Samstag, 25. April 2020

850 Jahre Martyrium von Thomas Becket von Canterbury und dessen misslungene Existenzvernichtung


Es dürfte bereits bekannt sein, dass mit der Reformation in England, die durch König Heinrich VIII. ausgelöst wurde, neben den Auflösungen und Plünderungen von Klöstern auch eine Welle an kultureller Zerstörung ausgelöst wurde, die zwar nicht so radikal wie die reformatorische auf dem Festland war, sich aber gezielt gegen Rom als Oberhaupt der Kirche richtete. Bekanntestes hier genanntes Beispiel wäre der Wallfahrtsort Walsingham, der jedoch im 19. Jahrhundert sowohl von Katholiken als auch von Anglikanern wiederbelebt wurde. 

Ein weit prominenterer Fall, der weit bis auf das Festland bekannt wurde, war die Zerstörung des Schreines des heiligen Erzbischofs und Martyrers Thomas Becket in der Kathedrale von Canterbury, dessen Gedenken nie wirklich ausgelöscht werden konnte und dessen Reliquien trotz angeblicher Vernichtung teilweise wiederentdeckt wurden.

Als Ausgangpunkt dieses Vandalismus werden die damals selbst für Außenstehende auffälligen Parallelen zwischen Thomas Becket, König Heinrich II. und der Frage nach der Handlungsmacht des Staates und Thomas More, Heinrich VIII. und der Macht des Königs in Kirchenangelegenheiten identifiziert. Beide Thomasse haben sich beiden Heinrichen in den Weg gestellt, wenn es um die Übermacht des Staatsoberhauptes gegenüber der universellen Kirche ging - und wurden dafür getötet. Deswegen sollte dieser antisäkulare Narrativ - der sich außerdem in der Kathedrale des englischen Krönungsbischofs in Canterbury befand - "korrigiert" werden.

Noch Anfang des 20. Jahrhunderts versuchte man, Thomas Becket als Beispiel des reaktionären Hinterwäldlers gegenüber des staatlich-gesellschaftlichen Fortschrittes darzustellen - wie der Schriftsteller Hilaire Belloc in seinem Werk "Europe and the Faith" aus dem Jahre 1920 zu berichten weiß. Zusätzlicherweise wurde er durch eine BBC-Umfrage 2006 zum "Schlimmsten Briten" nach Jack the Ripper (und definitv schlimmer als Oswald Mosley) gekürt - was eher für verstörtes Kopfschütteln sowohl bei Katholiken als auch bei Anglikanern sorgte und als nicht nachvollziehbarer Rufmord bezeichnet wurde. 

2020 kam dies wieder in den Fokus der Öffentlichkeit, da sich der Mord an dem Primas von England zum 850. Mal jährt. Der Vatikan lässt aus diesem Anlass sein blutbeflecktes Gewand leihweise nach Canterbury zurückkehren, das bisher in der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom aufbewahrt wurde (wo sich übrigens auch die schon einmal erwähnten Reliquien der Krippe von Bethlehem befinden). Auch das British Museum in London hat aus diesem Anlass eine eigene Ausstellung organisiert.


Das Leben des heiligen Thomas Becket
Geboren wurde Thomas Becket um 1118 in Cheapside im heutigen London (wo noch heute eine Plakette seinen Geburtsort anzeigt) am Fest des heiligen Thomas als Kind normannischer Eltern aus dem heutigen Frankreich. Einigen Legenden zufolge soll seine Mutter die Tochter eines Sarazenischen Fürsten gewesen sein, die sich in den Vater auf einem Kreuzzug verliebte und mit ihm  nach England kam. Mit 10 Jahren ging Thomas bei den Augustinern in London und bei der St. Paul´s Cathedral zur Schule.

1154 wurde Thomas Becket von Erzbischof Theobald zum Erzdiakon ernannt - ohne jedoch zum Priester geweiht zu werden - und übernahm in diesem Amt organisatorische und repräsentative Aufgaben, die ihm dementsprechende Pfründe einbrachten. Theobald empfahl 1155 König Heinrich II. bald Thomas wegen seines außerordentliches Fleißes für den vakanten Posten des Lordkanzlers, des zweithöchsten Amtes in England nach dem König. Thomas übernahm auch zeitweise die Erziehung seines Sohne, dem späteren König Heinrich dem Jüngeren. In dieser Zeit führte Thomas ein prunkvolles und für die damalige Zeit typisch lockeres Leben, sowie ein auffällig freundschaftliches Verhältnis zu Heinrich II. Thomas unterstützte auch dessen Interessen gegen den Erzbischof Theobald, dessen Rückruf er sich ebenfalls verweigerte.

Diese besondere Nähe zum König war es auch, die dazu führte, dass dieser ihn nach dem Tode Theobalds neben seiner Tätigkeit als Lordkanzler als Erzbischof von Canterbury haben wollte. Heinrich erhoffte sich dadurch eine leichtere Einflussnahme auf die Kirche, die auch viele Ländereien und Gutshöfe besaß. Thomas soll ihn schon zu diesem Zeitpunkt jedoch plötzlich gewarnt haben, dass diese Entscheidung nicht das Ergebnis bringen wird, dass sich der König erhoffe, was jedoch dieser wegen ihrer engen Freundschaft nicht weiter beachtete. Am 23. Mai 1162 wurde seine Wahl durch einen Rat aus Bischöfen und dem Adel bestätigt; am 2. Juni wurde er zum Priester geweiht, am Tag darauf zum Bischof.


Streit mit dem König um die Gerichtbarkeit über Kleriker
Es kam damit auch letztendlich zu dem Bruch, den Thomas dem König vorhergesagt hat. Thomas beendete als neuer Bischof nicht nur seinen bisherigen luxuriösen Lebenswandel und begann, ein asketisches Leben zu führen, sondern legte auch zum Ärger des Königs sein Amt als Lordkanzler nieder.

Auch ein Gesinnungswandel setzte ein, die die Frage nach der Gerichtbarkeit betraf: Soll ein Priester, der ein Verbrechen begeht, nur dem kirchlichen Gericht überantwortet werden oder zusätzlich dazu dem weltlichen Gericht, wie es der König forderte? Becket widersprach nun dem König. Dieser versuchte das traditionelle Kirchenwesen als königliche Oberhoheit über die regionale Kirche umzumünzen um eine größere Machtfülle zu erreichen - wie es später auch beim Investiturstreit im Deutschen Reich durch Kaiser Heinrich IV. versucht wurde -, die durch seinen Vorgänger bereits erodierte. Diese Streitigkeiten existierten schon zur Zeit des heiligen Anselm von Canterbury - Thomas´ und Theobalds gemeinsamen Vorgänger. Weiteres Wasser auf die Mühlen kam mit dem Fall Philip de Brios, einem Kanoniker, der 1163 beschuldigt wurde, einen Ritter getötet zu haben.

Heinrich versuchte auch, die übrigen Bischöfe gegen Becket aufzubringen. Im Januar 1164 verabschiedete er die Constitution of Clarendon im gleichnamigen Jagdschloss Clarendon Palace bei Salisbury. Die bisherige Regelung sah vor, dass zum Beispiel bei Mord ein Priester vom Klerus durch ein kirchliches Gericht offiziell ausgestoßen wurde. Heinrich verlangte nach dieser kirchlichen Höchststrafe eine nochmalige Bestrafung durch ein weltliches Gericht, was Verstümmelung oder die Todesstrafe zur Folge gehabt hätte, da der Priester nun ein Laie und somit dem König unterstellt sei. Die übrigen englische Bischöfe stimmten dem zu, Thomas hingegen kritisierte diese Handhabung als unnötige Doppelbestrafung und schloss sich als einziger Bischof der Ablehnung durch Papst Alexander III. an.


Da Becket dem König auf Anraten der Bischöfe zunächst beigestimmt hat, dann aber seine Meinung änderte und sich weigerte, diese Dokumente zu unterschreiben, wurde er im Oktober nach Northampton Castle geladen, um sich dem Vorwurf des Fehlverhaltens und der Missachtung königlicher Autorität zu stellen. Als der König ihm den üblichen Friedenskus verweigerte und sich damit ein Schauprozess verdeutlichte, floh Becket nach Frankreich, wo er von König Ludwig VII. herzlich aufgenommen wurde. Bis 1170 lebte er meist in der Zisterzienserabtei von Pontigny im Exil.

Der Streit ging aber weiter. Heinrich stellte immer wieder Strafanzeigen - nicht nur gegen Becket selbst, sondern auch gegen dessen Freunde, Unterstützer und seine Familie; bald richtete sich sein Zorn auch gegen den Orden, der ihn in Frankreich beherbergte: Die Zisterzienser. Becket dagegen antwortete mit kirchlichen Ausschlüssen und Interdikten gegen den König und die englischen Bischöfe.

Thomas bat Papst Alexander III., der sich in der Normandie aufhielt, seinen Rücktritt als Erzbischof von Canterbury anzunehmen, was dieser verweigerte. Dagegen sprach er sich für eine Versöhnung mit dem König aus, wozu er 1167 päpstliche Legaten zu Schlichtung schickte. 1170 waren die Verhandlungen so weit, dass Heinrich als Kompromiss Thomas erlaubte, nach England zurückzukehren, wo er von einer begeisterten Menge empfangen wurde.


Das Martyrium Beckets in der Kathedrale von Canterbury
Den finalen Siedepunkt erreichte dieser Streit im Juni 1170 durch die Krönung von Heinrichs Sohn durch drei Bischöfe. Da die Königskrönung alleine dem Primas von England, also Thomas Becket, vorbehalten war, exkommuniziert er die drei im November 1170. Der König - der sich zu diesem Zeitpunkt noch in Frankreich aufhielt - war so verärgert über diesen Schritt, dass er sich lauthals über Becket beklagte und auch dessen Verschwinden gewünscht haben soll - was die vier Ritter Reginald Fitzurse, Hugh de Morville, William de Tracy und Richard le Breton wahrscheinlich als freie Handlungsermächtigung verstanden und mit dem Schiff Richtung England in See stachen.

Am 29. Dezember 1170 machten sie sich zu Pferd auf nach Canterbury, wo sie den Erzbischof aufforderten, mitzukommen und sich vor dem König zu verantworten. Becket weigerte sich, worauf die Ritter ihre Waffen holten, die sie vor einem Baum bei der Kathedrale abgelegt hatten und ihre Schwerter schwingend in die Kathedrale stürmten, wo sich Becket im vollen Ornat zur Vesper begab. Die Mönchen, die angesichts der zornigen Ritter die Kathedrale verbarrikadieren wollten, ermahnte er, dass das Haus des Gebetes keine Festung sei.

Die anstürmenden Ritter brüllten, wo "Thomas Becket, der Verräter von König und Land sei", Becket antwortete, er sei kein Verräter und bereit, zu sterben. Sie verlangten lauthals, die Exkommunikation zurückzunehmen, was dieser verweigerte. Er widersetzte sich dem nun folgenden Versuch der Ritter, ihn aus der Kirche zu schleifen. Er wies Reginald Fitzurse darauf hin, dass dieser und dessen Männer ihm untergeordnet seien - sie führen sich jedoch wie Verrückte auf. Der Zorn Reginalds wurde dadurch zur Weißglut gebracht. "Weder Glaube noch Unterwerfung schulde ich dir gegenüber der Treue zu meinem König", rief dieser bevor er in Anwesenheit der übrigen Geistlichen in der Kathedrale mit dem Schwert auf den Kopf Beckets einhieb und auch die anderen Ritter auf den Erzbischof einschlugen, der trotz aufgebrochener Schädeldecke aufrecht stand. Nach dem dritten Schlag sank er wie im Gebet auf die Knie und brachte seine letztens Augenblicke des Leidens dem Herrn als Opfer dar mit den Worten: "Für den Namen Jesu und den Schutz der Kirche bin ich bereit, den Tod anzunehmen". Den letzten schweren Schlag versetze ihm ein Ritter, dessen Schwung mit solcher Gewalt ausgeführt wurde, dass die Schwertklinge auf dem Kathedralenboden aufschlug und zerbrach. Erst danach starb der Erzbischof.

