Samstag, 30. November 2019

Dracula im Kreuzweg? - Ja, Dracula im Kreuzweg.





Makabere Dinge gibt es eigentlich wie Sand am Meer. Man muss sie nur finden.

Zum Beispiel diesen netten Darstellungen der Kreuzigung (ca. 1460) in der Wiener Kirche Maria am Gestade, in der sowohl Geschichtskenner als auch Freunde von Gruselgeschichten und -filmen auf der rechten Seite unter den Soldaten eine bekannte Gestalt erkennen können: Vlad III. Drăculea (ca. 1431-ca. 1476/77), der historische "Graf Dracula".

Und diese Darstellung ist nicht die einzige, die den weltbekannten rumänischen Fürsten zeigt.
In der slowenischen Nationalgalerie wird eine Darstellung von ihm als Statthalter Pontius Pilatus bei der Verurteilung Jesu verwahrt (entstanden um ca. 1463), in der Österreichischen Galerie Belvedere in Wien taucht er als Statthalter von Patras beim Martyrium des heiligen Andreas auf, das im Zeitraum von 1470-80 entstanden sein dürfte.

 

Man kann sich natürlich fragen, wie es dazu kam, dass ausgerechnet Vlad III. hier ganz offen auftaucht.
Dazu gibt es eine einfache Erklärung: Ein ungewöhnlich schlechter Ruf, der sich über teilweise kolportierte Berichte und Auslassungen nach Westeuropa (vor allem Österreich, Deutschland und teilweise Russland) noch zu seinen Lebzeiten verbreitete und die visuelle Steilvorlage für den typischen Gewaltherrscher lieferte - wie dem Statthalter im Martyrium des heiligen Andreas oder den Statthalter Pontius Pilatus, dem man neben Feigheit vor einer schwankenden Volksmenge auch unnötige Grausamkeit vorwarf (wie das Auspeitschen Jesu vor einer vermeintlich geregelten Freilassung). Grafische Darstellungen des "Wüterichs", die als einfache Inkunabeln durch die 1450 entstandene Druckerpresse vervielfältigt werden konnten, taten hierzu den Rest.

Eine positive Version stellt zum Vergleich die Abbildung von Stiftern als Heilige oder in das Geschehen positiv Involvierte dar. Die Gesichtszüge des deutschen Kardinal Albrecht von Brandenburg tauchen durch regelmäßige persönliche Aufträge an Maler in verschiedenen Darstellungen von Heiligen auf (hier: zweimal als der heilige Hieronymus, der heilige Erasmus mit dem heilige Mauritius und als Teilnehmer in der "Messe des heiligen Gregors"). Auch Albrecht ließ eine grafische Imagekampagne laufen, für die er sogar Lukas Cranach und Albrecht Dürer beauftragte.


 

 


Dass es also nun auch eine bekannte "Unperson" traf, dürfte nicht wirklich überraschen.

Diverse Berichte und Druckgrafiken sind bis heute erhalten, die die Grausamkeit des Fürsten schilderten. Es dürfte aber auch auffallen, dass es sich bei  der Kirche Maria am Gestade, in der sich heute immer noch das obige Bild befindet, auch um die traditionelle Kirche der Donauschiffer handelte, die mindestens indirekt immer wieder von den Grausamkeiten Vlads hörten wie der Massenpfählung von osmanischen Soldaten - oder eben von "Guten Christen" wie den deutschstämmigen  Siebenbürger Sachsen, die mit den Ungarn im Bündnis standen und auf deren Handelsstädte er daher regelmäßig Überfälle durchführte, um ihren Einfluss zu brechen, aber sich auch für die Unterbringung von Gegnern zu rächen. Ohne natürlich Näheres von den Ränkespielen in der Walachei zu wissen, die zwischen Ungarn und dem Osmanischen Reich eine politische Reibungszone bildete, bei der es regelmäßig zu übertriebenen Brutalitäten kam, auch wenn diese nur zur Abschreckung dienen sollten.

