Donnerstag, 27. Februar 2020

Schräger als Fiktion... Teil 7


Fantasy Opus Dei: Weltweite Verschwörungen, Kontrolle der Banken, Indoktrination der Mitglieder durch Priester mit Cognac-Gläsern, Auftragsmorde für den Vatikan durch Albinos.

Das echte Opus Dei:



Der Getränke-Experte vom Werk
"Es ist ein Cocktail. Brown spricht von Kunst, von Spiritualität, von heidnischer, klassischer, mittelalterlicher Geschichte, von Sexualität. Alles zu­sammen ergibt einen Cocktail, der neugierig macht -sogar einen sehr katholischen Cocktail. Was würde Dan Brown ohne Kirche machen, ohne Vatikan, ohne Rom? Seine Romane hängen in gewisser Weise von der Faszination der katholischen Kirche ab."





Montag, 24. Februar 2020

The Catholic Talk Show: Die wunderbare und reformbedürftige Welt des Priesters



In The Catholic Talk Show wandte man sich nach der Frage, was die Themen für ein Drittes Vatikanische Konzil wären, der direkt praktischen Frage zu, wie die zukünftigen Priester beschaffen sein müssen, um die Kirche zu retten.

Dabei geht es vor allem um die Problematik der Priesterausbildung. In (zu) vielen Priesterseminaren werde der Seminarist eher wie ein potenzieller Sozialarbeiter behandelt statt zu einem Seelenhirten und Spender übernatürlicher Gnaden ausgebildet. Ersteres sei zwar lobenswert, wenn es um den Umgang mit menschlichen Problemen gehe, können aber nicht alleine darauf reduziert werden, da sich auch hier die Mentalität des seelischen Teilzeitarbeiters einschleichen könnte, die schon bei vielen Priestern in der Praxis zu einer Art "Persönlichkeitsspaltung" zwischen dem eigentlich aufgehobenen Dualismus zwischen "Beruf(ung) und Privatleben" führte - im schlimmsten Fall zu einem regelrechten Doppelleben -, das auf Dauer zu einer Erosion des extraordinären Gnadenlebens führt, das sich eigentlich selbst aus dem eigenen Berufungsstand regenerieren müsste.

Empfohlen wird hier vor allem das Werk "A Priest is not his Own" von Bischof Fulton J. Sheen, für den derzeit ein Seligsprechungsprozess läuft. Schon damals schienen immer wieder individuelle Erosionserscheinungen einzudringen, die in Europa bereits um die 1930er im Umlauf waren, heute aber gerne alleine dem II. Vaticanum in die Schuhe geschoben werden - auch wenn durch dessen unkontrollierte und undifferenzierte Auslegung die Symptome plötzlich unter einem scheinbaren "Lizenz zur Freiheit" explosionsartig und massenweise zu Tage traten.

Ebenfalls als gute Priester werden im Video genannt:
- Der 2000 getötete Monsignor Thomas Wells, der damals die Aufgabe übertragen bekommen hatte, die Pfarreien nach Missbrauchstätern und homosexuellen Umtrieben zu kontrollierte. Sein Neffe Kevin Wells hat das Buch "The Priests we Need to Save the Chruch" geschrieben, das in dieser Episode der Catholic Talk Show behandelt wird.

- Der heute 92-jährige Priester und Exorzist John Esseff, der auch der Beichtvater von Mutter Theresa war und von ihr die persönliche Empfehlung bekam, sich um den Priesternachwuchs zu kümmern. Auf Youtube gibt es auch ein interessantes Video zu seinem Leben (ebenfalls ganz kurz in der Episode erwähnt), in dem er auch von seinem Treffen mit Pater Pio spricht, der ihm in San Giovanni Rotondo in Form einer Bilokation erschien, ohne dass es ihm aufgefallen ist.