Das wahrscheinlich verstörendste Detail dürfte eine geheimnisvolle fünfte Person gewesen sein, die die Ritter begleitete und oft nicht genannt wird. Der Mönch Edward Grim, der mit dem Vortragekreuz bei Thomas stand und durch einen der Schwerthiebe beinahe seinen Arm abgetrennt bekam, bevor er sich hinter dem Altar bei den übrigen Geistlichen in Sicherheit brachte, berichtet, dass ein fremder Kleriker bei dem Mord anwesend gewesen sei, der die Ritter begleitet hätte. Dieser trat auf das Genick des toten Bischofs und verteilte dessen aus der geöffneten Schädeldecke herausgefallene Gehirn mit dem Blut auf dem Boden der Kathedrale, um zu verkünden: "Wir können nun diesen Ort verlassen, Ritter. Der wird nicht noch einmal aufstehen."


Nachspiel und Heiligsprechung
Die Nachricht von diesem Mord erschütterte nicht nur das Königreich England, sondern auch den christlichen Kontinent. Es verbreiteten sich aber auch der Ruf seiner Heiligkeit: Als die Mönche seiner Leiche die liturgischen Gewänder abnahmen, um ihn für die Bestattung vorzubereiten, kam ein Büßerhemd zum Vorschein: Trotz aller kirchlicher Ehren und war er sich seiner persönlichen Sündhaftigkeit vor Gott bewusst und bemühte sich bis zum letzten Atemzug um Buße. Bald machten auch Meldungen um Wunder am Grab des beim Volk beliebten Erzbischofs die Runde. Am 21. Februar 1173 wurde er bereits von Alexander III. in der Kirche San Pietro im italienischen Segni heiliggesprochen.

Die vier Mörder flohen zunächst auf die Burg in Knaresborough. Sie wurden 1171 verhaftet und ihr Besitz vom König beschlagnahmt, der sich keine Mühe machte, diese zu beschützen. Nach ihrer Exkommunikation durch den Papst reisten sie nach Rom, wo sie von Alexander als Buße den Auftrag bekamen, 14 Jahre lang als Kreuzritter zu dienen. Über ihren Verbleib gibt es verschiedene Geschichten. Jedenfalls wurde von diesem Ereignis inspiriert die "Ritter vom heiligen Thomas" 1191 nach Vorbild des Deutschen Ordens gegründet, der offiziell wie alle englischen Orden 1538 unter Heinrich VIII. aufgelöst wurde.

Zu einem öffentlichen Bußgang des Königs zum Grab Beckets, wo er auch um Vergebung für diese Tat bat, kam es erst am 12. Juli 1174 während in der Zwischenzeit eine Revolte gegen ihn tobte. Die Kirche Saint Dunstan in Canterbury, wo der Bußgang seinen Anfang nahm, wurde später ebenfalls wie die Kathedrale zu einem bekannten Pilgerziel. Dorthin brachte später auch Thomas More´s Tochter dessen Abgeschlagenen Kopf, der - nachdem er nach dessen Hinrichtung auf einem Spieß auf der London Bridge eine Zeit lang ausgestellt war - eigentlich in die Themse geworfen werden sollte.

Der Gedenktag Thomas Beckets wird offiziell am 29. Dezember begannen; als kleinere Gedenktage gelten die Übertragung seiner Gebeine am 7. Juli und sein "zweites Martyrium" durch die Zerstörung der Reliquien am 19. August.


Der Schrein mit den Reliquien in der Kathedrale von Canterbury
Aus Angst vor Beschädigung oder sogar den Diebstahl der Reliquien, wurden diese in einen speziellen Sarkophag in der Krypta beigesetzt, die durch einen niederen Schrein aus einer Steinplatte mit der Oberkirche verbunden war und die noch heute auf den sogenannten "Miracle Windows" im Chor der Kathedrale von Canterbury dargestellt ist. Durch Öffnungen konnten Pilger das Grab berühren und küssen, während ein Wachposten das Geschehen überwachte. Wie der erste Schrein ausgesehen haben dürfte, zeigt diese 3D-Rekonstruktion der Universität York und dem dortigen Centre for the Study of Christianity & Culture, wo auch weitere hervorragende Rekonstruktionen englischer Kirchen und Heiligtümer vorhanden sind.

1220 wurden zum fünfzigsten Jahrestag des Martyriums die Gebeine in einen neuen goldenen und mit Edelsteinen besetzten Hochschrein hinter dem Hochaltar übertragen. Dieser Schrein (3D-Rekonstruktion ebenfalls hier zu sehen), der mit dem noch heute erhaltenen des heiligen König Eduard dem Bekenner in der Westminster Abbey verglichen werden kann, war es auch, der 1538 auf Geheiß Heinrichs VIII. zerstört wurde, nachdem das Fest des Heiligen bereits 1536 durch königliche Beamte unterdrückt wurde. Die Stelle, an die er gestanden hat, und sich im Chor in der Nähe des Grabmals des "Schwarzen Prinzen" befindet, wird heute für Besucher oft durch einen Kerzenleuchter mit einer brennenden Kerze markiert. Es gab auch Pilgerzeichen, die den Schrein komplett darstellten - wie diese schöne Kopie, die im Pligershop von Walsingham angeboten wird.

Für die beim Martyrium abgeschlagene Schädeldecke, mit der die Ritter auch den Teil des Kopfes mit der gesalbten Klerikertonsur abschlugen, ("Corona") wurde in einer nach ihr benannten "Corona Chapel" am Ende des Kathedralenchores verwahrt, die noch heute erhalten ist. Die Reliquie an sich ging jedoch ebenfalls wie die Gebeine verloren.


Entdeckung vermutlicher Reliquien im Jahre 1888
Obwohl die Gebeine zugleich mit dem Schrein 1538 verbrannt worden sein sollen, hielt sich scheinbar wie in Walsingham die Hoffnung, dass diese eventuell doch noch rechtzeitig beiseite geschafft werden konnten. 1888 wurde unter der Kathedrale ein Skelett gefunden, das man dem heiligen Erzbischof zuordnete. Skeptiker stellten das schnell in Frage - wenn die Gebeine von Thomas Becket 1538 nicht wie offiziell behauptet verbrannt wurden, könne man dann überhaupt noch der offiziellen reformatorischen Geschichtsschreibung an sich trauen wie sie bisher in der englischen Gesellschaft  überliefert wurde?

Die Beteiligten der Grabung in der Krypta der Kathedrale wiesen darauf hin, dass die Knochen von einem großen Mann stammen, der mehrere Löcher im Schädel aufweist - was eventuell auch auf einen Krieger mit Verletzungen hinweist. Doch die Knochen des Skeletts wurden in diesem Fall in einem deutlich kleineren Sarg nach einer nochmaligen Umbettung beigesetzt, scheinbar hastig hineingeworfen und ein einem Bereich in Bodennähe vergraben, wo eigentlich sonst niemand beigesetzt worden sein dürfte. Was für Viele die Möglichkeit plausibel macht, dass doch irgendjemand die Gebeine heimlich beiseite geschafft hat und ein anderer Leichnam dafür von den Beamten verbrannt worden sei.

Nach aggressiven Debatten, die besonders durch das gesteigerte Interesse am vorreformatorischen katholischen England Beckets und der zunehmenden Kritik an Herrscher wie Heinrich VIII. sowie dem Auftreten der sich auf den universellen römischen Katholizismus zurückbesinnende Oxford-Bewegung angeheizt wurde, wurden die Gebeine im Februar 1888 wieder in ihrem Sarg in der Krypta ohne weitergehende Klärung dieses Falles beigesetzt. Agnes Holland, eine Anglikanerin, die sich öffentlich sehr für die Authentizität einsetzte (aber zugleich selbst eine Herausgabeforderung der Katholiken fürchtete), platzierte ein Leichentuch aus Seide und Spitzen, das sie mit ihrer Mutter angefertigt hatte, über den Knochen, die zusammen mit einem Auffindungsbericht wieder begraben wurden. Auch heute gibt es dazu kein offizielles Ergebnis.


Popkultur und Pilgerwesen
Trotz versuchter Existenzvernichtung (auch Versuche, Darstellungen von ihm das Gesicht zu zerkratzen und ganze Messbucheinträger unkenntlich zu machen) gelang es nie wirklich, den unbequemen Erzbischof von Canterbury loszuwerden. Zu sehr haben sich Erinnerung und Tradition mit ihm verbunden.

Archäologen stießen immer wieder auf damalige Hinterlassenschaften der Pilger, zu denen auch Darstellungen des Schreines von Canterbury zählen, was von der damals ungeheuren Popularität des Wallfahrtsortes zeugt. Gleichzeitig verbreiteten sich damals auch Lieder über den Heiligen, die seinen Ruf unter Pilgern und der Bevölkerung an sich ebenfalls bekannt machten. Neben dem Leben des Thomas Becket des Mönches und Augenzeugen Edward Grim sowie von Beckts Berater William Fitzstephen und einem Abschnitt in der in ganz Europa verbreiteten Legenda Aurea von Jacobus de Voragine wurde Becket und seinem Wallfahrtsort Canterbury vor allem durch die Canterbury Erzählungen von Geoffrey Chaucer ein indirektes literarisches Denkmal gesetzt.

Später intressierten sich auch modernere Schriftsteller wie T.S. Eliot ("Mord im Dom") und der Deutsche Conrad Ferdinand Meyer ("Der Heilige") für die Geschichte um den Mord am Erzbischof von Canterbury. 1964 wurde das Bühnenstück Becket bzw. Becket oder Die Ehre Gottes vom Dramatiker Jean Anouilh für das Kino verfilmt.


Ein Pilgerweg existiert heute übrigens immer noch, auf den auch unter anderem die anglikanische Kathedrale von Canterbury hinweist.

 In der Stadt Canterbury gibt es übrigens eine eigene katholische Kirche gleich in der Nähe der Kathedrale, die 1875 im Stile des englischen "Gothic Revival" vollendet wurde und dem heiligen Thomas Becket geweiht ist. Dort werden sogar ein Stück Stoff aus der Kleidung Beckets sowie ein Knochenfragment von ihm aufbewahrt, ebenso Reliquien von Thomas More, John Fisher, Gregor dem Großen, Augustinus von Canterbury und Oscar Romero.

Nach seiner Heiligsprechung wurde er zum zusätzlichen Schutzpatron der Saint Paul´s Cathedral in London ernannt, da er seine Kindheit in der Nähe dieses Gotteshauses verbracht hat. Wegen des Hopfens, der aus der Grafschaft Kent, wo auch die Stadt Canterbury liegt, geliefert wurde, galt er als Schutzpatron der Londoner Bierbrauer - dass auch Pubs nach ihm benannt wurden, sollte an dieser Stelle ebenfalls nicht sonderlich überraschen. Auf dem Siegel der 1178 gegründeten Arbroath Abbey taucht Becket mit kompletter Darstellung des Martyriums auf.

Auf der 1209 vollendeten London Bridge gab es eine ihm geweihte Brückenkapelle, die während der Reformation 1548 aufgelöst und letzte Reste von ihr beim Abbruch der Brücke 1832 abgetragen wurden. Doch auch hier blieb die Erinnerung erhalten: So fand 2011 dort eine Prozession mit den Reliquien Beckets statt.

Für Heraldiker dürfte Thomas Becket ebenfalls sehr interessant sein. Denn sein Wappen mit dem silbernen Hintergrund und den drei als auf den Kopf stehendes Dreieck angeordnete Alpenkrähen findet man öfters bei Darstellungen des Heiligen, aber auch bei mit ihm sich identifizierenden Gemeinden und Einrichtungen. Ein sehr schönes Beispiel hierfür gibt es in der katholischen Pfarrkirche Saint John Fisher in Rochester/Kent (wo Fisher bis zu seiner Verhaftung und Hinrichtung Bischof war) , wo er auf der rechten Seite (gegenüber vom heiligen Thomas Morus, ebenfalls mit Wappen) abgebildet ist.