Die positiven Eigenschaften gingen bei all diesen Berichten leider wie selbstverständlich unter. Vlad III. war darauf bedacht, in einer zerrütteten Gesellschaft wieder Ordnung herzustellen und legte nachdrücklich Wert auf Recht und Ehrlichkeit - dem rumäischen Landvolk galt er als gerechter Prinz und mutiger Verteidiger seines Volkes.
In einer durch Kriege und Mordanschläge zerrütteten und zunehmend von Anarchie und dem Recht des Stärkeren gekennzeichneten Gesellschaft (Vlads Vater, Vlad II. Dracul,  kam durch einen Mordanschlag durch politische Gegner ums Leben, sein Bruder wurde aus ähnlichen Gründen geblendet und lebendig begraben) ein beinahe schon verzweifeltes Unterfangen, das in einem relativ friedlichen Teil Europas nur auf Verstörung und Unverständnis traf und als unnötige Grausamkeit empfunden wurden, die scheinbar viel über den Seelenzustand einer Person aussagten. Eine Abhärtung Vlads lässt sich bereits als junge Geisel bei den Osmanen ausmachen, wo er wegen seiner Starrköpfigkeit ausgepeitscht wurde und dort auch die grausame Hinrichtungsmethode des Pfählens kennenlernte, um die Gegner der Osmanen einzuschüchtern, die vor solchen Methoden eher zurückschreckten und eben die Benutzung davon Vlad später wirklich übel nahmen.

Seine Erfolge gegen die Osmanen während des von Pius II. ausgerufenen Kreuzzuges gegen die osmanischen Invasoren auf dem Balkan 1460-63 wurden mit Wohlwollen aufgenommen - auch wenn es wiederum zu Grausamkeiten wie Massenpfählungen, Tode durch vergiftete Wasservorräte und der Politik der verbrannten Erde im osmanisch besetzten Bulgarien kam, bei der auch Muslime in Häuser eingeschlossen und mit diesen lebendig verbrannt wurden. Auch danach kam es bis zu seinem politischen Sturz und Tod 1476 oder 1477 immer wieder zu Kriegszügen. Es ist unsicher, ob er ermordet oder auf der Flucht getötet wurde. Sein Kopf wurde jedenfalls in Honig eingelegt und in Konstantinopel aufgespießt zur Schau gestellt. Sein Leib wurde zunächst in dem von ihm geförderten Kloster Snagov (er förderte tatsächlich persönlich noch weitere Kirchen und Klöster in seinem Territorium) bestattet, dann an einen unbekannten Ort gebracht. Letzteres dürfte nach Meinung einiger Forscher der Grund gewesen sein für die Geschichten um den ruhelosen Untoten, der noch immer durch die Gegend ziehen soll.

Zu seinem religiösen Bekenntnis gibt es verschiedenes zu sagen, aber eines ist sicher: Es war so choatisch wie die damaligen politischen Zustände. Die größte Zeit über war er Mitglied der Ostkirche, auch wenn er wie sein Vater (um 1476/77 in Nürnberg) im Alter von nur 5 Jahren dem durch den römisch-deutschen Kaiser und böhmischen König Sigismund 1387 gegründeten Drachenorden beitrat, der sich dem Kampf gegen die einfallenden Osmanen verpflichtete. Von der Mitgliedschaft leitete sich auch der Name Dracul bzw. Dracula (Drache bzw. Kleiner Drache/Sohn des Drachen) ab. 1462 bot er dem ungarischen König Matthias Corvinus an. zum Katholizismus zu konvertieren, sollte er ihn militärisch unterstützen - was jedoch ausblieb. Einer seiner beiden noch lebenden Brüder trat zum Islam über. Um 1474 - am Ende einer seit 1462 dauernden Kerkerhaft in einer Festung von Corvinus wegen eines angeblich mit dem Sultan geplanten Waffenstillstandes -, vielleicht aber schon vorher soll Vlad III. zum Katholizismus konvertiert sein und eine der Cousinen des Königs geheiratet haben. Manche Historiker vermuten, dass er wohl wegen dieser Konversion vielleicht von der Geistlichkeit exhumiert worden sein dürfte, auch wenn dieser Punkt sehr strittig ist und andere vermuten, dass die Osmanen etwas mit seiner Umbettung zu tun haben könnten. Und dass dies wohl auch der Ursprung des ruhelosen Toten sein dürfte - ein Schismatiker sollte anscheinend nichts in der Kirche zu suchen haben. Und dieser Ruf hat sich anschließend auch im abergläubischen Volk verbreitet. Aber wie gesagt: Dieser Punkt ist äußerst umstritten.

