum Zwecke von gruppeninternen Definitionen, die nach langem sinnlosen Hin und Her erst im 20. Jahrhundert zu Wahrheiten erhoben wurden. Aber hey: Das ist die Bibel. Und wir bestimmen, was echt daran ist - auch wenn es bedeutet, sie als Gottes möglichst einfache Offenbarung an die Menschen zu zerfleddern. Wir sind hier die dogmalosen Experten.

Womit wir wieder beim Begriff "Häretiker" wären. Denn diese stützten ihre Lehren nicht aus der Katholizität (καθολικός katholikos "allgemein", "das Ganze umfassend") der Glaubensüberlieferung, sondern pickten immer bestimmte Einzelaspekte heraus (womit wir wieder bei αἵρεσις hairesis "die Schule", "die (Aus)Wahl" wären) und verabsolutierten die eigenen Meinungen daraus so sehr, dass es innerhalb der Kirche zu Selbstisolationen und Spaltungen kam. Und bei den Zeugen Jehovas ist das wirklich so krass, was sich da von spontanen Entscheidungen, die sich immer nur intern abspielten, um anschließend als absolute - für Forscher paradoxerweise diskussionslose - Wahrheit verkündet und verpflichtend gemacht zu werden.


Und nun kommen wir zu der Sache mit dem Kreuz. Denn dort wird ebenfalls nach dem Muster "Das steht dort SO aber nicht, also muss es SO sein wie wir es sagen!". Und hier wird auch das Entstehen der internen Dogmatik deutlich, die den traditionellen Glauben entstellt - statt ihn wiederherstellt, wie sie es von sich behaupten.

Ja, der griechische Begriff σταυρός (stauros) bedeutet wirklich streng übersetzt Pfahl oder Stamm. Genau so, wie das lateinische crux "Folterinstrument" (von cruciare "foltern" oder "quälen") bedeutet. In beiden Fällen ist genau genommen nirgends die Rede von einem Kreuz mit Querbalken. Und trotzdem werden beide Begriffe im Sinne des "Kreuzes" verwendet. Man muss hierzu auf die Entwicklung von Sprache schauen. Und wie gleiche Begriffe auch im erweiterten Sinne weiterverwendet wurden. Ein Beispiel wäre im Deutschen der Begriff Zug bzw. Eisenbahnzug. Im Althochdeutschen bedeutete das ursprüngliche Wort so viel wie "Bewegung, Ziehen", im 16. Jahrhundert wurde daraus eine "ziehende Menschengruppe" bzw. ein Begriff für den Soldatentreck - ab dem 19. Jahrhundert ging dann der Name auf die aneinander gekoppelten Wägen an der Eisenbahn über, heute versteht man darunter den Schienenverkehr allgemein.

Der Ursprung des Kreuzes, das auch als "Schandpfahl" bekannt ist, liegt in einem öffentlichen Folterinstrument um 1.000 v.Chr. im Orient, wurde aber auch von Griechen und Karthagern genutzt. Anfangs wurden die Verurteilten lediglich daran gefesselt, später kam das Annageln von Gliedmaßen. Dass es sich aber alleine um einen einzigen Pfahl handelte, alleine weil der Begriff σταυρός  benutzt wurde, muss an dieser Stelle durch die Tatsache zerstreut werden, dass es mehrere Arten von Hinrichtungen durch Befestigung an einen Pfahl gab - mit oder ohne Querbalken oder direkt an einem Baum, wobei der Begriff arbor crucis ("Kreuzesbaum") oder arbor infelix ("Unglücksbaum") auch auf die künstlich aufgestellten Vorrichtungen übertragen wurde. Warum es sich also unbedingt um einen Pfahl ohne Balken handeln soll, bleiben uns Jehovas Zeugen an dieser wie auch anderen Stellen schuldig.

Die beiden Begriffe arbor crucis und arbor infelix, die von den Römern als weitere populäre Bezeichnung verwendet wurden, verweisen außerdem eher auf die Verästelung eines Baumes, was eher an einen Pfahl mit Querbalken denken lässt. Auch hinrichtungstechnisch macht es mehr Sinn, da hiermit der Todeskandidat nicht nur länger zu Tode gequält und der Öffentlichkeit aufgestellt werden konnte, sondern sich auch schwerer gegen Raubvögel wehren konnte, die ihn irgendwann begannen zu belästigen. Eine nettes Bild dazu stellt das sogenannte Alexamenos Graffito dar, das um 200 n. Chr. an eine Wand am Palatin in Rom geritzt wurde, um einen Christen und seinen Glauben zu verspotten. Das Bild zeigt: Eine Person vor einem Menschen mit Eselskopf - der an einem Kreuz mit Querbalken befestigt ist:



Dazu kommt noch der Gebrauch in der frühen Kirche. Im zweiten Jahrhundert tauchen bei Kirchenvätern wie Tertullian und Laktanz explizit Nennungen eines kleinen Kreuzzeichens auf (auch in Reaktion auf den scheinbaren Konflikt zwischen mündlicher und schriftlicher Tradition). Eine typographische Besonderheit stellt übrigens auch die Nutzung des Staurogramms dar, das zwischen dem 2. und 3. Jahrhundert in Alexandrien entstandene Papyrus 75 bzw. Papyrus Bodmer XIV-XV als symbolisches Kürzel (Ϲ⳨ΟΝ ) im Wortinneren von σταυρόν in Lk 14,27 verwendet wurde.



Natürlich können jetzt die Zeugen Jehovas mit dem Argument kommen, dass es sich hierbei um eine Fehlentwicklung oder gar eine pagan-kultische Korruption der Christen handelt. Denn das Wort σταυρός kann ja nichts anderes als "Pfahl"  bedeuten, womit alle anderen Bezeichnungen unchristlich oder zwingenderweise heidnisch sind.
Was natürlich ein Problem in sich darstellt: In dieser Periode der frühkirchlichen Tradition wurden die Heiligen Schriften endgültig editiert und für den kirchlichen (!) Gebrauch festgelegt. Wenn das Christentum an dieser Stelle korrumpiert wurde, hätte dies nicht Auswirkungen auf den Text, auf den sich die Zeugen Jehovas heute beziehen?
- Oh ja stimmt. Sie haben ja (auf irgendeine Weise) herausbekommen, wie der echte Glaube funktioniert und alles in der Neue-Welt-Übersetzung korrigiert. Und wir haben ja auch "ältere" koptische Versionen. Problem gelöst.

