Donnerstag, 1. August 2019

Problem: Neuevangelisierung ist nicht "intellektuell" genug




Man könnte natürlich fragen, ob es eine einfache Erklärung dafür gibt, warum deutsche Theologen (und nicht nur diese) auf das losgehen, was sie logischerweise eigentlich intellektuell verteidigen sollten.

Und es gibt sie.

Denn wie MaryofMagdala herausgefunden hat, ist ihnen der Glaube der Normies einfach nicht intellektuell genug. Und von so etwas wie Neuevangelisierung anzufangen, obwohl es so etwas wie sicheren Glauben einfach nicht gibt, macht sie genau so aggressiv wie der Verwurf, dass man mit noch mehr freier Liebe einfach noch mehr Probleme bekommt.


[…] Aller Eloquenz zum Trotz beweist er [Magnus Striet] hier aber auch, zum Glück, dass Menschen wie er den Bezug zur real existierenden Kirche bereits komplett verloren haben. Denn er nimmt, ernsthaft, die Neuevangelisierung aufs Korn. Zu spät, möchte man rufen, du kommst zu spät!

Die Gefahr hat er natürlich richtig erkannt, Neuevangelisierung macht rechtgläubig. Neuevangelisierung braucht ihn und seine Kollegen nicht, weil Neuevangelisierte nicht nach dem neuesten wissenschaftlichen Trend fragen, sondern nach Jesus. So ein Mist aber auch. Ich stelle mir genüsslich vor, wie Theologen der Marke Striet während der letzten 10 Jahre JPII in ihrem Türmchen saßen und sich die Hände rieben „Der Alte machts nicht mehr lang, der kriegt jetzt schon nix mehr mit. Heheh , Muhahaha, hihihihihi. (*Play* Humperdinck Hexentanz) Ist der Pole abgetreten, kommt das ganze religiöse Zeugs in den Müll. Mal ganz ehrlich, Gott ist doch viel zu kompliziert für die einfachen Leute, WIR erklären denen, was sie wissen müssen, und wenn jemand was anderes behauptet, werfen wir mit griechischen Begriffen um uns und sagen, sie seien ja nur verblendete Bauern.“ […] 


Alle Satire beiseite, das beschreibt tatsächlich den derzeitigen Zustand der deutschen Kirche. Die Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. haben seit gut dreißig Jahren eine Neuevangelisation regelmäßig und öffentlich angemahnt:
Nichts ist passiert; außer dass man bekräftigt, dass man eine Wiederbelebung der Kirche nicht benötige.

Und für Theologen, die zwar eine Reform der Kirche nach ihrem gesellschaftlichen Gusto als Eccelsia semper reformanda anmahnen, aber ansonsten geistlichen Stillstand praktizieren, ist das mehr als verräterisch. Und die Neuevangelisierung ist so gesehen nicht einmal eine Neuerfindung dieser beiden Päpste. Denn früher war Neuevangelisierung unter dem Namen "Volksmission" bekannt. Und das hatte auch gute Gründe.

Es gab nämlich den Effekt, dass man gesellschaftlich den Glauben nach einiger Zeit schleifen ließ, sodass öffentlichwirksam Gläubige gemeinschaftlich (!) wieder zum Glauben ermutigt und ermuntert werden mussten. Beispielsweise nach dem Dreißigjährigen Krieg unter Volksmissionaren wie Petrus Canisius oder in weniger dramatischen, aber vielmehr von Trägheit und Spaltung gekennzeichneten Zeiten wie dem 14. Jahrhundert unter Wanderpredigern wie Vincent Ferrer und Johannes von Capestrano. Oder der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, von dessen Volksmissionen noch immer diverse Kreuzes mit expliziten Inschriften im öffentlichen Raum existieren.

Einer der Gründe, das Volksmissionen nicht mehr praktiziert werden, könnte vielleicht der Gedanke gewesen sein, dass solche Veranstaltungen in Zeiten von Radio und Fernsehen wahrscheinlich zu umständlich umzusetzen gewesen wären (zeitgleich bemühte man sich aber auch um moderne Mittel der Verkündigung). Oder weil nach diversen bis ins unerkenntliche verzerrte Aussagen des II. Vatikanischen Konzils sich doch die Kirche geöffnet und somit den Absolutheitsanspruch an die mündigen Gläubigen abgegeben hätte. Die natürlich durch Striet, Schockenhoff, Küng & Co. vertreten werden und außerhalb deren Einflussbereiches es einfach keine wirkliche Mündigkeit gäbe.

Doch deren Theologie ist von der der Kirche abhängig; was sollten sie sonst tun, außer die Institution ständig zu kritisieren und den scheinbar antiquierten Glauben trockenzulegen?

Was der einfach Gläubige tun kann, dürfte offensichtlich sein: Den Einfluss angeblicher Progressisten und "Modernisierer" meiden und selbst zur Graswurzelbewegung der Neuevangelisierung werden. Und sei es auch nur durch einfache Gespräche oder dem Weiterverschenken guter Literatur, Videos, Andachtshilfen und Gebetsbildchn, die im Sinne der echten Participatio Actuosa, wie sie Pius X. schon vor hundert Jahren forderte, den Mensch in seinem aktiven Leben mit Gott im Verbund mit Liturgie und Alltag weiter bringen.

Denn selbst Kleinigkeiten außerhalb allen Medienrummels und aller Professoren- und Dozententitel können eine unerwartete Wirkung im Leben der Mitmenschen haben. Denn wie schon der Hl Giovanni Don Bosco sagte:

"Wer ein gutes Buch verschenkt, und hätte er nur den Verdienst, einen Gedanken an Gott erweckt zu haben, der hat bei Gott schon einen unvergleichlichen Dienst erworben."




