Samstag, 28. September 2019

Nicholas Owen - Ein Heiliger baut Geheimverstecke


 


Nachdem im letzten Posting kurz auf Edward Rookwood eingegangen wurde, der anscheinend während der Reformation Wallfahrtsbilder heimlich bei sich vor den Bilderstürmern versteckt hat, sollte auch ein weiterer Untergundkatholik an dieser Stelle erwähnt werden: Der Heilige Nicholas Owen, Jesuitennovize, Martyrer und Bauer der sogenannten "Priesterlöcher".

Als Priesterlöcher bezeichnet man Geheimverstecke in den Landhäusern und Burgen von Katholiken während der Verfolgung unter Königin Elisabeth I., um Priester, die dort heimlich die Heilige Messe feierten, bei Razzien (durch sogenannte "Priesterjäger") schnell verstecken zu können. Aber auch die Messuntensilien und -möbel wurden dort untergebracht. Noch heute existieren viele solcher Verstecke, die als besondere Sehenswürdigkeit Touristen gezeigt werden, da sie meist in Gebäudeteile eingerichtet wurden, an denen man nur noch Mauerwerk vermutete wie Kaminen, Wandverkleidungen, Toiletten, Treppenstufen,Türbalken oder sogar einzelnen Fachwerkbalken, die in Wirklichkeit als schmale Türen in geheime Zimmer fungieren. James Bond-Fans dürfte die finale Fluchtszene (ab 3:30) aus Skyfall (2012) bekannt sein, aber schon vorher fällt dazu explizit der Begriff "Priesterloch", obwohl es sich im Film genauer betrachtet um einen kompletten Fluchtweg handelt.


 

Viele Priesterlöcher aus der Zeit der elisabethanischen Verfolgung werden auf Nicholas Owen zurückgeführt. Über sein frühes Leben ist nicht viel bekannt. Er soll um 1562 in der Nähe von Oxford als Kind frommer katholischer Eltern geboren worden sein. Er absolvierte eine Ausbildung als Mauerer, andere Quellen sprechen von einer Tischler- oder Zimmermannsausbildung, die er von seinem Vater Walter Owen, einem Tischler, erlernt hat. Zwei seiner Brüder wurden Priester. Bevor er um 1588 anfing Geheimverstecke zu bauen, diente er dem Hl Edmund Campion, für dessen Unschuldsbekundung er zeitweise ins Gefängnis geworfen wurde, danach Henry Garnet.

Wegen seiner Körpergröße wurde er auch "Little John" genannt, reiste aber auch mit Aliasnamen wie Little Michael, Andrewes oder Draper als Schreiner durch die Gegend und nahm für Arbeiten (egal ob echte oder als Tarnung, um die Geheimverstecke bauen zu können) nur das Nötigste an. Es hatte auch eine Gehbehinderung durch einen Reitunfall, die ihn jedoch nicht an seinen außergewöhlichen Arbeiten hinderte.

1594 wurde er gefangengenommen und gefoltert, kam aber durch die Kaution einer wohlhabenden katholischen Familie wieder frei. Die Behörden, die nichts aus ihm herauspressen konnten, hielten ihn für einen harmlosen Priesterfreund. Das Jahr darauf soll er den berühmten Ausbruch von Pater John Gerard aus dem Tower von London bewerkstelligt haben.

1606 wurde er in Reaktion auf den Gunpowder Plot in Hindlip Hall in Worcetsershire verhaftet und ergab sich den Beamten, um sowohl von John Gerard als auch einem weiteren Priester abzulenken, die sich in einem seiner Verstecke befanden. Owen wurde in den Tower von London gebracht und dort zu Tode gefoltert, nachdem er den Beamten nichts verraten hat.


 


1929 wurde Nicholas Owens von Papst Pius XI. mit 26 weiteren Märtyrern aus England und Wales selig- und 1970 durch Paul VI. mit 39 anderen heiliggesprochen. Sein Gedenktag ist der 22. März. 

Als Schutzpatron hat er einen sehr exotischen Zuständigkeitsbereich. Wegen seiner Techniken im Bau von Geheimverstecken, für die er auch optische Täuschungen verwendete, gilt er als Patron der Illusionsmagier und Entfesselungskünstler. 


Auf Youtube existiert auch eine eigene halbstündige Dokumentation über Nicholas Owen:






Donnerstag, 26. September 2019

Walsingham, Norfolk - Das englische Nazareth




Der 24. September ist bei englischen Katholiken ein festes Datum, an dem Unserer Liebe Frau von Walsingham gedacht wird. Das Besondere daran ist, dass es sich dabei auch um ein nationales Marienheiligtum handelt, dessen Wallfahrt Ende des 19. Jahrhundert wiederbelebt wurde, nachdem es während der Reformation 1538 komplett zerstört wurde.

Vor Kurzem kam Walsingham wieder in die Schlagzeilen, nachdem die Vermutung aufkam, dass das ursprüngliche Gnadenbild 1539 nach seinem offiziellen Abtransport nach London nicht verbrannt, sondern heimlich verwahrt wurde und später unerkannt über eine Auktion 1925 in das Victoria & Albert Museum in London gelangte. Einem anglikanischem Priester fielen bereits 1931 Ähnlichkeiten mit der Originalfigur auf, die die damalige Abtei im Siegel führte und angeblich aus "einem alten Haus bei Walsingham stammte", sodass er eine Kopie oder die sogar Originalfigur vermutete, über deren Zerstörung in Hof des Lordkanzlers Thomas Cromwell es schon damals Zweifel gab. Dass sich auch die komplette Verbrennung der Reliquien des Heiligen Thomas Beckett als erfunden herausstellten, erhärtete des Verdacht.

