Dienstag, 30. Juni 2020

Sankt Mauritius: Der "Uncle Ben" Deutschlands?




Zum bisherigen bilderstürmerischen Irrsinn
Als im Rahmen der Proteste nach dem Tod von George Floyd begonnen wurde, Statuen von unliebsamen Persönlichkeiten zu stürzen, griff unter dem Todschlagargument "Kolonismus" und "Sklaverei" der Eifer der Bilderstürzer schnell von Konföderierten auf die Gründerväter (George Washington und Thomas Jefferson) selbst über, dann auf Persönlichkeiten der Geschichte wie Christoph Kolumbus, Miguel de Cervantes und zuletzt auch den heiligen Junipero Serra, dem ein regelrechter Genozid von den Hetzern von Unwissenheits Gnaden vorgeworfen wird. Ein Aktivist von Black Lives Matter hat zudem gefordert, dass "weiße Darstellungen" von Jesus und Maria zerstört werden sollten, da sie eine Zeichen "Weißer Vorherrschaft" seien.

Doch die Inquisitoren (die übrigens ihrem Namen nicht wirklch gerecht werden, da sie anders als die historischen Inquisitionen die Vorwürfe nie wirklich prüfen, sondern sofort zuschlagen) haben auch andere, "Nicht-Weiße" Ikonen entdeckt, die wegen verstecktem Rassismus aus der Öffentlichkeit entfernt werden sollten. In Deutschland war die vor zwei Jahren losgetretene Verhüllung des Sarotti-Mohrs in Mannheim nur das Menetekel zu dem, was panischer Aktionismus gegenüber Massenkritik hervorbringen sollten.

In den USA wurde vor einiger Zeit im Zuge der Unruhen bekanntgegeben, dass zwei Brandlogos wegen rassistischer Stereotypen geändert werden sollten: Uncle Ben´s und Aunt Jemima. Was vielen zwangsentdiskriminierten Schwarzen eher sauer aufstieß als wie erhofft Dankbarkeit gegenüber den Aktivisten und nun "aufgeklärten" Konzernen zu empfinden. Auch bei genauerer marketing-historischer Betrachtung stießen diese Aktionen auf Unverständnis.


Zur schieren Dummheit der typischen deutschen Nachläufer
Seien wir ehrlich: Die Sache war so schräg, dass sie mich an die versuchte Abschaffung des Mauritiuswappens Coburgs durch die Nationalsozialisten 1939 erinnerte - natürlich mit rassistischer Begründung aus der anderen Ecke, die bizarrerweise ebenfalls weniger andersrassige Vertreter in der Öffentlichkeit sehen wollte. Also habe ich mich vor einer Woche zunächst entschlossen, die geplante Abschaffung als Aufhänger für einen Artikel über den damals populären Soldatenheiligen Mauritius selbst zu nutzen. So weit, so gut.

Aber weil wir uns ja im Land der ewigen Nachläufer mit null Ahnung über deutsche Geschichte und noch weniger Rückgrat befinden, ist natürlich etwas in der Zwischenzeit passiert.

NÄMLICH DAS HIER.

Ernsthaft: Zwei Frauen haben eine Petition gestartet, die das Ziel hat, das Mauritiuswappen als "verletzenden, rassistischen, kolonialistischen Stereotype eines Schwarzen" abzuschaffen. Warum ein Schwarzer überhaupt im offiziellen Stadtwappen vertreten ist und wen es eigentlich darstellt - nämlich den heiligen Mauritius - wird zunächst nicht einmal gestellt; Hinweise darauf vom Bayrischen Rundfunk (im Video ab 3:06) und der Frankenschau werden als "irrelevant" bezeichnet. So viel mal zu aufgeklärten demokratischen Gesellschaft, die lieber Fahneneide leistet, als nachzudenken (hatten wir auch schon zwei Mal, was ich wohl für den geneigten Leser nicht näher ausführen brauche).