Was aber nichts an seiner literarischen "Exkommunikation" im Westen änderte.

Schon vor Vlads Inhaftierung 1462 wurden Schauergeschichten über ihn verfasst, die schon bald nach Österreich und Deutschland gelangten. 1463 trug am Kaiserhof in Wien der politische Schriftsteller Michael Beheim ein Gedicht „Von ainem wutrich der hies Trakle waida von der Walachei“, das sich auf dessen Grausamkeit konzentrierte. Auch diverse Kurzgeschichten waren im Umlauf, die sich bald mit Übertreibungen überschlugen: Vlads Vater sei ein Heide gewesen und er selbst erst sei zum Katholizismus konvertiert und habe sich geschworen, mit seinem Bruder den christlichen Glauben zu verteidigen. Um schließlich als ungezügelter Despot alle christlich-ritterliche Sittsamkeit über Bord zu werfen und sein eigenes Volk aus Sadismus zu quälen. Für die damalige Zeit das perfekte Gegenbild zum christlich tugendhaften Ritter, dessen Vorbild bis nach der Zeit Kaiser Maximilians I. als für die Gesellschaft notwendig und als charakterlicher Entwicklungsstandard literarisch stets betont wurde.

Von da an dürfte es kein weiter Weg zu dem Mann gewesen sein, der Dracula zu dem machte, was man durch die moderne Popkultur heute über ihn zu wissen scheint: Bram Stoker.

Und selbst Bram Stoker konnte den geistlich-symbolischen Wert nicht beiseite lassen, wie Dr. Taylor Marshall zu berichten weiß:


Oder die ebenfalls schon einmal erwähnte Catholic Talk Show:





Freitag, 29. November 2019

Falschmeldung: "Krippenreliquie für Palästinenserführer"




In einem Artikel von Philosophia Perennis wurde heute behauptet, dass die berühmten Krippenreliquien der römischen Basilika S. Maria Maggiore "an die Palästinenser weggeschenkt" worden seien. "Nach dem Pachamama-Skandal erreichen damit der Ausverkauf und die Entweihung der ewigen Stadt ein neues Level, das den parallelen Ausverkauf des Katholischen unter Franziskus faktisch greifbar macht" heißt es dazu und dass es sich um einen Akt handle, "der symbolisch zeigt, wozu dieser Papst fähig ist".

Man kann jetzt darüber diskutieren, wer diese Geschichte in Umlauf gebracht habe oder wie diese Geschichte überhaupt zustande kam. Der deutsche Historiker und  Autor Michael Hesemann jedenfalls hat auf Facebook die Sache differenzierter dargestellt und bezichtigt Autor und Blog-Inhaber David Berger der Verleumdung:


[…] Wahr ist: Natürlich bleibt die Krippenreliquie nach wie vor in Rom, in S. Maria Maggiore. Lediglich ein kleines Fragment wurde abgetrennt, in ein Reliquiar gefügt und traf heute im Heiligen Land ein - nicht bei den muslimischen "Palästinensern", sondern beim Franziskanerorden der "Custodia Terra Santa", denn der Papst hat den Franziskanern die Reliquie geschenkt. Derzeit wird das Reliquiar im päpstlichen Gästehaus Notre Dame de Jerusalem ausgestellt, morgen wird es in feierlicher Prozession nach Bethlehem gebracht. Leider bin ich seit gestern aus dem Heiligen Land zurück, sodass ich nicht vor Ort berichten kann.

Auf den Fotos seht ihr das geöffnete Reliquiar von S. Maria Maggiore mit den großen Holzbalken und das neue Reliquiar mit dem kleinen Stück, das nach Bethlehem geht. 

Papst Franziskus wegen dieser schönen Geste - denn natürlich gehört ein Stück der Krippe Jesu nach Bethlehem - anzugreifen ist geradezu infam, denn immer schon in der Kirchengeschichte hat man Reliquien entnommen und zur Verehrung an Klöster und Kirchen verschenkt. Ich selbst bin im Besitz eines schönen Holzfragmentes der Krippenreliquie in Rom, das sich in einer im 19. Jahrhundert versiegelten Theca befindet. [...] 