Empfehlenswerte Links zum Thema:
- Die Homepage von The Catholic Talk Show
- Deren Youtube-Kanal
- Die Homepage von Kevin Wells und seinem Buch "The Priest we Need to Save the Church"
- Die Facebook-Seite der Msgr. Thomas Wells Society
- Der Youtube-Kanal Discerning Hearts mit Video-Vorträgen von P. John Esseff
- Eine kleine Podcast-Sammlung mit P. John Esseff




Montag, 17. Februar 2020

Maria 2.0 lässt die Masken fallen



Nachdem Papst Franziskus mit seinem Schreiben den deutschen Theologen (die sich anscheinend als mediale de facto-Reichsverwesen der universalen Kirche gesehen haben) ordentlich vor den Kopf gestoßen hat, weil er einfach nicht versteht, dass der Papst nur dann unfehlbar ist, wenn seine Ansichten mit denen von bestimmten Aktivisten übereinstimmt, vertieft sich der Graben zwischen deutschen Katholiken und Katholik_Innen immer mehr. 
Ohne dass der Heilige Vater überhaupt einen Finger gerührt hat. 

Denn bei Maria 2.0 & Co fallen immer mehr Hemmungen, wenn es um die Beweggründe und vor allem die Ziele der Bewegung geht. Ging es zunächst "nur" um die üblichen progressiven Trostpflaster, dass man Frauen unbedingt zum bisher nur Männern zugänglichen Priestertum zulassen solle, um die "Kirchenkrise" zu bewältigen (wozu auch der Sexuelle Missbrauch "offiziell" herhalten musste), gesellte sich schon bald die Frage der Geschlechtergerechtigkeit hinzu, bei der man dem - natürlich männlichen - Klerus ein Nicht-so-wichtig-Nehmen der Hälfte der Weltbevölkerung vorwarf, wie man so schön im PUBLIK FORUM vom November 2019 (Nummer 22, Seite 10) formulierte.

"An der Frauenfrage hängt die Reform der Kirche", es wird "ein Ende der Kirche prognostiziert, sollte sich die Gleichberechtigung im himmlischen Unternehmen auf Gottes Erden nicht durchsetzen." Das sollten "die sich wie Götter gebärdenden Männer im Ornat" bewusst sein, wie Autorin Britta Baas weiter ausführt - die ihren Tweets nach zu urteilen einen ähnlichen feministisch-tribalistischer Hang zum Revolutzertum aufweist, wenn es um "Reform" geht, hinter deren diplomatisch-vorsichtiger Fassade weniger der transzendente Glaube, als eher die knallharte säkulare Machtfrage steht.



So weit, so gut. Bis der Paukenschlag kam:

"Ja, eigentlich brauchen wir so etwas wie Priester überhaupt gar nicht."


So weit Maria 2.0-Mitbegründering Lisa Kötter ebenfalls im PUBLIK FORUM ganz kurz zusammengefasst. Die Zulassung für weibliche Weiheämter sei nur eine "Zwischenlösung" zum Zusammenbrechen der gesamten kirchlichen Hierarchie, da Jesus offenkundlich nie eine Priesterschaft haben wollte - egal ob er Apostel und Jünger speziell unterrichtete und Weiheämter übertrug, die die Feier der Eucharistie und die Sündenvergebung beinhalten - zwei Tätigkeiten, die ohne aktives Zutun Gottes (die reale Vergegenwärtigung des Leibes und Blutes Christi und das Erlassen der geistig wirksam toxischen Sünde) und explizite Erlaubnis durch den Sohn Gottes nicht möglich sind und denen auch die Apostel ihrerseits mit autorisierten Weihen u.a. von Diakonen und späteren Presbytern nachkamen, die die Kirche mit Verkündigung und Sakrament zusammenhielten.

Aber vielleicht ist auch dieses Fehlen der sakramentalen Wirklichkeit der Grund, warum man aus purer Berechnung und als Erpressungsversuch die Eucharistiefeier boykottiert. Die reale Gegenwart Christi zählt nicht, auch wenn nicht nur Männer wie Pius X., sondern vor allem auch zu Priestertum nicht zugelassene Frauen wie Theresia von Lisieux darauf hinwiesen.  Es zählen offenkundig einzig nur die Zahlen der "Gottesdienstbesucher" und der soziale Eindruck, um die "Männerkirche" unter Druck zu setzen.