Die Vita des heiligen Mauritius und die Thebäische Legion
Zurück zum Heiligen selbst, der im mittelalterlichen Deutschland teilweise den Status einen Popstars genossen (der sogar die berühmte Heilige Lanze mitgebracht haben soll), heute aber (wie viele Heilige) ein regelrechtes Schattendasein fristet, wenn alleine dessen Name nicht durch Liturgie und Regionalbrauchtum weiter bekannt sein dürfte - wie bei den brave Coburgern, die natürlich wissen, warum sie ihn im Wappen haben.

Mauritius soll ein römischer Offizier der 22. - genannt die "thebäische" - Legion gewesen sein, die aus dem oberägyptischen Theben stammen und komplett aus Christen bestanden haben soll. Um das Jahr 300 wurde diese Truppe unter Kaiser Diokletian nach Agaunum (dem heutigen Walliser Saint-Maurice) gesendet und dem Heer seines Mitregenten Maximianus einverleibt, der die 6.600 Mann dieser Legion (wie im Falle der außerbiblischen Überlieferungen zum Kindermordes zu Bethlehem oder den Zehntausen Märtyrern könnte es sich um eine über die Zeit kolportierte Zahl handeln) als Christen hinrichten ließ. Eine Legende spricht davon, dass diese sich weigerten, den Göttern vor der Schlacht zu opfern, womit sie dem Kaiser und Staat Ungehorsam geleistet hätten; eine andere, dass sie das Meutern angefangen hätten, nachdem ihnen gesagt worden war, dass sie aufgespürte Christen massakrieren sollten.
Als Wortführer der Legion soll Mauritius gesprochen haben: "Kaiser, wir sind deine Soldaten, zuerst jedoch stehen wir im Dienste Gottes. Dir schulden wir militärischen Gehorsam, ihm ein schuldloses Leben. Wir bevorzugen es unschuldig zu sterben, als schuldig zu leben."


Zunächst gab Maximianus den Befehl, das Heer zweimal zu dezimieren, also nur jeden Zehnten zu töten, um die Übrigen zum Umdenken zu bewegen und den Gehorsam gegenüber ihm wiederherzustellen. Doch ließen sich die anderen Soldaten davon nicht nur nicht beeindrucken, sondern gaben sich ganz ohne Gegenwehr ihren Henkern hin, woraufhin Maximianus den Befehl gab, die gesamte Legion auszulöschen. Neben Mauritius kamen auch die der Legion ebenfalls vorgesetzten Heilige Innocentius, Exuperius und Candidus ums Leben, sowie die heilige Verena, die sich einer Legende aus dem 9. Jahrhundert zufolge im Gefolge der thebäischen Legion befand. Die Legionäre Victor und Ursus entkamen dabei nach Solothurn, wo sie aufgegriffen und ebenfalls hingerichtet wurden.

Die ältesten schriftlichen Überlieferung ist die "Passio Acaunensium Martyrum" ("Das Leiden der Martyrer von Agaunum") vom heiligen Eucherius von Lyon aus dem Zeitraum 430/440, die sich auf mündliche Überlieferungen berief und und zusammen mit den dort enthaltenen Mirakelberichten als Hauptquelle über die Martyrer der Thebäischen Legion diente. Aber schon um 430 wurden Mauritius und seine Gefährten im Martyrologium Hieronymianum genannt, was ebenfalls mit den Berichten von geheilten Pilgern auf eine gefestigte kultische Verehrung hinweist. Dazu kommt noch eine anonyme Passio, ebenfalls aus dem 5. Jahrhundert.

590 wurde von Gregor von Tours die Zugehörigkeit des hl. Gereon und seiner Gefährten, die ihr Martyrium im Rheinland erlitten, zur thebaischen Legion behauptet, in der anonymen "Passio Sanctorum Gereonis, Victoris, Cassi et Florentii Thebaeorum martyrum" ("Leiden der heiligen Martyrer Gereon, Victor, Cassius und Florentius") aus dem 11. Jahrhundert wird dargelegt, dass es sich um einen Teil der Thebäischen Legion handelte, der aber abgespalten und in die Gegend um Köln verlegt wurde, und daher getrennt von dem Walliser Teil ein eigenes Martyrium erlitt. Die Popularität der Legion des Mauritius war anscheinend so groß, dass man ihnen auch weitere herausragende Märtyrer aus dem Soldatenstand zurechnete.