Denn dazu kommt noch zusätzlich der Vorwurf, dass es sich bei dem Kreuz um ein heidnisches Symbol handle. Dazu muss man sagen, dass es sich hierbei um eine letztes Aufbäumen durch Anschwärzen handelt im Sinne von: Lass die Finger davon, das haben Heiden angefasst. Oder: "Du trinkst Wasser?! Hast du nicht gewusst, dass Hitler auch Wasser getrunken hat!?!" Bei dem Kreuz als formal geometrisches Symbol handelt es sich um ein einfach zu zeichnendes Zeichen, das praktisch überall auf der Welt verbreitet ist, aber mit dem Christentum nochmals eine besondere signifikante Bedeutung bekommen hat. Im Vergleich mit der Bedeutung im Römischen Reich ist ein Vergleich mit heidnischer Fruchtbarkeitssymbolik wirklich nur noch lächerlich. Auch weil man den selben Witz genauso gut  mit einem Pfahl machen kann.

Dass übrigens gerade Konstantin für das Kreuz ein Symbol des sumerischen Gottes Tammuz (bzw. Dumuzid) benutzte ist an dieser Stelle eigentlich nur noch als hanebüchen zu bezeichnen. Zum einen weil Konstantin irgendwie zum Buh-Mann für allen möglichen Verschwörungs-Bockmist herhalten muss, zum Beispiel für angebliche Bibelfälschungen. Vor allem aber weil betreffende Abbildungen von Tammuz mit einem "Kreuz" oder Szepter nicht im römischen, sondern im älteren vorderorientalischen Kulturkreis vorkommen. Auch gibt es zu bedenken, dass mit dem Bau der Geburtsgrotte in Bethlehem scheinbar dessen Kultzentrum als nun romanisierter Adonis-Tammuz zerstört wurde, das Kaiser Hadrian errichtet hat, um die Christen vom Besuch wichtiger Stätten abzuhalten, wie Hieronymus in seinem zweiten Brief an Paulinus berichtet. Wie auch beim Venus-Tempel über dem Gelände der Kreuzigungsstätte, der ebenfalls unter Konstantin und seiner Mutter Helena abgerissen wurde, um der Grabeskirche Platz zu machen. Genauere Beweise, in wie fern oder ob überhaupt Kaiser Konstantin in eine Tammuz-Verehrung verwickelt war, bleiben uns Jehovas Zeugen auch hier schuldig. Stattdessen folgen immer wieder Versuche, einem mit dem Argument des angeblichen Götzendienstes ein schlechtes Gewissen zu machen. Als allerletztes Totschlagargument.


Doch das war ironischerweise nicht immer so. Und hier kommen wir zur Entstehung der "Überzeugungen" der Zeugen Jehovas. Denn das Kreuz war bei ihnen bis 1931 auf dem Wachturm-Magazin explizit verwendet worden, 1936 hat man sich offen davon losgesagt. Auch auf dem Pyramidenmonument (auch eine lustige Geschichte, übrigens der Grund für diverse Freimauerei-Vorwürfe) in der Nähe des Grabes von Wachturm-Gesellschaft-Mitbegründer Charles Taze Russell kann man es übrigens noch bis heute sehen.
  



Russell benutzte in seinen Vorträgen offen das Bild der Gekreuzigten; auch wurde noch 1929 von Jehovas Zeugen gelehrt, dass Jesus am Kreuz starb. Russells Nachfolger Joseph Rutherford sagte noch darüberThe cross of Christ is the greatest pivotal truth of the divine arrangement, from which radiate the hopes of men. ("Das Kreuz Christi ist die größte zentrale Wahrheit der göttlichen Vorsehung, von dem alle Hoffnung des Menschen ausgeht.")

Warum also trennten sie also sich so plötzlich davon?

Wegen einer subjektiven Entscheidung innerhalb der Gruppe.

Ernsthaft.


Die Argumentation, das Kreuz als christliches Zeichen abzulehnen, ging von obig genannten Joseph Rutherford aus, der Jahre zuvor es noch in allerhöchsten Tönen gepriesen hat. 1932 tauchte in seinem Büchlein "What is Truth?" die Darstellung eines Christus am Pfahl auf, 1933 stellt er die Behauptung auf, das Kreuz sei seit Konstantin ein blasphemisches Zeichen. 1936 schließlich wurde die Ablehnung formal abgegeben, bei der auch die aggressiv antikatholische Haltung Rutherfords zutage tritt.


Und das hat ihn auch dazu gebracht, Zitate aus fiktiven Romanen als bare Fakten zu verkaufen. In der Schrift The Golden Age zitiert er 1934 aus dem 1903 erschienen Roman When It Was Dark von Guy Thorne. Eine seiner Hauptquellen bildeten die Companion Bible Appendixes des anglikanischen Geistlichen E. W. Bullinger, der nicht nur lehrte, dass Jesus an einem Pfahl gestorben sei (siehe Punkt 162. Hier tauchen übrigens auch die angeblichen paganen und phallischen Symboliken auf), sondern auch die Ganztodtheorie, die ebenfalls von den Zeugen Jehovas vertreten wird.

Wir sind an dieser Stelle an einen Punkt angelangt, an der sich das abzeichnet, vor dem der Apostel Paulus (2Tim 4,3-4) gewarnt hat: Die ursprüngliche Lehre wird zugunsten einer im Gesamten in sich paradoxen radikal-biblizistisch-modernistischen Auslegung und eines bis zur Selbstverstümmelung gehenden Antikatholizismus über Bord geworfen. An deren Stelle die Privatmeinungen einer selbsternannten Expertengruppe als letzte absolute Wahrheit treten, die man versucht, anderen Leuten mit Überredungen und schönen Reden anzudrehen.

