Donnerstag, 28. Mai 2020

St. Landelin von Ettenheimmünster: Noch ein Ire im Schwarzwald



Ein weitere relativ bekannter unbekannter Wallfahrtsort im Schwarzwald stellt die Wallfahrtkirche St. Landelin in Ettenheimmünster im Ortenau dar. Die Ortschaft ist 5 km von der bekannten Barockstadt Ettenheim entfernt, das sich an der Ausfahrt A6 Kappel-Grafenhausen/Ettenheimmünster nördlich der großen Ausfahrt Richtung Europapark Rust befindet. Von der Autobahnausfahrt dauert es ca. 15 bis 20 Minuten in das Schwarzwaldtal, vorbei an dem Dorf Münchweier, wo sich der zweite Ableger dieser Wallfahrt befindet.


Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts stand in Ettenheimmünster das Benediktinerkloster, das 1804 aufgelöst und bis auf wenige Außengebäude wie die Grundmauern und die Klostermühle nach und nach abgebrochen wurde. Die Silbermannorgel der Klosterkirche von 1769 sowie die barocken Beichtstühlen von, die in den Werkstätten den Klosters von Bruder Aegidius Butsch (1725–1785) hergestellt wurden, befinden sich heute in der Wallfahrtskirche mit dem auffällig schlanken Turm. Wie der Wallfahrtsort des heiligen Trudpert in Münstertal bei Staufen im Schwarzwald befand sich das Kloster im Besitz des Benediktinerordens. Wie dessen 607 getötete irische Glaubensbruder wurde auch der in Ettenheimmünster lebende Einsiedler Landelin gut dreißig Jahre später mit der Krone der Martyriums gekrönt.


Über das Leben des heiligen Landelin


Über Landelins (bzw. Landolin) Herkunft gibt es wie beim heiligen Trudpert immer noch Spekulationen unter Fachkreisen. Wie Trudpert soll er (nach späterer legendarischer Hinzufügung) der Sprößling eines Adelsgeschlechtes gewesen sein und von den britischen Inseln stammen. In manchen Berichten wird er als "Schotte" bezeichnet, in der Vita aus dem 12. Jahrhundert dagegen als "Ire", der den "schottischen" Mönchen d.h. einer Gruppe iro-schottischer Mönche folgte - wobei man beachten muss, dass der Begriff "Schotte" ebenfalls manchmal als Bezeichnung der Iren verwendet wurde. Ob es sich nicht vielleicht wie bei Trudpert wegen des fränkischen Namens (in älteren Versionen auch als "Lendelinus") doch um einen Franken handelte oder sein Name auf seiner Reise durch den fränkisch dominierten Kontinent zum  besseren Verständnis (was auch von Trudpert als Pilger in Rom legendarisch berichtet wird) geändert wurde, ist bis heute umstritten.

Der Vita zufolge begab sich Landelin im Zeitraum von ca. um 600 bis 640 auf Pilgerschaft (bzw. auf Missionsreise) auf den Kontinent und gelangte schließlich ins Elsass. Nach Untersuchung der Reliquien muss er zu diesem Zeitpunkt bereits im fortgeschrittenen Alter gewesen sein. Beim Rhein bestieg er ein Schiffchen, um den Fluss zu überqueren und soll bei Kappel (wie auch der ebenfalls irische Alemannen-Missionar Fridolin) das rechtsrheinische Gebiet der Ortenau betreten haben, von wo aus er sich Richtung Westen auf den Weg nach Altdorf - heute Teil der Stadt Ettenheim - machte, wo er bei einem gewissen Hedolf (in einigen späteren Texten auch "Edulf" oder "Adolf" genannt) und seiner Familie lebte.

Anhand von Ausgrabungsfunden ab dem frühen 19. Jahrhundert handelte es sich hierbei um eine alte gallo-römische Verkehrsstraße, die bis in das Münstertal führte und während der Merowingerzeit deutlich besiedelt war - auf entsprechende Plattengräber, wo Alemannen und Franken bestattet lagen, stieß man in der Nähe des sogenannten Landelinbrunnens, der heute dort stehen soll, wo damals die Wohnung Hedolfs befand. Die Angabe, dass Landelin im Jahre 698 vom Kloster St. Thomas in Straßburg - wo der Heilige ebenfalls verehrt wurde - mit zwei weiteren Brüdern aus Andacht in die Wildnis begeben habe, dürfte wegen Ungenauigkeiten in der Chronik des Daniel Specklin eher unter den Tisch fallen. Wahrscheinlich handelte es sich bei ihm wie beim heiligen Trudpert um einen herumziehenden Wandermönch, die in dieser Form zu dieser Zeit noch existierten.

Nach einiger Zeit beschloss Landelin, entlang der Unditz (dem heutigen Ettenbach) tiefer in die Wildnis zu ziehen, wo er auch eine Einsiedelei errichtete. Offen dürfte bleiben, ob es sich hierbei um herrenloses Land in der Wildnis oder ein Grundstück des Hedulf handelte - im Falle des heiligen Trudpert in Münstertal war eine vorherige Anfrage beim rechtlichen Besitzer bzw. Verwalter dieses Platzes nötig. Ein weiteres Detail war die Bitte Landelins an seine Gastgeber, nach ihm zu sehen, sollte er sich nach einer gewissen Zeit nicht mehr nach Altdorf zurückkommen. Bei der Überlieferung wird davon gesprochen, dass dieses Gebiet ein Rückzugsgebiet von Räubern war; die Ortenau soll vor ihrer zunehmenden Besiedelung als "Mordenau" ("Mortinaugia") genannt worden sein wegen den Banden, die hier ihr Unwesen trieben.

Und deren Opfer Landelin schließlich wurde, der vom Jäger eines gewissen heidnischen Fürsten namens Giso (in der Vita auch als "König" bezeichnet) erschlagen wurde, der ihn der Wilderei verdächtigte und anscheinend ein Exempel für potentielle Kumpanen statuieren wollte. Landelin soll sich mit dem Werkzeug, das er sich von Hedulf auslieh, eine Einsiedelei mit einem Kreuz davor errichtet haben, auf die der Jäger schließlich stieß. In einigen Überlieferungen hieß es, dass dessen Herr selbst Landelin für einen Zauberer gehalten habe, andere, dass er zufällig auf ihn gestoßen sei; an anderen Stellen hieß es, dass sich um dessen Einsiedelei sich das Wild sammelte und selbst die Jagdhunde in Landelins Gegenwart zahm wurden, als der Jäger diese auf das Wild hetzen wollte. Darüber geriet er so in Zorn, dass Landelin trotz allen Zusprechens merkte, dass sich dieser nicht besänftigen ließ und sich auf das Schlimmste gefasst, sich vor dem Jäger niederlegte. Daraufhin schlug dieser auf ihn ein und trieb sein Spiel mit ihm, bis er ihm den letzten tödlichen Schlag versetze und seine Leiche auf dem Waldboden liegen ließ.


Nachdem Hedulf und seine Familie längere Zeit nichts mehr von ihm hörten, machten sich seine Frau sowie dessen Töchter, von denen eine blind war, auf den Weg zum Einsiedler. Sie fanden schließlich die Einsiedelei mit dem Leichnam des Einsiedlers, zu den Enden seiner Gliedmaße sollen sich auf unerklärliche Weise Quellen aus dem blutgetränkten Boden gebildet haben. Während die Mutter mit ihrer einen Tochter nach geeigneten Holz für eine Bahre suchte, blieb die blinde Tochter beim Leichnam. Als diese nach dem Toten tastete, berührte sie aus Versehen dessen Blut, das sie sich über die Augen stricht und plötzlich sehen konnte. Als die Bahre schließlich fertig war, trugen die Frauen den Toten bis zum heutigen Standort des Dorfes Münchweier, von wo sie ihn aus nach Altdorf und weiter auf die andere Rheinseite tragen wollten, da es in dieser Gegend keinen christlichen Friedhof gegeben haben soll. Nach kurzem Abstellen ließ sich die Bahre jedoch nicht mehr von der Stelle bewegen, worauf Landelin hier bestattet wurde. Sein Wanderstab, der auf das Grab gesteckt wurde, soll kurze Zeit später gegrünt haben und zu einem Baum herangewachsen sein.