Kommentare:

  1. Die als Verbandsfunktionäre oder Amtstheologen wohlbestallten Funktionäre haben als gutsituiertes Establishment sicher anderes zu tun, als die Missionierung des „Plebs“ zu betreiben. Solange in den Kirchenbänken wenigstens eine kleine Kulisse für die Pfarrerspielerei ehrgeiziger Laiendarsteller übrig bleibt, ist doch alles in Ordnung, mehr braucht es nicht. Man kitzele z.B. den Selbstdarstellungsdrang mancher zu-kurz-Gekommener und erlaube ihnen, im Gottesdienst Fürbitten vom Zettelchen abzulesen – klappt wunderbar... ;-)

    Die Kirchen leeren sich zusehends, aber der kirchennahe Apparat der Gremien und Verbände produziert derweil vor allem „hohle Betriebsamkeit“ (so Regina Einig einmal in der DT) und redet Begeisterung herbei, die in Wirklichkeit nicht vorhanden ist. Aber den Apparatschiks der stramm nachkonziliar ausgerichteten Bürokratie geht es ja auch gut, man denke nur an die Ordinariate mit ihren Abteilungen und Dezernaten, das „Deutsche Liturgische Institut“ oder die „Caritas“. Alles fest in der Hand linksgerichteter „Aktivist*inn*en“, für die - gleich rechts von Claudia Roth – permanent der Nationalsozialismus sein Haupt dräuend erhebt. Logischerweise ist das Ziel genannter Bürokratie nicht die Mission, sondern die postkatholische Restrukturierung, also die Übernahme der gesellschaftlichen Systemtransformation auf den kirchlichen Apparat. In Gesellschaft wie Kirche dominiert mittlerweile eine diversitätsorientierte und migrationsaffine Politik, feste Bündnisstrukturen wie die sog. „Allianz für Weltoffenheit“ - http://www.allianz-fuer-weltoffenheit.de/ - inklusive. In dieser findet sich neben EKD und DBK stark linksgerichtete Gruppierungen wie etwa u.a. Pro Asyl, „Aktion Courage“, der „Bund für Antidiskriminierung und Bildungsarbeit“ und natürlich die Amadeo-Antonio-Stiftung. Da überrascht es nicht, dass die DBK mit Frau Dr. Aurica Jax nunmehr eine sog. „Gender“-Expertin in ihrem Apparat hauptamtlich installiert hat, ihres Zeichens bis zur Einstellung des Magazins Mitherausgeberin der feministischen Zeitschrift „Schlangenbrut“.

    Wer würde ernsthaft von diesen, ähem, Akteuren eine Volksmission erwarten?

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    1. Das Schlimmste ist ja gerade, dass eben das den Meisten verborgen bleibt. Selbst wenn man so etwas nicht in der eigenen Pfarrei hat und dort eigentlich alles prima läuft, bekommt man nichts von diesen Virtue Signaling-Spielereien mit, die regelmäßig eine Normalisierung ihrer eigenen Vorstellungen fordern und auf Dauer zur Gefahr für "den kleinen Laien" werden können. Was einerseits viel über die "gegenseitige Kommunikation" aussagt, andererseits jedoch auch Platz bietet, eigenständige Graswurzelbewegungen zu gründen, um einen separaten Sicherheitsriegel zu bilden - eben weil einem "von oben" (auch wenn sich diverse Gelehrte als die Quintessenz der Bevölkerung sehen) nicht dazwischengefunkt wird.

      Mundpropaganda und Soziale Medien tun den Rest.

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    2. Vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen denke ich nicht, dass es verborgen bleibt. Den meisten Kirchgängern ist es schlicht egal, den Karteileichen sowieso. Wer nicht die letzten 10 Jahre Urlaub auf der Rückseite des Mondes gemacht hat, weiß ungefähr, was sich tut (Amazonas-Synode, synodaler Weg in D etc.), flächendeckend begegnet einem blanke Apathie.

      Der Kirchenbegriff hat sich in den letzten 50 Jahren protestantisiert: Die Pfarrgemeinde und das konkrete Gebäude sind „Kirche“, mit Glaubensinhalten hat es kaum mehr etwas zu tun. Daher ist wichtig, dass man in „seiner“ Kirche in „seiner“ Bank auf „seinem“ Platz sitzt und dort die altbekannten Gesichter sieht. Da kann auch die Predigt nunmehr ausschließlich innerweltlich aus DGB-Floskeln bestehen („soziale Not lindern“, „die Armen unterstützen“, „solidarisch handeln“ etc.) und die Fürbitten direkt von Pro Asyl und Greenpeace kommen.
      Stört niemanden - bezeichnend, dass nennenswerter Unmut nur aufkommt, wenn die örtliche Pfarrgemeinde mit anderen fusioniert werden soll...

      Graswurzelbewegungen scheitern regelmäßig an schrulligen Protagonisten, die stur ihre eigenwilligen Vorstellungen umsetzen wollen und andere abdrängen, daher bilden sich fortwährend neue Grüppchen und Splittergrüppchen. Schon die Kontaktaufnahme untereinander verläuft holpriger als im Postkutschenzeitalter, meist bricht schon bei den Päpsten (ist Franziskus Papst oder Benedikt? War JP II heilig oder nicht oder Apostat wegen Korankuß?) Hader und Streit aus. Soziale Medien/Internetportale dienen lediglich Verbalerotikern für ihre hysterischen und folgenlosen Kommentare, beim nächsten „Aufreger“ schnattern sie wieder los, ohne, dass sich inzwischen etwas geändert hätte.

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