Reliquien, Verehrung und Pilgerwesen
Die Reliquien der Martyrer wurden um 380 vom heiligen Bischof Theodor von Sitten aufegfunden, auf den sich Eucherius von Lyon in seiner Passio später beruft. Theodor war es auch, der eine Grabeskirche errichten ließ, die durch ihre verkehrsgünstige Lage am Fuß des Großen St. Bernhard von Reisenden leicht errreicht werden konnte. Zur Zeit Eucherius´ bestand auch eine Pilgerherberge. Das trug zur Popularität nicht nur in der Schweiz, sondern auch im Bereich des heutigen Frankreichs bei, wo er von den Merowingern verehrt und später von den Karolingern zum Schutzpatron des Heeres erhoben wurde.

515 gründete König Sigismund von Burgund die Abtei Saint-Maurice, die noch heute besteht und immer noch eine beeindruckende über Jahrhunderte hin angesammelte Schatzkammer besitzt. Nach 522 erneuerte sie Sigismund aus Buße, nachdem er aus Verdacht an Verrat seinen eigenen Sohn erdrosseln ließ, und wurde dort nach seinem gewaltsamen Tod ebenfalls als Märtyrer beigesetzt. Obwohl das Kloster 939 durch einfallende Sarazenen geplündert wurde, sind heute noch viele wichtige Schätze erhalten.

Eine weitere Kirche bei Saint-Maurice befindet sich bei Vérolliez. Auf der Steinplatte der Märtyrerkirche, die heute als Altarhimmel dient, soll der heilige Mauritius hingerichtet worden sein.

Ihre Bekanntheit, die sich mit den Martyrologien, den legendarischen Schriften und den Pilger verbreitete, waren der Anlass, dass die Reliquien der "Walliser Heiligen" auch in Kirchen außerhalb der Schweiz übertragen wurden; allen voran die des heiligen Mauritius. Der heilige Bischof Ulrich von Augsburg erwarb im 10. Jahrhundert Reliquien des Soldatenpatrons, die später zum Ausgangspunkt der Moritzkirche werden sollten, die von Bischof Bruno, dem Bruder Kaiser Heinrichs II. und Berater des ersten Salierkaisers, erbaut wurde. Wahrscheinlich hatte diese auch in der Bevölkerung einen starken Einfluss; in Allmannshofen befindet sich eine Wallfahrt zu einem Mauritius-Gnadenbild, das 1710 eine neue Kapelle, die heutige "Klause" erhielt. Weitere Reliquien gelangten in den Dom zu Köln (wo ein Buntglasfenster aus dem Mittelalter von ihm immer noch erhalten ist), in den Magdeburger Dom, Echternach, in die Abtei Tholey im Saarland, in die Jesuitenkirche in Wien, Auxerre, der Kathedrale von Vienne (Kopfreliquie) und St-Riquier. Durch den heiligen Anno von Köln gelangten Reliquien in die Abtei St. Michael nach Siegburg in Nordrhein-Westfalen, die sich seit der Auflösung des Kloster durch die Säkularisation in der Schatzkammer von St. Servatius befinden.

Über seine Verehrung in Magdeburg gelangte Mauritius als Heiliger über die mittelalterlichen Handelsverbindungen auch bis ins Baltikum. Die St-Georgs-Bruderschaft der sich im Baltikum aufhaltenden norddeutschen Kaufleute wurde diesem Heiligen umgewidmet und besteht unter dem Namen "Schwarzhäupter" heute teilweise immer noch. Die aus Magdeburg stammenden Bronzepforten für die Kathedrale im polnischen Płock mit einer Darstellung des Mauritius von gelangten später auf bisher ungeklärte Weise nach Nowgorod, wo sie noch heute an der Sophienkathedrale zu sehen sind.