Die Gisenburg und mögliche Siedlungsanlagen

In dieser Hinsicht stellt Ettenheimmünster eine - wenn auch rätselhafte, da weitere Forschungen zu diesem Thema immer noch ausblieben - historische Besonderheit im Zusammenhang mit der Geschichte vom Martyrium Landelins dar. Südlich hinter der heutigen Wallfahrtskirche befindet sich ein Berg mit zwei verschiedenen Ausläufern, die eine noch heute sichtbare befestigte Bebauung aufweisen, die diesen Teil der Legende in handfester Weise bestätigen könnten.


Auf dem westlichen Bergvorsprung befindet sich gut zwei Kilometer zu Fuß entfernt (erreichbar über den Lärchengartenweg, dann Saatschulweg und Wolfswinkelweg) ein Bauwerk, das als "Heidenkeller" bzw. "Pyramide" bekannt wurde. Diese Wallanlage mit dem aufgemauerten "Heidenkeller", die mehrmals umgebaut worden zu sein scheint (zuletzt 1815/16 als Aussichtsplattform mit Tanzterrasse für Kurgäste) wurde bis heute noch nicht ausreichend untersucht und konnte noch nicht zufriedenstellend datiert werden. Jedoch stieß man in diesem Bereich auf eine Keramikschale aus der Hallstattzeit.


Auf dem östlichen Ausläufer sollen sich die Spuren der "Gisenburg" befinden (erreichbar über die Sägereute und den Gisenburgweg über eine steile Abzweigung, jedoch NICHT beschildert und ziemlich gut versteckt), in der der heidnische Fürst Giso gelebt haben soll. Von dieser Befestigung sind heute nur noch die beiden von Menschen angelegten Halsgräben zu sehen, die Angreifern den Zugang erschweren sollten. Wann und von wem diese angelegt wurden, ist noch immer unbekannt, neben den Gräben sind keinerlei Gebäudereste erhalten. Die frühere Anlage (vielleicht sogar eine Fliehburganlage?) könnte von einem Alemannenstamm oder einer Gruppe weitergenutzt worden sein, nachdem bereits Römer, von denen man hier ebenfalls auf vereinzelte Spuren in Form von Münzfunden stieß, sich regelmäßig auf diesem Bergmassiv aufhielten. Ob es sich vielleicht um eine weit angelegte Höhensiedlung gehandelt habe, muss weiter offen bleiben, auch wenn es viele flache Stellen gibt, bei denen Ansiedlungen und Hofhaltung möglich gewesen wären.

Fraglich wäre in einem entsprechenden Ausmaß dieser Siedlung dann an dieser Stelle, ob mit Landelin nicht nur ein Exempel gegenüber fremden Wilderern, sondern auch Spionen gegenüber statuiert werden sollte, die potenziell die Anlage auskundschaften wollten. Ein ähnlicher Fall ist aus dem österreichischen Stockau bekannt, wo im 11. Jahrhundert der wie Landelin aus Irland stammende heilige Koloman gehängt wurde, da man ihn wegen seiner fremdländischen Kleidung für einen Spion hielt. Was an dieser Stelle trotz fehlender Hinweise jedenfalls diskutabel wäre.


Das Kloster Ettenheimmünster und die Verehrung Landelins

Von dem Kloster Ettenheimmünster, in das anscheinend schon früh Reliquien aus dem Münchweierer Grab kamen, liegen erst 1111 und 1121 gesicherte Urkunden vor, doch bereits der Reichenauer Mönch Herman der Lahme berichtete in seiner Weltchronik, dass Bischof Eddo von Straßburg (ehemals Abt von Reichenau) 734 ein Kloster namens "Ethenheim" errichtet habe. Wegen der späten Überlieferung sind sich manche unsicher, ob bereits um 728 ein kleines Anachoretenkloster durch Bischof Widegern gegründet wurde; auch ob e sich zunächst in Münchweier befand, bevor es an den Ort des Martyriums verlegt wurde, ist bis heute stark umstritten.

Die früheste Wallfahrt ist für das Jahr 1183 in einer Urkunde aus Straßburg belegt, wo die Gastfreundschaft der Mönche gegenüber den Pilgern erwähnt wird. Im 9. Jahrhundert wird Münchweier erstmals urkundlich erwähnt, 1225 über eine Bestätigung von Papst Honorius III. die dortige Pfarrei und Kirche, wobei Landelin nicht explizit genannt wird. Erst für 1268 ist die Übertragung mehrerer Reliquien von ihm in die Altäre des Klosters bekannt. 1336 wird in einer Ablassurkunde von Papst Benedikt XII. aus Avignon namentlich eine Landelinskirche genanntDaruf befindet sich auch die älteste bekannte Darstellung Landelins als Verzierung des Briefanfangs; zwischen 1160 und 1200 wurde die schriftliche (später verlorengegangene, aber 1621 von P. Martinus Stephani gesicherte) Landelinuslegende verfasst, die auf ältere Überlieferungen zurückgehen soll. Eine inhaltlich deckungsgleiche Schrift entstand um 1200 und war im Besitz des Stifts Böddeken in Westfalen. Weitere ausführliche Urkunden aus dem Mittelalter sind leider nicht näher bekannt. Das Kloster wurde 1525 von Bauern in Brand gesteckt, im Dreißigjährigen Krieg wurde es von schwedischen Truppen geplündert, die große Teile der Bibliothek, die man vor ihnen in Sicherheit bringen wollte, beschlagnahmten und nach Schweden brachten, dann aber über Gustav Adolfs Tochter Christina nach Rom gebracht wurden. Dort wurden sie zwar einmal gesehen, gingen dann aber wahrscheinlich über den Transport nach Paris durch Napoleon oder auf andere Weise angeblich verloren. Weitere wichtige Dokumente könnten durch die schlecht überwachte Auflösung des Klostereinrichtung 1803 (mehrere Bücher aus der Bibliothek wurden nach Karlsruhe übertragen, wo sie sich noch heute befinden) verloren gegangen sein.


Dennoch konnten über Landelin in der Straßburger Gegend wichtige Informationen zu seiner Verehrung im Mittelalter gefunden werden. Dort taucht sein Name bis zur Übertragung der rechtsreheinischen Gebiete an das Erzbistum Freiburg 1821 bzw. 1827 immer wieder in liturgischen Büchern auch mit einem Eigenoffizium auf; in späteren Wallfahrtsbüchern (u.a. 1587 in Ettenheimmünster) wird er sogar als "Patronus Alsatum" bezeichnet, was nicht nur auf die vielen Pilgern aus dem Elsass zurückgeht, die regelmäßig den Rhein überquerten. Die älteste schriftliche Nennung erfolgt hier um 1000 im Kalendar des bereits obig genannten Benediktinerstiftes St. Thomas in Straßburg, wo sein Festtag mit dem des Apostels Matthäus für den 21. September eingetragen ist; ein weiteres Heiligenkalendarium von 1175 aus Straßburg erwähnt ihn ebenfalls an diesem Tag mit Matthäus ebenso wie ein Kalendarium des Straßburger Domstiftes aus dem letzte drittel des 11. Jahrhunderts. Medard Barth schloss daher auf eine liturgische Übernahme spätestens im 10. Jahrhundert. 1779 wird sein Gedenktag auf den 22. September verlegt, was auch später das Erzbistum Freiburg übernahm. Eine Vigilfeier für den 21. September existierte, wurde später gestrichen; dennoch kommt er im 18. und 19. Jahrhundert als fester Bestandteil der Straßburger Allerheiligenlitanei vor.