Wenn es nur darauf ankommt, wie soll die Kirche von Maria 2.0 dann aussehen?

[…] Kötter sprach von einen rückwärtsgewandten Blick der katholischen Kirche. Sie laufe "immer hundert Jahre hinterher, ist lau und laff und kalt". Stattdessen solle die Kirche nach ihren Worten aber aber anprangern, voranstürmen und "mit den Fridays for Future auf die Straße gehen", fordert die Künstlerin […]

Aktivismus also. Und zwar solcher, die praktisch und meist außerhalb der Kirche möglich ist und wo eigentlich keine weiteren Hilfestellungen der Kirche benötigt werden - außer scheinbar als moralisches Prestigeobjekt.

Anders kann man das nämlich nicht beurteilen, wenn man nicht nur die Eucharistiefeier - die reale Vergegenwärtigung Christi in seiner lebendigen Braut, der Kirche - sondern anscheinend auch das christliche Leben von der Durchsetzung der eigenen Positionen abhängig macht, die zu einem zweiten Gott - vielleicht einer Göttin, die nach Gleichberechtigung neben der Allerheiligsten Dreifaltigkeit trachtet - aufsteigt.

Wen wundert es da noch, dass man den heiligen Thomas von Aquin als Argument für die Behauptung hinzuzieht, dass Jesus nicht katholisch, sondern einfach gläubiger Jude gewesen sei und dabei offensichtlich auch die Frage nach seiner Gottheit und seiner Vollmacht, die er in den Ämtern der Kirche übertrug, unter den Tisch fallen lässt?
Oder dass Paulus ein Argument dafür sei, dass die Kirche alleine nicht die umfassende Wahrheit lehre?

Der Heilige Geist hat die Vollmacht der Einen Heiligen Katholischen und Apostolischen Kirche offenbart.
Was ist also der Heiligere Geist dieser Bewegung?

Frieden? - Das sagten auch die Kommunisten und töteten Tausende.
Liebe? - Das sagten auch die Missbrauchstäter unter den 68ern und klerikalen Tätern.
Gerechtigkeit? - Das sagen auch korrupte Politiker.

Um einen Begriff von Dr. E. Michael Jones zu gebrauchen: Libido Dominandi.
Das Begehren nach Herrschaft. Beherrsche die Leidenschaft, um andere zu beherrschen, während du selbst derjenige bist, der davon komplett korrumpiert ist und es nicht einmal merkst, dabei aber immer mehr in ihren egoistischen Ausprägungen - sei es wirklich aus egoistischen Motiven oder aus emotionalen Verletzungen, die immer wieder aufgerissen werden - mit sich reißt. Explizit lässt sich hier (auch für Laien) der Artikel von Dr. Jones über Martin Luther nennen, der von einem geistlich-transzendentalen Schleifenlassen in einen kollektiv seelischen Amoklauf überging.

Es ist also keine Übertreibung, wenn man in diesem Sinne von einer Verwüstung der Kirche spricht.
Eine Institution mit göttlicher Gründung, die seit 2.000 Jahren von dem Blut nicht nur von heiligen Priestern, sondern auch von heiligen Laien und Menschen, die einzig durch das Bekenntnis der Bluttaufe zu Christen wurden, in ihrer Heiligkeit besiegelt und durch Wunder bestätigt wurde, vor der die Welt mit Staunen steht, kann nicht durch subjektive Gefühle unterwandert und in Frage gestellt werden. Die Kirche selbst - und in ihr Gott - ist es, die als letzte Autorität über wankelmütige Gefühle stehen soll - besonders wenn es um die Unterscheidung der Geister geht. Eine Umkehrung ähnelt sprichwörtlich den "Füchsen, die danach trachten, den Weinberg zu vernichten", dem "wilden Eber", der "danach trachtet, in zu zerwühlen".