Bei den Untersuchungen des Priesters Michael Rear und von Historiker Dr. Francis Young kamen noch weitere Hinweise dazu: Die bei der Auktion angegebene Herkunft aus einer abgebrochenen Kirche bei Langham in der Nähe von Walsingham erwies sich als problematisch, da dort keine Kirche abgebrochen worden ist. Außerdem wies ein deutscher Experte darauf hin, dass die Figur im V&A Museum eine Vertiefung am Kopf aufweist, in der eine Krone eingefasst war. Im Fall von Walsingham muss es die gewesen sein, die König Heinrich III. ihr 1246 aufsetzte.




Dazu kamen noch Gerüchte um eine Rettung durch die "Walsingham Verschwörung" im Zusammenhang mit Langham, aus der die Figur stammen soll. 1537 wurde der dortige Vikar John Grigby eingekerkert, weil er mit anderen Laien versucht hat, die Auflösung des Schreins von Walsingham aufzuhalten. 1555 wurde der adelige Edward Rookwood verhaftet, nachdem bei einem Besuch der antikatholischen Königin Elisabeth I. herauskam, dass er die Figur "Unserer Lieben Frau von Euston" unter einem Heuhaufen bei der damaligen Langham Hall versteckt hielt. Die Statue wurde verbrannt; dennoch hielten sich Gerüchte, dass er vielleicht noch mehr Figuren aus aufgelösten Wallfahrtsorten versteckt hielt.

Weitere Untersuchungen dürften in diesem Falle nötig sein, um das Rätsel der vom Volk vielgeliebten und deren Gegner vielgehassten (Die Reformatoren bezeichneten sie gehässig als "Die Hexe von Walsingham") zu lösen.




Ihr Ursprung geht auf eine Marienerscheinung der Adeligen Richeldis de Faverches zurück, der in einer Vision das Heilge Haus in Nazareth (heute in Loretto) gezeigt wurde mit dem Auftrag, einen Nachbau davon in Walsingham zu errichten. Neben der Kathedrale von Canterbury wurde dies der wichtigste Nationalwallfahrtsort - vor allem weil die arme Landbevölkerung nicht in das Heilige Land reisen konnte und während der Kreuzzüge die Wege dorthin immer gefährlicher wurden. 1150 entstand ein Augustinerchorherrenstift neben dem Heiligtum, von dem sogar der eher skeptische Erasmus von Rotterdam so beeindruckt war, dass er einen Bericht darüber anfertigte.




1538 wurden sowohl das Heiligtum als auch das Stift komplett zerstört.


 


Zwar hielten sich wie oben gezeigt verschiedenen Legenden über den Verbleib der Statue, doch erst im 19. Jahrhundert kam es mit der Wiedererrichtung der katholischen Hierarchie auch zu einer Wiederbelebung des Heiligtums. Da der Schrein komplett zerstört war, musste auf eine Ersatzkapelle ausgewichen werden. 1896 war es die wohlhabende Konvertitin Charlotte Pearson Boyd, die die Initiative ergriff und die seit der Reformation säkularisierte und teilweise verfallene Slipper Chapel schon 1861 als die solche identifizierte und ihrem bisherigen Besitzer, einem Farmer, abkaufte und restaurierte. Die Slipper Chapel selbst war neben anderen Kapellen um Walsingham die finale Kapelle, ab der die Pilger für die "Heilige Meile" ihre Schuhe auszogen und barfuß zum Heiligtum pilgerten. 1897 wurde sie durch ein Schreiben von Papst Leo XIII. zum öffentlichen Kult freigegeben und das in Oberammergau geschnitzte neue Gnadenbild zusätzlich von ihm gesegnet. Ab diesem Zeitpunkt begann auch die offizielle katholische Pilgerfahrt.


1954 wurde die Statue unter Pius XII. durch einen apostolischen Nuntius kanonisch gekrönt, 2015 wurde die Kapelle durch Papst Franziskus offiziell zur Basilica Minor erhoben. 1982 war die Statue Unserer Lieben Frau von Walsingham auch im Wimbledon Stadion beim Besuch von Papst Johannes Paul II. 1981 vertreten.

Bereits 1887 wurde eine Nachbildung des Heilige Hauses von Walsingham im der 26 Kilometer entferneten katholischen Church of  the Annunciation in King´s Lynn errichtet, die kultisch ebenfalls durch Leo XIII. freigegeben wurde.




1938 wurde auch ein anglikanischer Schrein mit eigener Wallfahrt etabliert. 1921 war es der anglikanische Vikar Alfred Hope Patten aus Walsingham, der als Vertreter der mehr katholischen anglikanischen Hochkirche an einer eigenen Wiederbelebung der vorreformatorischen Wallfahrt interessiert war und auch ein eigenes Wallfahrtsbild schaffen lies. Bereits ein Jahr später kamen anglikanische Pilger zur St. Mary´s Kirche gepilgert. Auch eine eigene Version des Heilige Hauses entstand, die sich nicht wie bei den Katholiken an Loretto als Vorbild orientierte. Die anglikanischen Wallfahrt existiert noch heute neben der katholischen.