Nach 1730 ist von ihm wie auch von Thomas Morus ein Jesuitendrama bezeugt, das im Theatersaal des Mannheimer Jesuitenkollegs aufgeführt wurde. Auch eigene Benediktusmedaillen wurden hergestellt, die auf der einen Seite den Mönchsvater mit dem Benediktuskreuz zeigen, auf der anderen eine jugendliche Darstellung des Landelin.


Die Reliquien und das Landelinsgrab


Über die mittelalterliche Behandlung der Reliquien gibt es praktisch keine Aufzeichnungen. Deren Handhabung lässt sich jedoch anhand von Ausgrabungen und kunsthistorischen Untersuchungen einigermaßen rekonstruieren.

In Ettenheimmünster liegen das Schädelfragment sowie einige kleinere Reliquienstücke vor, während sich das offizielle Hauptgrab in Münchweier befindet, das 1827 beim Abbruch der alten Kirche geöffnet wurde, um 1828/29 die heutige Heilig-Kreuz-Kirche von Hans Voss im klassizistischen Weinbrennerstil zu erbauen. Es handelte sich dabei um ein Bodengrab, das nach einer schon vorangegangenen Umbettung angelegt wurde. Die Knochen befanden sich in einem kleinen Kasten aus Sandstein in einem Meter Tiefe hinter dem Hochaltar. Bedeckt wurde das Grab von einer massiven Grabplatte aus dem Jahre 1624, das von Abt Kaspar Geiger gestiftet wurde. Das Original befindet sich heute hinter dem Altar der Kirche, in dem sich auch die Reliquien befinden, ein Abguss davon ist für Besucher in einem Raum unter der Empore zu sehen.


Nach den Berichten der erneuten Öffnungen 1897 und 1941 (durch den Reliquienforscher P. Timotheos Stumpfl, der 1944 zusammen mit Eberhardt Marckhott die Reliquien der Lorcher Märtyrer wiederentdeckte, im Auftrag des Freiburger Erzbischofs Conrad Gröber) von befanden sich die Reliquien in einem sehr schlechten Zustand (es konnten bereits Schäden durch bloße Berührung entstehen), der daher führen könnte, dass sich sie Knochen zu lange im Erdboden befanden. Beim Schädelfragment in Ettenheimmünster ist die Knochenrinde aus dem Grund noch erhalten, weil das Fragment wahrscheinlich schon sehr früh aus dem Grab entnommen wurde, während dieses bei den Münchweierer Schädelfragmenten und Knochen fehlt. Es befanden sich bei Öffnung auch Erdklumpen an den Knochen und Kohlereste - wahrscheinlich ein ehemaliger Verschlusszapfen des Steinkastens. Sowohl die Münchweierer als auch die Ettenheimmünsterer Reliquien stammen von der gleichen Person, was man auch an den an beiden Orten befindlichen Zähnen und Knochen nachweisen konnte, die von einer Person fortgeschrittenen Alters stammen.


Wie das Reliquiengrab vorher aussah, steht noch zur Diskussion. Vor dem Bodengrab befand sich in der Kirche ein Hochgrab, das während des Bauernkrieges stark beschädigt wurde und das mit dem 1,59m mal 0,75m großen Sarkophargdeckel in Verbindung gebracht wurde, der 1859 von Grafenhausen nach Karlsruhe verkauft wurde (1935 folgte der Sarkophag selbst, der zwischenzeitlich als eine Art Viehtränke genutzt wurde) und sich im Besitz des Badischen Landesmuseums befindet. Nach der These von Joseph Braun (siehe PDF-Seite 45-58) handelt es sich hierbei um den mittelalterlichen Hochgrab Landelins, das nach Reparatur der Schäden des Bauernkrieges in das zum Kloster gehörige Grafenhausen zunächst in der Kirche ausgelagert und beim Umbau der Kirche 1789 auf den dahinter liegenden Friedhof gebracht wurde, wo die Herkunft in Vergessenheit geriet.

Der gotische Sarkophagdeckel stammt ungefähr aus dem Zeitraum von 1300 und zeigt einen unbekleideten (stilisierten?) jungen Heiligen, dessen Unterleib von einem Leichentuch gedeckt wird, der von mehreren Personen scheinbar zum Begräbnis hergerichtet wird, während ein Engel ihn auf der Rückseite mit einem Weihrauchfass beweihräuchert. Die ganze Szene ist ungewöhnlich dynamisch verklärt dargestellt, der Heilige liegt locker auf etwas, was wie eine Leichenbahre aussieht; das Leichentuch scheint über den Sargdeckel hinauszuragen

. Die Kritik, dass es sich nicht um Landelin handeln könne, weil der Kopf nicht vom Leib abgetrennt sei, konterte Braun mit dem Argument, dass es auch Heiligendarstellungen aus dieser Zeit gäbe mit dem Begräbnis eines geköpften Heiligen, die ebenfalls keine Trennung aufweisen würden; nur wo dies Relevanz gehabt hätte wie bei der Legend des heiligen Johannes des Täufers oder des heiligen Dionysius von Paris hätte man dies auch dargestellt.

Ein weiteres bereits genanntes Reliquienbehältnis befindet sich in Form einer Reliquienbüste unter Sicherheitsverschluss im Besitz der Pfarrei von Ettenheimmünster. In der Wallfahrtskirche befindet sich jedoch unter der Empore eine digitale Diaschau, über die man sich das Reliquiar und die dort eigearbeiteten Detail betrachten kann. Von dort stammen auch die Detailphotos in diesem Artikel. 

 

Das 62cm hohe Reliquiar wurde im Auftrag von Abt Laurentius Effinger 1506 aus teilvergoldeten Silber angefertigt. Es gilt als eine Hauptwerk der oberrheinischen Goldschmiedekunst und wurde vermutlich nach einem Entwurf von Nikolaus von Hagenau angefertigt. Neben der Reliquie selbst befindet sich im Inneren des Reliquiars auch eine kleine Reliquienurkunde aus Pergament, wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert.Neben den regulären Prozessionen vom Kloster in die Wallfahrtskirche und zurück (wobei man den Gläubigen die ausgestellte Reliquie auch zum Küssen reichte) wurden damit auch bei Dürre, Regen und Seuchen mit bischöflicher Erlaubnis Sonderprozessionen gehalten. An einer dieser Prozessionen nahm auch der vor der Revolution aus Straßburg geflohene und in Ettenheim lebende Kardinal Rohan teil.

Mehrmals musste die Reliquie vor Plünderern in Sicherheit gebracht werden, so bei den Franzoseneinfällen 1674 und 1713. 1803 sollte das Silberreliquiar vom badischen Staat eingezogen werden, was für öffentlichen Ärger sorgte, als der staatliche Kommisär das Reliquiar mit einer Salzwaage wiegen ließ, was er beinahe auch mit den Kelch aus dem Tabernakel getan hätte, in dem sich noch das Allerheiligste befand. Nur auf Drängen von Pater Bernard Stöber, der die Sache selbst beobachtete, konnte ein Einzug verhindert werden, da sonst der komplette Wallfahrtsbestrieb zusammengebrochen wäre.