Eine "Reform" wie sie Maria 2.0 vorschwebt ähnelt weniger einer Unterordnung eines heiligen Franziskus oder dem "Fiat" der Maria, um das Werk Gottes Fleisch werden zu lassen - sondern dem "Non serviam" Luzifers, der das eigene Bild über das Gottes zu erheben strebte - und dabei die satanisch-dunkle Welt der Dämonen schuf. Wenn sie die Kirche einreißen wollen, dann werden sie nicht nur die Hierarchie in den Abgrund ziehen. Der Fall von Alfred Loisy zeigte schon damals ganz offen, dass mit der Autorität, die nicht gehorchen wollte, bald auch der Glaube an den Souveränen Schöpfergott folgte, der bald einem weltoffeneren Pantheismus des persönlichen "guten Gewissens"weichen musste.

Sollte Maria 2.0 weiter so machen in ihrem Verwirrspiel, das langsam immer deutlicher wird und das darin besteht, die Heilige von Gott gestiftete Kirche in eine von NGO von menschlichen Gnaden zu machen, Maria durch die Hure Babylon zu tauschen, die schwankhafte Stadt, die ruhmlos im Staub versank, aus der sie gebaut wurde, dann kann man nur eine Sache sagen:

Bekehrt euch oder geht. Ernsthaft.



Freitag, 14. Februar 2020

Schräger als Fiktion... Teil 6


Der eigentlich Skandal besteht ja gerade darin, dass sein Bruder Luigi nie wirklich ernst genommen wurde. Aber so ist das wohl, wenn man nur den Namen kennt, aber sich nie wirklich mit dem Game Lore auseinandergesetzt hat.





Montag, 10. Februar 2020

Liturgische Kängurus in Rom




Man kennt vielleicht diverse Behälter für Öle in Form von Tauben als Zeichen des Heiligen Geistes - zu sehen zum Beispiel bei den Kronjuwelen im Jewel House im Tower of London. Oder die berühmten Aquamanilen in der Form von Löwen und Pferden (mit oder ohne Reiter), die vor allem für die Handwaschung im sakralen oder profanen Bereich im Gebrauch waren.

Neu dagegen sind Leuchter mit australischen Kängurus als Füße, die in der Kirche des Domus Australia im Zentrum Roms ihre Verwendung finden. Bei dem Domus Australia handelt es sich um ein Gästehaus für australische Pilger, das von der Erzdiözese Sydney und anderen Bistümer begründet und 2011 offiziell von Papst Benedikt XVI. nach massiven Renovierungsarbeiten am ehemaligen Konventsgebäude der Maristenpadres eröffnet wurde.

Aber vielleicht denken Viele an dieser Stelle weniger an Benedikt XVI. als an den Reisepapst Johannes Paul II., der sich gerne mit den lieben Tierchen ablichten ließ.


 




Freitag, 7. Februar 2020

Sonntag Septuagesima: Wenn am Abend zuvor nicht nur Leichen im Garten vergraben werden




Neben dem jährlichen Ritus der Franziskaner, in Jerusalem am Karfreitag eine bewegliche Figur des Gekreuzigten zu begraben, gibt es in einigen traditionellen Gemeinden ein eigenes Begräbnis für das liturgische Alleluja, auf das in der Fasten- und Karzeit verzichtet wird und erst wieder zu Ostern erklingt - wenn es gemeinsam mit dem Herr wiederaufersteht.

In manchen Gemeinden kann es sich um ein gesamtes Banner handeln, in anderen lediglich um einen kleinen Zettel.


Und in wieder anderen wird das ganze sogar mit kleinem Sarg, markiertem Grabmal und Blumenschmuck zelebriert.


In einigen anderen Gemeinden "begräbt" man es symbolisch auch ganz einfach unter der Decke eines Seitenaltares der Kirche.