Wir haben es hier ebenfalls mit einer Lehre zu tun, die ständig in Veränderung begriffen war. Auch in der katholischen Theologie kam es immer wieder einmal zu Neuentwicklungen von Betrachtungs- und Frömmigkeitsformen. Doch ist der dogmatische Kern nie anhand oberflächlicher und sensationalistischer Lesearten wirklich verändert worden. Christus ist gestorben und auferstanden, er ist der Mensch gewordene Logos, das Petrusamt hatte schon immer einen Ehrenvorsitz, Häresien wie Arianismus (von denen die Zeugen Jehovas lediglich eine modifizierte Version darstellen) und Nestorianismus haben sich nie wirklich umfassend durchgesetzt und wurden von der Mehrheit der Kirche als Fremdkörper abgelehnt.

Die Überlieferung der Kirche, die aus schriftlicher Tradition (von der auch Johannes sagte, dass diese unmöglich alles fassen könne, was geschehen ist und sich daher mit den übrigen Evangelisten auf das Wesentliche konzentrierte), die mündlicher Tradition und Lehramt besteht, ist eine Lebendige Tradition. Die Tradition der Zeugen Jehovas (wie auch die der meisten protestantischen Gruppen) besteht darin, eine These durch literarische Verrenkungen (bzw. Sinnentfremdungen) anzugleichen - als ob man die Bibel bis zum Auftreten dieser Personen niemals wirklich verstanden hätte, was auch wiederum ein bizarres Licht auf die Göttliche Offenbarung wirft. Besonders wenn man sich Übersetzungen von obskuren Persönlichen bedient, bei denen man scheinbar erst viel zu spät merkte, dass es sich bei diesen um Okkultisten handelte (erinnert ihr euch noch an die Sache mit dem artikellosen θεοσ?), um diese dann anschließend als Beispiel für den schlechten Einfluss der katholischen Kirche auszuschlachten.

Bei Luther war es die Rechtfertigung durch den Glauben alleine, die ihn zu absichtlichen Fehlübersetzungen der Schrift brachten. Bei Zeugen Jehovas ist es die Schaffung eines hermetisch dichten Systems, das letztendlich jeden Anschluss an die Realität der Kirche, durch die Christus gewirkt hat, wirkt und wirken wird, verloren hat und noch immer damit beschäftigt ist, dies als Normalzustand darzustellen. Unter dem Deckmantel eines "ursprünglichen Glaubens", wie er auch von tausenden weiteren Spaltungen innerhalb des Protestantismus angeblich vertreten wird - ohne sich letztendlich einer Meinung zu sein, die diese Spaltungen vielleicht überwindet könnte.

Dies ist wirklich der Buchstabe, der tötet (2 Kor 3,5-6)


Ich beschwöre dich bei Gott und bei Christus Jesus, dem kommenden Richter der Lebenden und der Toten, bei seinem Erscheinen und bei seinem Reich:
Verkünde das Wort, tritt auf, ob gelegen oder ungelegen, überführe, weise zurecht, ermahne, in aller Geduld und Belehrung!
Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Begierden Lehrer sucht, um sich die Ohren zu kitzeln;
und man wird von der Wahrheit das Ohr abwenden, sich dagegen Fabeleien zuwenden.
Du aber sei in allem nüchtern, ertrage das Leiden, verrichte dein Werk als Verkünder des Evangeliums, erfülle treu deinen Dienst!
2 Tim 4,3-6



Empfehlenswerte Homepage mit weiteren Ausführungen:
- JWfacts.com Englische Auseinandersetzungen mit dem Gedankengut der Zeugen Jehovas



Freitag, 17. Mai 2019

Martyrer zwischen Weinreben: Die Kapelle des Heiligen Pantaleon in Oberrotweil-Niederrotweil am Kaiserstuhl




Hinter dem Kaiserstuhl beim badischen Emmendingen im Schwarzwald befinden sich Richtung Rhein die beiden Ortschaften Oberrotweil und Niederrotweil mit der Wallfahrtskapelle St. Pantaleon, die man deutlich an einem Berghang erkennen kann, wenn man von Ober- nach Niederrotweil fährt. Diese kleine Gotteshaus hat eine außergewöhnliche - und bisweilen auch etwas gruselige - Geschichte aufzuweisen.

Die Kapelle beherbergt eine kleine Reliquie des Heiligen Pantaleon, eines christlichen Arztes, der 305 in Nikiomedia (heute das türkische Ismit) unter der Verfolgung Kaiser Diokletians starb, nachdem ihn neidische Kollegen bei den Behörden anzeigten. Die Verehrung Pantaleons, dem beide Hände an den Kopf genagelt wurden, da er sich weigerte, bei den Göttern zu schwören, und anschließend geköpft wurde, breitete sich rasch in Kleinasien aus. In der Ostkirche wird er unter dem Namen Pantalemon ("der Allerbarmer") als Großmärtyrer verehrt, der bis zum letzten Atemzug nicht nur Kranken unentgeltlich half, sonder auch für seine Peiniger betete. Seine heute zerstörte Grabeskirche befindet sich im Ismit, das übrigens auch Schauplatz weiterer Martyrien wurde.

Seine Verehrung im Westen lässt sich erstmal 708 nachweisen. Eine große Förderin des Heiligen Pantaleon war die griechische Prinzessin Theophanu, die Ehefrau und Mitkaiserin Kaiser Ottos II., von deren Sohn Otto III. der Kaiserstuhl seinen Namen hat. Bestattet wurde sie übrigens in der Basilika St. Pantaleon in Köln. Im Westen zählt Pantaleon auch zu den Vierzehn Nothelfern, was ihn in der Bevölkerung noch bekannter machte. Dazu kamen noch diverse Blutwunder.