Die Wallfahrtskirche und die Brunnenkapelle


Neben dem Kloster war vor allem die nördlich gelegene und noch heute erhaltene Wallfahrtskirche mit den Quellen, die nach dem Martyrium Landelins entstanden, das Ziel der Pilger. Ein Besuch der Quelle geschah oft in Verbindung in Verbindung mit dem Grab in Münchweier, das heute als weniger spektakuläre Sehenswürdigkeit bei vielen Touristen eher unbekannt ist (der versteckte Parkplatz hinter dem Pfarrhaus dürfte vielleicht ebenfalls ein Grund sein).


So erlebte eine Schweizer Familie aus Hornussen im Fricktal die Heilung des 13 Jahre alten gelähmten Kindes sukzessiv erst in Münchweier, wo er nach einem Liegen auf der Grabplatte Landelins plötzlich stehen, bei der Quelle in Ettenheim dann schließlich gehen konnte.
Das Aussehen der weitaus kleineren mittelalterlichen Kirche ist bis auf die Darstellung des Brunnens mit niedrigem Brunnenhaus und Wasserbecken von ca. 1500. Von der Reliquienbüste von 1506ist auch eine Darstellung von Badezubern bekannt, in die sich ganze Personen setzten konnten und die auch damals in Badehäusern und Kurorten benutzt worden sein könnten. Bis ins ca. 20. Jahrhundert war Ettenheim neben dem Landelinsbrunnen auch wegen weiterer im Ort vorhandener Quellen als touristische Wasserkurort bekannt. Eines dieser Kurhäuser ist heute ein Seniorenheim.

Zur weiteren, ausführlichen Geschichte von Gast- und Badehaus in Ettenheimmünster siehe man den Artikel "Das Gast- und Badehaus des Klosters. Ettenheimmünster vor und nach der Säkularisation" von Bernhard Uttenweiler in "Die Ortenau" Band 78, 1996 (PDF-Seite 260-277).

1687 wurde vom Klosterkapitel ein Neubau als "Notwendig" erachtet, 1688 begann der Bau unter Abt Maurus Geiger, der vom elsässischen Baumeister Johannes Regutz ausgeführt wurde und wegen der ständigen militärischen Bedrohung aus Frankreich erst 1699 vollendet wurde. Der damalige Bau enthielt in der nun überdachten Brunnenkapelle im äußeren Westteil der Kirche enthielt noch einen eigenen Altar in der Kirchenwand. Die Kirche hatte einen doppelten Chor, in dem sich zwischen Hochaltar und Kirchenschiff zwei innere Sakristeibauten befanden, vor denen jeweils ein Altar stand und scheinbar die Funktion des Lettners übernahmen. Das Kirchenschiff war auch dementsprechend kleiner.

Der Bau der heutige Kirche wurde im Jahre 1763 beschlossen, nachdem eine starke Baufälligkeit der 1699 vollendeten Kirche einsetzte. Umgesetzt wurde der wiederholte Neubau durch den aus Meßkirch stammenden fürstlich-fürstenbergischen Baudirektor Joseph Salzmann. Der 1826 wegen Baufälligkeit entfernte Dachreiter wurde 1857 durch einen kompletten Kirchturm hinter dem Chor ersetzt.


Die verhinderte Abschaffung des Kultes durch das Erzbistum Freiburg
Diese Frage steht seit der Veröffentlichung der Acta Sanctorum im Raum und hätte beinahe zur Abschaffung des Kultes durch den Freiburger Bischof zu Folge geführt. 1757 erschien im 6. Band der Septemberausgabe der Acta Sanctorum (PDF-Seite 240-241) die Mutmaßung, die aus dem Martyrologium Usuardi (Antwerpen, 1714), dass es sich bei dem heiligen Landelin von Ettenheimmünster nicht um einen echten Heiligen, sondern um eine regionale Umdeutung des heiligen Abtes Landelin von Crespin aus Belgien (gestorben 686) handle, dessen Reliquien lediglich nach Kloster Ettenheimmünster gekommen seien, dann aber fälschlicherweise eine eigene Legendentradition entstanden sei, die man wegen den zeitlichen Lücken und unterschiedlichen Versionen in Frage stellen müsse. Ausgangpunkt dieser Unterstellung war die Behauptung, dass der frühere Gedenktag des Landelin von Ettenheimmünster am 21. September mit der Reliquienübertragung des Landelin von Crespin zusammenfalle, die ebenfalls am 21. September stattgefunden habe - obwohl dessen mittelalterlicher Gedenktag in Südwestdeutschland allgemein am 28. November begangen worden seien - an dem Tag, an dem im Jahre 841 Reliquien nach Paderborn kamen.

Auf die Unbegründetheit dieser Kritik wies bereits der elsässische Historiker Philippe André Grandidier 1776 in seinem Werk "Histoire de l'Eglise et des évêques-princes de Strasbourg" hin, zuletzt folgte mit "Die Anfänge des Christentums und der Kirche in Baden" 1911 durch Joseph Sauer der Hinweis auf die Historizität der Landelinslegende. Trotz dieser Kritik (vor allem erstere) blieb der Vorwurf gerade wegen dem guten Ruf der Acta Sanctorum weiter im Raum, sodass durch eine wiederholte verhemente Absprechung der Existenz Landelins durch den Historiker Josef Clauss sich der Freiburger Erzbischof Conrad Gröber veranlasst sah, den Kult an sich abzuschaffen und durch die Übertragung einer Reliquie des Abtes Landelin von Crespin "zum Ursprung" der Wallfahrt zurückzukehren.

1944 erfuhr Gröber jedoch über einen Bekannten von dem Vortrag "Kulturströmungen am Oberrhein", an der auch Medard Barth beteiligt war und für die damalige Jahresversersammlung des kirchlichen Vereins auf Einladung von Dr. Sauer gehalten wurde. Der Vortrag, der die Kritik von Clauss erheblichen Schaden zufügte, sollte auf Wunsch des Erzbischofs, der bereits 1941 das Landelinsgrab in Münchweier vom Reliquienforscher P. Timotheos Stumpfl noch einmal gründlich  untersuche ließ, für die Öffentlichkeit abgedruckt werden. Aufgrund des Krieges und dessen folgen konnte dieser erst 1949 verbreitet werden, ebenfalls erschien 1949 posthum das Werk "Zur ältesten Missions- und Patroziniumskunde im alemannischen Raum" von Pfarrer Heinrich Feurstein aus Donaueschingen, der 1942 im KZ Dachau an den Folgen der Haft verstarb und 1999 in das Deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen wurde.


In dem Werk "Der hl. Märtyrer Landelin von Ettenheimmünster - Sein Kult in Baden und Elsass" legte Barth in der Ausgabe des Freiburger Diözesanarchiven von 1955 noch einmal mit der Kritik am Zweifel von Landelins Existenz nach. Er wies nach, dass es sich mit der Nennung Landelins als Märtyrer im Kalendarium des St. Thomasstiftes in Straßburg um 1000 unmöglich um einen fremden Heiligen gehandelt haben könne, dessen Legende durch die hiesige Bevölkerung verzerrt worden sei, da sie Reliquienerhebung Landelins von Crespin, deren Datum Kritiker des Ettenheimer Landelins hauptsächlich zitieren, erst 1105 stattfand. Wie obig angedeutet kann eine Verwechslung des Datums ebenfalls nicht vorliegen, weil nach Paderborn, von dem damals auch andere Kirchen den Gedenktag übernommen haben, die Reliquien bereits am 28. November 841 (!) übertragen wurden und somit auch dessen Todestag am 15. Juni nicht weiter beachtet wurde. Auch wäre auch der 21. September als Gedenktag nicht für alle Kirche bindend gewesen, da viele Kirchen auch eigene Gedenktage des Heiligen pflegten, dessen Reliquien an diesem Tag feierlich in ihre eigen Kirche überführt wurden - siehe nochmals Paderborn.