Aber auch außerhalb der Britischen Insel schaffte es Thomas Becket zu Popularität. In Terrassa, einer Stadt bei Barcelona, existiert noch heute eine Darstellung seines Martyriums aus dem Zeitraum von ca. 1200; eine weitere Darstellung seiner Lebensgeschichte (ca. 1250) befindet sich im Braunschweiger Dom. In der normannischen Kathedrale von Monreale auf Sizilien befindet sich sogar ein Mosaik Beckets aus dem 12. Jahrhundert im Chor unter dem Christus Pantokrator und der Theotokos.  Teile des um 1436 vom Dominikanermönch und Maler Meister Francke im Auftrag einer Hamburger Kaufmannschaft für ihre Kapelle hergestellte sogenannten Englandfahrer-Altar sind heute in der Kunsthalle Hamburg zu sehen.

Auch auf Protestantischer Seite taucht Thomas Becket vereinzelt auf. Neben seiner traditionellen Erinnerung bei den Anglikanern wäre hier auch die Lutheranische Sankt-Thomas-Kirche in Filefjell in Norwegen zu nennen, die an der Stelle einer früheren dem Thomas Becket im 12. Jahrhundert geweihte Kirche errichtet wurde, die trotz Beliebtheit beim Volk, das dorthin sogar Pilgerfahrten unternahm, 1808 abgerissen und erst 1971 wieder in moderner Form wiedererrichtet wurde.

In der Kathedrale von Canterbury befindet sich außerdem ein moderner Altar, der mit einem mit Schwertern flankierten Kreuz die Stelle markiert, an dem Thomas Becket erschlagen wurde. 1982 besuchte Papst Johannes Paul II. auf seiner Englandreise diesen Ort, wo er mit dem damaligen anglikanischen Erzbischof von Canterbury Robert Runcie gemeinsam betete.


Übrige Reliquien Beckets und diverse Wunder auf seine Fürsprache
Neben den verlorenen Hauptreliquien in Canterbury existieren noch andere kleinere Reliquien, die um 1220 aus dem Schrein entnommen wurden. 2016 fand eine Pilgerfahrt zu einem Reliquienfragment statt, dass man aus Ungarn ausgeliehen hat. Eine weitere Reliquie gelangte nach Paderborn, wo es für deren Ankunft sogar einen eigenen Gedenktag gibt, den 7. Juni. Auch für Braunschweig sind Reliquien verzeichnet, die wahrscheinlich im Imervard-Kreuz platziert wurden. Thomas Becket taucht hier im Evangeliar Heinrichs des Löwen (dessen Frau Mathilde eine Tochter König Heinrich II. war) auf und wurde neben dem heiligen Johannes dem Täufer und Blasius zum dritten Schutzpatron des Braunschweiger Domes bei dessen Weihe 1226.

Mehrere Reliquien gelangten auch nach Frankreich, wo in einigen Museen noch die dazugehörigen Reliquiare zu finden sind. Die Kathedrale von Sens - wo sich auch mehrere Buntglasfenster befinden, die das Leben von Thomas Becket zeigen - ist im Besitz einer angeblichen Stola und anderer Gewänder des Heiligen. Im Metropolitan Museum in New York wird ein ehemaliges Reliqienamulett von ca. 1174-77 aufbewahrt, das Prinzessin Margaretha von Sizilien aus dem Hause Staufen gehörte und unter anderem eine Blutreliquien von Becket enthalten haben soll. Man beachte hier ebenfalls die historische Verbindung der sizilianischen Normannen mit denen am Ärmelkanal.

In der letzten Zeit kam Thomas Becket auch im englischsprachigen Teil der katholischen Kirche - besonders in Amerika - in den Fokus, denn eine Zielgruppe hat ihn ganz gewiss nicht vergessen: Die Dämonen.

Pater Carlos Martins, der eine berühmte Sammlung von geretteten Reliquien besitzt und regelmäßig ausleiht, lieh einem Exorzisten eine von Thomas Becket aus, nachdem dieser feststellte, dass bei einem von ihm durchgeführten Exorzismus der Dämon diesen als seinen schlimmsten "Erzfeind" bezeichnete. Was übrigens seine Wirkung zeigte, als der Priester die Besessene alleine mit dieser kleinen Überraschung berührte. Von diesem Fall berichtet auch Charles D. Fraune in seinem Buch "Slaying Dragons: What Exorcists see & What We Should Know".

Doch auch damals überraschte der Heilige seine Zeitgenossen mit auffälligen Wundern auf seine Fürsprache hin. Zwei Mönche notierten innerhalb von zehn Jahren insgesamt 703 Wunder, die erst an Beckets Sarkophag, dann in der ganzen Krypta, der gesamten Kathedrale, dann in Canterbury und England selbst und Ländern wie Frankreich, die Normandie und Deutschland. Neben Heilungen von Blindheit erfolgten auch Heilungen von Lepra und Epilepsie. Zu letzterem Fall wird von der Nonne Petronella von Polesworth berichtet, die von North Warwickshire nach Canterbury reiste und ihre Füße am Grab des Heiligen im "Wasser des Heiligen [Thomas Becket]" (mit einem speziellen Segen oder sogar einer Reliquie gesegnetem Wasser?) baden durfte und Heilung erfuhr, was mit anderen Wundern im "Miracle Window" der Kathedrale dargestellt wurde.

Eine Sammlung englischer Gebete und Novenen zu Ehren des Thomas Becket wurden von Fr. John Hogan aus Irland zusammengestellt und in einem Buch mit dem Namen "Devotions to St. Thomas Becket" veröffentlicht.


Gott, für dessen Kirche der glorreiche Bischof Thomas durch die Schwerter der Frevler gefallen ist, gewähre, so bitten wir, dass alle, die seine Hilfe anflehen, die heilsame Wirkung ihrer Bitten erlangen. Durch unseren Herrn. 
Oration zum Gedenktag des heiligen Thomas Becket am 29. Dezember




Weitere Empfehlenswerte Homepages und Bücher:

- Kathedrale und Museen der Stadt Canterbury
- Homepage der Pfarrkirche St. Thomas Becket in Canterbury
- Homepage des Pilgerweges nach Canterbury
- Ausstellungs-Homepage des British Museum in London
- Die Homepage des Centre for the Study of Christianity & Culture
- Homepage über die Constitutions of Clarendon und deren Hintergründe
- Fr. John Hogan´s Novenen- und Gebetssammlung zu Thomas Becket
- "Slaying Dragons" von Chalrs D. Fraune



Donnerstag, 23. April 2020

Pius XII., der Holocaust - und täglich grüßt der Hubert Wolf



Michael Hesemann teilt wieder mal ordentlich aus - und zurecht, denn Hubert Wolf verkauft mal wieder aus dem unterschlagenen Kontext gerissene Feststellungen als skandalöse Neuheiten, die der Öffentlichkeit vorenthalten worden wären. Auch schon vorher hat sich Hesemann, der ebenfalls an der Untersuchung der freigegebenen Akten der Vatikanische Archive zur Zeit des Zweiten Weltkriegs beteiligt ist, zu verschiedenen Fragen um das Verhalten Pius´XII. in dieser Zeit auf kath.net geäußert.


[...] Dabei schreckt er nicht einmal davor zurück, die Verschwörungsthesen des US-Journalisten Kertzer mit einem Jubel-Vorwort abzusegnen, der Kardinalstaatsekretär Pacelli bezichtigte, im Auftrag Mussolinis die letzte Enzyklika Pius XI. vernichtet zu haben. Tatsächlich war der erste Entwurf dazu so grottenschlecht, dass der Papst ihn kurzerhand an die Autoren zurückschickte – bis er dann, ein paar Jahrzehnte später, doch noch publiziert wurde. 

Noch vor einem Jahr forderte Wolf, die Seligsprechung zu verschieben, bis die Akten Pius XII. in den Vatikanarchiven für die Forschung zugänglich seien. Jetzt, zum 2. März, gab Papst Franziskus 15 Millionen Dokumente frei – und Wolf verlangt, wieder zu warten, wohl bis er das letzte davon persönlich ausgewertet. Dass zu diesem Zeitpunkt bereits drei historische Kommissionen im Auftrag Pauls VI. und Benedikts XVI. alle Akten durchforstet hatten, verschweigt Wolf dabei geflissentlich; diese standen ja auch nicht unter seiner Federführung. Stattdessen reiste er selbst mit einigen seiner Studenten und Hilfswissenschaftlern am 2. März 2020 in Rom an, belegte 6 der 25 bewilligten Arbeitsplätze im Vatikanarchiv und musste nach fünf Tagen bereits wieder abreisen; die Corona-Pandemie hatte auch den Vatikan erreicht, die Archive schlossen und sind bis heute nicht mehr zugänglich.

Da ich selbst vom 2. bis 6. März als Historiker im Auftrag der jüdischen „Pave the Way Foundation“, oft nur wenige Meter vom „Wolfs-Rudel“ (wie wir sein Team liebevoll nannten) entfernt, im selben Archiv die gleichen Akten durchforschte, bin ich sicher kompetent, seine „ersten Erkenntnisse“ in der causa zu bewerten. Diese veröffentlichte Wolf am heutigen Donnerstag in der „Zeit“ – ein ziemlich gewagtes Unterfangen angesichts der Tatsache, dass nur fünf Tage zur Verfügung standen und das Forschungsprojekt coronabedingt abgebrochen werden musste. Umso verwunderlicher, dass der Münsteraner hier versucht, Altbekanntes als seine Neuentdeckung zu verkaufen. […] 



Seelsorge in Zeiten des Corona-Virus 6: Priesterlicher Maskenball


Mit der Maskenpflicht steht natürlich die Frage im Raum, welche Maske für einen selbst passt.
Nicht jeder will wie ein blutiger Sanitätsanfänger durch die Straßen laufen, also hat sich in der Zwischenzeit ein reger Maskenhandel etabliert. Auch Marke Eigenbau ist nun angesagt.

Auf Facebook wird derzeit auch für diese Masken Werbung gemacht - die anscheinend tatsächlich von jemandem hergestellt werden.

 


Sieht ein wenig surreal und eher nach einem geeigneten Anlass zum Osterlachen aus.
Aber es gibt bisweilen auch lustigere Ideen.

 



Mittwoch, 22. April 2020

Die Pfarrkirche Petrus in den Ketten in Rust bei Freiburg




Nachdem im vorangegangenen Posting bereits die Grabkapelle von Pfarrer Andreas Jerger genannt wurde, wäre es aus kirchenhistorischer und - vor allem - ästhetischer Sicht auch ratsam, auch die Pfarrkirche des Dorfes Rust zu nennen, die als einer der Wenigen in der Gegend dem Apostel und Fischerpatron Petrus geweiht ist.



Das Dorf (mit einer bisweilen oft streitbaren Einwohnerschaft) wurde bis zur Rheinbegradigung unter Johann Gottfried Tulla wie andere Fischereigemeinden am Rhein öfters von Hochwasser heimgesucht. Be-und Entwässerungsgräben und Schleusen aus Holz mit Sandsteinernen Fassungen durchziehen noch heute viele Äcker, was man besonders gut auf der Strecke Herbolzheim-Rheinhausen/Niderhausen (wo sich auch übrigens eine sehr nette Prioratskirche der Piusbruderschaft befindet) -Rust jeweils auf der rechten Seite sehen kann.