Die Reliquie in der Niederrotweiler Kapelle wurde 1769 gestiftet von Monsignore Rezzonico, dem Neffen von Papst Klemens XIII. Initiiert wurde diese Schenkung durch Prinzessin Elisabeth von Baden-Baden, der letzte Angehörigen der katholischen Linie des Hauses Baden, die damals in Riegel am Kaiserstuhl residierte. Doch eine Kapelle gab es schon lange davor, das Alter lässt sich jedoch durch den kriegsbedingten Verlust von Dokumenten nicht mehr bestimmen. Obwohl der ursprüngliche Bau im Dreißigjährigen Krieg größtenteils zerstört wurde, pilgerten die Menschen der Umgebung trotzdem an diesen Ort. Dekan Franz Nicolaus Wilhelm (1670-1744), ein aktiver Förderer der Liturgie und der Volksfrömmigkeit, der bis heute in Niederrotweil in Ehren gehalten wird, beobachtete 1735 dieses Phänomen. Auch fünf Meldungen von Heilungen auf Fürsprache des Heiligen Pantaleon untersuchte er gründlich, bis 1743 kamen noch 42 Meldungen weitere hinzu. 1741 wurde der Neubau der Kapelle vollendet, 1735 war bereits von Wilhelm ein Kreuzweg errichtet worden, der 1892 auf den kurzen Weg von Niederrotweil aus verlegt und durch neuere Stationen ersetzt wurde, die noch heute vorhanden sind.



1837 beschloss man die (absichtlich) stark vernachlässigte Kapelle nach einem starken Hagelschaden zu versteigern und abreißen zu lassen. Das "absichtlich" steht hier bewusst in Klammern. Schon 1811 wurde die Loretto-Kirche auf dem Eichenberg bei Oberrotweil (1739 ebenfalls von Dekan Wilhelm  errichtet) abgebrochen, nachdem sie absichtlich von den Behörden vernachlässigt wurde. Dieses Vorgehen hatte im Sinne der "wessenbergischen Reformen", die auf den Ideen des Josephinismus von der Abschaffung von kirchlichen Feiertagen und Wallfahrten fußten, bereits Methode - begründet durch einen konstanzer Bistumsverweser, der explizit wegen der versuchten Herstellung einer deutschen Nationalkirche vom Papst als Bischof abgelehnt, aber von der Badischen Regierung weiter geschützt wurde (ein paar nette Zitate von ihm sind übrigens hier zusammengestellt worden). Dieser Plan konnte einzig durch den Widerstand der Bürger von Rotweil und ihrer Bereitschaft, selbst für die Pflege der Kapelle zu sorgen, verhindert werden.

In der Kapelle waren bis zur Renovation 1960 mehrere Votivtafeln vorhanden, von denen viele aus dem benachbarten Elsaß stammten, von denen auffällig viele Pilger bis Ende des Ersten Weltkriegs pilgerten. Von diesen Tafeln sind heute nur noch die Kopien von fünfen zu sehen. Auch von der alten Klause, die sowohl materiell wie auch geistig immer mehr zerfiel, ist heute nur noch eine kleine Fensteröffnung im Chor übrig geblieben. Eine Ansiedelung von Kapuzinern scheiterte in den 1930ern.


Nun zum gruseligen Part. Im Hauptaltar, der 1737 von General Roth, Kaiserlicher Kommandant zu Breisach, gestiftet wurde, befindet sich der Schrein mit einem Skelett. Kein echtes Skelett, sondern ein Skelett aus Holz, das 1769 vom Freiburger Bildhauer Anton Xaver Hauser eingefügt wurde (für ein besseres Bild, klicke hier). Im Gegensatz zu den echten Skeletten, den sogenannten "Katakombenheiligen", die in der Gegenreformation als Ersatz für die zerstörten Reliquien von Rom aus nach Deutschland kamen und im Stil der Barockzeit regelrecht als liegende, sitzende oder stehende Personen inszeniert wurden, handelt es sich hier um ein Imitat, in das die Pantaleon-Reliquie eingefügt wurde. Diese hatten den Sinn, die Gläubigen zu einer bewussteren Andacht anzuleiten, die vielleicht mit einem Partikel, so echt er auch sein konnte, irgendwie wenig anfangen konnten. Dazu passte ein liegendes bekleidetes Skelett mit stilisiertem Palmzweig schon eher, um auch die Reliquie eine für die Besucher in geeigneter Weise zu präsentieren und neben dem Tod, der jeden eines Tages erreichen wird, auch die Herrlichkeit der Heiligen bewusst zu machen. Eine Sache, die heute garantiert kein Promi hinkriegen wird - egal wie makaber sich dieser anstellen würde.



Der wichtigste Wallfahrtstag findet am Pantaleonssonntag statt, dem Sonntag nach dem 27. Juli, dem der Gedenktag des Heiligen Pantaleon, begangen wird. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges findet an dem Tag auch eine Pferdesegnung statt. Zur Anmeldung geht es hier.

Die "Kleine Wallfahrt" beinhaltet das Begehen des Kreuzweges vor der Kapelle.

Gütiger Gott, aus deiner Hand empfangen wir Leben und Glück. Wir danken dir für die Freude, die Du uns jedes Jahr am Fest deines Heiligen Märtyrers Pantaleon schenkst. Erhalte uns diese Freude und die Treue zu Deinem Sohn, unseren Bruder und Herrn, der mit Dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Schlussgebet aus der Wallfahrtsmesse




Zu empfehlende Lektüren, die als Quelle dienten:
- Wallfahrt zum Heiligen Pantaleon in Oberrotweil am Kaiserstuhl - Ein Wallfahrtsbuch zur Entstehung und Geschichte. Mit Gebeten und Liedern. Katholisches Pfarramt Oberrotweil am Kaiserstuhl, 1998. Zu erwerben in der Pantaleonskapelle oder über Anfrage beim Pfarramt.
- Hermann Bromer (Hrsg.): Wallfahrten im Erzbistum Freiburg. Verlag Schnell & Steiner, 1990. ISBN: 978-3-7954-0850-3. Da das Buch inzwischen vergriffen ist, wird eine Bestellung bzw. Anfrage in Antiquariaten oder auf Amazon empfohlen.


Mittwoch, 15. Mai 2019

Nachtrag: Ja, Maria 1.0 existiert. Und hat sogar eine eigene Homepage




Eigentlich hat sich ja das letzte Posting zum Thema Maria 2.0 eher darauf bezogen, dass derzeit eher der traditionelle Weg des kirchlichen Lebens in der Lage ist, den geistigen, disziplinären und damit auch gesellschaftlichen Zustand der Kirche aufzubessern - statt sie in bester 68er-Manier durch Streik und Protest auseinander zu nehmen für Ideen, die die ständig öffentlich wiederholten Probleme einfach nicht lösen werden.