Unsere Liebe Frau von Walsingham - Bitte für uns!
Auszug aus der Novene U.L.F. von Walsingham



Empfehlenswerte Links: 
- Zusammenstellung von Geschichte und Volksliteratur zur Pilgerfahrt und dem Wallfahrtsort von Walsingham
- Novenen-Büchlein (PDF) zu Unserer Lieben Frau von Walsingham
- Homepage der katholischen Wallfahrt
- Homepage der anglikanischen Wallfahrt
- Artikel zur Identifizierung der Figur im V&A Museum
- Facebook-Seite der "Freunde der Ordination Unseeer Lieben Frau von Walsingham"

Schräger als Fiktion... Teil 3




Diesen Irrsinn gibt es jetzt auch im praktischen Schuber.

[…] Sie sollte die Geschichte vom brennenden Dornbusch vorlesen. Diese Mitschülerin ist durchaus des Lesens mächtig. Eigentlich. Die feministische Bibel war nämlich eine ziemliche Herausforderung. Unser Religionslehrer hatte uns nicht zu viel versprochen: Bei jeder Gelegenheit wurde ein -innen angehängt oder sogar gleich das Wort Frauen quasi aus dem Nichts eingefügt. […]



Montag, 23. September 2019

Fr. Chad Ripperger: "Wenn du Exorzist werden willst, dann stimmt mit dir irgendetwas nicht"


Hervorragender Vortrag (leider nur auf Englisch) von Fr. Chad Ripperger zum Thema Exorzismus, Okkultismus und Unterscheidung der Geister.

Vor allem aus den Grund, weil es einerseits diverse Hysterien zum Thema innerhalb der Kirche selbst gibt, andererseits das Thema von diversen Horrorfilm-Genres so weichgespült wurde, dass es bei den Evangelikalen in den USA sogar Jugendliche gibt, die leichtfertig Exorzisten werden wollen (vielleicht weil es irgendwie spannend ist und das Ego ein wenig pusht und man ganz toll mit den anderen Mädels rumhängen kann). Ohne übrigens sowohl die Grundlagen als auch die realen Gefahren und psychischen Effekte bei Menschen zu bedenken, die eben nicht besessen sind, sondern religiöse Hypochonder.

P. Ripperger ist heute Mitglied der von ihm gegründeten Vereinigung von Exorzisten, nachdem er auch wegen seiner psychologischen Erfahrungen immer wieder selbst zur Durchführung des Befreiungsritus von der Kirche angefordert worden war. Davor war Mitglied der amerikanischen Sektion der Priesterbruderschaft St. Petrus, wo er auch verschiedene Vorträge hielt.







Weitere empfehlenswerte Links:
- Der Youtube-Kanal Sensus Fidelium mit mehreren Vorträgen und Predigten von P. Ripperger. Von diesem Kanal existiert auch eine Homepage.
- Homepage der "Schmerzhaften Väter", einer Vereinigung von Exorzisten, deren Gründungsmitglied P. Ripperger ist
- Kurzes Verzeichnis von Schriften.
Der empfehlenswerte Großband zum Thema Psychologie fehlt dort leider, kann aber immer noch bestellt werden.


Freitag, 20. September 2019

Roboter als Priesterersatz: Wird K.I. die Theologie verändern?




Mal zu einer Alternative von Maria 2.0, die trotz Verweis auf den Priestermangel den Aktivistinnen nicht gefallen wird: Wir weihen einfach Roboter zu Priestern.

Kein Problem damit hat jedenfalls die Franziskanerin Ilia Delio, diein Washington DC Theologie unterrichtet und auch diverse Artikel zum Thema Ökologie, Natur, Technik und "Geschlechtergerechtigkeit" unter dem Deckmantel der Theologie verfasst. Genauer gesagt einen Mischmasch aus evolutionären Progressismus und einer schwammig-subjektive Theologie nach Teilhard de Chardin unterrichtet. Und wie die Aktivisten von Maria 2.0 Probleme mit "dem Patriarchat" hat. Das und die Forderung, die "hierarchische Theologie" "radikal revisionieren" zu müssen tauchten bereits in einem früheren Artikel auf. Jetzt wird also das Priesteramt direkt unter Beschuss genommen.

Neben ihrer schon einmal geäußerten Kritik, dass das Problem der Kirche darin besteht, zu sehr an antike metaphysische und philosophische Prinzipien gebunden zu sein, die Priesterweihe keine esoterische Essenz sein, die nur für eine bestimmte Elite gelte, und dass man theoretisch auch Maschinen zu Priestern weihen könnte, da sie ebenfalls Teil der gefallenen Schöpfung wie der Mensch seien, kommt auch - wen wundert es - die Missbrauchs- und Gender-Keule zu Einsatz.

[…] "Nehmen Sie die Katholische Kirche. Sie ist sehr männlich, sehr patriarchal und wir haben diese ganze Missbrauchskrise. Also würde ich Roboter-Priester haben wollen? Vielleicht!", sagt sie. 
"Ein Roboter kann genderneutral sein. Es wäre möglich, einige dieser Trennlinien zu transzendieren und die Gemeinschaft in einer Weise weiterzuentwickeln, die mehr befreiend wären." […]

Gemeinden also lieber geschlechtsneutralen Maschinen überlassen als einem potentiellen Patriarchat, dessen "klerikale Asketen" von Frauenfeindlichkeit geprägt sein sollen, und eigentlich zum größten Teil nur auf den Arbeits- und Aktionspapieren von Feministen und Journalisten existiert, die mit diesem Dämonisieren Anderer und Panikschüren ihre eigene Karriere innerhalb der meist linken sozialwissenschaftlichen Hackordnung rechtfertigen?
Ist das wirklich die Lösung?

Andererseits muss man es dem Verfasser dieses Artikels wirklich hoch anrechnen, dass er eine ausführliche Einleitung zu diesem Thema verfasst hat. Denn dieses widerlegte Dalios Thesen schon von Beginn an indirekt.