Er gilt unter anderem als Schutzpatron der Soldaten, Waffen- und Messerschmiede, Kaufleute, Färber, Wäscher, Hutmacher und Glasmaler. Neben dem Schutzpatronat Burgunds, des Kanton Wallis und der deutsch-römischen Kaiser kam ihm auch das des Herzogtum Savoyen und von Piedmont zu. 1941 ernannte ihn Papst Pius XII. zum Schutzpatron der italienischen Alpini-Einheit.

Sein Gedenktag ist der 22. September.


Der Reichsheilige Mauritius
Bereits 960 kam Kaiser Otto der Große durch seinen Schwiegervater, den König von Burgund (als dessen Schutzpatron Mauritius seit der Krönung König Rudolfs I. 888 in der Abtei Saint-Maurice galt), in den Besitz von Mauritius-Reliquien, die für seinen Dom in Magdeburg bestimmt waren. Zwei Jahre später ließ er sich von Papst Johannes XII. das Fest und Mauritius als Schutzpatron der Ottonen bestätigen. Otto selbst schrieb der Fürsprache des Mauritius den Sieg über die Ungarn 955 bei der Schlacht gegen die Ungarn auf dem Lechfeld zu. Er  ließen sich später im Magdeburger Dom bestatten; Ottos erste Ehefrau Edgitha, die bereits 946 verstarb, wurde später ebenfalls dorthin umgebettet, nachdem sie ihr Grab im bereits vorher existierenden Moritzkloster hatte.

Später wurde das Patronat des heiligen Mauritius auch auf die übrigen Kaiser ausgedehnt, sowie auf das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Seit dem 12. Jahrhundert wurde die Salbung des deutsch-römischen Kaisers am Altar des heiligen Mauritius vollzogen.


Mauritius und die Heilige Lanze von Wien
Eine weitere explizite Nennung des Heiligen besteht bei der Heiligen Lanze, die zu den Reichskleinodien in Wien gehört. Es handelt sich dabei in ihrer Form um eine fränkische Flügellanze, die neuesten Untersuchungen zufolge wahrscheinlich zwei Metallteile einer Herrenreliquie enthält, die dort eingearbeitet wurde - wahrscheinlich von den Nägeln von der Kreuzigung Christi. Eine ähnliche Vermutung hat man übrigens auch bei der Heiligen Lanze in Echmiadzin in Armenien.

Missverständlicherweise wurde sie auch als die Lanze des Longinus gedeutet, der damit überprüfte, ob Jesus schon tot war, als man am Abend vor dem Fest den übrigens lebenden Gekreuzigten die Bein brach, um sie schneller sterben zu lassen, und daraufhin Blut und Wasser aus dessen Seite flossen (Joh 19,31-37).

Die weitere Bezeichnung als "lancea sancti Mauritii" ("Lanze des heiligen Mauritius") lässt sich schriftlich im 11. Jahrhundert nachweisen. Die Verbindung mit dem Heiligen lässt sich wahrscheinlich davon ableiten, dass sich diese Reliquie zuvor ebenfalls im Besitz des burgundischen Königs befand, bis 926 Rudolf II. diese im Tausch gegen die Region um Basel Kaiser Heinrich I. übergab, dem Vater von Otto dem Großen, der sie schließlich in der Schlacht auf dem Lechfeld bei sich führte.

Da später aus Burgund wertvolle Knochenreliquien von Mauritius in Besitz des Kaisers gelangten, wurde scheinbar ein Zusammenhang mit diesem Nationalheiligen vermutet, sodass später unter Kaiser Heinrich III. eine Silbermanschette angebracht wurde, die die "Mauritiuslanze" als von eben diesem Heiligen stammend bezeichnete.