Auch die Menge der Reliquien in Münchweier macht unter diesen Umständen stutzig. Nach deren Untersuchungen handelt es sich um Knochen einer vollständigen Person, die sich vor der Erhebung bereits jahrelang in der Erde befunden haben. Der einigermaßen bessere Zustand des Schädelfragments in Ettenheimmünsters lässt sich aus den Umständen erklären, dass dieses schon früher der Erde entnommen wurde. Auch fanden sich in dem kleinen Steinsarkophag nicht nur Reste des Schädels (Fragmente der Schädeldecke, Zähne), sondern auch andere Knochen, was von mehr als nur einer gespendeten Reliquie sprechen könnten, unter diesen Umständen aber wirklich schlampig behandelt worden sein müssen, wenn sie schon damals nicht etwa im Friedhof beigesetzt, sondern wie im Normalfall in ein Reliquienbehältnis, einem Schrein (wie in Münchweier) oder einer Nische oder einem Altar verwahrt worden wären. Eine eigene Person, die damals wirklich in Münchweier beigesetzt, später komplett exhumiert und nach dem Bauernkrieg als Schutz vor Plünderern noch einmal beigesetzt worden wäre, ist an dieser Stelle gegenüber einer fremden Reliquie, die man schon damals für einen Transport präpariert hätte, eher plausibel.


Die veröffentlichten Mirakelberichte


Neben diversen Andachtsbildern, Heiligenlitaneien und -liedern, die dem heiligen Landelin gewidmet und in Büchern abgedruckt wurden, sind auch die sogenannten "Miracelberichte" zu nennen, die im Kloster gemeldet werden, das 1617 im sogar im Besitz einer eigenen Druckerei ist. 1621 verlegt P. Martinus Stephani sein "Historia de vita et martyrio S. Landelini", in denen er auch Wunder aufzählt, die ein unbekannter Autor um 1200 selbst erlebt haben will und in der Landelinsvita erfasste, die leider im Original verloren ging, sowie Gebetserhörungen aus den Jahren 1608 bis 1620.

Es entstanden auch weitere Wallfahrts- und Heiligenbüchlein, die die Wunderberichte jedes Mal um neuere Zeugenaussagen aktualisierten. Eines davon ist "Leben und Miracul des hl. Märtyrers und Landespatronen Landelini", das 1682 zum ersten Mal erschien und drei Neuauflagen 1687, 1712 und 1746 erlebte, von Abt P. Maurus Geiger, der sich dem heiligen Landelin gegenüber zum persönlichen Dank verpflichtet fühlte. Während der Vorbereitung auf das Priestertum erkrankte er an der Roten Ruhr und genaß auf dessen Fürsprache hin. Ein weiterer Mönch, der Prior P. Karl Scherer, erfuhr ebenfalls Heilung durch den heiligen Landelin, als er durch ein Bad im Quellwasser von Gichtleiden befreit wurde.

Neben der Überlieferung von "Vergeltungswundern" (wie gegen einen Ritter, der den Mönchen das Land abtrotzen wollte und dem Landelin lässterte, später aber von wieder durch dessen Fürsprache und Reliquiensegen geheilt worden sein soll), sowie Berichten von Geistlichen und Adeligen (wie der Markgräfin Augusta Sybilla von Baden und Hochberg, die ebenfalls im Quellwasser badete) sind es vor allem Berichte von einfachen Leuten, die in das Verzeichnis aufgenommen wurde; sogar nach Begutachtung durch einen Arzt. Die Pilger, denen Gebetserhörung oder Heilung widerfahren ist, stammen oft aus dem badischen (z.B. Freiburg, Offenburg, Ettlingen, Staufen, Sasbach, Herbolzheim, Haslach, Ringsheim, Rust etc) oder elsässischen Raum (Straßburg, Colmar, Fort-Louis, Rheinau, Oberlauterbach, etc), vereinzelt auch aus dem Württembergischen (Stuttgart, Eixheim, Rottenmünster), Hohenzollerischen (Haigerloch), Bayrischen (Aibling, Dinkelsbühl), Rheinpfälzischen (Brosel, Sulzfeld) und dem Schweizerischen (Drilken bei Zürich, Hochdorf bei Luzern, Hornussen in Fricktal). Im Falle von Sulzfeld (1695) und dem Züricher Drilken (1719) handelte es sich um Heilungen, die zur Konversion zum Katholizismus führten; dazu gehört auch die Heilung des 27-jährigen Josef Heimb aus Freistett im Hanauerland (1697), der an epleptischen Anfällen litt und von einem Katholiken über die Wunder durch die Fürsprache des heiligen Landelin hörte. Anfangs wurden die Namen und Wohnorte der Konvertiten nicht angegeben, was später jedoch erfolgte.

Heilungen traten den Berichten zufolge bei Beschwerden wie Lähmung, Augenleiden (man wusch sich mit den Quellwasser auch die Augen), Erblindung, Taubheit, Rheuma, Gicht, offene Füße, Wassersucht, Ruhr, Hautausschlägen, Epilepsie, Kinder- und Frauenleiden sowie bei den Folgen von Schlaganfällen und Unfällen auf. Auch von der wunderbaren Erfüllung von Kinderwünschen wird berichtet, aber auch von erfolgreichen Exorzismen. Zu letzterem soll es in der alten Münchweierer Kirche sogar eine Darstellung gegeben haben.

Wie heute in älteren unbelassenen Wallfahrtkirchen wie in St. Walburg in Eichstätt befanden sich auch in der Wallfahrtskirche des Landelin Votivtafeln und Krücken, die Geheilte als Zeugnis zurückgelassen haben. Später wurden diese komplett entfernt.


Feste, Prozessionen und Zugang zur Landelinquelle
Mit der Auflösung des Benediktinerklosters, das durch die Verbreitung von Druckzeugnissen für zusätzliche Bekanntheit sorgte, ging die Bekanntheit der Wallfahrt zum heiligen Landelin extrem stark zurück. Trotzdem wird jedes Jahr das St.Landelinsfest abgehalten, bei der auch das wervolle Reliquiar mitgeführt wird. Seit 1956 geschieht dies in Verbindung mit einem Pferderitt und einer Pferdesegnung, die ursprünglich seit etwa 1685 bis nach 1800 abgehalten wurde und danach nicht mehr durchgeführt wurde. Das Fest findet am Sonntag nach dem 22. September statt, wobei bereits Samstag die Feierlichkeiten beginnen können (man frage für nähere Informationen am besten direkt beim Pfarramt an).

Das Wasser aus der Landelinsquelle in der Brunnenkapelle an der Kirche ist nicht nur zum Waschen geeignet, sondern kann auch getrunken werden, wobei hier auf die überraschend gute Qualität hingewiesen werden soll. Das Wasser darf man auch in größeren Mengen abfüllen, um einen entsprechenden Obolus für das Spendenkässchen wird gebeten. Flaschen und Wasserkanister muss man aber selbst mitbringen. Die Brunnenkapelle ist eigentlich regulär von 9:00 bis 17:30 Uhr geöffnet, wobei es sein kann, dass sie wegen Einschränkung des Wassertourismus (ja, die Erdstrahlungsleute kommen auch hier vorbei...) während des Gottesdienstes und der Feiertage geschlossen wird, um die Stille dieses Ortes zu wahren.

Derzeit ist es leider auch so, dass die Kapelle wegen der Corona-Pandemie komplett geschlossen sein kann (vor Ort schon vor einigen Wochen selbst gesehen), um größere Menschenansammlungen und Infektionsherde zu verhindern. 

Für Wandertouristen gibt es übrigens auch die sogenannte Landolin Tour. Wie Franziskus von Assisi blieb auf unser lieber Blutzeuge nicht von der Naturromatisierung verschont.