Bei einem Roboter handelt es sich um einen Automaten, der selbstständig komplexe Aktionen und Handlungen ausführt und dafür durch einen Mensch dafür erst einmal programmiert werden muss. Auch wenn er fähig sein sollte, sich durch Künstliche Intelligenz selbst Handlungen anzueignen oder auf äußere Situationen einzustellen oder sogar Kopien von sich selbst anzufertigen, ist eine grundlegende Implementierung durch einen Programmierer nötig.



Der einzige Einsatzbereich von Robotern - siehe Artikel - sind daher nur Bereiche, in denen mehr auf automatisches Rezitieren oder mechanische Handlungen gesetzt wird. Wie Bibel-, Koranzitate oder Mantras wiedergeben oder Rituale bei östlichen Religionen wie dem Hinduismus, Buddhismus oder Shintoismus durchzuführen. Bei letzteren ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass im Buddhismus Mantras und Riten auch ohne bewusstes Rezitieren oder alleine durch ihre "Kräfte" wirkkräftig sind.
Der Baum kann also im Wald umfallen, ohne dass jemand anwesend sein muss.



Doch alleine schon bei den Protestanten ist das einfach nur schräg.



Bei den Sakramenten und Riten der Katholischen Kirche, die von einem Priester durchgeführt werden, ist dagegen das bewusste Partizipieren - Participatio Actuosa - unumgänglich nötig. Klar, Worte zitieren und Gesten nachmachen können auch Maschinen und Automaten. Doch dass es sich bei der Person des Priesters um einen Menschen handeln muss, hat direkte Gründe in der Sakramentenlehre. Nicht nur ist der Priester zur persönlichen Heiligung in seiner Berufung wie jeder Gläubige verpflichtet - Maschinen können nicht berufen werden, das sie keinen freien Willen besitzen, der auf die Berufung antworten kann und vor allem nicht berufen werden können, da man sie für eine Tätigkeit PROGRAMMIERT -, Nein: Der menschliche Priester ist in seinem menschlichen Wesen Mediator Die -Mittelmann Gottes.

Der einzige Priester ist Jesus Christus, der vollkommen Gott und zugleich durch seine vollkommene Menschwerdung durch die Jungfrau Maria auch gleichzeitig vollkommener Mensch ist. Er hat seinen Aposteln den Auftrag gegeben, in "Tönernen Gefäßen" (2 Kor 4,7) seine göttliche Wirkmacht weiterzutragen. Speziellen Anteil haben sie nicht nur in ihrer geschlechtlichen männlichen Natur (wie Johannes Paul II. es darlegte), sondern auch in ihrer Menschheit, die Gott nach seinem Bilde des lebendigen Logos geschaffen hat.

Tieren fehlt dieses Merkmal, Pflanze fehlt dieses Merkmal, Mineralien fehlt dieses Merkmal - und unbelebten programmierbaren Maschinen aus menschengemachten Bauteilen fehlt dieses Merkmal. Das hat nichts mit angeblicher menschlicher Anmaßung zu tun, das ist die Wesens- und Seinsordnung der geschaffenen Dinge an sich.


Der Mensch mit seinem Anteil am lebendigen Logos, der die gesamte Schöpfung ins Leben gerufen und in ewiger Vorraussicht Sinn verliehen hat, die ihre Bestimmung in der seligen Schau Gottes nach dessen Tod und dem Gericht erreicht - und vor allem Anteil an dem lebendigen Opfer Christi, das in jeder Messe gegenwärtig wird durch die Worte des Priesters durch das Wirken Gottes durch eben diese menschlichen Worte und Stimme, mit denen Christus auch vollkommen in seinem irdischen Leben gewirkt hat .

Alle diese Dinge fehlen in der Theologie Delios, denn ein Roboter wie auch ein Wiedergabegerät oder ein Kaffeeautomat haben keinen Anteil an der speziellen Natur, die Christus konkret im Menschen angenommen hat, den er - als Gott selbst - auch für den Empfang dieser Gaben bereitet hat.

Man könnte natürlich an dieser Stelle sagen: "Aber man kann doch Künstliche Intelligenz theoretisch so weit entwickeln, dass sie fähig wird, an Gott zu glauben." - Sorry, Kumpel. Der Anteil fehlt.

"Ja aber der Mensch ist doch evolutionär gesehen doch auch nur eine biologische Maschine, die zu erst nach langer Entwicklung zu einem Mensch-Bewusstsein kam." - Sorry, das ist spiritueller Materialismus, der die Frage der absoluten Ontologie außer Acht lässt, mit der Gott den Menschen direkt zu dessen aktiver Gemeinschaft ausgestattet hat. Diese absolute Ontologie wird ironischerweise auch gerade von spirituellen Materialisten gebraucht, obwohl er dadurch auf Dauer zu einem Widerspruch in sich wird - und vor allem niemand direkt diese angeblichen evolutionären Prozesse der mentalen Entwicklung innerhalb von Millionen von Jahren beobachtet hat, sodass man diese als absolute Notwendigkeit in die geoffenbarte Theologie aufnehmen müsse.

Man kann man noch so viel auf Sci-Fi-Märchen wie Der 200 Jahre Mann oder A.I - Künstliche Intelligenz verweisen wie man will. Diese Thesen stehen nicht nur außerhalb des Berufungs- und Amtsverständnisses des Priesters, sie missachten auch die ontologische Natur des Gläubigen. Nicht als evolutionäres omnipotentiales Entwicklungsprodukt, sondern als von Gott gewollt und in seiner persönlichen sinnlichen Freiheit berufen und seit Ewigkeiten geliebt.