Dienstag, 4. Februar 2020

Die Kapelle und Quelle St. Ottilien bei Freiburg/Breisgau




Für viele, die oft durch Arbeit oder in ihrer Freizeit in die Schwarzwaldstadt im Breisgau kommen, dürfte es ein wenig befremdlich sein, dass Freiburg je etwas anderes war als die typisch süddeutsche Esoterik- und Ökohochburg. Ganz früher war sie bisweilen Zentrum für Edelsteinschleifereien, hat dazwischen aus purem Konkurrenzneid eine ganze Siedlung plattgemacht und stieg im 19. Jahrhundert zur Regionalstadt des Okkulten auf. Heute dürfte die Stadt eher durch eine missglückte Uni-Bibliothek, Einkaufsziele für Schweizer und als Ausnüchterungsbereich des örtlichen Adrenalin-Kurortes eher bekannt sein.

Ortkundigen sind daneben auch regelrechte Juwelen von Wallfahrtskirchen bekannt, die leider weit auseinander liegen. Früher waren es in der Stadt gleich mehrere, heute sind lediglich nur noch vier von Bedeutung. Und eine davon gehört zu den wahrscheinlich ältesten Wallfahrtsorten Deutschlands.

Es handelt sich dabei um die Waldkapelle St. Ottilien, die sich in 480m Höhe im Stadtwald Freiburg südlich des Rosskopfes befindet. Zu Fuß sind es von der Freiburger Altstadt 4,5km, von der Haltestelle in Freiburg-Ebnet 2,5km - wobei die Höhensteigung berücksichtigt werden sollte.



Benannt wurde die Kapelle nach Ottilia bzw. Othilia oder Odilia vom Elsass, die im Mittelalter als Helferin gegen Augenleiden bekannt wurde. Geboren wurde Odilia um 660 im Elsass als Tochter von Herzog Eticho und Berswinde, Tochter von König Sigebert III. von Austrasien und Nichte des heiligen Märtyrers Leodegar von Autun. Lange Zeit hatte sie unter ihrem herrischen Vater zu leiden, der während den Kriegswirren später für den Tod des heiligen Abtes Germanus von Granfelden und seines Begleiters Randoald verantwortlich sein sollte, der sich gegen dessen regelmäßige Plünderungen der Bevölkerung beschwerte.



Der Legende nach soll er vorgehabt haben sie zu töten, da sie als sein erstes Kind blind geboren wurde, worauf sie ihre Mutter rettete und ihre Amme sie in das Kloster Baume-les-Dames nördlich von Besançon brachte, wo sie durch die Vermittlung eines Engels im Alter von 12 Jahren durch den heiligen Wanderbischof Erhard von Regensburg getauft wurde und dabei ihr Augenlicht zurückerhielt. Ihr jüngerer Bruder ließ sie der Legende nach wieder nach Hause zurückkehren, worauf dieser vom zornigen Vater erschlagen, von Odilia aber wieder zum Leben erweckt worden sei. Doch schon bald geriet sie selbst wieder ins Fadenkreuz, da der Vater die nun geheilte Tochter planmäßig weiterverheiraten wollte - Odilia selbst hat aber ihr Leben nur Gott geweiht, weswegen sie wieder Richtung Rhein floh. Und hier setzt die Legende um die Freiburger Ottilien-Kapelle ein, die neben dem schweizerischen Arlesheim die Höhle bergen soll, in der sich Odilia vor den sie verfolgenden Vater versteckt haben und eine Heilquelle entsprungen sein soll.

Der Vater wurde von herabstürzenden Felsen schwer verletzt . Durch dieses Erlebnis schwer erschüttert, bekehrte er sich und versöhnte sich mit seiner Tochter, der er ein Grundstück auf dem heutigen Odilienberg in den Vogesen 40km südwestlich von Straßburg schenkte, wo sich heute das Kloster Hohenburg befindet, der als "Heiliger Berg des Elsasses" Mont Sainte-Odile allgemein bekannt ist. Dort wurde sie nach ihrem Tod um 723 bestattet und dort wurde auch ihr Vater in einem Grabmal beigesetzt, das man noch heute (in gotischer Form) sehen kann. Zwischen 700 und 710 gründete sie als Äbtissin neben ihrem Hauptkloster auch das Hospiz Niedermünster am Fuß des Odilienberges, das unter ihrer heiligmäßigen Nichte Gundelinde zum Kloster ausgebaut wurde, seit dem Brand 1542 aber nur noch als Ruine besteht.

