Samstag, 28. März 2020

Notizen zur Verehrung der heiligen Martyrerin Corona




Wie Pater Metz von der Petrusbruderschaft bereits angemerkt hat, hat die Wiederentdeckung der heiligen Märtyrerin Corona bzw. Stephana (lateinisch bzw. griechisch für "die Gekrönte" oder "die Bekränzte") durch die derzeitige Corona-Pandemie schon etwas von einer göttlichen Ironie an sich.

Auch für die Restaurateure  des Aachener Münsters kam die plötzliche internationale Bekanntheit - vor allem via Soziale Medien wie Twitter und Facebook - überraschend, die deren Reliquienschrein aus dem Jahre 1912 eigentlich für eine Ausstellung zum Thema Goldschmiedekunst herrichten wollten. Davor war der Schrein, der auch die Reliquien des römischen Märtyrers Leopardus enthält, praktisch 25 Jahre nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Auch davor bekam man wenig von ihr zu Gesicht. Der Bleischrein der Reliquien der beiden Heiligen wurde erst 1843 bei archäologische Grabungen im Aachener Dom wiederentdeckt und bis zu ihrer erneuten Öffnung 1910 in die Gruft zurückgelegt. Danach kamen sie in einem prunkvollen Schrein in die Michaelskapelle des Domes.

Nach Aachen - wo man noch heute die Grabplatte der Gruft sehen kann, unter der die Reliquien bis zur Umbettung 1912 lagen - kamen 997 Teile ihrer Gebeine zusammen mit denen des hl. Leopardus durch Kaiser Otto III. (dessen Mutter, Kaiserin Theophanu, übrigens die Verehrung des hl. Pantaleon förderte) aus Italien. Erworben hat er sie im umbrischen Ort Otricoli, wo noch heute Corona und ihr Mann bzw. ein Kamerad ihres Mannes, der hl. Victor, als Stadtpatrone verehrt werden. Teile der Reliquien beider Heiliger werden noch heute in einem steinernen Schrein im Dom von Osimo in Italien verehrt. Diese wiederum kamen erst durch die Erhebung 1191 durch Bischof Gentile an diesen Ort, davor wurden sie in dem Ort Castelfidardo in der Nähe von Osimo aufbewahrt, wo es schon damals eine ihnen geweihte Kirche gab, die auf einem ehemaligen heidnischen Heiligtum errichtet wurde. Eine generelle Verehrung in Nord- und Mittelitalien ist bis in das 6. Jahrhundert nachweisbar.

Offen müsste bleiben, WIE die Reliquien dorthin kamen - heißt es doch, dass die hl. Corona und der hl. Victor in Kleinasien gestorben sein sollen. Nach Italien selbst gelangten sie über Zypern aus Ägypten oder Syrien. Ungefähr hier verliert sich die historische Sicherheit, die bei älteren Märtyrern der Kirchengeschichte häufig auftritt - vor allem wenn sie aus dem Osten des Römischen Reiches stammen. Während es in griechischen Fassungen heißt, dass ihr Martyrium mit Victor in Syrien (Damaskus) oder Kleinasien (Antiochien) stattgefunden hätte, heißt es in der äthiopischen (!) Version, dass dieses in Alexandrien stattfand. Auch über das Jahr ihrer Hinrichtung gibt es verschiedene Angaben: Einmal um 177 unter Kaiser Mark Aurel, ein andermal um 303 unter Kaiser Diocletian, aus äthiopischer Quelle gar während der Regierungszeit von Antonius Pius, der 161 starb (was jedoch andere Quelle als das Geburtsjahr der 16-jährigen Märtyrerin angeben).

Auch dürfte ihre Hinrichtungsmethode sich für einige nach übertriebener Legendenbildung anhören, zu denen es leider auch oft bei Märtyrern des östlichen Römerreiches gekommen ist, da sich deren Geschichten wegen fehlender offizieller schriftlicher Zeugnisse schnell mit anderen Geschichten im Volk vermischten. Während Victor nach langer Folter, die ihn zum Abfall vom christlichen Glauben bewegen sollte, wurde er nach langem Procedere geköpft. Corona dagegen wurde wegen ihrem Bemühen, Victor erfolgreich zum Durchhalten zu ermutigen, auf eine besonders grausame Methode getötet: Zwei Palmen wurden mit großen Mühen bis zur Erde durchgebogen und sie an beide Enden gefesselt. Daraufhin ließ man die Enden beider Palmen wieder los, was zur Folge hatte, dass diese unter dem Druck des Stammes zurückschnellten und die angebundene Corona auf der Stelle in zwei Teile zerrissen.