Dienstag, 17. September 2019

Klaus Prömpers, die DBK und Amerikanische Zustände




Es wird vom Heiligen Philipp Neri erzählt, dass er einmal gefragt wurde, wie er seine Entscheidungen träfe. Seine Antwort: "Ich frage mich, was Ignatius von Loyola an meiner Stelle tun würde - und mache dann das Gegenteil davon."

Auch wenn man bisweilen darüber nachdenken könnte, auch bei modernen Jesuiten diese Methode anzuwenden, könnte man die ganze Sache einfach umformulieren: "Ich schaue mir an, was die Deutsche Bischofskonferenz macht - und dann tue ich das, was sie in Amerika tun würden."

Denn die Amerikaner ticken anders als die Deutschen. Definitiv.
Treffen sich drei Deutsche, ist gerade eben ein Verein entstanden - treffen sich drei Amerikaner bleiben, sie in guten Kontakt. Wo der deutsche Bürokrat Chancen zum Zentralisieren sieht (und dabei die verkomplizierenden Umstände zugunsten der anscheinenden persönlichen Entlastung übersieht), riechen die Amerikaner bereits die Geißel des Sozialismus. Der Deutsche will aus Scheu vor Konflikten überall Appeasement und Überwachung durch die Gesellschaft - für den Amerikaner gehören Konflikte zum Leben, das Schleichen um den heißen Brei gehört für ihn zur Verlängerung des Problems.

So dürfte es auch nicht wundern, dass man auch in der Deutschen Weltkirche nicht gut auf die USA zu sprechen ist. Und das hat vor allem durch eine bestimmte Verschwörungstheorie wieder mal Fahrt aufgenommen, bei der der französischer Journalist Nicolas Seneze behauptete, die Amerikaner wollen Papst Franziskus stürzen. Während bei der Sache mit der Sankt Gallen-Mafia (wo bisweilen auch Verbindungen zur "Lavender-Mafia" vermutet werden) längst von Mitgliedern bestätigt wurde und man in den öffentlichen Medien nie wirklich kritisch zu den potentiellen Ausmaßen berichtete, fehlen hier bisweilen konkrete Hinweise, dass von Amerika aus der Umsturz von Franziskus geplant wird. Was diesen wiederum nicht hinderte, das Statement abzuliefern, er fühle sich geehrt von den Amerikanern herausgefordert zu werden und das für viele als indirekte Bestätigung dieser Theorie gedeutet wurde. Es wurde sogar angedeutet, konservative Katholiken in den USA würden ein Schisma vorbereiten - was diese natürlich empört von sich weisen.

Und wie es beim deutschen Haltungsjournalismus eben ist, wird mal wie so oft auf die Unruhestifter eingeprügelt.
Klaus Prömpers, der ehemalige Leiter des ZDF-Studios in New York und ehemaliges Mitglied des ZdK, sieht die Möglichkeit, dass es zu einer Abspaltung wie der Piusbruderschaft kommen könnte (ohne im Detail auf die eigentliche Spaltung durch die untersagten Bischofsweihen von 1988 einzugehen), was vor allem durch die mediale Vertretung von "konservativen bis reaktionären [!] Theologen" begünstigt werde - die anscheinend auch ohne GEZ unglaublich erfolgreich sind.

Die Affäre um Theodore McCarrick deutet er als Erfolg für Papst Franziskus, den Vorwurf von Erzbischof Vigano, Franziskus hätte ihn wieder eingesetzt, obwohl er durch Mitarbeiter Benedikts gewarnt wurde, wird als substanzlos abgetan und der Erzbischof als Verschwörungstheoretiker in die typische rechte Ecke abgeschoben.
Wäre er nicht so jung, könnte man sich bei Prömpers natürlich fragen, ob er sich vielleicht nicht auch die Geschichte mit dem Röhm-Putsch ausgedacht hätte. Aber weiter. Denn die ganze Sache wird noch besser.

Denn dann schießt er in so richtig enthemmter Rhetorik so richtig den Vogel ab:

[…] Man muss nicht unbedingt von einem Schisma reden, es ist so eine Art innere Emigration, die die konservativen Kreise in den USA teilweise betreiben. Sie leben in ihren eigenen Pfarrgemeinden ein Leben wie zu Zeiten vor dem Konzil. Die pflegen einen Umgang miteinander, der eigentlich überlebt ist und sich absondert wie eine Art Krebszelle in der Kirche. Ob sie wirklich wuchern wird, werden wir erleben.

Richtig. Wenn du und deine Familie und Nachbarn nicht so leben, wie es bestimmte Aktivisten sehen wollen, dann bist du eine KREBZELLE. Lässt man an dieser Stelle mal ganz außen vor, dass nicht das Zweite Vatikanische Konzil, sondern dessen modernistische Deutung durch selbsternannte Reformer hier als Maß genommen werden, verrät das die komplette Unkenntnis Prömpers der Lage der Katholiken in den USA, sowie auch der Definition von Gemeinde. 


In den USA gab es bis in die 1960er hinein vor allem ethnische Gemeinden. Neben dem bekannten China Town gab es in Großstädten auch Little Italy, Irish Town und German Town, die sich untereinander selbst organisierten und Gemeinden am Laufen hielten. Vor allem durch die Ansiedlungspolitik, in der diese Gemeinden durch den politisch geförderten Zuzug von Gruppen gelockert werden sollten, die in der für sie selbst fremdartigen und bedrohlichen Umgebung Banden bildeten, lösten sich diese Gebilde durch Abwanderung in sicherere Vorstädte auf, überlebte aber an vielen Stellen eben durch aktive Gemeinden, deren ethnische Identität zwar angeschrammt, aber deren Glaube und dessen Praktizieren wie in Feuer gehärtet und erprobt wurde. 

Dass sich dementsprechend  andere Dynamiken bildeten als in mitteleuropäischen Wohlstandsgemeinden, die gerne alles gerne von festen Gremien geregelt und diskutiert sehen möchten, dürfte plausibel sein. Scheint aber im Weltbild von Herrn Pömpers nicht vorzukommen. Und auch nicht in dem anderer, für die unkontrollierte Veränderung keine persönliche Herausforderung, sondern eine gesellschaftliche Katastrophe darstellt, da "die Gesellschaft" dies nicht verhindern konnte - was "die Gesellschaft", dieser gestaltlose Moloch, auch immer sein soll.

Gegen die Gesellschaft bürsten auch verschiedene Bewegungen, die sich um die Wiederbelebung der Orthodoxie bemühen. Das Buch "Benedikt-Option" von Rod Dreher hat inzwischen Kultstatus - ob man nun dafür ist oder nicht -, die Jugend seht sich nach einer würdigen Liturgie, die sie immer mehr in der traditionellen Messe verwirklich sehen. Auch auf diözesaner Ebene bemüht man sich um klare katholische Profile, die bis auf private Ebene gehen - und deutschen Behörden alleine von den Stichpunkten Albträume bereiten würden.


Diese Dynamik hat auch der Kardinal Woelki bemerkt, der sich vor Kurzem in den USA über deren Entwicklungen erkundigen konnte. Die dortigen Katholiken können nicht verstehen, wie man in Deutschland um eines nationalen Weges Willen das gemeinsame Glaubensgut der Weltkirche über Bord werfe. Woelki war es auch, der mit dem Regensburger Bischof einen Alternativ-Vorschlag zum Synodalen Weg einreichte, der mit fast kompletter Mehrheit der Bischofskonferenz abgelehnt wurde.

Aber ob man es will oder nicht: Angesichts der Umstände, dass auch die säkulare Gesellschaft immer mehr versucht, in das Leben und der Verkündigung der Kirche einzudringen, ist die einzig echte Aktion, die deutsche Katholiken tun können, das zu tun, was in den USA von Katholiken schon immer gemacht worden ist: 
Das Gegenteil von dem zu tun, was die Gesellschaft von einem erwartet. 




Freitag, 6. September 2019

Amazonas-Synode: Papst plötzlich wieder unfehlbar?




Nicht ohne Sarkasmus kommentiert Kardinal Müller diverse Synodenaktivisten:

[…] Ich habe nicht die Synode kritisiert, sondern die Absicht begrüßt, sich der Evangelisierung und Neuevangelisierung der Bevölkerung in diesem wichtigen Gebiet unseres Planeten zu widmen.
Allerdings lässt das Vorbereitungsdokument die wesentlichen Inhalte des geoffenbarten Glaubens außer acht. Wo ist der Bezug zum Offenbarungsbegriff von "Dei verbum" und zum "Kirchenverständnis" von Lumen gentium im II. Vatikanum? 

Ein theologischer Ignorant unter einer Bischofsmütze hat gemeint, das Instrumentum laboris sei bloß die Anwendung der Enzyklika „Laudato si“ und deshalb Ausdruck des unfehlbaren Lehramtes des Papstes, der über dem Wort Gottes stehe oder als Offenbarungsquelle gleich daneben. Wer also das Instrumentum laboris einer theologischen Kritik unterziehe, sei ein Häretiker, der sich ipso facto die ewige Höllenstrafe zuziehe. 

Dieser großartige Denker und hochwürdigste Apostelnachfolger hat nur versäumt aufzuzeigen, wo in "Laudato si" eine irreversible Lehrentscheidung ex cathedra formuliert wird, die jeder Katholik um seines Heiles willen glauben muss – außer natürlich, dass die Tatsache der vollkommenen Hervorbringung (=Schöpfung) der Welt ihrem Sein und ihrer Ordnung nach ein Dogma ist, was aber jedes Kind schon seit dem ersten Katechismusunterricht wissen sollte.

Papst Franziskus tut mir leid, wenn er von solchen heldenmütigen Freunden bis aufs Blut (der anderen) verteidigt wird, die in ihrer schamlosen Halbbildung den römischen Primat untergraben, indem sie die Autorität des Papstes für ihre antikatholische Agenda missbrauchen. Wer sich gestern noch als Verleumder der Vorgänger hervortat und scheinheilig Papst Benedikt für den Mut zu Rücktritt beglückwünschte, ist als Apologet des gegenwärtigen Papstes völlig unglaubwürdig. [...]



Donnerstag, 5. September 2019

"Die alten Heiden hatten heilsame Qualitäten. Heutige Neopaganisten sind viel schlimmer"



Nachtrag zu einem vorangegangenem Artikel.
Man könnte jetzt natürlich gegen den Artikel von Life Site News natürlich auch die etwas nicht so schrägen Neuheiden ins Feld führen, von denen ich auch einige Bekannte habe. Wobei man einerseits beachten sollte, dass auch hier so einiges in Richtung hedonistischen Immanentismus mit Stoßrichtung gegen das Christentum abdriftet - und dass hier vor allem der angelsächsische Raum in Blickpunkt ist, bei dem das Ganze sogar noch extremer ist.

[…] Die antiken Heiden waren sich ihrer Defizite bewusst. Wie der Hl. Augustinus von Hippo beobachtete hatten sie einen Sinn dafür, dass wahrer Edelmut nötig war, um die Triebe zurückzuhalten, und die Liebe zur Wahrheit und Gerechtigkeit. Ihre Gesellschaft basierte nicht auf diesen Prinzipien - und das schmerzte sie. Sie waren sich unbehaglich bewusst, dass ihre eigene Religion sich ins Dämonische wenden konnte wie bei den Menschenopfern der Griechen vor der Schlacht bei Salamis (nach Plutarch) oder der Römer als sie von Hannibal bedrängt wurden (nach Livy). Diese Brutalität vertrug sich nicht mit deren Idealen von Menschlichkeit, Rationalität und Tugend.

Das Christentum konnte die Sünde nicht komplett verbannen, aber es brachte diese edlen Prinzipien von den Rändern des Lebens in dessen Zentrum. Was ferne Ideal von Dichtern und Philosophen waren, wurde gereinigt und zu einem weit unmittelbareren Modell täglicher Rechts- und Familienwirklichkeit.

Für die neuen Heiden sehen die Dinge anders aus. Diejenigen, die das Christentum ablehnen und auf das antike Heidentum zurückblicken als Inspiration, erfreuen sich der Freiheit, welcher sich die edelgesinnten Heiden der Alten geschämt hätten. Diejenigen, die Kinder vor den Schlachthäusern des neuen Heidentums retten, werden nicht bewundert, sondern gehasst. Das Ideal einer lebenslangen Ehe wird nicht als Inspiration geachtet, sondern als unterdrückerisch. Ich frage mich, wie lange die neuen Heiden brauchen, um eine andere wichtige Institution der antiken Welt wieder einzuführen: Die Sklaverei.

Die Ablehnung der Ideale des Christentums, die in dieser gefallenen Welt niemals perfekt realisiert werden können, enthält die Ablehnung dessen, was das Beste des vorchristlichen Paganismus war. Der kleinformatige Patriotismus des antiken Stadtlebens, der so viele zu Wohltaten und Selbstopfern inspirierte; das Ehren der Eltern und der Ahnen, das die soziale Stabilität untermauerte; die Realisierung, dass das, was "die Götter" am meisten wollten, Gerechtigkeit war - die neuen Heiden wollen nichts davon hören. […]



Mittwoch, 4. September 2019

Priester auf Abwegen 1: Casimir Zeglen - The Bulletproof Priest



Normalerweise sollte auf diesem Blog kein Vorwort zu jedem Thema folgen. Dennoch gibt es bestimmte Themen innerhalb der Kirchengeschichte, bei denen die zum Dienst Christi Berufenen so ziemlich auf die schiefe Bahn gerieten. Es waren meist hochintelligente und geniale Menschen, die trotzdem irgendwann im Laufe der Zeit dermaßen von verschiedenen Gebieten vereinnahmt wurden, dass sie sich letztendlich von ihrer Berufung entfremdeten.
Zur Mahnung für junge Seminaristen und Ordensleute gesammelt sind das ihre Geschichten.


Diesmal sind es mal nicht die Jesuiten gewesen. Beinahe wenigstens. Denn ursprünglich wollte der 1867 im heute ukrainischen Ternopil geborene Casimir Zeglen bei den Jesuiten eintreten, womit jedoch seine Eltern nicht einverstanden waren. Weswegen er 1887 bei den Resurrektionisten eintrat, die ihn bereits 1890 ins Ausland sandten um ihn nicht an den österreich-ungarischen Militärdienst übergeben zu müssen. Nach kurzem Aufenthalt in Rom emigrierte er in die USA.

In Chicago war er Priester der polnischen Gemeinde St. Stanislaus Kostka. Nebenbei experimentierte er aber auch mit verschiedenen Textilstoffen. Die Erschießung von Bürgermeister Carter Harrison Sr. 1893 in seiner Wohnung durch einen enttäuschten Unterstützer veranlasste ihn, eine Kleidung zu entwickeln, die vor Gewehrkugeln schützt.

Bereits im amerikanischen Bürgerkrieg gab es den Versuch, solche Kleidungsstücke zu entwickeln, die sich jedoch wegen den eingearbeiteten Metallplatten als zu schwer erwiesen. 1881 entdeckte der Arzt George E. Goodfellow in Arizona bei der Obduktion eines durch mehrere Gewehrkugeln Getöteten, dass eine Kugel durch ein gefaltetes Seidenstofftaschentuch aufgehalten wurde, was ihn zur Entwicklung von Spezialwesten veranlasste, die sich jedoch als schwierig erweisen sollte. Eine Weste mit 30 Lagen Seide erwies sich sogar als schwerer als Metall, sodass diese reduziert werden mussten.

Ob Zeglen die Studien bekannt waren, ist umstritten. Jedenfalls brachte er es fertig, 1897 eine tragbare Schutzweste medienwirksam zu präsentieren, die jedoch nur bei Faustfeuerwaffen Kugeln aufhalten konnte. Er ließ durch einen Assistenten vor aller Augen sich in die Brust schießen; er taumelte durch Schmerz vom Druck des Geschosses, wurde aber von diesem nicht verwundet.

Und ungefähr hier schien der Knackpunk zu liegen - wenigstens seiner priesterlichen Laufbahn.
Denn bald schon versuchte er auf eigene Faust Karriere zu machen. Nach seinen öffentlichen Vorführungen versuchte er Webmaschinen für die Produktion zu erwerben. Da er sich nicht wirklich mit der Produktionstechnik auskannte, wandte er sich Ende 1897 an den "polnischen Edison" Jan Szczepanik, der eine Maschine herstellte, die die Qualität erheblich steigerten, aber immer noch mit hohen Kosten verbunden war: Eine einzelne Weste kostete nach heutigen Umrechnungen ca. 6.500 $. Auch die gemeinsame Zusammenarbeit lief nicht gerade besonders gut.