Warum wird Mauritius auch als Schwarzer dargestellt?
Was natürlich die große Preisfrage ist, der unsere lieben Petitionistinnen am liebsten als "irrelevanter" Umstand aus dem Weg gehen wollen. Denn ursprünglich war Mauritius eben NICHT als Afrikaner mit schwarzer Hautfarbe dargestellt worden, sondern als normaler Soldatenheiliger wie auch Sankt Georg, wie man so schön am Sigismundschrein von St-Maurice sehen kann. Auch existierten neben den Afrikaner-Darstellungen parallel weiterhin Darstellungen, die Mauritius als hellhäutigen Mann zeigen.

Die älteste Darstellung als Schwarzer stammt aus der Deutschen Kaiserchronik aus dem 12. Jahrhundert, die Mauritius als den "herzoge der More" bezeichnete. Bei dem bereits im 8. Jahrhundert verwendeten deutschen Begriff Mohr bzw. Mor handelt es sich um eine Anlehnung des lateinischen Maurus, das die Einwohner der Nordwestafrikanischen Provinz Mauretanien (heute Marokko, nicht das moderne Mauretanien!) bezeichnete; erst später wurde dieser Begriff auch aufdunkelhäutige Menschen und die Einwohner Äthiopiens übertragen.

Eine Synomymisierung dürfte wahrscheinlich über Handelskontakte mit dem islamischen Nordafrika oder dem maurisch besetzten Spanien, wo Dunkelhäutige auch als Soldaten dienten, in vielen Fällen aber als Sklaven gehalten wurden (übrigens in einigen Teilen leider wieder aktuell...), die sich die Araber im südlicheren Afrika erwarben, von unwissenden Europäern aber als genuine Bevölkerung gedeutet worden sein könnten.

Nun dürfte mit dem Hintergedanken, dass Mauritius wahrscheinlich ebenfalls ein dunkelhäutiger (Nord-)Afrikaner gewesen sein könnte, der lateinische Name sprichwörtlich als "der aus Mauretanien stammende/wie ein Mauretanier" gedeutet worden sein. Neben seiner wohl berühmtesten Darstellung am Magdeburger Dom aus dem 13. Jahrhundert (das vor einiger Zeit für das Dommuseum rekonstruiert worden ist) kam es erst um das 14. Jahrhundert zu einer weitverbreiteten Darstellung des schwarzen Ritterheiligen, besonders im mitteldeutschen Raum, während andere Teile Deutschlands diese "Exotisierung" nicht mitmachten. Dazu gehören zum Beispiel die Abtei Tholey, das Straßburger Münster, aber auch außerdeutsche Darstellungen wie von El Greco in Spanien, wo man eigentlich in der Zeit nach der Reconquista 1492 die nordafrikanischen Verhältnisse und Einwohner besser kannte, die im Kontakt mit den Arabern standen, die jahrhundertelang große Teile der spanischen Halbinsel besetzt hielten.

 

Der große goldene Ohrring, der übrigens beim Coburger Wappen in seiner Frühzeit noch nicht auftauchte, kam besonders in der Barockzeit durch die Darstellungen und Drucken von Afrikareisenden als typische Stereotype für die Schwarzen Ureinwohner in Umlauf, wobei diese oft in Gold bekleidet gezeigt werden - wahrscheinlich ein Nachhall auf den fernen mythischen edlen Priesterkönig Johannes und dessen sagenhaftes Königreich, das mit seinen leicht findbaren Schätzen unter andrem in Äthiopien vermutet wurde, wo ja auch die "Mohren" beheimatet sind. Trotzdem finden sich ab und an auch Darstellungen aus der Renaissance mit dieser Darstellung, wie beim von Hans Süß von Kulmbach hergestellten Kulmbacher Altar aus dem Jahre 1518 oder einer weiteren Darstellung von ca. 1520, das Mauritius als Landsknechtführer und dessen ebenfalls dunkelhäutige Gefährten als Landsknechte zeigt - wobei Mauritius als einziger auffällige Ohrringe trägt, wahrscheinlich um ihn als Adeligen auszuzeichnen.