Beim obigen Bild ist der geöffnete Reliquienschrein während der Entnahme am 22. November 2019 zu sehen.
Hier unten ist die Reliquie im Reliquiar, das nach Bethlehem gebracht wird.

 

Weitere Bilder zeigen das Reliquiar vor der Versiegelung durch einen Bischof unter Aufsicht, daneben die Inschrift mit der Bemerkung, dass die Reliquie aus der Basilika S. Maria Maggiore stammt und von Papst Franziskus an den Franziskanerorden der Custodia Terra Santa übergeben wird. 

 

Hier sieht man übrigens die weiteren Teile der Reliquie, von denen das Fragment entnommen wurde und die weiterhin in Rom verbleiben:





Montag, 25. November 2019

Schräger als Fiktion... Teil 4


Der entnervte Deutsche:
Fühlt sich provoziert, wenn Du dich nur 300 km von seiner Grenze entfernt befindest.
Was natürlich einem anderen Amerikaner schon länger bekannt war, der keine Cappa trägt.




Dienstag, 12. November 2019

Die Axt von Sankt Martin




Und wieder mal kommt der richtig gute Stoff aus den bösen USA.

Dr. Taylor Marshall klärt (auch im Hinblick auf die Pachamama-Affäre) über eine eher unbekannte Reliquie von Sankt Martin auf, dessen Gedenktag gestern begannen wurde: Die Axt des Heiligen Martin, die heute im Museum Catharijneconvent in Utrecht aufbewahrt wird und mit der er heidnische Idole zerstört haben soll.
Sowie einer besonderen englischen Lokaltradition zu St. Martin.









Weiteres von Dr. Taylor Marshall:
- Die Homepage von Dr. Marshall
- Die Homepage des New Saint Thomas Institutes
- Sein Youtube-Kanal 

- Seine Facebook- und Twitter-Kanäle



Samstag, 9. November 2019

Der Heilige Makarius und die Traube. Von der brüderlichen Liebe


Einst lebten in der ägyptischen Wüste viele fromme Einsiedler. Sie nährten sich von Wurzeln und Baumfrüchten und wenig Brot. Sie beteten und fasteten viel und erreichten dabei oft ein hohes Alter. Da geschah es eines Tages, dass jemand einem - es war der heilige Makarius - eine große Weintraube schenkte. Makarius aber brachte die Traube einem anderen Einsiedler, von dem er meinte, dieser sei schwächer und bedürftiger als er. 

Gerührt dankte der Bruder; aber kaum war Makarius fort, so beeilte er sich, die Traube einem anderen Einsiedler zu bringen, um diesem eine Freude zu bereiten. Indessen auch dieser verschenkte die Traube wieder einem vierten, und so wanderte die Traube von einem Einsiedler zu anderen, bis sie endlich einer der Einsiedler wieder zu Makarius brachte, ohne zu wissen, dass sie schon durch dessen Hände gegangen war. Inständig bat er den Heiligen, er möge sie zu seiner Erquickung annehmen.

Makarius erkannte seine Traube gleich wieder. Durch Fragen erfuhr er, welchen Umweg sie gemacht hatte. Und nun dankte er Gott mit frohem Herzen dafür, dass er allen Brüdern solche Liebe und Selbstverleugnung ins Herz gegeben hatte. Und beide aßen die Traube gemeinsam.

Entnommen aus "Der Weiße Sonntag" von Fr. X. Fecht. Kleine Ausgabe bearbeitet von Viktor Keller.
Buchhandlung Ludwig Auer, Stiftung Cassianeum, Donauwörth. 29. Auflage, Imprimatur 1930. 



Freitag, 8. November 2019

Fr. Mitch Pawca SJ und Pachamama: "Hört auf damit. Wir sind nicht blöd."


Kleine Ergänzung des vorangegangenen Kommentars zur Causa Pachamama:
Fr. Mitch Pawca SJ war in den 1970ern in Peru und weiß anders als die italienischen Bischöfe, was hinter Pachamama steckt:

[…] Speziell in den Bergen - nicht so sehr in Lima und an der Küste, sondern in den Bergen - wurde Pachamama immer noch verehrt und angebetet. Sie war Teil einer Art Hierarchie von Gottheiten. Die Berggötter waren die obersten Gottheiten. Pachamama - oder Mutter Erde - war unter ihnen. Unter Pachamama waren Jesus, die gesegnete Jungfrau Maria und die Heiligen - und dann der Rest von uns. Sie haben also Pachamama in ein pseudo-katholisches Weltbild integriert - in denen die Berge zuerst kamen, Pachamama, die Erde, als Zweites und unter ihr Jesus und Maria und die Heiligen. [...]