Eine ältere Kirche existierte hier in Form einer sogenannten "Chorturmkirche" bereits um 762, deren Unterhaltung aufgeteilt wurde: Für den Unterhalt des Chorturmes war der Zehntherr dieser Gegend, die zum Bistum Straßburg gehörte, zuständig - in diesem Fall das Kloster Ettenheimmünster, bei dem auch der schottische Missionar und Heilige Landelin bestattet liegt; für das Langhaus war die Gemeinde zuständig. Diese Regelung dürfte auch die teilweise unproportionale Bauweise vieler mittelalterlicher Dorfkirchen erklären. Aus der Erwähnung im sogenannten "Eddo-Testament" geht auch hervor, dass diese Kirche schon damals dem Apostel Petrus geweiht war.



1728 wurde von der Gemeinde ein neues Langhaus gebaut. 1731 willigte erst der Abt von Ettenheimmünster ein, einen anständigen Chor und Turm bauen zu lassen, was vom Baumeister Peter Thumb ausgeführt (der auch im Kloster Ettenheimmünster, in St. Trudpert in Münstertal, St. Peter auf dem Schwarzwald und St. Ulrich im Schwarzwald beschäftigt war) und 1737 beendet wurde. Nachdem man sich 1840 einem total baufälligen Dachstuhl zuwenden musste, erfolgte bis 1888 unter dem bereits obig erwähnten Pfarrer Jerger diverse Erweiterungen. Das Langhaus wurde verlängert und ein neuer Sakristeianbau hinzugefügt - davor befand sich die Sakristei im Turm; bis 1907 erfolgte der Anbau der Seitenschiffe.

Von 1952 bis 1954 fanden wiederum Umbauarbeiten statt, bei denen der Innenraum der Kirche um 180° gedreht wurde: Der Chorraum wurde auf die bereitere Westseite verlegt, die Empore mit der Orgel kam nun an den Platz des ehemaligen Chores.

Vom Karlsruher Maler Reinhard Dassler wurden außerdem moderne Deckengemälde u.a. mit der Darstellung des Jüngsten Gerichts und der Schlüsselübergabe an Petrus hinzugefügt. 2012 kam ein Detail des Jüngsten Gerichtes kurzzeitig wieder in die Schlagzeilen: Während der Berichterstattung um den Trauergottesdienst für einen im benachbarten Friesenheim bei der Kirche ermordeten Hells Angel wurde darauf verwiesen, dass auf dem Gemälde zwei sich prügelnde Rocker zu erkennen seien.

In den 1990ern kam es zu einem Brand im Beichtstuhl, wobei durch den Ruß die Deckengemälde in Mitleidenschaft gezogen, die jedoch wieder gereinigt werden konnten - auch wenn man angeblich an einigen Stellen noch Verdunkelungen dieser Zeit erkennen soll.

 


Trotz ihrer bewegten Baugeschichte, ist die Ruster Kirche ein wunderschönes Beispiel, dass der Erhalt bzw. die Pflege einer dörflich-gemeinschaftlichen Kirchengestaltung in modernen Zeiten möglich und auch entsprechend umsetzbar ist. Das zeigen neben dem Erhalt und der Platzierung  älterer barocker Altäre (und eines entsprechend würdevoll gestalteten Volksaltares samt Ambo)...


… auch die Gestaltung der barocken Fenster, die auffällige Gemeindewappen und -zeichen enthalten sowie auch die Wappen der Böcklins von Böcklinsau mit zwei Vertretern dieses Geschlechtes in kniender Stifterhaltung wie es in Darstellungen des Spätmittelalters und der Renaissance der Fall war. Im Ort sind von dieser Familie, die ab 1442 mit diesem Ort belehnt wurde, vor allem das Schloss Balthasar, das "Balzare-Schlösschen" sowie eine Marienkapelle mit Grablegen erhalten, die sich heute auf dem Gelände des angrenzenden Europa Parks befindet.

 


Auch zwei volkstümliche Heilige fallen hier ins Auge: Der heilige Wendelinus, Schutzpatron des Viehs und Helfer gegen Viehkrankheiten, und der traditionelle Pestheilige Sebastian.

 

Letzterem wurde im Laufe der letzten Wochen beim Pieta-Altar der Kirche eine eigene Fürbitt-Ecke eingerichtet; auch liegen Heftchen für eine "Feierstunde zu Ehren des heiligen Sebastian" aus. Bisher ist das die einzige deutsche Kirchengemeinde gewesen, wo ich solch ein situationsgedingtes Wiederaufleben eines Pestheiligen als persönlichen Fürsprecher während der Corona-Pandemie sehen dufte. Meinen ganz großen Respekt an dieser Stelle für die Ruster Kirchengemeinde.

Vor der Kirche findet man ein weiteres auffälliges Zeugnis der Volksfrömmigkeit:
Dort wurde eine Figur des erst 1947 heiliggesprochenen Bruder Klaus von Flüe errichtet, dessen Wallfahrtsort in der deutschsprachigen Schweiz auch heute noch von vielen Pilgern aus dem Erzbistum Freiburg (sogar aus den nördlichen Regionen bei Speyer) regelmäßig besucht und weiterempfohlen wird.

 



Montag, 20. April 2020

Die St. Josefskapelle auf dem Friedhof in Rust bei Freiburg



Bei einer kurzen Recherchereise in die Gegend um Ettenheim kam ich an dem Dorf Rust bei Freiburg vorbei - genauer gesagt: Habe es direkt angepeilt, weil wegen Corona-Einschränkungen derzeit die dortigen Hotel-Parkplätze des Europa-Parks leer sind und daher sehr schöne Photomotive darstellen.

Auf dem Weg fand ich dann auch dieses Schmuckstück von Friedhofskapelle, über deren Erbauer das dort angebrachte Schild "Historisches Rust" unter "St. Josefskapelle - Grabstätte von Pfarrer Andreas Jerger" folgende Auskunft gibt:


Pfarrer Andreas Jerger, geboren a, 28.1.1848 in Niedereschach (Schwarzwald-Baar-Kreis), war von 1886 bis 1917 in Rust tätig. 1874 wurde er in St. Peter zum Priester geweiht. Alle 35 Neupriester mussten ein vom badischen Staat gefordertes Staatsexamen ablegen. Auf Anweisung des Bischofs weigerten sie sich. Der ganze Jahrgang übt daraufhin ohne Staatsexamen das Priesteramt aus und landete im Gefängnis. Nach der Verbüßung zweier Haftstrafen von zusammen 57 Tagen verließ Andreas Jerger seine Heimat uns trat seine Stelle im österreichischen Mähren an. Dort blieb er, bis 1880 das Examengesetz aufgehoben wurde. Sein Weg führte ihn dann über Grafenhausen und Wagenstadt nach Rust.

Neben seinen geistlichen Aufgaben war Andreas Jerger ein Helfer und Berater seiner Pfarrkinder. Er verstand etwas von der Landwirtschaft, dem Obstbau und war Imker.
Bereits 1886 errichtete der umtriebige Pfarrer in Rust die Bruderschaft vom Heiligsten und Unbefleckten Herzen Mariä. 1897 gründete er eine Jungfrauencongregation. Darüber hinaus machte er sich verdient um die Einrichtung einer "Kleinkinderverwahranstalt" 1890/92 und einer Nähschule sowie um die Gründung eines Kreditvereins. In seiner Amtszeit in Rust fielen auch die Erweiterung der Kirche nach Westen 1888, die Anschaffung einer neuen Turmuhr 1890 und der Anbau der Beiden Seitenschiffe 1906.

Gestorben ist der geachtete und beliebte Pfarrer mit 69 Jahren nach 31-jähriger Tätigkeit in Rust am 14. November 1917. Er wollte gerade seine Dienstreise antreten, da sank er am Bahnhof von Ringsheim tot zu Boden. Seine Grabstätte ist hier in dieser Kapelle, die er in den Jahren 1896/97 aus eigenen Mitteln hatte erbauen lassen. 


 


Man findet auf der Grabplatte auch diese Anmerkung, die heutzutage nur noch sehr selten findet - besonders an Priestergräbern:


Auch dies Art von Gedenk-Grabplatte eines 1964 mit nur 21 Jahren Verunglückten an der Außenwand der Josefskapelle findet man heute eher selten im Schwarzwälder Kulturkreis. Vielleicht noch im Allgäu, in Österreich oder in Südtirol, wo bestimmte Traditionen trotz Bevorzugung formal-deutscher Grabkultur weitergeführt werden.





Mittwoch, 15. April 2020

Kardinal Pell: "Für Nichtchristen ist jedes weltliche Gericht das letzte Gericht"


Ein wirklich interessantes und gelungenes Interview von Journalist Andrew Bolt auf Sky News mit Kardinal George Pell, der letzte Woche nach langem medialen und gesellschaftlichem Kesseltreiben vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs vom High Court Australia freigesprochen und aus dem Gefängnis entlassen wurde*.




[…]
BOLT: Ein Christ zu sein - hat das Ihnen geholfen, da durchzukommen? 

PELL: Es gibt keinen Zweifel darüber. Ich meine, dass ist das, was christlich... Wenn man nicht beten kann. wenn man in Schwierigkeiten ist, dann ist der Glaube wirklich sehr schwach. Und eines der seltsamsten Lehren des Christentums - und die am meisten nützliche Lehre -, ist dass man sein Leiden aufopfern kann. Leiden ist nicht einfach eine brutale Realität, das kein... Ich meine, manchmal warnt das Leiden vor einer Krankheit; manchmal ist Scherz einfach nur schrecklicher, schrecklicher Schmerz. Nun, ein Christ kann das dem guten Gott aufopfern...

BOLT: Sie haben nie gesagt: "Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?"

PELL: [Lacht] Nein, aber ich habe gefragt: "Mein Gott, mein Gott, was hast du nur vor?"

BOLT: Und was hat er vorgehabt?

PELL: Ich weiß es nicht. 

BOLT: Was ist der Sinn von dem Ganzen? Welchen Trost zieht man daraus?

PELL: Der Trost besteht darin, dass ich gereinigt wurde. 

BOLT: Aber nicht bevor sie durch absolute... 

PELL: Aber letztendlich wurde ich gereinigt. Und ich meine: Da draußen waren tausende - wenn nicht noch mehr - Menschen auf der ganzen Welt, die für mich gebetet haben. Und ich denke ernsthaft, dass ein Grund, warum ich mit dem Unglück zurechtkommen konnte, war das Gebet all dieser Menschen. 

BOLT: Was kann der Rest von uns daraus lernen?

PELL: Na ja, ich sage: Der Glaube ist Hilfe. Ich sage: Es gibt einen Gott, er ist an uns interessiert, er ist gut, er hat komische Wege, Christus erklärt uns, um was es im Leben geht und dass man auch im schlimmsten Leiden Sinn finden kann. 
[…]




*Dem vorangegangene Artikel auf diesem Blog vom letzten Samstag wurden auf expliziten Hinweis eines Lesers übrigens zwei Korrekturen und der Abschnitt "EXKURS: Der Fall "Billy Doe" und das Rolling Stone Magazine" hinzugefügt. Inzwischen kam bezüglich der Polizei und der Lokalpolitik übrigens noch mehr an die Oberfläche.


Samstag, 11. April 2020

Die Pell-Affäre und ihre willigen Vollstrecker


„Die einzige Grundlage für eine dauerhafte Heilung ist die Wahrheit“
Kardinal George Pell

Am Montag wurde nach einem Berufungsverfahren vor dem High Court Australia die Verurteilung von Kardinal George Pell wegen des angeblichen Missbrauchs zweier Chorknaben aufgehoben. Kurze Zeit später kam Pell auf freien Fuß und begab sich in den Karmel in Kew bei Melbourne, wo sich derzeit die Reliquien seiner Lieblingsheiligen Theresia von Lisieux befinden, die dann anschließend ihre Tour durch Australien fortsetzen.

Nicht nur für den Kardinal, aber auch für viele Katholiken stellt dies eine Erleichterung dar, als die sieben Höchstrichter die Verurteilung wegen horrender Fehler während des Verfahrens als nicht gültig beurteilt haben, was zur 404-tägigen Haft von Pell führte. Aber es dürfte nicht das Ende der öffentlichen Gehässigkeit sein, die nicht nur gegen den Kardinal, sondern sogar gegen die Kirche generell gerichtet ist und dieses Urteil bisher als offizielle Bestätigung der Bösartigkeit (sic!) Pell´s und der Institution Kirche betrachtete.