Das Mohrenwappen der Stadt Coburg
Bei der Übertragung der Mauritius-Reliquien nach Magdeburg machten diese auch Station in Coburg, wo auch ein Teil davon in der noch heute bestehenden Morizkirche platziert wurde. Die Popularität des Soldatenheiligen zeigte sich zunächst darin, dass zunächst diese Kirche, die bisher dem heiligen Stephan geweiht war, zwischen 1150 und dem 14. Jahrhundert umbenannt wurde. Ein zusätzlicher enormer Popularitätsschub fand 1430 statt, als er nach seiner Anrufung durch die Coburger Bürger während den Hussiteneinfällen zum Stadtpatron ernannt wurde.

Doch bereist 1380 tauchte die in der Heraldik als "Mohrenkopf" bekannte Darstellung (übrigens auch mit dem "Freisinger Mohr" im Wappen von Papst Benedikt XVI. vertreten) als Meisterzeichen eines Coburger Münzers auf (was 1493 noch einmal als verpflichtende Darstellung schriftlich in einer Urkunde genannt wird), daneben auf Coburger Münzen des 14. und 15. Jahrhunderts. Aus dem Jahre 1521 stammt schließlich das älteste Siegel mit diesem Stadtwappen. Das heute offizielle Wappen taucht in den noch immer gültigen Farben um 1570 auf. Die heute gültige heraldische genormte Form ist seit 1974 offiziell.

Eine sehr schöne Darstellung aus dem Jahre 1575 befindet sich am Erker des Coburger Rathauses, das Mauritius als dunkelhäutigen Afrikaner in der damals bei Adeligen noch weit verbreiteten Ritterrüstung mit Goldverzierung und Wappenschild mit schwarzem Meißender Löwen und Mohrenkopf zeigt. Eine weitere Mauritiusskulptur mit Marschallstab befindet sich auf dem Giebel des Rathauses, dass von den Bürgen den ironischen Spitznamen "Bratwurstmännle" erhalten hat.

Auffällig ist, dass dieses Wappen nach Einführung der Reformation 1524 weiterhin beibehalten wurde. Eine ähnliche Beobachtung kann man bei Bad Sulza machen, in deren Siegel er 1567 noch vertreten war und als Schutzpatron der Salzsieder galt. Daneben existieren in Deutschland auch weitere Wappen mit Darstellungen eines Mohren bzw, eines explizit dunkelhäutigen Ritters, der sich auf den heiligen Mauritius zurückführen lässt.


Ist der Coburger Mohr rassistisch? Ein Blick auf die Ideologien.
Die Frage nach Rassismus ist immer auch die Frage nach der Ideologie, die das Thema durch die entsprechende Brille betrachtet. 1934 waren dies (mit sichtbaren Erfolg) die Nationalsozialisten, die den Coburger Mohr auf längere Zeit losgeworden sind. Da der Mohr in den Augen der neuen Machthaber der Stadt für einen fremden, der deklarierten heroischen und kulturfähigen nordischen Rasse entgegenstehenden Menschenschlag stand, wurde das alte Wappen durch die Darstellung eines farbig geteilten Schwertes mit Hakenkreuzgriff in den üblichen Farben Schwarz und Gelb ausgetauscht. Ab dem 1. Mai 1945 kehrte dann das Mauritiuswappen ohne Beschwerde von Seiten der alliierten Besatzungsmacht als Zeichen der Stadt zurück.