Da bekomme ich plötzlich über die Sozialen Medien mit, dass es tatsächlich so etwas wie Maria 1.0 gibt.
Mit einer netten Homepage.

An dieser Stelle heißt es natürlich: LESEEMPFEHLUNG!

Und falls ihr was zum Teilen braucht: HIER geht es zur Facebook-Seite.



Sonntag, 12. Mai 2019

Versucht´s doch endlich mal mit Maria 1.0




Schauen wir mal nach Großbritannien. Da geschieht nämlich etwas ungeheuerliches: 
Junge Frauen wollen tatsächlich noch Nonnen werden.

[...] Sie sind inspiriert von dem jahrhundertealten Traditionen des religiösen Lebens and nehmen den Ruf des II. Vaticanums ernst für eine authentische Erneuerung, die den Notwendigkeiten der Zeit entspricht. Sie sind kontemplativ im Geiste, energisch und fröhlich. Sie neigen außerdem große Fans vom Heiligen Johannes-Paul II. und Benedikt XVI zu sein, leidenschaftlich loyal zur Kirche, sehr orthodox in ihrem Glauben und verbunden mit dem Heiligsten Sakrament. [...] 
[...] Aber - und das ist auffällig - die Schwestern des Lebens übernahmen den Stil ihres religiösen Tracht und viele ihrer Regeln von einem älteren Orden, den Dominikanischen Schwestern der heiligen Cäcilia in Nashville/Tennessee, einer bedeutenden Gemeinschaft, deren Wurzel bis 1860 zurück reichen. Die Nashville Dominikanerinnen hielten an ihren Gelübden fest, an ihrer Ordenstracht und ihren Gründungsidealen in einer Zeit, als viele Orden alles hinter sich ließen, was sie an die Vergangenheit zu binden könnte. Das Gedeihen der neuen Frauenorden neigen dazu, sich vom Lernen aus der Vergangenheit bewusst zu sein - und sich damit wohlzufühlen. [...] 

Was wohl der Unterschied zu diesen erfolgreichen Orden und den Aktivistinnen von Maria 2.0 - abgesehen vom Altersdurchschnitt?

Richtig. Die einen ergreifen Initiative und setzen sich im Kontext mit der Kirche und in der Vereinigung mit dem sich im Allerheiligsten Sakrament darbringenden Herrn für ihre nächsten ein. Die anderen sind nur mit sich selbst beschäftigt - so sehr, dass sie sogar bereit sind die Gegenwart Christi über Bord zu werfen oder es bereits geistig getan haben (siehe gleich das Gedicht am Anfang ihrer Homepage). Und ansonsten darüber entsetzt wären, dass tatsächlich Frauen gegen Abtreibung einsetzen.

Die einen wirken tatsächlich nach dem Vorbild Mariens, die anderen schmücken sich nur mit deren Namen. Weil sie die anderen heiligen Frauenfiguren wahrscheinlich nicht einmal und kennen.

Und noch was: Liebe Herren der Schöpfung, ihr kommt auch nicht so einfach davon.
Das ist bei euch nämlich auch nicht anders! Also lasst euch weder von einer Horde Protest-Tanten noch von verweichlichten Karrieristen die Berufung versauen.



Samstag, 11. Mai 2019

Satanisten im deutschen Klerus?



Zu diversen schrägen Protesten und ansonsten völlig normalen Ignoranz zur Lage des Glaubens scheint sich jetzt im deutschen Bereich der Weltkirche eine weitere nicht wirklich positive Entwicklung zu gesellen: Auf der internationalen Verkaufsplattform Etsy sind scheinbar konsekrierte Hostien explizit zur Schändung verkauft worden. Der Anbieter aus Deutschland behauptet, sie offen von einem katholischen Priester aus Bayern bekommen zu haben.

Herausgefunden hat das das amerikanische Nachrichtenportal LiveSiteNews, das auch Kontakt mit dem Anbieter aufgenommen hat:

[...] “Maybe you don't know, but to celebrate an authentic black mass, you have to be an ordained Catholic priest,” AL responded. 
"There are a handful of priests in Germany who work in the satanic underground. Unfortunately, I am not allowed to tell you more,” he continued. 
“Germany has always been a country of the occult. You don't have to believe me. The right people recognize me, that's all that matters.” [...]

[...] "Ihr wisst es vielleicht nicht, aber um eine authentische Schwarze Messe zu feiern, muss man ein geweihter katholischer Priester sein", antwortete AL [Anm.: der Anbieter]. 
"Es gibt eine handvoll Priester in Deutschland, die im satanischen Untergrund arbeiten. Leider darf ich Ihnen nicht mehr erzählen", fügte er hinzu. 
"Deutschland war schon immer ein Land des Okkulten. Sie brauchen mir nicht zu glauben. Die richtigen Leute kennen mich und das alleine reicht schon." [...]

Im Hinblick darauf, dass es immer wieder Wichtigtuer gibt, die sich gerne unter dem Label "Satanismus" und "Okkultismus" vermarkten (besonders wenn es sich um eine Seite handelt, auf der auch gefälschte Reliquien zum Verkauf angeboten werden), sind dazu nähere Untersuchungen nötig. Besonders wenn es sich um den Vorwurf handelt, dass mehrere Priester in solche Praktiken verwickelt seien. Nur wer im deutschen Episkopat bei internationalen Verkäufen und unbekannter Herkunft dafür zuständig wäre, müsste offen bleiben - vor allem weil sich nicht sicher feststellen lässt, ob es sich wirklich um konsekrierte Hostien handelt.

In den USA ist man bei so etwas wesentlich empfindlicher, weil man dort schon mit ähnlichen Fällen zu tun hatte. Einen weiteren Tiefpunkt stellte dort auch die Verurteilung eines katholischen Priesters dar, der nicht nur in der Pädophilen-Szene, sondern auch in satanische Praktiken involviert war.