Aber zunächst der Reihe nach. Um was ging es bei diesen Verhandlungen?

Kardinal George Pell wurde vorgeworfen, Ende 1996 einen zwölfjährigen und einen elfjährigen Jungen (anderen Stellen zufolge sollen sie beide 13 Jahre alt gewesen sein), die auch das benachbarte St. Kevin´s College besuchten, in der Sakristei der St. Patricks-Kathedrale in Melbourne gleichzeitig sexuell missbraucht zu haben, wobei er einen von ihnen mindestens einen Monat später auf dem Korridor der Sakristei gegen die Wand gedrückt und ihm die Genitalien gequetscht haben soll. Dabei handelt es sich um einen von mehreren Fällen, die zwischen 1978 und 2001 stattgefunden haben sollen und wegen denen die Polizei 2017 Anklage gegen Pell erhob. Die Tat soll direkt nach der Messe passiert sein, während Pell noch alle bischöflichen Messgewänder (!) trug.

2015 wurde diese Sache der Polizei von Victoria von einem der Chorknaben zur Anzeige gebracht, 2016 kamen die Untersuchungen gegen Pell durch The Herald Sun an die Öffentlichkeit. Kardinal Pell kehrte nach Australien zurück, um dem Gericht Rede und Antwort zu stehen nachdem er bereits im Oktober 2016 der Polizei bei einer Befragung in Rom seine Unschuld beteuert hatte. Es kam zu einem zweiten Verfahren im November 2018 nachdem die Jury im ersten Verfahren zu keinem einstimmigen Ergebnis kam (mit 10 Stimmen für "Unschuldig" und 2 für "Schuldig") und deswegen im Oktober 2018 entlassen wurde. Im Dezember befand die Jury Pell eindeutig (das heißt 12 von 12 hatten eine diesmal "eindeutige Übereinstimmung") für schuldig, das Urteil wurde im Februar 2019 offiziell verkündet (davor herrschte zu den Anklagepunkten eine Nachrichtensperre, um das Urteil der Jury für einen vorgesehenen zweiten Prozess nicht von Außen weiter beeinflussen zu lassen - dieser zweite Prozess jedoch wurde aus Mangel an Beweisen im Februar 2020 vom Gericht fallen gelassen) und George Pell im März zu sechs Jahren Haft verurteilt. Außerdem wurde er in das Register für Sexualstraftäter aufgenommen. Ein Berufungsverfahren im August fiel negativ aus, woraufhin der High Court im März 2020 sich dieser Sache annahm (im Oktober 2019 versuchte die Staatsanwaltschaft, dem High Court von einem erneuten Berufungsverfahren Pell abzuraten, das sich im November jedoch dagegen entschied) und wegen gravierenden Verfahrensfehlern das Urteil aufhob.

Bereits 2008 wurden Beschwerden laut, dass Pell mehrere Fälle sexuellen Missbrauches durch Kleriker vertuscht habe. 2015 wurde er von dem Mitglied der päpstlichen Kinderschutzkommission Peter Sanders (der übrigens auch auf den falschen Zeugen Carl Beech hereinfiel) angegriffen und als "kalt, hartherzig und soziopathisch" bezeichnet.

Was in vielen derzeitigen Berichterstattungen leider nicht erwähnt  bzw. heruntergespielt wird: 1996 - drei Monate nach seiner Ernennung zum Erzbischof von Melbourne - richtete George Pell eine in Australien einmalige Meldestelle zur Untersuchung von sexuellen Missbrauch durch Kleriker ein, deren System auch von anderen Diözesen übernommen wurde und als "Melbourne Response" bekannt wurde. Selbst der australische Sender ABC (der seit Jahren einen regelrechten Kreuzzug gegen George Pell führt) hat dies deutlich vermerkt, als Pell 2003 zum Kardinal ernannt wurde.

Bemerkenswert in diesem Fall dürfte sein, wie sich Kardinal Pell bei dieser Angelegenheit verhielt. Bei seinem Freispruch legte er Wert darauf, dem Ankläger mitzuteilen, dass er keinen Groll gegen ihn hege. Der Freispruch gelte nur seiner Person und sei keine Absolution anderer Missbrauchsfälle, die in der Kirche begangen wurden. Im Gefängnis war es ihm untersagt, die Messe zu lesen - auch nicht privat. Stattdessen leistete er noch unter seinen Mitinsassen Seelsorge, tauschte sich mit ihnen über ihr Leben Briefe aus und half so vielen, die sich von der Gesellschaft verlassen fühlten. Als er entlassen wurde, soll ihm "das ganze Gefängnis applaudiert" haben.


Die Rolle der Victoria Police
Auffällig an diesem Fall ist, dass die Polizei bereits 2013 unter dem Namen "Operation Thethering" nach sexuellen Verfehlungen des Kardinals aktiv suchte - obwohl sie keine Anzeigen dazu vorliegen hatten. 2014 kamen E-mails an die Öffentlichkeit, in denen sich der stellvertretende Polizeichef Graham Ashton und der Pressesprecher Charlie Morton darüber austauschten, wie sich die Presse bei einem Skandal  auf Pell stürzen würde statt auf die Polizei, die zu dem Zeitpunkt die Informantin Nicola Gobbo deckte, die gleichzeitig auch die Anwältin diverser organisierter Krimineller war, gegen die die Polizei ermittelte - ein Skandal, der als "Lawyer X"-Affäre bekannt werden sollte.


2012 bereits wurde die Behauptung durch die Polizei von Victoria veröffentlicht, dass sie 43 Suizide untersuche, die im Zusammenhang mit sexuellen Missbräuchen durch katholische Geistliche stehen. Obwohl nach entsprechender Auswertung nur 16 Opfertode als Suizide gewertet wurden (bei 18 Personen war eine nachträgliche Identifizierung nicht einmal möglich), wovon einer im Zusammenhang mit dem Missbrauch durch einen Kleriker stand und dies der Polizei von Victoria bekannt war, wurde bis 2014 die offizielle Version von 43 Suiziden durch kirchlichen Missbrauch aufrecht erhalten. 2015 kam der Skandal an die Öffentlichkeit, der vor allem dem Ansehen der Kirche in Australien schadete und einen medialen Beeinflussung ausstrahlte, der noch heute spürbar ist. An dem Skandal beteiligt war übrigens obig genannter stellvertretender Polizeichef Ashton, der erst im Februar 2020 in einem Interview mit ABC-Moderatorin Virginia Trioli den vorangegangenen Skandal um "Lawyer X" herunterspielte - auch wenn sie ihn explizit darauf hinwies, dass dem Gericht in dieser Fall gegenüber deutliche Falschangaben gemacht wurden - und auf die Frage nach dem potentiell geschädigten Ruf der Polizei darauf hinwies, dass die Bevölkerung vollstes Vertrauen in die Polizei hätte.

Überraschend dürfte auch sein, dass Ashton 2015 trotzdem zum Chief Commissioner befördert wurde. Auch verteidigte er das Vorgehen der Polizei von Victoria in der Pell-Affäre und widersprach der Anschuldigung, seine Abteilung würde eine "Vendetta gegen George Pell führen". Divers Beobachter vermuten seit geraumer Zeit Korruption innerhalb der Victoria Police; außerdem fiel während der Untersuchung Pell´s immer wieder eine starke Nähe zu den Medien wie Louise Milligan und der ABC auf, wo beispielsweise in einer Aufnahme und einem Bericht durch Police Sergeant Dough Smith behauptet wurde, die Katholische Kirche würde eine Zusammenarbeit mit der Polizei erschweren, wo eigentlich eine aktive Kooperation kirchlicherseits angeboten wurde; nur dass die Beamten keine wichtige Befragungen ihrerseits durchführten, wo es eigentlich möglich und nötig gewesen wäre (dazu im Folgenden mehr). Smith wurde bisweilen auch verdächtig, Informationen an Milligan weitergereicht zu haben.


Der (einzige) Zeuge und die "Beweisführung" vor Gericht
In einem abschließenden Kommentar mit dem Sender Sky bezieht Jura-Professor P. Frank Brennan SJ folgende Stellung zum Gerichtsurteil und der "Beweisführung":



Er weißt hier auf vehemente Mängel bei der Ermittlung hin, die als solche auf grobe Weise unterschlagen wurden. Der genaue Tatzeitpunkt, den der Zeuge J. (einer der zwei angeblich missbrauchten Jungen - der zweite, der einen Missbrauch durch Pell seiner Mutter gegenüber verneinte, starb 2014 an einer Überdosis Heroin; es war Zeuge J. der NACH dem Tod des Jungen gegenüber seiner Mutter die Richtigkeit des Missbrauchs berichtet haben soll) nannte, wurde Pell erst bei amtlichen Befragungen im Oktober 2016 mitgeteilt, nach dem der erste Vorfall Ende 1996 nach der 11 Uhr-Messe in der Sakristei der Kathedrale in Melbourne passiert sein soll in einem Zeitraum von ca. 5 bis 6 Minuten.

Der Kardinal erwiderte daraufhin, dass dies nicht möglich sei, da die Sakristei voller Personen gewesen sein müsste wie dem Sakristan, dem Assistenten des Sakristans, den Messdienern, den konzelebrierenden Priestern, den Personen, die die Kollekten einsammeln und diversen anderen Personen, die ihn nach der Messe noch einmal persönlich sprechen wollten.

Der nächste Schritt hätte sein müssen, dass die Polizei diese Personen hätte ermitteln und nach Zeugen eventueller Unregelmäßigkeiten zum Tatzeitpunkt hätte befragen sollen - was sie seltsamerweise von selbst nicht hinbekam. Die Behauptung der Anklage, dass alle Personen plötzlich aus der Sakristei geschickt wurden - um eine Zeitlücke für die besagten 5 bis 6 Minuten herbei zu erklären - konnte in keinster Weise durch obig genannte anwesende Zeugen bestätigt werden; trotzdem lief die Argumentation der Beweisführung darauf hinaus, dass eine solche Tatzeit bestanden habe, auch wenn die befragten Zeugen (bis auf den Ankläger als einzigen Gegenzeugen) das Gegenteil behaupten, was von den Ermittlern vor Gericht nicht eindeutig widerlegt werden konnte, den Vorwurf, dass einer dieser Zeugen lügen würde, hat man sich gleichzeitig jedoch verkniffen.

Auch die Behauptung, dass die Prozession nach Abschluss der Messe innerhalb der Kathedrale stattgefunden hätte, wurde von Pell zurückgewiesen, da die Prozessionen generell AUSSEN um die Kathedrale zur Sakristei in ihrer längeren Ausführung abgehalten werde. Es dürfte nicht überraschen, dass der Kläger anschließend vor dem Gericht behauptet hat, es hätte eine externe Prozession gegeben auf einer Wegstrecke, die 5 bis 6 Minuten gedauert hätte - und wieder war dieser magische Zeitraum, in dem hätte alles passieren können, erklärt, in der er und der andere Junge heimlich Messwein getrunken hätte, von Pell erwischt und von ihm vergewaltigt worden seien. Nur dass es schon wieder nur diesen Ankläger als "Zeugen" dieser Unregelmäßigkeit gab, während alle anderen es wiederum nicht bestätigen konnten. Verteidiger Walker nannte das vor der Befragung vor dem High Court eine "konstruierte Improvisation", mit der man versuchte, die Deutungshoheit des Anklägers zu halten.