Dass die Diskussion von Amerika nun auf Deutschland versucht überzuschwappen, verrät schon die Oberflächlichkeit dieser monologen Diskussion, die in jeder Darstellung eines Schwarzen durch eine "Weiße Kultur" als geistige Unterdrückungsphantasien deutet, um vermeintliche "Verantwortliche" bloßzustellen, während man selbst den Eindruck macht, mit diesen Situationen selbst nicht klar kommen zu können. Im Falle des Uncle Ben´s-Logos wurde behauptet, dass es sich bei diesem um einen "schwarzen Farmer" gehandelt habe, obwohl dieser (sein Name soll Frank Brown gewesen sein) Angestellter in einem Restaurant in Chicago um 1946 war und dessen Gesicht wegen seiner vertrauenserweckenden Ausdrucks übernommen wurde. Der Name "Uncle Ben" stammt dagegen wirklich von einem afroamerikanischen Reisbauer, der nach Angaben des Mars-Konzerns für die Qualität seines Reises berühmt gewesen sein soll; mit den Südstaatensklaven dürfte das wohl wenig zu tun haben, die es übereifrige Demonstranten gerne suggerieren wollen. Auch bei Schwarzen sorgt die Bilderstürmerei für Unverständnis, die man teilweise bei den ersten Nennungen für humoristische Fehlmeldungen hielt.

Der Witz an der ganzen Sache ist natürlich, dass sich damals viele für die Darstellung des Mauritius als Schwarzen nicht etwa wegen "weißen" Überlegenheitsgefühlen gegenüber Nicht-Weißen entscheiden haben, sondern weil eine Darstellung als Weißer von einigen als unangemessen betrachtet wurde, wenn es sich bei ihm doch wahrscheinlich um einen "Mauretanier" gehandelt habe - eine Ansicht die man in einem moderneren Terminus vielleicht als Kritik an einem scheinbaren "Whitewashing" bezeichnen könnte und man deswegen mit einer akkurateren Darstellung nachkommen wollte, die natürlich wegen ihrer für viele Menschen in Deutschland ungewohnten Erscheinung noch bekannter wurde.

Ein gegenteiliges Extrem ist inzwischen in der englischsprachigen Sphäre zu beobachten, wo das Mauritiuswappen als Beweis für die Überlegenheit der "schwarzen Rasse" herhalten muss, deren weltweite Kulturleistung durch die Verschwörung der Weißen ("Albinos") systematisch gestohlen worden sein soll. Nationalsozialistisches Rumgedöhnse also diesmal auf Afroamerikanisch (vgl. dazu auch die rassistische und antisemitische Black Hebrew-Bewegung, die damals maßgeblich an der Bedrängung der Schüler von Covington High beteiligt waren), wobei behauptet wird, dass es sich bei den Darstellungen von Mauritius um schwarze Adelige handelte, die in Europa geherrscht hätten. Der völker- und rassenübergreifende Heilige muss nun also als Vehikel für die eigenen Herrschaftsphantasien herhalten.

Natürlich muss man sich an dieser Stelle fragen, was Rassismus bedeutet. Durch das Abdriften von genetisch-äußerlichen Merkmalen kann es zu verschiedenem Wuchs, Statur und Hautfarbe bei den Menschen kommen. Menschen jedoch nur darauf als alleinigen Wert reduzieren (was besonders bei "Mischrassen" wie südamerikanischen Latinos schwierig werden wird), stellt eine Ungerechtigkeit innerhalb der Schöpfungsordnung Gottes dar.

Menschen jedoch zu bevormunden alleine wegen vermuteter "rassistischer Strukturen" stellt ebenfalls eine Form des Rassismus dar, da man sie in vielen Fällen lediglich zu Opfern degradiert und ihnen vormacht, dass sie auf Dauer alleine durch diesen Status sich Rechte einklagen könnten. Bei der Demokratischen Partei in den USA (deren Mitglieder in der Vergangenheit übrigen den Ku-Klux-Klan und die eugenischen Aktionen Margearet Sangers unterstützten) ist dies in der letzten Zeit bereits oft zum Vorwurf geworden, man  gehe regelmäßig mit Versprechen, den Rassismus zu beenden auf Stimmenfang bei der afroamerikanischen Bevölkerung, ohne wirklich dem Problem nachzukommen - wenn es kein Problem mehr gibt, dann kann man ja auch nicht mehr wiedergewählt werden, um dieses Problem zu beseitigen. Während in der Zwischenzeit die Unruhen um den Tod von George Floyd sich besonders in von Demokraten regierte Gebiete handelt, wo auch die Geschäfte von Schwarzen geplündert und sogar Schwarze von Schwarzen getötet werden.