Auch der Verkauf stellt dort nichts mehr Neues dar. Der bekannte Exorzist Chad Ripperger, der früher der Petrusbruderschaft angehörte und die Priestergemeinschaft der Schmerzhaften Brüder (Doloran Fathers, auch bekannt als Society of the Most Sorrowful Mother) gründete, weist darauf hin, dass solche Diebstähle schon mehrmals vorkamen - entweder aus Unachtsamkeit des Priesters oder weil der entsprechende Priester selbst in solche Gruppen involviert war, was auch andere Exorzisten bemerkten.

[...] "Gemäß den Theologen, Kirchenvätern und den Heiligen, agieren wir in der Eucharistie lediglich über die Akzidentien des Brotes und nicht über den Leib, das Blut und die Gottheit unseres Herrn", erklärte Ripperger.
 "Deswegen kann er auch nicht leiden, wenn etwas den Akzidentien des Brotes passiert", führt der Priester weiter aus.
"Offenkundig wird ER beleidigt, weil die Akzidentien des Brotes ... mit Seinem Leib, Blut, Seele und Gottheit verbunden sind" [...]

Deswegen sei es nicht nur wichtig, Gelegenheiten zu solchen Praktiken zu unterbinden, sondern auch aktiv für die Bekehrung der Täter zu beten und Sühne zu tun, was Pater Ripperger im folgenden Vortrag weiter ausführte:


Eines der beschriebenen Gebete ist das des Engels von Fatima, bei dem um Verzeihung und Bekehrung für die Menschen gebeten wird, die sich von Gott abgewendet haben oder gegen Ihn noch weiter Hass hegen und die drohen, sich weiter darin verstricken, und das man auch vor und nach der Kommunion als Aufopferung an den Eucharistischen Herrn beten kann, aber auch besonders Abends.

Heiligste Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, in tiefster Ehrfurcht bete ich Dich an und opfere Dir auf den kostbaren Leib und das Blut, die Seele und die Gottheit Jesu Christi, gegenwärtig in allen Tabernakeln der Erde, zur Wiedergutmachung für alle Schmähungen, Sakrilegien und Gleichgültigkeiten, durch die Er selbst beleidigt wird. Durch die unendlichen Verdienste Seines Heiligsten Herzens und des Unbefleckten Herzens Mariens bitte ich Dich um die Bekehrung der armen Sünder.

[EDIT: Die Hostien sind inzwischen von einem Katholiken aufgekauft und einem Priester übergeben worden.]


Maria 2.0: Erneuerung der Kirche oder wieder mal ewiger Revisionismus?



Die Selbstbeschäftigung der Katholischen Kirche geht wohl in eine neue Runde. Nachdem die Deutsche Bischofskonferenz immer wieder in bester Salamitaktik-Manier Reformen in Aussicht gestellt hat, hat sich nun eine Gruppe Katholischer Frauen zum offenen Protest entschieden: Vom 11. bis zum 18. Mai 2019 will man keine Kirchen mehr betreten, sondern davor aus Protest eine Art Paraliturgie veranstalten. Genannt wird das Ganze: Maria 2.0.

Auffällige Proteste in der Kirche können immer wieder mal vorkommen. Von Papst Pius IX. bis Benedikt XV. galt im Protest gegen die Aneignung des Kirchenstaates durch das Königreich Italien das Non expedit, eine Aufforderung an alle Katholiken, sich nicht an den Wahlen zu beteiligen. Pius X. ging sogar so weit, dass er sich bei seinem ersten päpstlichen Segen auf der Loggia einfach umdrehte und Richtung Petersdom seinen Segen gab.

Im 11. Jahrhundert erstand gegen damalige Sexuelle Missbräuche eine vom Papst geförderte Reformbewegung, die sich gegen den korrupten Klerus richtete, der permanent an Vertuschungsaktionen beteiligt war, die Petrus Damiani aufdeckte. Dabei nahm die Aggression der Gegenpartei so zu, dass einer der Reformer, der Diakon Arialdus von seinen Häschern nicht nur ermordet, sondern regelrecht demonstrativ zu Tode gequält wurde, es folgten bei bewaffneten Auseinandersetzungen, bei denen weitere Mitglieder der (immer noch vom Papst unterstützen!) Reformbewegung  getötet wurden. Die Reformer setzten sich weitgehend durch,  Arialdus, sowie Erlembald und Petrus Damiani wurden heiliggesprochen.

Beim einen Protest ging es um die Illegitimität, mit der der Kirchenstaat zerschlagen und dem italienischen Königreich einverleibt wurde, beim zweiten um die Beendigung der Korruption, die sogar zum Missbrauch Minderjähriger führte und dessen Beendigung sogar Tote forderte.

Um was geht es nun also genau bei Maria 2.0, das inzwischen von vielen Medien aufgegriffen wird? Als Reaktion auf die Austritts-Forderung des Forums Deutscher Katholiken heißt es von Seiten des Deutschen Katholischen Frauenbundes, der die Proteste unterstützt: "Es wird leider nicht verstanden, worum es geht: um die tiefe Krise der katholischen Kirche."

Schauen wir uns an dieser Stelle nun an, was unter der Tiefen Krise verstanden wird. Ist damit die Verdunstung des Glaubens gemeint? Dass seit den "Liturgiereformen" immer weniger Katholiken den Gottesdienst besuchen, weil sie immer weniger damit anfangen können? Dass der Glaube zugunsten gesellschaftlicher Mitsprache immer weiter der Welt angepasst wird? Die Verflechtungen von interessengeleiteten Seilschaften, die sich letztendlich durch ihre vorgespielte gesellschaftliche und pastorale Notwendigkeit decken lassen?

Nein. Es sind mal wieder die persönlichen Wehwehchen, die sogar so ernst genommen werden sollen, dass man dafür die Sonntagsmesse einfach als Mittel zum Zweck vor den Bus wirft. Die absichtliche Nichtbeteiligung (das heißt, ohne dass man durch eine wichtige Pflicht oder ein Versäumnis durch zufällige Zwischenfälle) an dieser stellt übrigens eine Schwere Sünde dar, da man trotz Möglichkeit an diesem einen arbeitsfreien Tag Gott absichtlich die Ehre verwehrt.

