Dienstag, 29. September 2020

Ein Rosenkranz für Joe Biden


Kleine Erinnerung, dass angesichts der Debatte für die US-amerikanische Präsidentschaftswahl es ratsam wäre, auch für Biden den Rosenkranz zu beten. 

Er mag ordentlich Dreck am Stecken haben, scheinbar Frauen belästigt und die Legalisierung von Abtreibungen vorangebracht zu haben. Dennoch ist es auch die Pflicht eines Katholiken für seinen Bruder zu beten - egal, was für ein Drecksack er sprichwörtlich ist. Denn jeder wird einmal nach seinem Tod vor dem persönlichen Gericht Gottes stehen müssen. Sei es früher oder später. 

Und "Sleepy/Creepy Joe" macht in der letzten Zeit wirklich den Anschein, dass es bei ihm bald so weit sein wird. 
Jeder Sünder ist glücklich darüber, dass er sich noch in letzter Sekunde in einem wachen Augenblick bekehren konnte, merkte, was er angerichtet hat und seinen Frieden mit Gott machen konnte. Ob Biden das überhaupt raffen wird, darf man hoffen.

Für seine "demokratischen" Freunde wird das jedenfalls ein Problem sein - auch wenn er die Wahl gewinnen und einige Zeit durchhalten würde -, dass praktisch nicht existent sein wird und die ihn lieber daher lieber vollkommen illusioniert ins Messer laufen lassen. Weil das nämlich ihre "Prinzipien" gefährden würde bzw. den letzten Fuß, den sie in der Tür des Weißen Hauses haben. Und für die das Seelenheil eines Parteigenossen auch das letzte sein wird, was sie in diesem Machtpoker interessieren wird.



Freitag, 25. September 2020

Petition zum Erhalt der Pacelli-Allee in Berlin


Nach der Mohrenstraße kam nun auch eine weitere Straße in der Hauptstadt Berlin ins Visier von Freunden der typisch deutschen Tugendprostitution: Die Pacelliallee, benannt nach Eugenio Pacelli, dem späteren Papst Pius XII

Man kann natürlich mutmaßen, wie die Deutschen es schaffen, regelmäßig auf ihren "wirklichen Lieblingspapst" (wie es in einem Kommentar dazu bitterböse-ironisch hieß) einzuprügeln und es als "Land der Dichter und Denker" nicht einmal schaffen, sich tatsächlich kritisch mit der Geschichte dahinter auseinanderzusetzen - und ich meine damit die GANZE Geschichte, kein selbstzerfleischendes schwarz-weiß-Parteidenken - und so dermaßen fixiert sind auf einen Narrativ, der von einem Theaterschreiberling ausging und gerade von den Kommunisten wohlwollend gefördert wurde

(Mal den Umstand komplett ausgeblendet, dass man in der Bundesrepublik so weit in Sachen kommunistischer Verbrechen bildungspolitisch versagt hat, dass viele Journalisten alleine schon die Vermutung, dass die alten Seilschaften untereinander noch irgendwie noch existiern würden, als Verschwörungstheorie abtun. Eine Aussage, für die man beim Thema NS-Vergangenheit dagegen im hohen Boden aus der Redaktion fliegen würde.)

Ich will nicht spekulieren - vielleicht hängt es ja mit der Verdrängung der permanenten theoretischen Möglichkeit ab, dass das ganze Theater mit Leichtigkeit noch einmal passieren kann und man darauf eventuell selbst darauf hereinfallen könnte (egal, ob man nun Nicht-Jude, Jude oder sogar Sinti oder Roma sein sollte - Menschliche Natur eben), falls die Bedingungen für einen persönlich richtig und notwendig zu sein scheinen - und man daher diese unangenehme Denkbarkeit lieber auf Leute schiebt, mit denen man generell nichts zu tun hat und die nicht das gleiche heimelige Weltbild teilen, meistens hunderte Kilometer weit entfernt und meist schon längst tot sind. 

Wie, das war bereits Spekulation? Ach, Entschuldigung. 

Dafür, dass es mir gegenüber diesen inkompetenten selbstgerechten Cucks volkommen egal ist.  