Auch die Protestler und Randalierer im Zuge des George Floyd-Falles sind regelrecht besessen von der Idee, dass es nur Gerechtigkeit geben könne, wenn die Struktur DES ANDEREN entfernt werde. Wobei jedoch nie angemerkt wird, dass man selbst in solche Fallen geraten kann.


Worauf es letztendlich ankommt
Egal ob man Weiß ist oder Schwarz, Europäer, Afrikaner, Aborigine, Asiate oder Latino - es hat immer Menschen in allen Kulturen gegeben, die nicht nach außerpersönlichen Strukturen als Quelle alles Bösen suchten, sondern in das eigene von Gott gegebene Herz schauen und sehen, dass sie selbst verletzt sind. Verletzt durch den Willen, besser als alle anderen sein zu wollen und nach Rache zu sinnen, wenn andere diesen Vorstellungen nicht gerecht werden. Die Vorstellung, dass man selbst mehr wert sei als alle anderen, sogar mehr als diejenigen verdiene, denen in Not Gnade zukam, sieht man am besten im Ausspruch Lamechs, dem Sohn des Brudermörders Kain: "Ada und Zilla, hört auf meine Stimme, ihr Frauen Lamechs, horcht meiner Rede! Ja, einen Mann erschlage ich für meine Wunde und ein Kind für meine Strieme. Wird Kain siebenfach gerächt, dann Lamech siebenundsiebzigfach." (Gen 4, 23-24) Besser wurde die Situation übrigens nicht - trotz aller gottvergessenen Kraftprotzerei.

Jesus Christus hat sein Leben aus Liebe zum gefallenen Menschen - zu jedem gefallenen Menschen - hingegeben, dass er an der neuen Schöpfung und der Liebe teilhabe, für die er von Anbeginn den Menschen bestimmt hat, aber diese durch die Sünde zerstört wurde. Die Apostel haben aus Liebe zu den Menschen ihr Leben hingegeben für ihren Schöpfer. Und das taten auch Mauritius und seine Gefährten. Jeder Mensch ist in den Augen Gottes unendlich wertvoll. "Gottes Ruhm ist der lebende Mensch", sagte Aurelius Augustinus, ebenfalls aus Nordafrika, dazu. Das können weder Besitz, Sklaverei, Gesellschaft, Unfreiheit, Rasse oder körperliche und geistige Einschränkungen ändern.

Jeder wird am Ende seines Lebens vor dem Richterstuhle Gottes enden und gerichtet werden nach seinen Werken - nicht nach denen der anderen. Und keine ideologischen Strukturen oder Rassen können das ändern. Der heilige Mauritius und seine Gefährten gingen uns voran und warten mit dem Siegeskranz des Lebens auf uns.

Wollen wir uns im Kreise drehen mit der Frage, welche Hautfarbe er hatte und ob Bilder von ihm irgendwie rassistisch und beleidigend seien in einer Welt, die sich durch die Sünde kaum mehr selbst zusammenhalten kann, während wir dessen Zeugnis und das aller anderen Nachfolger Christis verachten - oder folgen wir ihm direkt nach zu Dem, für den er Zeugnis mit seinem ganzen Leben ablegte?

Durch himmlische Sakramente und Freuden erquickt, bitten wir Dich, flehentlich, Herr, dass wir durch die Hilfe derjenigen, deren Triumph wir uns rühmen, beschützt werden. Durch unseren Herr.  
Kommemoration vom Hl Mauritius und seinen Gefährten



Empfehlenswerte Links zum Thema:
- Informationen zum hl, Mauritius und dem Wappen der Stadt Coburg
- Der Eintrag zum hl. Mauritius im Ökumensichen Heiligenlexikon
- Eintrag auf "Gebet für die Schweiz"
- Die Abtei Saint-Maurice in Wallis

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