Unterhalb des Klosters Hohenberg befindet sich auch die berühmte Odilienquelle, die die heilige Äbtissin für einen Bettler entsprungen lassen haben soll als von ihrem Hospiz wieder ins Kloster zurückkehrte.

Der Gedenktag der heiligen Odilia ist der 13. Dezember. Ihr Kult ist vor allem ihrer Heimat, dem Elsass, und in Süddeutschland verbreitet. Neben den Quellen auf dem Odilienberg, in Arlesheim und in Freiburg gibt es auch mehrere schon bestehende Quellen (z.B. aus angeblichen keltischen Quellheiligtümern), die ihr übertragen wurden z.B. in Bettringen bei Schwäbisch Gmünd. Ihre Reliquien sind unter anderem in der Waldkapelle Freiburg, in Buttisholz im Kanton Luzern durch eine Schenkung durch Kaiser Karls IV. und in Gohr bei Neuss zu finden. Eigenständige Wallfahrtsorte befinden sich unter anderem in Eppingen, in Möschenfeld bei München und in der Erzabtei Sankt Ottilien bei Landsberg am Lech. In einigen Gegenden herrscht übrigens auch Verwechslungsgefahr mit der Märtyrerin Odilia von Köln.

Die erste Kapelle soll am Standort der heutigen Waldkapelle bei Freiburg schon 675 bestanden haben, eine Wallfahrt setzt zwischen dem 7. und 13. Jahrhundert ein. In welcher Form dies ausgesehen haben mag, dürfte offen bleiben - vor allem wenn man bedenkt, dass dies noch im frühen Leben der Odilia eingesetzt worden sein soll. Dürfte man das plötzliche Auftauchen einer wundertätigen Quelle mit einer Person verbinden, die beim einfachen Volk bald als heiliggemäße Frau im Gespräch war, dürfte theoretisch man nicht ausschließen, dass es wohl wie im Falle moderner Volksheiliger zu einer Popularisierung dieses Ortes gekommen sein dürfte.



Auf jeden Fall wurde 1100 eine neue Kapelle gebaut, die 1503 durch die Stiftung des Freiburger Ratsherren Peter Sprung und seine Frau Elisabeth Zehenderin ihre heutige Gestalt erhielt. 1714 kam es zu einem Neubau nach Westen, wobei die bisher freistehende Höhle mit Quelle in das Gebäude integriert wurde. Davor musste die Kapelle oft unter den  Kriegen um Freiburg leiden. 1632 wurde sie durch die Schweden geplündert und zerstört, 1713 kam es während des Spanischen Erbfolgekrieges zur Zerstörung durch den französischen Marschall Louis-Hector de Villars, das nur eines der Techtelmechtel der Franzosen mit den Habsburgern um die Vorherrschaft darstellt, unter der auch 1744/45 die Burg Freiburg geschleift wurde, die sich 4km von der Ottilienkapelle entfernt befindet. Die letzten Restaurierungen fanden 1966/67 statt (wobei die heute sichtbaren Fresken freigelegt wurden) und von 2015 bis 2017, wobei eine automatische Belüftung der Quelle eingebaut wurde, um die zunehmende Feuchtigkeit und Schimmelbildung einzuschränken.

Neben den physischen Zerstörungen kündigte sich auch öfters das säkulare Ende dieser Kapelle an. 1770 wurde durch ein Einschreiten von Kaiser Joseph II. eine Schließung verhindert, der jedoch andere Kapellen zum Opfer fielen. 1785 kam es zur Schließung durch ein Kaiserliches Dekret, das auf Joseph II. ausgestellt war, was jedoch 1791 nach Protesten der Bevölkerung wieder aufgehoben wurde. Der sich daraus ergebende Bescheid verhinderte ebenfalls eine Schließung durch die Badische Regierung während der Säkularisation 1807.