Während auf ihrer Youtube-Präsenz Die Welt nur die Mitwirkung am Reichskonkordat nennt (das übrigens von den Nazis während ihrer Herrschaft mehrmals gebrochen und in der Enzyklika "Mit brennender Sorge" von Pacellis Vorgänger Pius XI. offen angemahnt wurde), wird dazu in der Online-Version der "Antisemitismusbeauftragte" (der volle Titel lautet übrigens "Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus") Felix Klein zitiert, der eine Umbenennung fordert mit der bei näheren Betrachtung eher schwammigen Begründung "er schwieg zum Holocaust und zum Mord an den Sinti und Roma, von denen viele dem katholischen Glauben angehörten, oder (!) protestierte zumindest nicht vernehmlich." Von einem "durchschaubaren Manöver" und "Taschenspielertrick" spricht an dieser Stelle der Historiker Michael F. Feldkamp, der darauf hinweist, dass Klein bereits von jüdischer Seite für seine generelle Arbeit kritisiert wurde und anscheinend versucht, einen vorgetäuschten Punktesieg für sich selbst zu landen. 

 Doch Klein hat sich dem Protest lediglich angeschlossen. Die Initiative selbst geht auf die Historiker bzw. Autoren Julian Reitzenstein und Ralf Balke zurück, die unter der Nennung verschiedenster halbseidener Vorwürfe (u.a. "die Verbeitung frauenfeindliche und antisemitische Klischees" - natürlich ohne dafür Bespiele zu nennen, genauso wenig die berühmte Weihnachtsansprache Pius´ XII. von 1942, wo offen auf die Massaker von Minderheiten während des Krieges hingewiesen wird, oder Ereignisse, die man sogar sofort auf Wikipedia findet) Pacelli offen als "Antisemiten"(!) bezeichnen und eine Umbenennung der Allee nach der ersten israelischen Ministerpräsidentin Golda Meir fordern. Letztgenannter ist übrigens auch Autor bei der Jüdischen Allgemeinen, wo die klare Ablehnung der Umbenennung durch den Apostolischen Nuntius als "unsensibel und respektlos gegenüber demokratischen Prozessen" bezeichnet wird - bei der Zitierung der Initiatoren auf "zahlreichen katholische Nachrichtenseiten" wird mit dem Hinweis auf "Beschimpfungen" präsentiert und zudem Pius XII. medial noch eine "Rolle bei der Ermordung katholischer Geistlicher" reingedrückt. Die JA zitiert zudem auf der selben Stelle tretend Felix Klein mit dessen zusätzlicher Bemerkung, dass es noch weitere "hochproblematische" Namenspatronate gäbe - wie die Pfarrkirche Sankt Johann von Capistran in München-Bogenhausen, wo Klein eine Linie zwischen dem "erwiesenen Judenfeind" Johannes Capistranus und den Nationalsozialisten zieht. Die Masche kann  also immer neu durchgezogen werden - ob das gegen die dortigen Übergriffe hilft, dürfte dagegen fragwürdig sein. 

Dass diese Medienanstalten und Schriftsteller aufgrund ihrer jüdische Abstammung damit übrigens NICHT die generelle Meinung aller Juden vertreten, muss an dieser Stelle explizit zusammen mit den Bemühungen des dischen Pius-Verteidigers Garry Krupp erwähnt werden, der eben jenes beinahe schon verblendete Verhalten auf bisweilen schon Internationaler Ebene scharf kritisiert.

In die gleiche Kerbe wie auch obig genannten jüdischen Vertreter dieser Initiative schlägt inzwischen auch der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma ein mit der nahezu gleichen Begründung der "Passivität" - nur eben statt mit Juden nun mit Sinti und Roma und beschränkt auf Dokumente, die vielleicht zuerst von einer Historikerkommission begutachtet werden sollten; auch im Hinblick auf die weiteren erst Papiere im Vatikanischen Archiv statt sie als absolute Kriterien für eine permanente Umbenennung heranzuziehen. 

Aber auch die Ersatzpersönlichkeit Golda Meir weist erhebliche Probleme auf. 