Man beruft sich dabei (wieder mal) auf die Missbrauchskrise, um eine Abschaffung des Pflichtzölibates zu fordern. Das grenzt tatsächlich an Zynismus. Einerseits haben wir das Problem, dass in diesem Fall zu viele ungeeignete Priesteramtskandidaten zugelassen wurden, die schon vorher nicht viel vom Zölibat hielten und dieser für sie keinerlei Hindernis für ihr Treiben darstellte (vergleiche dazu den Bericht von Milo Yiannopoulos). Andererseits lässt man die Frage nach dem Einfluss einer sexualisierten Gesellschaft (eine Frage, die sich inzwischen nicht nur katholische Geistliche stellen)und deren Ausbildung auf entsprechende Kandidaten nicht mehr zu, sondern schiebt alles auf ein Nichtausleben einer ominösen Sexualität.

Noch einmal zur Erinnerung: Missbräuche Minderjähriger kommen innerhalb von nicht zölibatär lebender Menschen sogar noch häufiger vor. Zum Kreis dieser Täter gehören bei der Kategorie "Enge Bekannte" nicht nur Priester und Seelsorger, sondern auch Sportlehrer, Lehrer und enge Familienangehörige. Es gibt trotz Dunkelziffer auch immer wieder weibliche Täterinnen. Es handelt sich nicht um eine Folge des Zölibates, der eine sexuelle Neigung so lange unterdrückt, bis sie sich in etwas krankhaftes verwandelt. Dieses krankhafte war schon VORHER da gewesen. Eine Abschaffung des Zölibats kann daran nichts ändern. Sonst hätte es in der Evangelischen Kirche Deutschlands keine Missbräuche gegeben, dann würden auch die 200 verurteilten Baptisten in den USA nicht existieren.

Neben der ewigen Strohpuppe des Zölibats geht es wieder mal in den verschwörungstheoretischen Bereich: Wie schlimm doch alles sei (dazu leider keine genaueren Angaben) und dass "trotz der allseits beteuerten Reformbereitschaft die Abschaffung bestehender männerbündischer Machtstrukturen nicht in Sicht ist".

Richtig gehört. Und schaut man sich die Punkte des offenen Briefes an Papst Franziskus an, wird schnell klar: Sie sind wieder da. Die ewigen 68er, die überall zutrauliche Liebe und Harmonie sehen wollen und dafür patriarchale Strukturen abschaffen und mehr Ämter in den Griff bekommen wollen. Denn wie schon Lenin sagte: Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser. Und wehe es läuft nicht so wie wir es gerne wollen.

Dazu ist man sich tatsächlich nicht zu schade, den Dienst vor Gott über Bord zu werfen und ihn durch selbstgemachte Aktivitäten zu ersetzen. Auch die Namensgeberin Maria soll schön harmonisch mit ihren Mitschwestern mitmarschieren.

"Frauenlob wird gerne von Kirchenmännern gesungen, die aber allein bestimmen, wo Frauen ihre Talente in der Kirche einbringen dürfen. In ihrer Mitte dulden sie nur eine Frau: Maria. Auf ihrem Sockel. Da steht sie. Und darf nur schweigen. Holen wir sie vom Sockel! In unsere Mitte. Als Schwester, die in die gleiche Richtung schaut, wie wir."

Maria hat nicht geschwiegen. Sie hat Gott ihr Ja gegeben. Sie hat weder für ewig-revisionistische Verschwörungstheorien gekämpft. Noch hat sie sich wegen persönlicher Ohnmacht blinder Empörung hingegeben. Und Millionen von Menschen - Männer und Frauen - beugen um Fürsprache vor der Himmelskönigin und dem Eingeborenen Wort, das auf ihr Wort Fleisch wurde, die Knie. Arme, Reiche, Laien, Priester, Schwestern und Päpste.

Wenn ihr dann trotzdem so sehr auf Medienwirksamkeit und mehr Einflussnahme setzt ohne dieses Leben mit Gott, ohne die Sakramente - die für euch wahrscheinlich nur noch Mittel zum gesellschaftlichen Wandeln darstellen -, das Kämpfen und Leiden der Kirche in euch und euer Leben als Streiterinnen Christi in der Kämpfenden Kirchezu lassen, von der Ihr ein Teil seid, liebe Mitglieder von Maria 2.0, sondern weiterhin auf dumpfen Protest und Ämterhaschen setzt, dann nennt euch bitte um.

In HureBabylon 2.0.



Samstag, 4. Mai 2019

Notre-Dame - eine Konfrontation zwischen göttlicher Ordnung und gesellschaftlichem Nihilismus


Lex orandi, Lex credendi - et Lex aedificandi


Nach dem Brand der Kathedrale von Notre-Dame in Paris will man sich so schnell wie möglich an den Wiederaufbau machen - Präsident Macron will in fünf Jahren damit fertig sein. Derselbe Macron, der übrigens weiterhin auf die Gelbwesten einprügeln lässt, ohne sich wirklich mit ihnen an einen Tisch zu setzen. Oder ansonsten als Präsident der Grande Nation bei anderen betteln geht, indem er ihnen ein schlechtes Gewissen macht. Wie auch immer.

Nicht nur das lässt ein etwas mulmiges Gefühl aufkommen. Man vermutet auch, dass man mit diversen "Modernisierungen" einer der berühmtesten Kathedralen der Welt auch gerne seinen eigenen Stempel aufdrücken möchte. Eine Ausschreibung läuft bereits und viele Ideen scheinen direkt aus der Nervenanstalt zu kommen. Ihr wisst ja: Beschäftigungstherapie.