Gott, zu Ehre deines Namens hat der heilige Landelin das Martyrium erlitten. Schenke uns auf seine Fürsprache hin, dass auch wir den Weg gehen, der zu dir führt, Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Aus der Landelinus-Litanei





Zu empfehlende Lektüren, die als hauptsächliche Quelle dienten (mit besonderer Hervorhebung der Online-PDFs): 
- Hermann Bromer (Hrsg.): Wallfahrten im Erzbistum Freiburg. Verlag Schnell & Steiner, 1990. ISBN: 978-3-7954-0850-3. Da das Buch inzwischen vergriffen ist, wird eine Bestellung bzw. Anfrage in Antiquariaten oder auf Amazon empfohlen.
- Bernhard Uttenweiler: "Wallfahrtskirche St. Landelin Ettenheimmünster". Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 1. Auflage 2006. ISBN: 3-89870-299-5
- Hubert Kewitz: "Zur Geschichte des hl. Landelin von Ettenheimmünster". Erschienen in "Die Ortenau", Band 76, 1985. PDF-Seite 102-119. 
- Bernhard Uttenweiler: "Das Gast- und Badehaus des Klosters. Ettenheimmünster vor und nach der Säkularisation". Erschienen in "Die Ortenau" Band 78, 1996. PDF-Seite 260-277. Aus diesem Artikel stammt auch der Holzdruck des Landelinbrunnens von 1500.
- Freiburger Diözesanarchiv (PDF, digital): 
- Medard Barth: "Der hl. Märtyrer Landelin von Ettenheimmünster - Sein Kult in Baden und Elsass", Ausgabe 65, 1955. PDF-Seite 213-256. 
- Robert Merkle: "Zur Kulturgeschichte des hl. Landelin", Ausgabe72, 1952. PDF-Seite 152-171.
- Joseph Braun: "Eine mißgedeutete Darstellung auf einem Sarkophag im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe", Band 70, 1950. PDF-Seite  45-58. Aus diesem Bericht stammen auch die beiden Photographien vom Landelinsarkophag. 



Montag, 25. Mai 2020

Seelsorge in Zeiten des Corona-Virus 7: Das seelische Vakuum


Während in Deutschland der Eierlauf um Normalität weitergeht (erinnert sich noch jemand daran, als Masken noch als "nicht hilfreich" eingestuft wurden und nun Pflicht sind?), nimmt das Krisenmanagement in anderen Ländern teilweise (freiwillig) bizarre Züge an.

Der auf diesem Blog bereits schon mal erwähnte irische Vlogger Dave Cullen (aka. Computing Forever) weißt dabei auf das fast schon religiöse Verhaltensweisen bestimmter Bevölkerungsgruppen auf die staatlichen Corona-Verordnungen hin. Schon davor kam er in weiteren Videos auf den Druck zu sprechen, der auf den Menschen lastet und auch gesundheitliche Folgen hat. Ein weiteres Interview-Video zu diesem Thema wurde inzwischen auf eine Anzeige hin von Youtube genommen (ist aber noch auf Bitchute zu finden).



[…] Wie wir bereits erwähnten wurde eine Mutter, die Vergessen hatte, am Clapathon teilzunehmen, der jeden Donnerstagabend um acht Uhr stattfindet, von ihren Nachbarn am nächsten Tag auf Facebook öffentlich bloßgestellt. [pers. Anm.:Der "Zweiminutenhass" aus Orwell´s 1984 lässt grüßen...]
Im Vereinigten Königreich wird der Nationale Gesundheitsdienst von Vielen wie eine religiöse Institution behandelt, die darauf bestehen, dass er das "Neidobjekt der Welt" und Musterbeispiel an Vorherrschaft staatlicher Gesundheitsversorgung sei. 

Bei dieser ganzen 'Klatschen für die NHS'-Sache wird versucht, einen Konsens innerhalb der Bevölkerung zu erzeugen. Die Macht dieser Art von Propaganda ist eine Form von Überredung, basierend auf Ritual und Wiederholung. Je mehr Menschen mitmachen bei diesen öffentlichen Zurschaustellungen der Unterstützung für die NHS und je mehr sie das in Massen in Gegenwart anderer Mitglieder ihrer Gemeinschaft tun, desto mehr glauben sie es durch die Bestärkung der Gruppe. Massengottesdienste und kirchliche Zusammenkünfte wurden abgesagt zugunsten von etwas, was eine neue säkulare Religion zu sein scheint, und der Anbetung der NHS als einer Institution. 

Ich denke, die Psychologie dahinter ist ziemlich interessant. Hier in Irland zum Beispiel behaupte ich mal, sind die Menschen immer noch sehr religiös. Auch solche, die nicht notwendigerweise an Gott glauben; sie übernehmen dennoch religionsähnliche Glaubenssysteme, aber in einer säkularen Art des Denkens. Die historische religiöse Sensibilität der Iren ist nicht einfach über Nacht verschwunden. Sie wurde nur von Gott und dem Christentum übertragen auf eine dogmatische Konformität und Festhalten an alle Dinge, die neoliberal, progressiv etc. sind. Und ich denke, dass dies auch der Grund ist, warum die Bevölkerung hier sehr schnell alle Distanzierungsregeln annahm und den Narrativ der Medien blindlings akzeptierte. 

Es ist komisch. Ich habe mich neulich mit zwei Nachbarn über das alles unterhalten. Und obwohl sie mir zustimmten, dass an dieser Krise irgendetwas seltsam sei, sei es das, was sie auch selbst willig tun würden. Und beide sagten das Gleiche: Die Menschen wollen an etwas glauben. Sie bezogen sich auf das Verlangen und Bedürfnis der Bevölkerung, während der Krise ihr Vertrauen auf irgendetwas zu setzen. In diesem Fall waren das Objekt ihrer Zuwendung die Medien und die Regierung. Sie wollen glauben, dass die Institutionen vertrauenswürdig seien und sie schützen würden. Die Anziehungskraft der Autorität. 

Es ist einfacher zu glauben als Gebrauch von den eigenen kritischen Fähigkeiten und sich die Mühe zu machen, ein Maß an Skepsis oder Vernunft zu wahren. Die Karens, die fieberartig den Distanzregeln auf den Buchstaben folgen und sie dann versuchen, Anderen aufzwingen, tun es wahrscheinlich deshalb, weil sie glauben, dass das Brechen dieser Regeln grundsätzlich so etwas wie eine Sünde sei. Der Virus wird zu einer Art Aberglaube. 

Du weißt nie wirklich, wie er sich in deinem Leben manifestieren wird; er ist unsichtbar und daher eine ständige Bedrohung. Man fällt so in ritualistische Muster aus Distanzhalten, exzessivem Händewaschen, Tragen von Masken und Handschuhen, pflichtgemäßen Anstehen im Gang des Lebensmittelgeschäftes, dem Stehen auf einem Kreis auf dem Boden, Folgen der Pfeile und generell das zu tun, was dir gesagt wird, ohne es in Frage zustellen. 

Oder im Falle derjenigen, die es im Vereinigten Königreich einem abkaufen: Händeklatschen für die NHS jeden Donnerstag um acht Uhr abends. [...]


Es dürfte nicht überraschen, dass auch dem Historiker Charles A. Coulombe religiöse Parallelentwicklungen innerhalb der Gesellschaft bei Rückgang des Religiösen in realiter auffielen; auch unter einem völlig anderen Umstand. 