In der Berliner Zeitung kritisiert Abraham Ingber - der übrigens eine Umbenennung der Straße befürwortet - die beiden Initiatoren, die auf der Homepage ihrer Petition Meir offen als geeigente Kandidatin beschreiben, weil sie "Flüchtlingskind" sei, das "in einem fremden Land" "Karriere gemacht" habe, "in jungen Jahren die linke Aktivistin Chefin einer Gewerkschaft" wurde und viel für den Frieden im Nahen Osten beigetragen hätte. Igner weist dagegen auf ihre Rücksichtslosigkeit hin, die den Konflikt zwischen Israelis und arabischen Palästinensern sogar noch weiter verschärfte ("Wir verzeihen den Arabern, dass sie unsere Kinder töten. Wir verzeihen ihnen nicht, dass sie uns zwingen, ihre Kinder zu töten.") und den latenten Rassismus, mit dem sie vor Mischehen mit Nicht-Juden warnte und sich dabei nicht einmal scheute, den Holocaust dafür zu instrumentalisieren: "Wer eine Mischehe eingeht, schließt sich den sechs Millionen an."  

Bizarr dürfte sein, wie leichtfertig Autoren wie Balke mit Vorwürfen wie Frauenfeindlichkeit wegen seines "patriarchalen Weltbildes" gegen Pius XII. kommen, während die offen erkennbar eigene gesellschaftliche Problematik der Person Meirs scheinbar weiter komplett unbekannt bleibt bzw. der ihr aufgesetzte Nimbus nicht weiter hinterfragt wird.

Darum, lieber Leser: Lieber vorher informieren, was man etwas offen herausposaunt.


Und DIESE GEGENPETITION zum Erhalt der Pacelliallee unterschreiben. 




Samstag, 12. September 2020

Schräger als Fiktion... Teil 10




Es gibt übrigens auf der Homepage ganz unten einen Bereich, in den man seine Meinung schreiben kann.

Ihr wisst also, was ihr wieder mal zu tun habt, meine Groyper Gang...
Wenn ihr Glück habt, wird eure Meinung vielleicht sogar als Postkarte veröffentlicht.



Mittwoch, 9. September 2020

Die Pell-Affäre: Fünf Monate danach wird immer noch gelogen und verheimlicht, was das Zeug hält


Fünf Monate ist nun der Freispruch von Kardinal George Pell vom Vorwurf des aktiven  Missbrauchs von Minderjährigen her. Wir erinnern uns: Pell wurde angeklagt, 1996 in der Kathedrale von Melbourne zwei Jungen sexuell missbraucht zu haben.

Einziger Zeuge war ein ehemaliger Chorknabe (der andere, den er persönlich ebenfalls als Opfer angab, starb bereits 2014), der auch als Ankläger auftrat; trotz vehementen Widersprüchen im Tathergang und in Anbetracht der übrigen damals vor Gericht anwesenden Zeugen waren es vor allem die Medien, die Polizei von Victoria und das Gericht, die öffentliche Stimmung gegen Pell und die katholische Kirche von Australien an sich anfeuerten. Pell wurde - trotz mangelhafter Beweislage -schließlich verurteilt und verbüßte eine Haftstrafe von mehr als einem Jahr im Gefängnis. Bis am 7. April der High Court das Urteil als ungültig einstufte, da Pell nur wegen subjektiver Vermutungen, nicht aber wegen expliziter objektiver Beweise verurteilt worden sei. Dass im selben Jahr auch der Film Der Fall Richard Jewell ausgestrahlt wurde, der eine ähnliche Problematik eines ebenfalls realen Medien- und Ermittlungsirrtums behandelt, dürfte man am Rande tatsächlich als ironischer Zufall bezeichnen.


Der Zorn, der schließlich vom Stapel brach, zeigte sehr schön die Panik, die dieser Schritt auslöste sowie die Unbelehrbarkeit "gelehrter" Persönlichkeiten, Journalisten und Prominenter, für die eine unerwiesene Schuld kein Argument für die Unschuld des Angeklagten sei. Zuletzt wurde auch eine Petition gestartet, um Journalist Andrew Bolt zu entlassen, dem man vorwirft, einen "überführten Pädophilen" verteidigt zu haben  - trotz seiner früheren kritischen Haltung gegenüber Kardinal Pell übte Bolt vehemente Kritik an der teilweise absurden Strafverfolgung, den sich widersprechenden Zeugenaussagen, die als "Beweise" ohne weitere Überprüfung übernommen wurden, sowie dem Verhalten der Journalisten des Senders ABC - und führte noch dazu mit dem frisch entlassenen George Pell ein persönliches Interview, wo nochmals auf dieses gesellschaftsübergreifende Kesseltreiben hingewiesen wurde.