[...] Die Einführung der Pachamama-Figuren in die Amazonas-Synode ist ein sehr großer Skandal. Es ist uns verboten, Idole zu haben. Es ist uns verboten, andere Götter anzubeten. Und einige Offizielle haben einen eigenen Tanz versucht. Sie sagten: "Es ist ein Symbol für Fruchtbarkeit und Mutterschaft." Hört auf damit. Wir sind nicht blöd. 

Wir sind das nicht. Das ist ein Idol. Und hier ist die Frucht. Wir sprechen jetzt von Wölfen in Schafspelzen und den schlechten Früchten. Die italienische Bischofskonferenz hat ein Missionsbüro. Und diese haben ein Gebet zur Mutter Erde des Inka-Volkes veröffentlicht - das ist Pachamama. Und das ist das Gebet: "Pachamama dieses Ortes, iss und trink von diesen Opfern, soviel du willst, sodass dieses Land fruchtbar sei. Pachamama, gute Mutter, sei gnädig..." Hört auf! Ihr sprecht darüber, einer Göttin ein Opfer darzubringen! Die die Menschen in den Anden höher stellen als Jesus und Seine gesegnete Mutter!











Weitere empfehlenswerte Links:
- Das volle Video, in dem dieser Vortrag stattfand.
- Der deutsche Kommentar dazu auf Katholisches.info
- Fr. Mitchell´s Twitter- und Facebook-Seite
- Die Seite seiner Serie Scripture and Tradition auf EWTN


Mittwoch, 6. November 2019

Vergesst POWERWOLF: Hier kommt FRATELLO METALLO



Gagarin, der erste Astronaut, 
antwortete auf eine dumme Frage mit einer dummen Antwort: 
"Nein, da oben habe ich Gott nicht gesehen 
und ich habe ihn nicht gehört."

Da oben. Wer ist er? Was macht er da? 
Was fordern Sie von uns?
Der Astronaut? Gott??

Aber welcher?
Welcher Gott??

Weit weg,
mächtig, 
erdrückend,
übermächtig,
der für uns entscheidet?

Ein unbeweglicher Beweger,
alles zerdrückend?

Das ist er nicht, nein, nein!
[…] Text aus Dio


Nachdem die deutsche Metal-Band POWERWOLF letzte Woche eine Neuversion von Kiss of the Kobra King rausbrachte, sollte man alternativ auch mal den Blick nach Italien richten, wo nicht alles grusel-klerikale Fassade sein muss: Nämlich auf die Band FRATELLO METALLO.

Gegründet wurde die Band vom Mailänder Kapuziner Cesare Bonizzi (geb. 1946, Klostereintritt 1975)  und bestand offiziell von 2008 bis 2009. Der ehemalige Missionar (Elfenbeinküste) ist nach seiner Priesterweihe 1983 auch als Sänger tätig und versucht seit 1990 mit Hilfe der Musik Menschen zu Betrachtungen zu bringen, von denen noch immer viele auf seiner Homepage zu finden sind. Zwar versuchte er sich auch an Alterntivstilen und Rock, doch zur direkter Auseinandersetzung mit Metal kam es, nachdem er ein Konzert von METALLICA besuchte, das in sehr inspirierte.



Sofort lernte er die energetische, aber auch lebendige Wirkung des Metal kennen und entwickelte einige moralisch orientierte und religiöse Stücke, die er mit einer zusammengestellten Band aufführte, die seinen Spitznamen "Fratello Metallo" ("Metal Bruder") übernahm.

Er bestand außerdem darauf, die bei Metal-Konzerten oft gebrauchte Mano Cornuta (Faust mit ausgestrecktem Zeige- Kleinfinger, vulgo "Satansgruß") durch die Geste der amerikanischen Gebärdensprache für "Ich liebe Dich" (Daumen, Zeige- und Kleinfinger) zu ersetzen.