1901 kam die kugelsichere Weste noch einmal in die Schlagzeilen, nachdem US-Präsident William McKinley von einem Anarchisten auf einer öffentlichen Veranstaltung erschossen wurde - zuvor hat Zeglen die Schutzwesten mehrmals der Polizei von Chicago und dem Sicherheitsbeauftragten des Präsidenten angeboten, der sie aus unbekannten Gründen ablehnte. Szczepanik hat nach dem Versuch, Zeglen die Patentrechte abzukaufen, mit einem eigenen Verkauf in Europa begonnen und behauptete, dass er selbst der Erfinder der Kugelsicheren Weste sei, was das Verhältnis beider zerbrechen ließ, nachdem Zeglen 1904 herausfand, dass er auf eigene Faust versuchte, Westen an das russische Militär für den Krieg mit Japan zu verkaufen.

Durch das Marketing Szczepanik wurde auch eine Weste an König Alfons XIII. von Spanien verkauft, die ihm bei einem Bombenanschlag 1906 durch einen Anarchisten das Leben rette.

Zurück in den USA stand Zeglen vor einem Problem: Sein Orden, der bisher seine ganzen Experimente bezahlte, stand deswegen vor finanziellen Schwierigkeiten und wollte kein weiteres Geld mehr vorstrecken. Was nun? Aufgeben? Sich mit Szczepanik versöhnen und ihm als mediengewandten Experten das Feld überlassen, damit dieser das Projekt wirksam weiterführe?

Nein. Austreten und selbstständig machen.
Ernsthaft.

Casimir Zeglen trat 1906 aus dem Orden aus, heiratete und gründete die Firma Bullet Proof Cloth Company. Das Prinzip der schusssicheren Kleidung wurde 1908 auf von ihm entwickelte durchstichsichere Reifen übertragen, 1915 gründete er dafür eine eigene Firma.

Sein Todesdatum ist unbekannt. Einige Quellen behaupten, er sei bereits 1910 gestorben, andere sprechen von nicht früher als 1927. In diesem Jahr soll er der polnischen Presse widersprochen haben, die den ein Jahr zuvor verstorbenen Jan Szczepanik als Erfinder der kugelsicheren Weste bezeichnete (was auch weiterhin bis zur Entdeckung von Zeglens Briefen galt). Auch behauptete er, dass Erzherzog Ferdinand von Österreich eine seiner Westen trug und nur wegen eines tödlichen Schusses in den Hals 1914 gestorben sei. Was sich jedoch nicht bewahrheiten ließ.

Letztendlich dürfte nur Gott bekannt sein, was aus ihm geworden ist. Jedenfalls liest sich die Biographie als Paradebeispiel für Priester, die ihre Berufung für eine andersweitige Karriere vernachlässig haben - und für die es leider noch viel schlimmere Beispiele gibt.


Allmächtiger und barmherziger Gott, schau gnädig auf mein demütiges Beten und mache mich, Deinen Diener, den Du, ohne eigene Verdienste, durch die unermessliche Freigebigkeit Deiner Milde den himmlischen Mysterien dienen lässt, zu einem würdigen  Diener der heiligen Altäre, damit, was meine Stimme hervorbringt, durch Deine Heiligung gestärkt werde. Durch unseren Herrn.  
Oration für den Jahrestag der Priesterweihe


Dienstag, 3. September 2019

Soziale Medien: Für WEN publizieren wir?


Zum vergangenen Posting zum Thema "Manipulation durch Suchmaschinen" sei noch darauf hingewiesen: Das ist ebenso bei anderen anerkannten Plattformen wie Youtube möglich, wo Videos wegen "Verletzung von Richtlinien" nach Kontrolle nach Einschätzung durch dessen Personal (!) gesperrt werden können.
In diesem Fall hat jetzt die konservative PragerU Klage eingereicht.


In der letzten Zeit wurden immer Stimmen laut, einfach auf andere Videoplattformen zu wechseln wie BitChute, Vimeo oder Dailymotion. Das Problem dabei ist, dass diese Plattformen weniger bekannt und etwas umständlicher angelegt sind als Youtube und damit auch eine Zerstreuung entsteht von Themen, die eventuell zusammengehören.

Dennoch werden sie gerne als Ausweichplattformen für Videos verwendet, die auf Youtube gesperrt wurden. Und das wäre eine gelungene Alternative, sollte solch ein Fall eintreten: Youtube wird als Hauptkanal genutzt, während über Verlinkungen oder Hinweise auf der eigenen Homepage auf weitere Kanäle hingewiesen wird. Oder Besucher und Leser schon im vornherein auf etwas umständliche Umstellungen vorbereitet. Was eine gute Kommunikation mit einer festen Leserschaft oder Zuschauern voraussetzt; Leute, die "nur mal durchzappen wollen" könnten dabei unter den Tisch fallen, würden sie sich nicht durch die einen oder anderen Angebote angesprochen fühlen.

Vor einiger Zeit hat auch der in einem vergangenen Posting erwähnte Professor Jordan B. Peterson wegen diverser anderer Zensurmaßnahmen von Youtube in Betracht gezogen, eine eigene Videoplattform zu erstellen. Wie das aussehen wird, darauf dürfte man gespannt sein.