Roland Freisler wäre sicher stolz auf solche Leute gewesen.


Auch der Sender ABC (der sich in den Augen vieler Australier bisweilen schon auf dümmere Weise ins eigene Bein geschossen hat) und diverse andere Medienanstalten legten sich noch einmal so richtig ins Zeug: Wenige Tage nach George Pell´s Freispruch machte die Meldung die Runde, dass die Polizei wegen neuer Anschuldigungen in das Seminar gekommen sei, wo sich der Kardinal derzeit aufhielt. Was auch von ABC-Journalistin Louise Milligan geteilt wurde. 
Zu ihr persönlich kommen wir übrigens noch.


Die Herald Sun jedoch bemerkte schnell den Etikettenschwindel: Die Polizei kam nicht wegen neuer Vorwürfe persönlich vorbei, sondern wegen Morddrohungen, die gegen Pell eingingen. Diese Meldung wurde zusammen mit den angeblichen Aufnahmen dennoch in der Zwischenzeit von Medienanstalten wie 9NEWS und The Guardian als angebliche Hausdurchsuchung übernommen.

Trotzdem bleibt man bei ABC dabei: Die bisherige Berichterstattung gegen Pell war "keine Hexenjagd".


Polizeichef Graham Ashton von der Victoria Police verblieb übrigens immer noch im Amt und ging im Juni 2020 in Pension. Trotz der Vorwürfe, die Untersuchungen gegen Pell als Ablenkungsversuch zu nutzen, um die Laywer X-Affäre zu decken, die Veröffentlichung falscher  Opferzahlen und der völligen Inkompetenz, die seine Abteilung bei der Untersuchung der Causa Pell an den Tag legte, blickt er zurück auf "eine lange und ereignisreiche Karriere".

Inzwischen hat das Parlamentsmitglied Bernie Finn (Liberal Party) eine unabhängige Untersuchung gefordert, bei der besonders das Verhältnis zwischen Ashton und der ABC in den Blick genommen werden soll, um einen "medialen Prozess in Zukunft verhindern" zu können.


In der Zwischenzeit wurde nach langem Händeringen, um das wiederum von der ABC viel Tamtam gemacht wurde, die zensierten Stellen im Bericht der Royal Commission veröffentlich. Und ratet mal, wer sich wieder mal wie ein Raubtier mit unfehlbarer Deutungshoheit darauf stürzte...




Richtig, Louise Milligan, die allen Voran Werbung für die "Glaubwürdigkeit" des mutmaßlichen Opfers (ohne den Widersprüchen seiner Aussagen weiter nachzugehen) mit ihren Artikeln und sogar einem ganzen mehr melodramatischen als dokumentarischen Buch ("Cardinal - The Rise and Fall of George Pell") und einer Dokumentation auf ABC machte, auf das sie noch immer stolz wie Bolle ist und es auch den unwissendsten aller Twitter-User deutlich unter die Nase reibt. Sie schreibt auch ein neues Buch geschrieben namens "Witness" ("Zeuge"), in dem sie anklagt, dass im Australischen Rechtssystem "Wahrheit nicht immer garantiert wird". Man kann sich an dieser Stelle tatsächlich fragen, ob diese Frau wirklich so dummdreist-zynisch ist oder das Ganze einfach nur perfekt schauspielert. 



Bei kritischen Fragen zu den Widersprüchen und den fehlenden Beweisen in ihrem Buch weigert sie sich übrigens immer noch, diese zu beantworten oder blockiert kritische Twitter-Nutzer, die nicht brav das sagen, was sie von braven Social Media-Nutzern erwartet und die sie lediglich als "Troll Bots" bezeichnet, um munter mit ihren Relotieren weiterzumachen.


Ach ja, Louise. Das nennt man offenen und demokratischen Diskurs.
Aber man ja auch unangemeldet weiterhin interessante Screenshots machen.

Kein Wunder, wenn sie sofort reagiert wie ein Hund, dem man versucht, seinen Kauknochen wegzunehmen, wenn ein Verlag ein Buch herausbringt, zu dem sie nichts zu sagen hat. Wie den Gefängnismemoiren von George Pell, das der Jesuiten-Verlag Ignatius Press vorhat, zu veröffentlichen (hier übrigens ein Auszug davon auf Deutsch; der vorgesehene Termin für die Veröffentlichung ist der Januar 2021).