In diesem Punkt machte auch der Journalist Andrew Bolt, der die Plausibilität selbst überprüfen wollte (siehe Video ab 6:25), die Feststellung, dass auch diese Aussage keinen Sinn ergibt. Nicht nur weil einer solcher Zeitraum unter beschriebenen Umständen nicht nur nicht möglich ist, sondern weil Pell in diesem Zeitraum nicht einmal anwesend gewesen sein kann -weil er bei der Treppe der Kathedrale nach der Messe und dem Auszug immer mit mindestens einer Begleitperson stehen bleibt, um die Gottesdienstbesucher zu begrüßen. Was ca. 10 bis 15 Minuten in Anspruch nimmt.
Bolt hegte früher selbst Abneigungen gegen Pell. Sein persönlicher Verdacht, dass es sich bei der Kampagne gegen Pell um einen Machtmissbrauch einer ideologisch verblendeten Presse handelte, die einen Sündenbock für die nicht geklärten Missbrauchsfälle brauchte, machte ihn zum offenen Kritiker dieses Medienrummels.

Ein weiterer Punkt, der neben der Abhängigkeit des Verfahrens von einem einzigen Zeugen schon für den High Court explizit ausreichte, war die Behauptung, die beiden Chorknaben seien missbraucht worden, als Kardinal Pell noch alle bischöflichen Messgewänder trug. Beim Verfahren wies Monsignore Charles Portelli, der Zeremonienmeister, darauf hin, dass der Kardinal nicht nur nach der Messe viele Gottesdienstbesucher persönlich begrüße, sondern in voller Messmontur auch von Angestellten begleitet werden müsse und dass nach der Prozession ebenfalls reger Betrieb herrsche; ein Missbrauch ohne irgendwelche Zeugen sei daher nicht möglich. Dieser Sachverhalt wurde ebenfalls von der Anklage bagatellisiert mit der unbewiesenen Behauptung, dass dies nicht immer geschehen müsse nur weil dies die offizielle Praxis in der Kathedrale sei. Den Zeugen wurde dabei nicht unterstellt zu lügen, während man versuchte, ihre Aussagen als nicht relevant im Vergleich zu denen des Klägers zu setzen. Das Gericht von Victoria hätte trotz sichtbarer Widersprüche die Aussagen des Anklägers als "glaubwürdig" bewertet.


EXKURS: Der Fall "Billy Doe" und das Rolling Stone Magazine
Seltsamerweise tauchten 2019 auch Parallelen zu einem Fall in den USA auf, über den bereits 2011 das Rolling Stones Magazine berichtet hat. Demzufolge sei 1998 ein zehn bzw. elf Jahre alter Messdiener von einem Priester nach der Messe in voller Messmontur (!!) in der Sakristei missbraucht worden. Einen Monat (!) davor hätte ihn dieser bereits dort erwischt, wie er heimlich den übrigen Messwein getrunken habe und ihm noch mehr ausgeschenkt habe, wobei er ihm auch pornographisches Material zeigte.

Ebenfalls auffällig ist die exklusive Behandlung des Anklägers "Billy Doe" bzw. Daniel Gallagher, der eine krimineller Vergangenheit als Drogenabhängiger (mit 23 Aufenthalten in Entzugskliniken innerhalb von zehn Jahren, außerdem den Verdacht auf Paranoia) und notorischer Lügner (er behauptete unter anderem ein professioneller Surfer und Sanitäter gewesen zu sein) vorzuweisen hat. Auffällig sind auch die blumigen Beschreibungen des Opfers durch Autorin Sabrina Rubin Erdely, die dem Stil nach auch später in einer Reportage von ABC-Journalistin Louise Milligan (speziell auf sie kommen wir später noch einmal zu sprechen) auftauchten. Erdely wurde später weltberühmt durch ihre Berichterstattung über die angebliche Gruppenvergewaltigung auf dem Camus der University of Virginia, für die keinerlei Beweise vorhanden waren und die selbst von der deutschen FAZ als "monumentale Fälschung" bezeichnet wurde, die für Magazin und Autorin zu einer Millionenstrafe führte.  Wie im Fall Pell fielen ebenfalls Widersprüche in den Versionen des Anklägers auf. Auch behauptete er vor Ärzten, schon davor im Alter zwischen 6 und 9 Jahren insgesamt fünfmal missbraucht worden zu sein - von Freunden, einem Nachbarn und einem Lehrer.

Trotz dieser Bedenken wurde der Priester Fr. Charles Engelhardt 2013 zur Gefängnishaft verurteilt, wo er weiterhin auf seine Unschuld bestand. 2014 verstarb er überraschend während er sich auf Anordnung des Gefängnisses im Krankenhaus befand. Ein Mitbruder spendete dem ans Bett sprichwörtlich Gefesselten noch am Tag zuvor die Krankensalbung. Seine Mitbrüder von den Oblaten des hl. Franz von Sales legte bereits zu seinen Lebzeiten Einspruch ein.


Fehlgeleitete Schuldfindung und Unzulässigerklärung durch den High Court
Hauptkritikpunkt war auch die Ausführung des Gerichtes. In Sachen einer Verurteilung nach Recht des britischen Commonwealths gilt grundsätzlich das Prinzip der klaren Feststellung einer Tat unter der Berücksichtigung vernünftig begründeter Bedenken. Kurz: In Zweifel für den Angeklagten.
Was der High Court als unzulässig anmaßte war die Sache, dass man darauf bestand, dass der Angeklagte SEINE UNSCHULD gegenüber zur Diskussion stehender Anschuldigungen beweisen müsse; eigentlich hätte nach dem Grundsätzen des Rechts bewiesen werden sollen, dass ein handfestes Verbrechen überhaupt stattgefunden habe. Auch unter Anzweiflung des Klägers.

Bei der Verurteilung Pell´s stellte jedoch schon die MÖGLICHKEIT, dass der Angeklagte unter welchen THEORETISCH MÖGLICHEN Umständen auch immer eine Tat begangen haben KÖNNTE, einen Beweis dar, wenn er NICHT DAS GEGENTEIL beweisen könne.

Unter diesen Umständen könnte man jedem beliebigen  Bürger theoretisch alle möglichen Verbrechen anhängen (kann geneigter Leser an dieser Stelle vielleicht beweisen, dass er am Tag zuvor KEINEN Mord begangen habe?), was eine totale Perversion der Rechtsprechung sowie der rationalen Schuldfindung darstellt. Vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass der Zeuge scheinbar nie wirklich hinterfragt wurde - unter den Umständen der obig genannten Widersprüche mal ganz ausgenommen.

Trotzdem hört man von Gruppen in Sozialen Medien neben Sprüchen wie "er ist von der Schuld freigesprochen worden, aber nicht unschuldig" auch die Ausrede, dass der Fehler, den das Oberste Gericht angemahnt hat, eigentlich "nur einen Formfehler" darstelle, der nichts an der Sache seiner Verurteilung ändere. Zynischer könnte es vermutlich kaum gehen. Zum Beispiel von Dr. Rhonda Garad von der Monash University in Melbourne.




Doch kann es: "Es gibt nur einen, der die Wahrheit kennt". Wie LGBT-Aktivistin Sally Rugg oder Musiker Tim Minchin (übrigens Mitglied der Skeptikerbewegung), der sogar einen Protestsong gegen Pell verfasst hat.




Manche Leute meinen sogar, dass das australische Gerichtswesen so etwas wie eine demokratische Abstimmung sei, bei der die Mehrheit den objektiven Wahrheitsanspruch habe.



Schauspielerin und Komikerin Magda Szubanski meint sogar, dass "begründeter Zweifel der beste Freund des Pädophilen" sei. Wenn das mal kein Urteil ist, Leute schneller ins Gefängnis zu werfen.



Nur dass man nicht weiß. ob der Ankläger auch die Wahrheit sagt. Aber wie es auch schon bei #METOO hieß: Glaubt den Opfern - unter allen Umständen, denn ihr Leid ist echt. Nur ob es bei diesem Opfer ebenfalls zutrifft, steht immer noch im Raum; der Fall Kavanaugh und die Bereitschaft, den "Bösen" vor den fahrenden Zug zu werfen dürfte das beste Beispiel sein. Oder der jüngsten Vorwurf gegen Schauspieler Johnny Depp, er hätte seine Ex-Frau Amber Heard misshandelt - bis herauskam, dass tatsächlich das Gegenteil der Fall war.

Einem Opfer nur deswegen Recht zu geben, weil es sich um ein angebliches Opfer und einen "glaubwürdigen Zeugen" handelt, dass man nach solchen Vorfällen bei Untersuchungen nur noch mit Samthandschuhen und praktisch ohne jeden substanziellen Zweifel behandeln dürfte (es könnte sich ja auch dramatisch auf dessen Psyche auswirken) ist an dieser Stelle bereits eine Einschränkung von Ermittlungen und Basisrecherchen, die allen möglichen rationalen Bedenken entgegenkommen sollten, die eine Weiterführung (sei es nun eine Verurteilung oder das aktive Fallenlassen eines Falles) in Frage stellen könnten.

Was zudem der Jury verschwiegen wurde, ist der Umstand, dass der Ankläger eine Reihe psychischer Auffälligkeiten vorzuweisen hatte.

Dass dieses Mindestmaß von einem Gericht nicht eingehalten wurde, ist eine Schande.
Diese Angelegenheit zu verharmlosen und jeden persönlich anzugehen, der das infrage stellt, ist dagegen ein verstörendes Zeichen von juristischem Realitätsverlust einer ganzen gesellschaftlichen Schicht, die sich derzeit in dem Kommentarspalten entlädt - wie man an obigen Beispielen sehen kann.


Weitere Anschuldigungen
Neben diesem Fall gab es schon  mehrere Anklagen wegen sexuellen Missbrauchs, was man im Kontext der Berichterstattung zur Person Pell´s nun schon beinahe als Tradition bezeichnen könnte.

2002 wurde ihm vorgeworfen, bereits als angehender Priester 1962 einen Junge sexuell belästigt zu haben. Die Anklage wurde nicht nur wegen Mangel an Beweisen und  Zeugen fallengelassen, die zur Tatzeit im Camp anwesend waren und etwas ungewöhnlich bemerkt haben könnten. Bei der Befragung kam es immer wieder zu Widersprüchen des als "ehrlich" beschriebenen Anklägers. So behauptete der Kläger, Pell im Jahr 2000 im Fernsehen als Erzbischof von Sydney wiedererkannt zu haben - doch George Pell wurde erst am 26. März 2001 zum Erzbischof von Sydneyernannt und am 11. Mai eingesetzt. Auch die Aussage, dass Pell ein violettes Gewand getragen habe, sorgte für Verwirrung - bei der Befragung kam ebenfalls ans Tageslicht, dass der Angeklagte eigentlich Farbenblind war - in welchem Ausmaß wurde jedoch nicht weiter beschrieben. Außerdem stellte man seine Glaubwürdigkeit wegen diverser aktenkundiger Vergehen in Frage - auch unter dem mehrmaligen Einfluss von Alkohol.

1969 soll er einem missbrauchten Jungen nicht geholfen haben, der ihn um Hilfe angefleht haben soll. Während der Untersuchung konnte anhand des Reisepasses von George Pell jedoch nachgewiesen werden, dass sich Pell zum besagten Tatzeitpunkt nicht einmal in Australien, sondern in Rom befand. Ein späterer Vorwurf, er hätte einen Kläger davongejagt, konnte ebenfalls widerlegt werden, da Pell nicht wie vom Opfer angegeben im Pfarrhaus von Ballarat lebte - der Kläger wurde später selbst wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt.