Es kam nur zu einem vollen Album mit dem Namen "Misteri". Nachdem er auf einigen Metal-Konzerten öffentlich auftrat, gab er 2009 bekannt, nicht mehr als Metal-Sänger aufzutreten, da er auf Dauer heftige Zerwürfnisse mit seinen Mitbrüdern und den anderen Bandmitgliedern fürchtete. Damit blieb er auch seiner eigenen Berufung treu (wir wissen, es hätte auch anders enden können...). Der Teufel habe ihn zu sehr zu einem Prominenten um seiner selbst Willen gemacht, daher habe er diese Entscheidung getroffen.

An seiner positiven Meinung zum Metal-Genre hat das jedoch nichts geändert. Und dieses hat er auch auf eine sehr poetische Weise zu nutzen gewusst. Das Album Misteri kann man in voller Länge auf Youtube hören, die Songs sind unter anderem auf Spotify abrufbar, das gesamte Album ist nicht mehr als CDs vorhanden, aber auf verschiedenen Plattformen downloadbar.










Montag, 4. November 2019

Lieber Heiliger Vater: Pachamama hat es verdient


Auch wenn man sie wieder aus dem Tiber gefischt hat - es hat nichts an der Sache geändert.




Ein weiteres interessantes - scheinbar für vatikanische Ohren weitgehend unbekanntes - Detail der Figur, die anfangs noch als die Jungfrau Maria oder Elisabeth ausgegeben wurde, besteht außerdem darin, dass sie erst nach Ankunft der Spanier unter Einfluss der Verehrung der Muttergottes von der grausamen Naturgöttin zur friedlichen "Mutter Erde" gewandelt wurde.

Davor waren Menschenopfer nicht selten, um Pachmamas Zorn zu besänftigen, wenn es wieder mal Erdbeben gab und schlechte Ernten drohten - noch heute werden ihr getrocknete Lama-Embryos und Meerschweinchen geopfert. Es wird angesichts archäologischer Ausgrabungen sogar auf die Tötung von Kindern in der vorchristlichen Vergangenheit geschlossen:


[…] Ein gutdokumentierter Fall der Capacocha-Zeremonie wurde 1999 von Archäologen auf dem Gipfel des Llullaillaco-Vulkans in Argentinien entdeckt. Die Körper eines sieben Jahre alten Jungen, eines sechsjährigen Mädchens und einer Fünfzehnjährigen, die als "die Jungfrau" bekannt ist, wurden dank einer einmaligen Kombination vorherrschender natürlicher Phänomene perfekt erhalten. Verschiedene Experten nutzten die Körper für Studien bilogischer oder anthropologischer Aspekte; sie haben einstimmig Pachamama als Empfängerin des Capacocha-Opfers identifiziert.

Ein weiterer Artikel beschreibt, wie Jungen, die geopfert wurden, Maisbier oder Chicha gegeben wurde, dann wurden sie stranguliert oder auf den Kopf geschlagen bevor sie begraben wurden. Er zitiert auch eine Quelle von 1621, die erklärt, wie den Kindern Kokablätter in den Mund gestopft wurden, um sie zu betäuben und dann zu erwürgen. Kokablätter wurden in den Wangen der Jungfrau gefunden, was ein weiterer Anhaltspunkt dafür ist, dass die Kinder geopfert wurden.
[…]

[…] Obwohl sich die [Synoden-]Väter große Mühe geben, die Signifikanz der Pachamama während der Synode herunterzuspielen, ist der Zusammenhang zwischen Pachamama und dem Opfern von Kindern in Südamerika kein Geheimnis. Zu Beispiel lädt ein peruanisches Hotel Besucher dazu ein, die Überreste eines jungen Mädchens zu betrachten, das der Pachamama während des 15. Jahrhunderts aufgeopfert wurde. Touristen können "Juanita" sehen, ein Inkamädchen, die für das ausgewählt wurde, was die Website uns erklärt "als Privilieg angesehen wurde: geopfert zu werden als Dank für die Pachamama oder Mutter Erde."

Der Körper des Mädchen wurde von Archäologen im Ampato-Vulkan entdeckt und wurde in einem Capacocha-Ritual geopfert, "um die Pachamama zu besänftigen, Naturkatastrophen zu vermeiden und als Garantie für eine gute Ernte."
[…]

Kein Wunder, dass es zu solchen Meldungen kam, über die praktisch gar nicht berichtet wurde: