Dienstag, 17. September 2019

Klaus Prömpers, die DBK und Amerikanische Zustände




Es wird vom Heiligen Philipp Neri erzählt, dass er einmal gefragt wurde, wie er seine Entscheidungen träfe. Seine Antwort: "Ich frage mich, was Ignatius von Loyola an meiner Stelle tun würde - und mache dann das Gegenteil davon."

Auch wenn man bisweilen darüber nachdenken könnte, auch bei modernen Jesuiten diese Methode anzuwenden, könnte man die ganze Sache einfach umformulieren: "Ich schaue mir an, was die Deutsche Bischofskonferenz macht - und dann tue ich das, was sie in Amerika tun würden."

Denn die Amerikaner ticken anders als die Deutschen. Definitiv.
Treffen sich drei Deutsche, ist gerade eben ein Verein entstanden - treffen sich drei Amerikaner bleiben, sie in guten Kontakt. Wo der deutsche Bürokrat Chancen zum Zentralisieren sieht (und dabei die verkomplizierenden Umstände zugunsten der anscheinenden persönlichen Entlastung übersieht), riechen die Amerikaner bereits die Geißel des Sozialismus. Der Deutsche will aus Scheu vor Konflikten überall Appeasement und Überwachung durch die Gesellschaft - für den Amerikaner gehören Konflikte zum Leben, das Schleichen um den heißen Brei gehört für ihn zur Verlängerung des Problems.

So dürfte es auch nicht wundern, dass man auch in der Deutschen Weltkirche nicht gut auf die USA zu sprechen ist. Und das hat vor allem durch eine bestimmte Verschwörungstheorie wieder mal Fahrt aufgenommen, bei der der französischer Journalist Nicolas Seneze behauptete, die Amerikaner wollen Papst Franziskus stürzen. Während bei der Sache mit der Sankt Gallen-Mafia (wo bisweilen auch Verbindungen zur "Lavender-Mafia" vermutet werden) längst von Mitgliedern bestätigt wurde und man in den öffentlichen Medien nie wirklich kritisch zu den potentiellen Ausmaßen berichtete, fehlen hier bisweilen konkrete Hinweise, dass von Amerika aus der Umsturz von Franziskus geplant wird. Was diesen wiederum nicht hinderte, das Statement abzuliefern, er fühle sich geehrt von den Amerikanern herausgefordert zu werden und das für viele als indirekte Bestätigung dieser Theorie gedeutet wurde. Es wurde sogar angedeutet, konservative Katholiken in den USA würden ein Schisma vorbereiten - was diese natürlich empört von sich weisen.

Und wie es beim deutschen Haltungsjournalismus eben ist, wird mal wie so oft auf die Unruhestifter eingeprügelt.
Klaus Prömpers, der ehemalige Leiter des ZDF-Studios in New York und ehemaliges Mitglied des ZdK, sieht die Möglichkeit, dass es zu einer Abspaltung wie der Piusbruderschaft kommen könnte (ohne im Detail auf die eigentliche Spaltung durch die untersagten Bischofsweihen von 1988 einzugehen), was vor allem durch die mediale Vertretung von "konservativen bis reaktionären [!] Theologen" begünstigt werde - die anscheinend auch ohne GEZ unglaublich erfolgreich sind.

Die Affäre um Theodore McCarrick deutet er als Erfolg für Papst Franziskus, den Vorwurf von Erzbischof Vigano, Franziskus hätte ihn wieder eingesetzt, obwohl er durch Mitarbeiter Benedikts gewarnt wurde, wird als substanzlos abgetan und der Erzbischof als Verschwörungstheoretiker in die typische rechte Ecke abgeschoben.
Wäre er nicht so jung, könnte man sich bei Prömpers natürlich fragen, ob er sich vielleicht nicht auch die Geschichte mit dem Röhm-Putsch ausgedacht hätte. Aber weiter. Denn die ganze Sache wird noch besser.

Denn dann schießt er in so richtig enthemmter Rhetorik so richtig den Vogel ab:

[…] Man muss nicht unbedingt von einem Schisma reden, es ist so eine Art innere Emigration, die die konservativen Kreise in den USA teilweise betreiben. Sie leben in ihren eigenen Pfarrgemeinden ein Leben wie zu Zeiten vor dem Konzil. Die pflegen einen Umgang miteinander, der eigentlich überlebt ist und sich absondert wie eine Art Krebszelle in der Kirche. Ob sie wirklich wuchern wird, werden wir erleben.

Richtig. Wenn du und deine Familie und Nachbarn nicht so leben, wie es bestimmte Aktivisten sehen wollen, dann bist du eine KREBZELLE. Lässt man an dieser Stelle mal ganz außen vor, dass nicht das Zweite Vatikanische Konzil, sondern dessen modernistische Deutung durch selbsternannte Reformer hier als Maß genommen werden, verrät das die komplette Unkenntnis Prömpers der Lage der Katholiken in den USA, sowie auch der Definition von Gemeinde. 


In den USA gab es bis in die 1960er hinein vor allem ethnische Gemeinden. Neben dem bekannten China Town gab es in Großstädten auch Little Italy, Irish Town und German Town, die sich untereinander selbst organisierten und Gemeinden am Laufen hielten. Vor allem durch die Ansiedlungspolitik, in der diese Gemeinden durch den politisch geförderten Zuzug von Gruppen gelockert werden sollten, die in der für sie selbst fremdartigen und bedrohlichen Umgebung Banden bildeten, lösten sich diese Gebilde durch Abwanderung in sicherere Vorstädte auf, überlebte aber an vielen Stellen eben durch aktive Gemeinden, deren ethnische Identität zwar angeschrammt, aber deren Glaube und dessen Praktizieren wie in Feuer gehärtet und erprobt wurde. 

Dass sich dementsprechend  andere Dynamiken bildeten als in mitteleuropäischen Wohlstandsgemeinden, die gerne alles gerne von festen Gremien geregelt und diskutiert sehen möchten, dürfte plausibel sein. Scheint aber im Weltbild von Herrn Pömpers nicht vorzukommen. Und auch nicht in dem anderer, für die unkontrollierte Veränderung keine persönliche Herausforderung, sondern eine gesellschaftliche Katastrophe darstellt, da "die Gesellschaft" dies nicht verhindern konnte - was "die Gesellschaft", dieser gestaltlose Moloch, auch immer sein soll.

Gegen die Gesellschaft bürsten auch verschiedene Bewegungen, die sich um die Wiederbelebung der Orthodoxie bemühen. Das Buch "Benedikt-Option" von Rod Dreher hat inzwischen Kultstatus - ob man nun dafür ist oder nicht -, die Jugend seht sich nach einer würdigen Liturgie, die sie immer mehr in der traditionellen Messe verwirklich sehen. Auch auf diözesaner Ebene bemüht man sich um klare katholische Profile, die bis auf private Ebene gehen - und deutschen Behörden alleine von den Stichpunkten Albträume bereiten würden.


Diese Dynamik hat auch der Kardinal Woelki bemerkt, der sich vor Kurzem in den USA über deren Entwicklungen erkundigen konnte. Die dortigen Katholiken können nicht verstehen, wie man in Deutschland um eines nationalen Weges Willen das gemeinsame Glaubensgut der Weltkirche über Bord werfe. Woelki war es auch, der mit dem Regensburger Bischof einen Alternativ-Vorschlag zum Synodalen Weg einreichte, der mit fast kompletter Mehrheit der Bischofskonferenz abgelehnt wurde.

Aber ob man es will oder nicht: Angesichts der Umstände, dass auch die säkulare Gesellschaft immer mehr versucht, in das Leben und der Verkündigung der Kirche einzudringen, ist die einzig echte Aktion, die deutsche Katholiken tun können, das zu tun, was in den USA von Katholiken schon immer gemacht worden ist: 
Das Gegenteil von dem zu tun, was die Gesellschaft von einem erwartet. 




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