Wobei wir natürlich beim nächsten Etikettenschwindel von ABC, Milligan & Co. wären.

Denn der von ihr erwähnte Bericht der Royal Commission enthält nicht nur fragwürdige Vermutungen wie dass 1982 der 2016 verstorbene Bischof Ronald Mulkearns von Ballerat bei einem persönlichen Treffen dem damals noch jungen Priester George Pell ganz offen gesagt haben soll, dass er den Priester und Triebtäter Gerald Ridsdale (Opfer bis 1992: mindestens 65 Kinder) bewusst versetzen würde - wofür die RC keinerlei Beweise aufzeigen kann (und auch mit der Anmerkung des Sekretärs und späteren Weihbichofs Brian Finnigan unzufrieden ist, nach dem es keine Aufzeichnungen des damaligen Gespräches gäbe) , sondern stellt eine subjektive Vermutung, die der Öffentlichkeit ohne weitere Erklärung präsentiert wird mit dem "die Royal Commission sieht als erwiesen an"-Gütesiegel. Obwohl nirgends handfeste Beweise aufgezeigt werden - außer dass Pell eine damals Unterredung mit dem Bischof hatte. Und die Royal Commssion auch anmerkte, dass Mulkeans bis auf wenige Ausnahmen "kaum Informationen" an seine Berater weitergegeben hätte.



Es ist auch anzumerken, dass die Royal Commission nicht wie weitgehend behauptet nach den Regeln einer gerichtlichen Beweissuche agiert, sondern nach der "ehrlichen Gesinnung der Kommissionsmitglieder und ihrer Angestellten". Was natürlich bei Punkten fragwürdig wird wie bei unbegründete Anschuldigungen, die nicht weiter nach ihrer Plausibilität überprüft werden; wie dem Vorwurf, dass der Bischof dem damals noch jungen Priester George Pell lauwarm gesagt haben soll, dass er einen Sexualstraftäter versetze.

Seltsam ist außerdem das Verhalten gegenüber dem ehemaligen Priester und heutigen Journalisten Paul Bongiorno, dem man im Bericht Glauben schenkt, dass ihm keinerlei Straftat von Ridsdale gemeldet wurde, obwohl ein Opfer dies ausdrücklich getan haben will, während Pell, dessen direkter Amtsbruder, mit Vorwürfen und Verdächtigungen überschüttet wird. Die ABC (wo Bongiorno übrigens als politischer Kommentator tätig war) hat in diesem Fall ebenfalls keine kritischen Fragen in einem Interview gestellt; die Harold Sun dagegen wundert sich, dass er Pell persönlich vorwirft, er hätte damals "die Kinder schützen können".

Im Übrigen überrascht es auch, wie relativ ungeschoren die Polizei von Victoria davon kommt. Im Bericht der Royal Commission heißt es, das die Polizei "spätestens im Dezember 1992" die Ermittlungen gegen den Priester und Sexualstraftäter Ridsdale aufgenommen hätte - und spielt dabei die Ermittlungen von 1976 herunter, als die Polizei bereits Kenntnisse von sexuellen Übergriffen hatte. Nachdem Bischof Mulkearns informiert und Ridsdale schließlich in Therapie geschickt wurde, um danach erst richtig mit dem Missbrauch Minderjähriger zu beginnen, schien es die Polizei von Victoria und deren sogenannte Child Exploitation Squad seltsamerweise nicht weiter zu interessieren, ob er eventuell wieder rückfällig werden würde. Bis eben 1992 und dessen Verhaftung 1993.

Dass Pell dagegen mit seiner Ernennung zum Bischof sofort aktiv wurde und genau das Gegenteil von dem machte, was sein Vorgänger Bischof Frank Little (der übrigens in Milligan´s Buch gegenüber Pell als "progressiv" und "ganz für Offenheit und einladend zu den Laien" beschrieben wird) tat, scheint keinerlei weitere Bedeutung für die Deuter dieses Berichtes zu haben - wie auch in anderen Medienanstalten, wo das landesweit gelobte Vorbild "Melbourne Response" im Kampf gegen den sexuellen Missbrauch Minderjähriger, das Pell praktisch alleine aus dem Boden gestampft hat, regelrecht heruntergespielt oder sogar angeschmiert wird.