Dass es sich hierbei um keine erfundene Hinrichtungsmethode handelt, zeigt ein Bericht aus dem 17. Band der Bücherreihe "Das Neue Universum" (Artikel "Die Strafe der Perser", Seite 43-45; Union Deutsche Verlagsgesellschaft Stuttgart) aus dem Jahre 1896. Um diese Zeit werden zwei verschiedene Todesstrafen im damaligen Persien noch praktiziert. Bei ersterer wird von dem Durchschneiden der Kehle eines auf dem Boden liegenden Kriminellen berichtet, bei der eine beabsichtigte mannshohe Blutfontäne entsteht, wobei der Schah hinter einem Vorhand verborgen, dieser Bestrafung beiwohnt, dem als Bestätigung das blutige Messer gezeigt wird. Bei der zweiten, die als "Vierteilung" bezeichnet wird, könnte es sich um die Hinrichtungsmethode der Corona gehandelt haben, die eventuell die Römer von den damaligen Orientalen übernommen haben wie es auch bei der Hinrichtungsmethode der Kreuzigung der Fall war:

[…] Die Vierteilung endlich, die zweite der Todesstrafen, die in früherer Zeit noch weit öfter zur Anwendung kam, geht es in folgender Weise vor sich. Zwei kräftige Bäume, die in der gehörigen Entfernung von mehreren Metern stehen, werden ausgewählt, an jedem Wipfel zwei Seile befestigt und daran die Füße der Verurteilten gebunden; zwei andere Seile werden gleichmäßig in der Höhe der Wipfel um den Stamm gewickelt und an ihren unteren Enden von zwei Gehilfen gehalten. Diese ziehen an den Seilen, die Wipfel der Bäume kommen in Berührung: in diesem Augenblick lassen die Gehilfen die Seile plötzlich los, die Bäume schnellen zurück - und jeder Baum trägt ein zerrissenes Glied des Unglücklichen. 


 



Weitere Reliquien gelangten bereits 965 nach Bremen, wo eine ausgeprägte Verehrung der Corona im dortigen Dom bestand, die auch durch Pilgerabzeichen nachweisbar ist. Ebenso findet man auf der Westempore eine Darstellung von ihr aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Spätestens mit der Reformation dürfte dieser Kult zum Erliegen gekommen sein.

 Ein weiterer Wallfahrtsort in Italien befindet sich im venetischen Feltre, wo Kaiser Karl IV. Reliquien bekam, die er nach Prag brachte. Bei Untersuchungen der Gebeine in Feltre stellte es sich heraus, dass es sich um Gebeine sowohl von einem Mann als auch von einer Frau handelte - was die gemeinsame Verehrung von Victor und Corona bestätigen dürfte. Nach weiteren Untersuchungen stellte sich heraus, dass diese aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus stammen und es wurden Pollen aus dem Mittelmeerraum gefunden. Nach den Angaben stammten die Reliquien aus Venedig, wohin sie nach ihrer Zwischenstation in Zypern von der damaligen kleinasiatischen Hafenstadt Alexandretta aus gelangten.

Die Gemeinde von Feltre hat auch ein Video (HIER auf Englisch) für Touristen veröffentlicht:



Im 14. Jahrhundert entwickelte sich im bayrischen und österreischen Raum eine breite Verehrung der Corona vor allem durch das Wirken der Benediktiner von Niederaltaich (die auch bei der Verbreitung der Ottilien-Verehrung eine Rolle spielten). Es entstanden auch Corona-Wallfahrtsorte ohne das Vorhandensein von Reliquien wie im österreichischen St. Corona am Wechsel, das zwischenzeitlich dank Internet ebenfalls zu internationaler Bekanntheit kam.

Im Volk wurde die Heilige, deren Gedenktag am 14. Mai (in der Ostkirche am 11. November) begannen wird, vor allem als Fürsprecherin bei Seuchen und Unwettern beliebt. Wegen ihres Martyriums gilt sie auch als Patronin der Metzger und Holzfäller, wegen ihres Namens "Corona" ("Krone") aber auch als Patronin der Schatzgräber und Anlaufstelle bei Geldangelegenheiten.

Das Bistum Augsburg hat in der Zwischenzeit eine PDF mit einer Novene zur hl. Corona veröffentlicht, die auch vom Bistum Aachen übernommen wurde, eine weitere Version wurde vom Kölner Domradio veröffentlicht.




Keine Kommentare:

Kommentar posten