Man darf das nicht falsch verstehen: Kirchen und Kathedralen sind Tempel des ewigen Gottes - aber da sie von Menschenhand gebaut sind, schweben sie keineswegs im luftleeren Raum. Der Mensch kann Gott nicht in seiner Totalität darstellen - selbst solches Erkennen dürfte erst einst in der Seligen Schau möglich sein, bei der wir selbst wortwörtlich eine Ewigkeit beschäftigt sein werden. Aber er kann seine Eigenschaften und Attribute in dem Sinne darstellen, wie er sich dem Sinnenwesen Mensch unter dessen Umständen so optimal wie nur möglich offenbart und im Verständnis dafür erleuchtet hat. Vergleicht man dazu die traditionellen Inneneinrichtungen, so fällt auch die eigenmächtige Verwendung von regionalen Analogien und weit verbreiteten Symbolen auf. Auch die ein oder andere persönliche "Verewigung" lässt sich finden. Doch diese waren immer auf das letztendliche Ziel alles Seins ausgerichtet: Gott. Dem Schöpfer der Welt wird mit den weltlichen Schöpfungen und dem von ihm am Anfang der Schöpfung erschaffenen Materialien ein Bauwerk zu Seiner Verherrlichung gebaut. Die Kirche ist - korrekt gebaut - nicht nur eine geschlossene Welt in sich, sondern ein Sinnbild des innersten Lebens des dreifaltigen Gottes, der aus sich selbst heraus die Ordnung in das leere Chaos der Welt hineinträgt. Da bekommt die gewohnheitsmäßige Sendung "Ite, Missa est" für uns plötzlich eine völlig neue Bedeutung.

Das Problem mit der heutigen (post-) modernen Architektur ist gerade das Fehlen einer solchen metaphysischen Dimension, die ansonsten nur noch durch einen allgemein anerkannten ständigen Kritizismus - bisweilen sogar Nihilismus - zusammengehalten wird. Und alles nur danach bewertet, inwiefern es sich um ein "persönliches Statement" handelt. Mit für Außenstehende nicht mehr nachvollziehbaren Ergebnissen.



Und auch wenn man es versucht, nachzuvollziehen - man macht es nur noch schlimmer. Weswegen sich manche fragen, warum so etwas noch teilweise vom Staat mitfinanziert wird. Wofür es teilweise ideologische Gründe von getriebenen Emporkömmlingen gibt, die lieber auf das Umstrukturieren des gesellschaftlichen Denkens aus sind als bei sich selbst einmal persönlich aufzuräumen. Wenn alle so wie ich denken, dann brauche ich mir ja keine Gedanken mehr machen.


Ein Tor, wer Böses über diverse Verantwortliche denkt. Und trotzdem kann man dieses Gefühl nicht wirklich loswerden. Wenn man sich selbst mit Leuten unterhalten hat, für die die Ganze Wirklichkeit nicht gottgewollte Ordnung, sondern ewiges Chaos darstellt - das (frei nach Epikur) nur durch zufälliges Zusammenrotten nach Try and Error-Prinzip seine Existenzberechtigung hat. Was in der letzten Zeit aufgekommene Symapthie für den Sozialismus erklärt. Sowie das Weltbild des Social Justice Warriors, der überall Diversität sehen möchte und "repressive" gesellschaftliche Normen ablehnt - um gleich danach panisch nach gesellschaftlichem Aktionismus zu rufen, weil er/sie/divers die persönliche Weltordnung in Gefahr sieht. Und solche wollen dann auch als politische Zukunftsträger angeheuert werden. Um sich nicht weiter um ihren Kram kümmern zu müssen. Sorry, ist leider so.

Rätselhaft bleibt auch der "wissenschaftliche" Anstrich vieler Intellektueller aus solchen Millieus. Schon vor dem 18. Jahrhundert wurden "Aufklärung" und "Wissenschaft" gerne gebraucht, um dem Glauben als abergläubisches Überbleibsel wegzurationalisieren - nur um anschließend herauszufinden, dass der reine Rationalismus entweder als abgehobener Zirkelschluss des sich selbst erschaffenden Denkens in sich weiter besteht oder sich kopfüber in den Naturalismus stürzt, um für den Erhalt der eigenen These eine rationale Konvention nach der anderen über Bord zu werfen. Und trotzdem weiter macht, meist ohne dieses Paradoxon zu bemerken.

Vergleicht man dieses oft mechanistisch und an inneren intellektuellen Konventionen orientierte Mindset mit dem aus der Zeit der Kathedralen (die übrigens eine Architektonische Meisterleistung darstellen im Gegensatz zu diversen modernen Fertigbauten) selbst, dürfte der Unterschied zuweilen überdeutlich werden. Es war kein Zufall, dass gerade in der Kathedralstadt Chartres wichtige Grundlagen der theoretischen Naturwissenschaften gelegt wurden. Auch die Forschungen von Albertus Magnus und die rational ausgerichtete Theologie eines Thomas von Aquin sind nicht grundlos entstanden, sondern Ergebnisse ihres Weltbildes, das nicht nur über die Philosophia Perennis, sondern besonders in der Liturgie und dadurch auch in Kunst, Architektur und Literatur uns bewusst oder unbewusst zur Verinnerlichung weitergegeben wurde. Das Weltbild der geordneten und gottgewollten Welt, die ihn ständig verkündigt und in der Beschäftigung mit sich selbst zur Beschäftigung mit dem Schöpfer aufruft, der sich als Höhepunkt dem fragenden Menschen selbst offenbart hat.

Man kann zwar diese bewusste Übernahme unterdrücken oder als angeblich toxisch-patriarchalische Unterdrückungsvorgang anschwärzen (als ob das Matriarchat in irgendeiner Weise in diesem Kontext eigentlich nicht das selbe sein könnte - Mütter haben ja auch einen ordentlichen Anteil an Tradition - just said...); man wird diesen Drang, der nach Augustinus ("Du hast uns auf dich hin erschaffen und unruhig ist unser Herz bis es ruht in Dir.") Teil unseres Wesens ist, einfach nicht los.

Am ehesten kann man das darin sehen, dass viele moderne Architekten - wie beispielsweise Léon Krier gerne darauf hinweist - zwar öffentlich Modernismus und Neumachen predigten, aber privat doch lieber auf traditionelle Architektur und geordnete Kunst setzten. Vielleicht um sich vom eigenen Wahnsinn zu erholen. Und exakt danach sollte man eine moderne Notre-Dame herrichten.





Links zu den Youtube-Kanälen:
- Brian Holdsworth
- Paul Joseph Watson