Als weitere Schmierenkampagne entpuppte sich der Verwurf, er hätte sich bei einer Messe zur Beerdigung in der Gegenwart eines Priesters über den Missbrauch von David Ridsdale (durch dessen Onkel, den Priester Gerald Ridsdale) lustig gemacht. An diesem Tag fand weder eine Messe statt, noch hielt sich besagter Priester zu diesem Zeitpunkt in der Nähe des besagten Ortes auf. Der Sender ABC unterstützte neben dieser auch die Geschichte vom Missbrauch Ridsdales, der Pell vorwarf, ihn im Zusammenhang mit den Untersuchungen zum sexuellen Missbrauch bestochen zu haben, in einer Sendung - später musste der Sender eingestehen, dass Ridsdale selbst eine Vergangenheit als Missbrauchstäter vorzuweisen hat. Das Opfer Corey Arzt hat Ridsdale während eines Interviews zum Thema sexuellen Missbrauches in der katholischen Kirche als Täter sofort wiedererkannt. Es kam nur zu einer milden Verurteilung - eine härte Bestrafung lehnte das Gericht ab, weil der Missbrauch durch David Ridsdale als Folge des Missbrauchs durch seinen Onkel ausgelegt wurde. Bei seinem Opfern stieß dies auf Unverständnis und Verstörung; Arzt hätte zuhause beinahe Selbstmord begangen.

1978 soll George Pell während des Filmes "Unheimliche Begegnung der Drittes Art" einen Jungen in einem Kinosaal vergewaltigt haben. Außerdem soll es zu Vergewaltigungen durch Pell auf dem Spielplatz sowie am Altar in der Kapelle der Schule gekommen sein. Der Fall wurde fallen gelassen, weil es mehrere Widersprüche gab. Neben dem Umstand, dass kein anderer Kinobesucher das Geschrei des Jungen während der Vorführung gehört haben soll, kommt auch noch die Tatsache hinzu, dass der Film bereits im Jahr zuvor in den Kinos lief. Außerdem war George Pell nicht einmal Mitarbeiter des vom Opfer angegebenen Kinderheimes.

Im Februar 2019 wurde die parallele Anklage von 2015 gegen Pell wegen sexueller Belästigung zweier Jungen in einem Swimming Pool in den 1970ern aus Mangel an Beweisen fallengelassen.

Insgesamt waren es 26 Missbrauchsfälle gegen 9 Personen, die die Polizei von Victoria gegen Pell aufbrachte. Am 9. April meldete The Herald Sun, dass ALLE vom Gericht wegen GRAVIERENDEN WIDERSPRÜCHEN fallen gelassen wurden.


Die Propaganda-Maschine ABC (Australian Broadcasting Coporation)
Schon damals wurde von Seiten wie ABC hingewiesen, dass er in den 1970ern als Priester "progressiven Christen" mit seinem "Widerstand gegen Reformen" vor den Kopf stieß, explizit in Fragen von verheirateten Priestern, dem Frauenpriestertum und Abtreibung; auch verweigerte er praktizierenden Homosexuellen die Kommunion, was ihn endgültig zur konservativen Schattenfigur gemacht haben dürfte, als die er noch heute von Vielen angesehen wird. In einem Bericht von 2017 wurde angesichts der Missbrauchskrise ebenfalls von ABC angekündigt, dass "die Kirche ihre altertümlichen Traditionen überwinden müsse", wobei man explizit auf die Abschaffung des Beichtgeheimnisses abzielte - was 2019 im Kontext von Pell Verurteilung  noch einmal aufgekocht wurde.

Besonders prekär gestaltet sich nun die Situation für Sender wie ABC, die jahrelang ein regelrechtes Kesseltreiben gegen Pell veranstaltet haben und nun versuchen, diese Affäre in ein "trotzdem nicht unschuldig" zu verdrehen und die Mängel zu Lasten von Pell herunterzuspielen.



Ein Herunterspielen und ignorieren, das nicht immer gut geht. Zum Beispiel wenn man Professor Greg Craven zum Interview lädt, der schon vor einem Jahr trotz Kommentarverbot  nicht zu der Pell-Affäre schweigen wollte


Offiziell hieß es nun von Seiten des ABC, dass diese massive bis bisweilen obsessive Berichterstattung um Pell in keinster Weise eine Hexenjagd gewesen sei. Es sei die Aufgabe von ABC das "Zurverfügungstellen von unabhängigen Nachrichten und Informationen für Australier" und "das Nachgehen beweiskräftiger Reportagen und der Wahrheit" sei - um sich anschließend komplett selbst zu zerlegen.

Bei der Suche nach irgendwelcher Informationen über Jon Stephens, einen ehemaligen Produzent von ABC, der 1981 einen 14-jährigen missbrauchte und dafür 2017 zu zwölf Monaten Haft verurteilt wurde, findet man bei ABC im Vergleich zu der Berichterstattung um Pell selbst praktisch nichts. Sogar andere Medien haben sich über diesen Umstand, dass dem gegenüber zum Thema "George Pell" und "kirchliche Missbräuche" überproportional viele Artikel zu finden sind, regelrecht lustig gemacht.

Auch setzte ABC die Strategie der offenen Verdächtigung in solchen Bereichen weiter durch, in denen eigentlich kein hinreichender Tatverdacht besteht. Innerhalb kurzer Zeit nach Pell´s Freispruch wurde behauptet, es gäbe neue Zeugen - was sich als falsch herausstellte.




Wochen vor der Verhandlung vor dem Obersten Gericht veröffentlichte ABC die "bahnbrechende" Doku-Serie "Revelation", die sich um Kriminelle Kleriker innerhalb der Katholischen Kirche dreht. Es wurde auch verlauten lassen, dass neue Anschuldigungen gegen Kardinal Pell gezeigt werden würden. Es kam in der Zwischenzeit aber schon heraus, dass es sich beileibe nicht um neue Anschuldigungen handelt. Außerdem tauchen Widersprüche auf, die eine unsachgemäße Darstellung der Umstände der Beschuldigung zeigen, die durch die erneute Bearbeitung des Materials mit eingeflossen sind.

Diese dritte Episode der Serie, die verspätet wegen der Corona-Epidemie am 2. April ausgestrahlt wurde, hat man nach der Freilassung Pell´s aus der Mediathek genommen, lässt diese aber "nachbearbeiten", um in aktualisierter Form wieder abrufbar zu sein. Es heißt dazu offiziell: "Die ABC hat - und wird dies auch weiterhin tun - akkurat und ohne Furcht oder Bevorzugung Reprotagen wiedergegeben, die im öffentlichen Interesse stehen, einbezüglich dieser." und "Wir stehen hinter unseren Reportern und unseren Reportagen."


Louise Milligan: Die Denunziantin der Herzen
Eine weitere bekannte  ABC-Journalistin, die maßgeblich an der medialen Profilierung Pells als Monster in Menschengestalt beteiligt war, regelmäßig gegen die katholische Kirche schießt und dabei immer noch reichlich absahnt, ist Louise Milligan. Sie ist Reporterin für ABC News und ließ auf Kosten des Steuerzahlers ihr Buch Cardinal: The Rise and Fall of George Pell bei Melbourne University Publishing drucken und vermarkten. Sie war auch immer wieder die treibende Kraft, die auf die Glaubwürdigkeit des Anklägers hinwies und wurde für ihr Buch und ihren "mutigen Einsatz für die Opfer" sogar mit Preisen ausgezeichnet.

So wurde sie zu einer regelrechten Instanz für die Öffentlichkeit, die zwar Belege für die angebliche Glaubwürdigkeit lieferte und Kritiker offen torpedierte, was den Klägern vor Gericht eine Menge Arbeit abnahm, sich aber weigerte, bei direkter Befragungen vor Gericht ihre Quellen preiszugeben und bei kritischen Fragen nie persönlich antwortet, wenn es an die Materie ihre Buches geht. Von ihrer Seite aus hieß es auf Vorwürfe, sie hätte eng mit der Polizei kollaboriert im Fall Pell, dass dies nicht stimme. Von ihren Unterstützern wird dies zitiert und angemerkt, dass sie gesagt habe, von der Polizei keine Informationen zugespielt bekommen zu haben - obwohl diese bisweilen den gegenteiligen Verdacht äußern: Dass sie es nämlich gewesen sei, die Polizei eventuell mit Infos versorgt habe.


Inhaltlich fällt in ihrem Buch immer wieder die Feindseligkeit gegen den Katholizismus sowie die auf Faktizität pochende Emotionalität auf. Sie selbst wurde katholisch erzogen, betont aber durch ihre elterliche katholischen Erziehung selbst eine Art Missbrauchsopfer zu sein. Pell bezeichnet sie in karikaturenhafter Weise als "Bully" ("Schlägertyp", "Schulhoftyrann") mit einem "soziopathischen Mangel an Empathie", der über die ihm zugänglichen Medien wie Printmedien, Radio und Videoübertragung die Leute schikaniere, indem er katholische Lehren, die manche Leute als lieblos erscheinen, als "trotzdem wahr" bezeichne. Dazu kommt noch die Gewohnheit, dass die Empathielosigkeit als Attribut für Missbrauchstäter zuweist (wobei sei in letzterer Sache Letzterem bei Pell ebenfalls vollkommen überzeugt ist), während das Gütesiegel der Empathie nur den Opfern und ihren Anwälten zukommt. Sich selbst präsentiert sie übrigens durch ihre eigene Empathie (die im Detail beschrieben wird) als für alle sichtbares Gegenmodell zu George Pell. So viel Stolz auf so viel Demut überrascht schon bisweilen, obwohl es von Thomas von Aquin schon mal als deutliches Zeichen von Dummheit bezeichnet wurde, die seiner Meinung sogar Sünde sei.

Dass die Sache mit der Empathie auch daneben gehen kann, sieht man unter anderem in ihrer positiven Beschreibung von Pell´s Vorgänger Frank Little, den sie als "progressiv" beschreibt und als Mann der Kirche, der "ganz für Offenheit und einladend zu den Laien" war, während Pell lediglich derjenige war, der versuchte die Erzdiözese durch Drohungen zusammenzuhalten und "die Leute warnte, nicht die Wahrheit über die sexuellen Missbräuche auszusprechen". Kaum diskutiert von ihr wird die Tatsache, dass Erzbischof Little Pädophile im Zeitraum von 1974 bis 1996 deckte, die weiterhin Kinder missbrauchten, und Anzeigen ignorierte, während Pell schon drei Monaten nach seiner Amtseinführung 1996 eine Melde- und Untersuchungsstelle für sexuellen Missbrauch aus dem Boden stampfte, die von anderen Bischöfen in Australien übernommen wurde - was ihn irgendwie als alles andere als einen Soziopathen auszeichnete. Und das noch sechs Jahre vor der großen Missbrauchskrise 2002. Wie Autorin Julia Yost in ihrem Artikel schon angemerkt hat: Irgendwie seltsam. Fast so seltsam, dass Milligan so viel Negatives dafür übrig hat, dass sie sich nicht einmal recht zu entscheiden weiß, was genau.

An vielen Stellen tritt wieder das Phänomen ein, dass zwar mehrere Personen als potentielle Zeugen nach Aussage der Kläger anwesend gewesen sein sollen, aber irgendwie niemand etwas mitbekommen hat. Neben der eigenen Aussage sind Milligan´s Kläger nicht in der Lage, weitere Zeugen oder Beweise aufzuführen. Geschweige denn einen Nachweis für Pell fast schon anatomisch nahezu unmöglichen Fähigkeiten, die er bei Missbräuchen an den Tag gelegt haben soll - bei gleichzeitiger solch geistiger Unterbelichtetheit, so völlig offen in Gegenwart von Zeugen zu agieren.

Die Sakristei von St. Patrick Cathedral lässt grüßen... - Halt warte, stimmt.
Den gleichen Kläger hat sie ja auch für ihr Buch interviewed und ihm in den Medien vollste Glaubwürdigkeit ausgestellt. Ihr Logik: "Warum sollte er lügen?" - die Möglichkeit, dass ein Zeuge lügen könnte, stellt für sie eine Beleidigung dar.

Geneigtem Leser dürfte langsam dämmern, warum ihr so viele Leute unterstellen, die Steilvorlage für die Polizei geliefert zu haben (mea culpa) bzw. selbst von der Polizei mit Leaks versorgt worden zu sein (was diese übrigens scheinbar auch stillschweigend tat) bei exakt der gleichen Absurdität an Tat- und Personenbschreibungen, die sie ebenfalls ohne große Nachfrage aufbietet.