So nannte er in einem Interview eine Ursache für den schnellen Aufstieg des naturverehrenden Wicca-"Hexen"kultes (der übrigens in den USA überraschend stark zunimmt) in den 1960ern den Rückgang von Segnungen, Flurprozessionen, Bitt- und jahreszeitlichen Quatembertagen durch die "Reformen" nach dem II. Vatikanischen Konzil, was zu einer einseitigen Rationalisierung und somit einem Bruch zur lebendigen Realität der Natur als Mitschöpfung geführt hätte, der zu einem weltanschaulichen Vakuum führte - wo es eigentlich keines geben dürfte. Und doch eine Nische für persönliche Projektionen entstanden ist, weil traditionell stabile Alternativen fehlten.



Freitag, 15. Mai 2020

Dr. Taylor Marshall: Steht Bill Gates in der Apokalypse?


Dr. Taylor Marshall vom New Saint Thomas Institute geht in diesem Video auf eine Frage ein, die während der Corona-Maßnahmen wieder mal aktuell wurde.

Seit den 1980ern, wo viele Menschen begannen, die symbolische Beschreibung der Offenbarung des Johannes der Apokalypse, dem Auftreten eines Anti-Christus und dem Ende der Welt in die aktuelle materialistische Weltentwicklung zu tragen (z.B. angebliche Anspielungen auf Überschallflugzeuge, Panzer und Atombomben) gibt es im Zusammenhang mit diversen Äußerungen von Bill Gates und seiner Stiftung zu einem individuellen Trackingsystem nun die Behauptung, dies sei das "Zeichen des Tieres" d.h. des Antichristen aus dem 13. Kapitel der Johannes-Offenbarung, der damit eine totalitärer Verfolgung all derer anstrebe, die nicht sein Zeichen tragen.

Dass es sich bei dem vorgeschlagenen nationalen Trackingsystem Gates´ nicht etwa um Mikrochips, sondern um eine Art Tätowierung handle, hat die apokalyptische Sicht einiger Gruppierungen auf den philanthropischen Technokraten zusätzlich noch einmal so richtig angefeuert.

Dr. Marshall - der diese Sicht als ersichtlich problematisch bezeichnet und zur Weiterführung des Themas seine Vortragsreihe zur Apokalypse auf Youtube empfiehlt - nimmt dazu sowohl die genannte Stelle aus der Johannes-Apokalypse (die, wie er anmerkt von ZWEI verschiedenen Tieren spricht) unter die Lupe als auch die alttestamentliche Stellen Daniel 2 (Beschreibung des vierten Tieres, das als von Christus bezwungene und den Gläubigen übergebene Römische Imperium als pagane Staatsmacht in der Apokalypse ein Comeback erlebt) und Deuteronomium 6 (Zeichen/Worte des Glaubensbekenntnisses an der Hand, dem Kopf und dem Haus). Marshall weißt hier deutlich eher auf ein spirituelles Eindringen des Satanischen als gottesfeindliche Kultur in das Leben der Menschen hin als ein rein technokratisch-materialistisches, wie das bei der Zusammenschau des Neuen mit dem Alten Testament deutlich wird.

Denn neben dem Tier aus dem Meer - was für die Juden für die heidnischen Völker stand - taucht auch auffälligerweise ein "Tier vom Land" auf, das falsche Wunder als Legitimation für das erste Tier d.h. den vergöttlichten Usurpator wirkt. Dass es "aus der Erde" d.h. aus dem Land der Juden selbst stammt, macht eine spirituelle Dimension deutlich, die den Menschen neben einer Allbeherrschung auch eine Alldeutung in Form einer Korruption bzw.  Perversion des geoffenbarten Eigenen darstellt - man folgt nun einer selbstschmeichelnden Ideologie wie die Juden, die Christus wegen seines universellen Vollmachtanspruches um der eigenen scheinbar für immer bestehende ethnozentrisch-legalistisch herausragende Position willen ablehnten. Nur dass es diesmal in die andere Richtung geht, aber unter religiösen  Pseudo-Zeichen - die von den Menschen sofort angenommen werden, um den beiden Tieren mit dem Drachen, der den Satan als Urheber darstellt, als unheilige Dreifaltigkeit lebensumfängliche Anbetung zukommen zu lassen.

Dr. Marshall weißt speziell auf die spirituelle Dimension von Deuteronomium 6 hin, das in der Platzierung des Bekenntnisses an der Hand als Mittel des persönlichen Handelns und dem Kopf als Ort der Gedanken zu deuten ist und anders als die materielle rabbinisch-judaistische Ausprägung in Form des "Gebetsriemens" nicht nur Körperteile abdeckt, sondern das gesamte Wesen des Menschen umfasst. Das von dem Drachen und den beiden Tieren angegriffen wird, um direkten Einfluss auf den Menschen zu haben, der nun freiwillig ihre Werke tut.

Auch auf die Zahl 666 als Zeichen für den sadistischen Kaiser Nero als Mörder der Apostelfürsten Petrus und Paulus wird eingegangen (auch das griechische Wort θηρίον für "Tier" ergibt aus den numerischen Buchstaben des Griechischen die Zahl 666) und deren Konkurrenz zu Namen Jesus steht, der die Zahl 888 (8 als Zeichen des neuen, "achten" Schöpfungstages der Auferstehung, die auch in mittelalterlichen Taufbecken in Form eines Achtecks wieder aufgegriffen wird) ergibt - sowie dessen beinahe schon überraschend modernen Verständnis (siehe diese nette Amazon-Rezension), aus eigener Macht selbst zu Gott zu werden.

In diesem Kontext sind Christen aufgerufen, immer aufmerksam zu bleiben. Auch wenn Bill Gates (Wahrscheinlich) nicht der Antichrist ist, so weist er doch wie viele andere, die für eine Weiterentwicklung der Menschheit aus sich selbst stehen, das Charakteristikum auf, trotz seiner Stellung als Geschäftsmann und Philanthrop doch lieber die eigene Vorstellung über Gott und die Welt über Gott selbst und den Mensch als seine von ihm anhängige und verpflichtete Schöpfung zu stellen.

Und dass dies jederzeit und unter allen möglichen Umständen einfach so in aggressiver-zynischer Form ausbrechen kann haben wir bereits vor Wochen in aller Verstörtheit sehen können. Es kann sich aber auch als harmlose Menschenliebe getarnt wie ein Raubmörder des göttlichen Lebens in das eigene Heim einschleichen.









Weiteres von Dr. Taylor Marshall:
- Video-Vorträge zur Johannes-Apokalypse
- Das im Video erwähnte Buch "The Eternal City"
- Die Homepage von Dr. Marshall
- Die Homepage des New Saint Thomas Institutes
- Sein Youtube-Kanal 






Freitag, 8. Mai 2020

Interview mit Probst Dr. Gerald Goesche vom Institut St. Philipp Neri in Berlin


Nachdem die Aufregung um die Klage von Probst Dr. Gerald Goesche vom Institut St. Philipp Neri in Berlin zwischenzeitlich in medialen Publikationen, diversen Drohbriefen und Denunziationen, die zu amtlichen Hausdurchsuchungen führten, ihren Höhepunkt erreicht hat, interessiert sich inzwischen auch das Ausland für den mutigen Priester, der praktisch im Alleingang versucht hat, den Gottesdienst für die Osterzeit über rechtliche Instanzen wieder zuzulassen wie sogar der Sender sogar BBC. Journalist Brian Thomas, der auch für die Deutsche Welle tätig ist, hat dazu ein Interview auf Deutsch und Englisch geführt.










