Freitag, 31. Mai 2019

Gotische Kirchen: Labert nicht so viel, baut die Teile einfach


Auf diesem Blog wurde das Thema zwar schon einmal durchgekaut. Aber was soll´s.

Auf katholisch.de wurde der Frage nachgegangen, warum heutzutage niemand mehr gotische Kirchen bauen würde. Was uns weit mehr über die Architekten und Bauleiter als über die durchschnittlichen Gläubigen verrät. Und deren billige Argumentationsweise, die sich mehr an Funktionsbauten plus ein paar zusätzlich hinzugefügten Effekten als an einen würdigen Vollzug der Heiligen Messe und regionalen Bauweisen orientiert.

Die einzigen Argumente, die Benedikt Hotze vom Bund Deutscher Architekten gegen traditionelle Kirchenbauten aufführt, kann man einfach nur als billig und fadenscheinig aneinandergereiht bezeichnen. Es wäre in Zeiten des Gemeindesterbens seiner Meinung nach "für die Kirche unklug, wenn sie mit besonders bombastischen oder reich geschmückten Neubauten auftreten würde", außerdem "täte die Kirche nicht gut daran, heute in neuen städtebaulichen Kontexten eine historisierende Kirche zu bauen" (was übrigens vor allem der Piusbruderschaft vollkommen egal zu sein scheint - und bisher in dieser Hinsicht noch nichts "Unkluges" eingetreten ist) und man müsse vor allem die Multifunktionsfähigkeit bedenken: "[...] Die vielfältige Nutzung, die eine Kirchengemeinde heute von ihrem Gebäude erwartet, ist in einem modernen Bau einfach besser unterzubringen als in einem riesigen neugotischen Kirchenschiff, wo es noch nicht einmal eine Toilette [sic!!!]  gibt, weil die eben nicht vorgesehen war."

Weiterhin seien die Kosten zu bedenken, da gotische Elemente ja sorgfältig hergestellt und dann irgendwann wieder renoviert werden müssten - und außerdem kostet die Wiederherstellung von Notre-Dame de Paris ja Millionen (dass ein Grund dafür die durch den Brand beschädigten wichtigen Strebepfeiler und -bögen sind, ist an dieser Stelle wohl nicht weiter erwähnenswert). Nur um dann anzumerken, dass es nicht um das Geld gehe, sondern "baukulturell gewollte Setzung der Entscheidungsträger" sei und außerdem modernes Bauen ein "wichtiger Meilenstein der Architekturgeschichte" sei. Einerseits wird hier mit abschreckenden Baukosten, anderseits mit der zwingenden Traditionsverpflichtung der Moderne jongliert. Zum spirituellen Nutzen des Ganzen, den man aus solchen Bauten ziehen kann, heißt es schlicht und einfach: "Kontemplation vielleicht". Und es wird schnell klar: Der Typ hat scheinbar nicht einmal Ahnung, was Liturgie überhaupt ist.

Auch eine Art von rhetorischem Missbrauch muss hier explizit angesprochen werden:

Die "franziskanische Bescheidenheit"
Denn zum größten Missverständnis selbst innerhalb moderner Theologen gehört die Ansicht, dass die Franziskaner die Liturgie bescheiden und einfach gefeiert hätten. Dem ist nicht so. Denn bescheiden waren die Minderbrüder lediglich in ihrer persönlichen Lebensweise. In Sachen Liturgie waren sie diejenigen, die regelmäßig aufgeprotzt haben, um der Gegenwart Gottes in der heiligen Liturgie eine würdige Ausstrahlung für die einfachen Gläubigen zu verleihen. Diejenigen, die vielleicht die Liturgie nüchterner Feierten, waren die Dominikaner. Noch extremer waren die Zisterzienser, die anfangs in ihrer Regel nur bemalten Holzkreuze zuließen. Warum also Franziskus? Weil er den Ruf des "Rebellen", des "Kirchenkritikers" gegen den Prunk hat und viele Menschen sich mit dieser Gestalt anfreunden konnten. Auch wenn er selbst es war, der wertvolle Paramente und Gefäße für die Feier der Heiligen Messe forderte.

Was hier besonders hervorsticht, ist die inzwischen typisch deutsche Expertengläubigkeit. Experte sagt so, Experte will so - wird gemacht, auch wenn es andere das nicht wollen. Das Gleiche hat es bei der Rekonstruktion der Neuen Altstadt Frankfurt gegeben - man war sich dabei nicht einmal zu schaden, Fachwerkarchitektur als "faschistisch" zu bezeichnen, um Leute, die anders als modernes Bauen dachten, mundtot zu machen. Und jetzt schau sich einer Frankfurt an und wie viele Touristen sogar aus der näheren Umgebung deswegen hinströmen.

Und besonders beim Bau traditioneller Kirchen braucht man sich auch nicht entmutigen zu lassen. Das einzige, was speziell in Deutschland zum Problem werden könnte, wäre das weitgehende Fehlen genügender traditioneller Architekten - auch weil der Einfachheit halber viele Studiengänge traditionelle Bauelemente und deren Bedeutung einfach beiseite lassen. Eine Sache, die in Großbritannien und sogar den Vereinigten Staaten komplett anders aussieht. Wo man sich übrigens traditionelles Bauen alles andere als madig machen lässt - egal wie sehr sich die "Experten" aufregen. Und genau das sollten wir auch tun, genau wie die Franzosen und "ihre" Notre-Dame". Damals als die Dinger gebaut wurden, gab es ja auch keine selbstgefälligen "Experten", die ohne weiteres Vorwissen die öffentliche Meinung diktierten - sondern nur Stifter, die Gemeinde und den Herrn als "Gremium".



Und wer sich zum Schluss noch etwas schönes reinziehen möchte:
- The Prince´s Foundation - School of Traditional Arts
- ALBL Oberammergau
- Baker Architects - Catholic Church Architects
- Cram & Ferguson Architects
- Ferdinand Stuflesser
- Liturgical Environs, PC
- McCrery Architects




1 Kommentar:

  1. Die sog. „Liturgiereform“ baute die - organisch über knapp 2000 Jahren gewachsene - Opfermesse in eine durch-choreographierte Gemeinschaftsveranstaltung um, daher schuf der moderne Kirchenbau (etwa so ab Anfang/Mitte der 1970er) hierfür logischerweise den erforderlichen katechetischen Schulraum ohne sakrale Atmosphäre, in dem sich die Gemeinde ungezwungen versammelt und wartet, bis sie liturgisch betreut wird.
    Innen wie außen kaum noch als Kirchen identifizierbare, kahle Bunkerarchitektur prägte nunmehr den Kirchbau, ein perfekter Ausdruck des herrschenden nüchternen und auf Zweckmäßigkeit fixierten Zeitgeistes, welcher sich damals ausserkirchlich auch in den sog. „Mehrzweckhallen“ kundtat.
    Prägnant kommentiert dazu Pfarrer Engel: „Eine solche Entwicklung kann sich jedoch nur vollziehen, wenn die Bedeutung des heiligen Ortes nur noch als Zweckraum verstanden wird und das Verständnis für seine Bedeutung als Sinnraum bereits völlig verloren gegangen ist.“ (Engel, Ulrich: Der Verlust des Mysteriums in der Liturgie, Una Voce Korrespondenz, 3. Quartal 2018, S. 407 (415)).

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