Eine kritische (?) Nachfrage Milligans, warum Pell keine Verhältnis zu seinen Opfern aufbaute wie alle anderen Missbrauchstäter (was tatsächlich als unnormal bezeichnet wird), wird über das Zitat einer anonymen Person (von denen es in Milligans Buch ziemlich viele gibt) geschlussfolgert, dass dies bei Pell´s Charakter nicht unnormal sei, da er "keine sehr subtile Person" sei.

Angesichts solcher tendenzieller Beschreibungen, die beinahe schon ins Unglaubliche gehen, ist es tatsächlich erstaunlich, wie viele Leute ihr förmlich aus der Hand fressen, wenn es ihr simple Weltbild bestätigt. Aber wie  es bei Felix Krull so schön heißt: Die Menschen wollen betrogen werden.


Wie im Falle von Ferguson´s "Revelation" hat man offiziell ebenfalls nicht vor, Milligan´s Buch "Cardinal" aus dem Sortiment zu nehmen. Louise Milligan dazu: "Meinem Buch passiert nichts." und "Es spricht für sich selbst." Dem Vorwurf, nicht nur ihr Buch, sondern auch ihre Auslegung des Falles Pell für die Öffentlichkeit hätten die Meinung der Leute dazu vergiftet, widerspricht sie.

Ich auch. Denn er hat ihre ABC-Doku vergessen.


ABC´s "Guilty": Medialer Inzest mit Unterstützung der Polizei
Die Dokumentation "Guilty: The conviction od Cardinal Pell" dürfte man als Kronjuwel der tendenziösen Berichterstattung des öffentlichen Senders, der mit Steuermitteln finanziert wird (wie auch Milligan´s Buch), bezeichnen. Es handelt sich dabei um eine abgespeckte Version von Milligan´s Buch - ohne die Emotionale Hervorhebung, aber mit dunkler Hintergrundmusik und Zeugen, die Pell als "schmutzigen verrotteten Bastard", "krank" und "Monster" bezeichnen, als ein "Übel, das nicht da sein sollte, wo es sich jetzt befindet", weil er Kindern "die Unschuld gestohlen" hat. Moderiert von Louise Milligan. Welch Überraschung.

Neben dem schon obig genannten Interview, in dem der Polizist Dough Smith behauptet, die Kirche hätte die Ermittlungen erschwert (was noch einmal in einem Online-Bericht von ABC ausgeschlachtet wird) wird auch der Vorgang beschrieben, dem gemäß sich die beiden Opfer von der Prozessionsgruppe geschlichen hätte: Nicht außerhalb - wie das Gericht auf Aussage des Zeugen weiterhin ermittelt hat und worauf die Anklage nachträglich aufbaute, sondern INNERHALB der Kathedrale (Video 7:12). Die Statements Pell´s dass die unmöglich sei, da doch die Sakristei voller Menschen sei (Video 31:50, 32:16, 32:28 Befragung in Rom) werden zwar gezeigt, aber nicht weiter behandelt.

Zu dem Vorgang in der Kathedrale wird ein weiterer Chorknabe - Andrew la Greca -  interviewt, der angab, dass das Herausschleichen aus der Prozessionsgruppe denkbar wäre, da die Kathedrale so groß sei, dass dort Kinder unbemerkt verschwinden können. Dass ein solches plötzliches Verschwinden nicht unbemerkt hätte bleiben könnte, weil ein solches Ausscheren in einer Prozessionsgruppe vom Kreuzträger über Chorknaben und Ministranten bis zu den Priestern und Bischof Pell am Ende des Zuges irgend jemandem hätte auffallen müssen, der die Jungen darauf angesprochen haben könnte, wurde bereits vom High Court angezweifelt, der sich über die Prozessionsformation ebenfalls informiert hat. Auch dass ein Davonschleichen in einer größeren Menschenmenge in einer Kathedrale so einfach gewesen wäre, grenzt bei den vorher gezeigten Aufnahmen von einem komplett vollen Gotteshaus beinahe an Absurdität, die Milligan sowie den Produzenten und Mitarbeitern hätte sofort auffallen sollen. Wird aber mit Bilder einer leeren Kathedrale übergangen.

Genau so wie die übrige Aneinanderreihung von Zeugenaussagen, auf die die Polizei erst nach der Anzeige des Chorknaben urplötzlich aufmerksam geworden sein soll. "Operation Thethering"?
Fehlanzeige.

Angesichts der Machart des Filmes, der vollmundig verkündet wie der "Kirchenfürst seiner gerechten Strafe zugeführt wurde", sowie dem gleichzeitigen Parallelagieren des Produktionssenders, der gleichzeitig volle Kooperation mit der Polizei in den Interviews erhält, die von der sich selbst als kritisch darstellenden "Investigativjournalistin" kaum hinterfragt werden (auch wenn der Sprecher von sich aus behauptet, alles sein unter "professionellen" Ermittlungen geschehen) und von Publizist sowie Öffentlichkeit (vor allem diejenigen, die schon immer etwas gegen Kardinal Pell hatten)  als Absolution aller Bedenken übernommen werden, ist es kaum verwunderlich, dass plötzlich ein Großteil des Landes den Verstand verliert, wenn das Oberste Gericht plötzlich das gesamte Konstrukt kippt. Warum sollte etwas gekippt werden, was offiziell und öffentlich verlautbart im "vom Gericht erwiesen" ("proofen in Court") wurde? Auch andere Medien stellte diese Umstände nicht in Frage, sondern stellen ihr "absolute Sorgfalt und forensische Aufmerksamkeit" aus. Zeugenaussagen werden für Artikel genommen, die sich an verschwörungstheoretischen Ausdrücken über die katholische Kirche und Konservative als gesellschaftliche Herrscherklasse beinahe überschlagen.




Die ideologischen Nachläufer
Auch diverse Politiker fielen immer wieder auf, die durch ihre wiederholte Position gegen Pell den Eindruck einer Glaubwürdigkeit dieses Falles gaben, bzw. dass durch Ungültigerklärung nun den Opfern weiterer Schaden zugefügt werde, was ihnen persönlich sehr leid tue.

Der Premierminister von Australien, Daniel Andrews, sagt zwar offen, dass er keinen Kommentar zum Freispruch Pell´s äußere - doch seine kurze Nachricht dürfte das Gegenteil darstellen, wenn es heißt "Wir glauben Euch". Ärger, dass Pell von einem ungerechten Urteil losgesprochen wurde, das eigentlich nichts anderes eine Farce war, mit der die Öffentlichkeit und die Verwaltung an der Nase herumgeführt wurde? Oder dass - wie Pell gesagt hat - das nicht für andere Missbräuche gelte? Wer weiß. Er hat ja nichts dazu gesagt. Virtue Signaling von der wirklich perfidesten Art, um sein Gesicht überhaupt noch wahren zu können. Was bei seiner Forderung, wirklich alle Gerichtsunterlagen zu veröffentlichen, zeigt sie Verzweiflung, die man zu überbrücken versucht, indem man galubt, doch noch irgendetwas finden zu können.

Auch der politische Aktivist David Shoebridge von den Greens schlagen in diese Kerbe.


Es gibt aber auch extremere Aktivisten mit Gefolgsleuten, die so richtig ideologisch austicken. Schon in der Vergangenheit wurde immer wieder auf die Verurteilung Pell´s als liberales Prestigeprojekt hingewiesen. Falle Pell, so sei dies ein Schlag gegen die "Kulturkämpfer" sei, weil "jetzt einer der Ihren gestürzt ist". Kardinal Pell hat zwar darauf hingewiesen, dass sein Freispruch kein Freispruch für andere Missbrauchstäter sei - aber die liberale Gesellschaft, die seine Verurteilung als "Sieg der kleinen Leute" feierte, ist derzeit außer sich vor Zorn, weil sie das eben so deutet und breittritt.

Tim Soutphommasane, Politiktheoretiker, Professor an der Universität von Sydney und Australiens Kommissar für Rassendiskriminierung, der auch für das Magazin The Age schreibt, sprach 2019 bei der Anzweiflung von Pell´s Schuld von einer "Umkehrung der Opferrolle", "Der Täter ist nun das Opfer".
Und nicht nur gegen die Konservativen alleine wird geschossen. Nein, nach sozialistischer sitzten sie mit dem Mächtigen und den Reichen in einem Boot! Das meinet anscheinend auch Michael Berkman von den Greens.



 "Award-Winning Journalist" Gary Nunn meint, dass sich die Kirche mit dem Geld freikaufe, das sie unverdient durch Steuervergünstigungen erhalte (wurde übrigens nur so teuer, weil diverse ideologische Betonköpfe dachten, unbedingt mangelhafte Prozesse durchdrücken zu müssen. Aber was soll´s)...



… wundert es da schon, wenn man auch zu gutbürgerlichen Boykott- und Enteignungsphantasie kommt?



Auch den Journalisten, die vorher gegen Kardinal Pell waren und nach den vorliegenden Ergebnissen nun die unrechtmäßige Verurteilung kritisieren, geraten in das Fadenkreuz der "Gerechten" - wie die Parteizeitung "Red Flag" der Socialist Alternative Australien. Aber auch andere legen gerne Hasslisten an.

 


Neben dem Versuch, mit einem scheinbar neutralen Lächeln noch einmal seine Enttäuschung selbstgerecht wegzustecken, gibt es derzeit auch handfestere Meinungsäußerungen gegenüber der derzeitigen nationalen Hassfigur Nummer Eins. Nämlich bereits in der Nacht nach seiner Freilassung wurde die St. Patrick´s Kathedrale in Melbourne beschmiert. Was manche nicht wirklich als negativ betrachten.


Andere begnügen sich damit, anzugeben, dass Kardinal Pell sein Unwesen in ihrer Nachbarschaft treibt und man ihm am besten keine Ruhe lassen soll...



… während man gleich die nächste Beschwerde nachreich, weil jemand das selbstgeknippste Symbolbild übernommen hat, ohne den eigenen Namen zu vermerken. Ist schon eine bizarre Gesellschaft.



Natürlich fragt man sich jetzt, wohin das gehen wird. Noch mehr Prozesse? Noch mehr Vandalismus, wenn es nicht so funktioniert, wie man es gerne hätte? Aktionen gegen Kardinal Pell persönlich? Oder gegen andere Katholiken, die sich weigern, sich von Pell und der Kirche zu distanzieren und so in den Augen der Jähzornigen zu Unterstützern "des Systems" werden?

Wer weiß. Unsere Gesellschaft ist nicht deren "Gesellschaft", die sich hin- und herwerfen und emotional durch Tratsch und eitle Fremdbestätigung bestimmen lässt. Sie haben geglaubt, die Herde zerstreuen zu können, wenn sie den Hirten erschlagen. Stattdessen sind sie selbst unter Jammern, Klagen und Vertuschenwollens nicht mehr zu halten.


Gegen diese labil existenzielle Angst ist das, was wahrscheinlich für die Kinder der einen heiligen katholischen und apostolischen Kirche noch kommen wird, ein süßes Joch. Weil sie die Freude immer bei sich haben werden, die die Kinder dieser Welt nicht kennen, bis sie selbst davon gekostet haben.





Persönliche Anmerkung zum Schluss:
Der Autor hat sich unentgeltlich (und wegen Corona-Krise) drei bis vier Tage lang mit dieser sprichwörtlichen Ausgeburt des Irrsinns beschäftigt. Der gesamte Artikel war viel kürzer vorgesehen als er nun letztendlich wurde, da sich die Materialsichtung als regelrechter Rattenschwanz entpuppte, der über sekundär- und tertiärquellen nur noch schlimmer wurde bevor das ganze Ausmaß dieses Schmierentheaters sichtbar wurde sowie das Köpenicksche Meisterstück, dass diese Desinformation so lange am Leben erhielt und leider noch weiter am Leben erhält.

Es wird um drei Ave Maria gebeten.