Mittwoch, 6. Mai 2020

Die Wallfahrtskapelle Maria Sand bei Herbolzheim



Wenn man schon einmal in der Gegend ist: Der Touristenmagnet Rust ist neben der Autobahnausfahrt A5 bei Ettenheim und Ringsheim und auch über Herbolzheim beim Schwarzwald zu erreichen, wo sich ein entsprechender Rastplatz befindet, an dem man Eintrittskarten für den dortigen Europapark erwerben kann. Im angrenzenden Industriegebiet Herbolzheim in der Maria-Sand-Straße 6 befindet sich für die meisten Besucher gut versteckt die Wallfahrtskirche "Maria Sand", deren Gründung durch die Auffindung des Gnadenbildes auf die Zeit der Reformation zurückgeht. Sie ist übrigens nicht zu verwechseln mit der Wallfahrtskirche "Maria im Sand" im fränkischen Dettelbach oder "Maria am Sand" bei Brixen/Südtirol.


Wie im Falle des bereits genannten englischen Wallfahrtsortes Walsingham/Norfolk erwähnt, kam es auch in Deutschland während der Reformation zu Verschwinden von religiösen Bildwerken - besonders wenn es sich um Heiligendarstellungen handelte. Und das hatte je nach Region eine eigene Ausprägung. Die stolzen Bürger von Nürnberg beließen die Kunstwerke an ihren Plätzen in den Kirchen, sogar das berühmte Sebaldusgrab blieb unangetastet. In Orten wie Wittenberg verbannte man sie in sogenannte "Götzenkammern", während es in Städten wie Basel und anderen Teilen der Schweiz und den Niederlanden zu regelrechten Zerstörungsaktionen kam. Letzteres war wohl auch in den protestantischen Gebieten um Herbolzheim der Fall.

Das Herbolzheimer Wallfahrtsbild soll aus dem damaligen Nachbarort (heute ein Teil Herbolzheims) Tutschfelden stammen. 1556 wurde hier durch Karl II. von Baden-Durlach wie auch in seiner ehemaligen Residenzstadt Pforzheim und anderen Teilen seiner hachbergischen Territorien die Reformation eingeführt, was nicht nur die Auflösung von Klöstern und die Ausweisung katholischer Priester zur Folge hatte, sondern auch die Unterdrückung der Heiligen- und Marienverehrung im Volke selbst. Es kam deshalb zu diversen Fluchten von Figuren in benachbarte Territorien, wie es zum Beispiel bei der Bläsikapelle in Waldkirch im Schwarzwald der Fall war.


Die Legende erzählt, dass die Tutschfelder eine 1,20 Meter große bemalte Terrakottafigur der Maria Königin mit Jesuskind (entstanden ca. 1470) dem Fluss Bleiche übergeben hätten, die trotz ihres Gewichtes seltsamerweise mehrere Kilometer weitergetragen und an einen Strand nahe der heutigen Kapelle angespült wurde. Fromme Verehrer der Muttergottes (in Herbolzheim wurde die Existenz einer Rosenkranzbruderschaft im Jahre 1502 nachgewiesen) fanden sie dort und brachten sie in die etwa 1,5km entfernte Pfarrkirche Sankt Alexius in Herbolzheim. Am nächsten Tag lag sie jedoch wieder an dem Bleiche-Ufer, was als Wunsch gedeutet wurde, dass hier ein Ort der Verehrung entstehen sollte.


An dieser Stelle befand sich damals bereits ein spätmittelalterlicher Vorgängerbau, über den keine weiteren schriftlichen Informationen vorliegen. Grabungen ergaben, dass diese eventuelle Hof- oder Wegkapelle, die um 45° gedreht war, mindestens sieben Meter breit und mindestens 7 Meter lang gewesen war und mit Wandmalereien und einem Ziegeldach sowie einem Ziegelboden ausgestattet war. Aschereste lassen schließen, dass sie durch einen Brandzerstört wurde; wann dies geschah ist unbekannt.

Um 1560 (Datum an Chorwand) entstand eine kleinere Kapelle, auf deren Überreste man ebenfalls unter dem heutigen Chor stieß und die wie der Vorgängerbau einen Boden aus Ziegeln besaß, diesmal im Fischgrätenverband angelegt. Angeschwemmter Lehm lässt darauf schließen ,dass diese Kapelle durch Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen wurde.


Nachdem 1652 Frauen aus Herbolzheim ein provisorisches Kirchenzelt errichten wollten, da die Kapelle für Besucher zu klein wurde, wurde 1680 die heutige Kapelle erbaut, die den spätgotischen Baustil ansatzweise übernahm (siehe Spitzbogenfenster). 1747 wurde das Langhaus um 10 Meter nach Westen verlängert. Südliche der Kirche befindet sich das Mesnerhaus, in dem ein Eremit aus dem während der Säkularisation aufgelösten Franziskanerkloster Kenzingen lebte, der mit dem Kirchendienst und der Versorgung der Pilger betraut war. Auffällig sind im Inneren der Kirche die Heiligen, die am Hauptaltar bei der Marienfigur aufgestellt wurden; neben dem Karl Borromäus und dem Johannes Nepomuk als priesterlich-geistliche Heilige sind auch die bäuerlichen Pest- und Seuchenheiligen Rochus und Wendelinus vertreten, am linken Seitenaltar steht ebenfalls eine Figur des Pestheiligen Sebastian.


Wie im Falle der Freiburger Kapelle St. Ottilien geriet auch die Maria im Sand-Kapelle als volkstümlicher Wallfahrtsort ins Fadenkreuz der Säkularisation. 1788 sollte sie im Zuge des josephinischen Reformen aufgelöst werden, 1805 versuchte die ebenfalls das frisch gegründete Großherzogtum Baden, das zusätzlich auch das Vermögen einziehen wollte. Zu einer materiellen Auslösung kam es nicht, dagegen wurden die Gottesdienste und Wallfahrtstage stark eingeschränkt. Mit der Gründung des Erzbistums Freiburg fand ab 1821 eine starke Förderung der Wallfahrt von Seiten des Bistums statt. Heute zählt die Wallfahrt zu den beliebtesten des südlichen Ortenau- und nördlichen Breisgaukreises.


Neben den Renovationsarbeiten 1961 und 1978-81 wurden im 20. Jahrhundert neben den Deckengemälden von Josef Mariano Kitschker (1921) 1905 vor der Kirche ein heute leider teilweise beschädigter Kreuzweg aufgestellt. Nach der Ruhrepidemie 1918 kam eine Lourdesgrotte hinzu, wo Gläubige aus Brandschutzgründen außerhalb der Kirche ihre Kerzen anzünden können. Ende des Zweiten Weltkriegs kamen aus Dank vor der bewahrten Kriegszerstörung (am Aschermittwoch 1945 wurden Ortschaften durch Artilleriebeschuss aus dem Elsass zerstört, die Kirche St. Cyprian und Justina in Kappel-Grafenhausen ging dabei in Flammen auf) eine Votivtafel hinzu, 1947 spendete Fritz Wohleber, der während des Ausbruchs aus einem Kessel an der Russischen Front ein Gelübde ablegte, der Kapelle zwei Glocken, worauf bei seiner Votivtafel ebenfalls explizit hingewiesen wird.

  





Zu empfehlende Lektüren, die als Quelle dienten: - Hermann Bromer (Hrsg.): Wallfahrten im Erzbistum Freiburg. Verlag Schnell & Steiner, 1990. ISBN: 978-3-7954-0850-3. Da das Buch inzwischen vergriffen ist, wird eine Bestellung bzw. Anfrage in Antiquariaten oder auf Amazon empfohlen.
- Kath. Pfarramt St. Alexius (Hrsg.): Glaubensorte in Herbolzheim im Breisgau - Pfarrkirche St. Alexius, Wallafhrtskirche Maria Sand, Kleindenkmale an den Wegen. Édition du Signe, 2004. ISBN: 2-7468-1440-4. Zu erhalten unter anderem in der Wallfahrtskapelle selbst.
- Wikipedia-Eintrag mit ausführlicher Beschreibung der Inneneinrichtung