Die Wallfahrer kamen früher hauptsächlich aus dem Elsass, Baden und dem Oberrheingebiet bis in die Schweiz und ist mit der Gaststätte nebenan ein beliebtes Ausflugsziel.



Anfangs hat mich diese Kapelle besonders wegen der Frage interessiert, ob hier tatsächlich so etwas wie eine Höhle besteht. In einigen Photographien war zwar die bekannte Vorderfront aus Kalksteinstücken mit den Figuren aus dem Jahre 1780 zu sehen; jedoch war nicht ersichtlich, ob es sich um eine echte Höhle mit Quelle oder nur einen Nachbau oder ein nachträglich selbstgebautes Brunnenhaus handelt. Was sich nur bei einem Besuch vor Ort begutachten lässt.

Die Höhle befindet sich in einem abgetrennten Bereich im Westen der Kapelle, die man durch eine gotische Tür betritt. Und hier fängt die Überraschung an, denn es geht über eine Treppe erst einmal drei Meter abwärts, wo sich die obig gezeigte künstliche Höhlenfront befindet.


Unterhalb dieser Aufschüttung befindet sich ein gemauerter Schachtzugang, der durch ein Gittertor verschlossen ist und aus dem über eine Rinne das Quellwasser abfließt. Und hier dürfte die Suche schon schnell wieder aufhören, wenn man zufälligerweise keine Taschenlampe bei sich hat.


Wie gesagt: Wenn man keine Taschenlampe dabei hat. Hat man eine dabei, dann kann man tatsächlich durch den gemauerten Schacht durchleuchten bis man an dessen Ende eine massive Höhle vorfindet, in der Richtung links locker ca. vier Personen Platz haben und sich Wasser in einer Böschung am Boden sammelt, das über eine Rinne nach außen gelangt.


Es lässt sich jedoch nicht mit Genauigkeit sagen, ob dies wirklich die Höhle gewesen ist, in der sich die heilige Odilia versteckt hat. Eine Untersuchung hat übrigens ergeben, dass das Wasser, das meist zum Auswaschen der Augen verwendet wurde, Radon enthält; ein ähnliches Wasser wird auch in den Vital Thermen in Menzenschwand bei St. Blasien im Schwarzwald verwendet.

Von einem Konsumieren würde ich persönlich abraten. Vor allem wegen der alten Wasserrinne, in der sich so Einiges angesammelt haben dürfte.


Die Wanderroute mit dem Kreuzweg beginnt bei der ehemaligen Kartause (kleiner Kreis), wobei es mehrere Wege zur Kapelle mit der Gaststätte gibt (großer Kreis):





O Gott, Du Licht der Völker,
Du hast die Hl. Ottilia durch Wunder verherrlicht und der Blindgeborenen im Hl. Sakrament der Taufe das Augenlicht gegeben. Wir bitten Dich nun vertrauensvoll:
Schenke uns auf ihre Fürbitte hin die Gesundheit des Leibes und der Seele, damit wir hier in diesem Leben mit den Augen unseres Leibes in der Schöpfung die Spuren Deiner Weisheit und Liebe sehen können und dereinst im anderen Leben Dich selbst unverhüllt schauen dürfen ohne Ende.

Durch Christus, unseren Herrn. Amen





Zu empfehlende Lektüren, die als Quelle dienten: 
- Hermann Bromer (Hrsg.): Wallfahrten im Erzbistum Freiburg. Verlag Schnell & Steiner, 1990. ISBN: 978-3-7954-0850-3. Da das Buch inzwischen vergriffen ist, wird eine Bestellung bzw. Anfrage in Antiquariaten oder auf Amazon empfohlen.
- Diese nette Festschrift der Erzabtei St. Ottilien
- Ihr Eintrag in dieser ausführlichen Legendensammlung