Auch beim Fall Peter Searson* wird das übliche Hütchenspiel gespielt:
Pell hätte als 1987 geweihter Weihbischof von Melbourne es einerseits versäumt, seinen Bischof Frank Little von Melbourne über die Schandtaten von Pater Searson zu informieren; was an sich absurd ist, da die ersten Vorwürfe gegen den Priester 1974 aufkamen und sich 1982 mehrten, sodass Bischof Little bereits bescheid wusste - bei dem Fall von 1974, bei dem Searson eine Frau vergewaltigt haben soll, ging sogar der Vorwurf sogar direkt bei Little ein. Pell hat 1989 lediglich die Meldungen mehrerer betroffener Mitarbeiter der Holy Family School an den Bischof weitergegeben, die Belästigungen durch Searson betrafen (auf die in der Auflistung nicht näher eingegangen, sondern neben anderen bizarren Vorfällen relativ am Ende genannt wird) - wobei die Lehrkräfte paradoxerweise selbst (!) keine Entfernung Searsons aus dem Amt, sondern auf einer Beibehaltung des Priesters in ihrer Einrichtung als "zweite Chance" bestanden. Pell ist dabei weder von seiner Diözese vorher noch von den Lehrkräften über die problematische Vorgeschichte Searsons zureichend aufgeklärt worden. Pell selbst führte zu diesem Zeitpunkt als Weihbischof vornehmlich Firmungen durch.

Auch der Vorwurf dass er Bischof Little hätte dazu bringen können, Schritte gegen Searson einzuleiten, stellt sich als nicht wirklich haltbar dar, da einerseits Pell in anderen Tätigkeitsfeldern beschäftigt war, andererseits Little als Erzbischof derjenige war, der die letzte Vollmacht hatte und auffälligerweise genau so handelte wie Pell´s früherer Vorgesetzter Bischof Mulkeans - nämlich vertuschte.

Nachdem George Pell im Oktober 1996 selbst Erzbischof von Melbourne wurde und damit die Diözesanleitung selbst in der Hand hatte, leitete er Ermittlungen gegen Searson ein, was er auch an die öffentlichen Medien weitergab. Im März 1997 wurde er seines Amtes enthoben; worauf sich dieser beim Vatikan beschwerte und Recht bekam. Was jedoch Pell nicht hinderte, ihn 1998 nochmals des Amtes zu entheben. Was Journalisten wie Monica Doumit auffiel war die Sache, dass neben Bischof Little und den anderen Weihbischöfen auch das Lehrpersonal und selbst die Polizei nichts groß gegen Searson zu unternehmen schien.


Dass ganze Medienanstalten, eine Kommission, die Polizei und das Gericht von Victoria diese Ungereimtheiten bis zur Untersuchung des High Court nicht gemerkt haben wollen und regelrecht Hand in Hand gingen, um ihre Sichtweise durchzusetzen, dürfte zu denken geben; heißt es doch immer wieder, dass man zukünftige Fälle mit solchen "Aufklärungsarbeiten" zu verhindern suche, was angesichts der bisherigen Umstände einen völlig absurden Eindruck macht. Außer wenn man bemüht ist, eine gesamtgesellschaftliche Beruhigungspille zu schaffen, indem man sich auf einen offiziellen Sündenbock konzentriert, der einem die Arbeit erspart, für die man mit offziellen bürgerlichen Steuergeldern bezahlt wird.

Warum wohl würde eine "investigative Journalistin" wie Louise Milligan (die übrigens gleichzeitig beim staatich fianzierten Sender ABC beschäftigt ist) wohl einen aktiven Vertuscher wie Bischof Frank Little in ihrem Buch - für das sie sogar mit Preisen ausgezeichnet wurde - als humaner als George Pell darstellen, der dessen Sauerei letztendlich aufräumen durfte, wenn es nicht um die Aufrechterhaltung eines Narrativs geht, den niemand zu hinterfragen scheint bzw. nicht weiter hinterfragen will, weil vielleicht noch eine andere Sorte von gesellschaftlichem Morast an die Oberfläche kommen würde, der sich nicht so einfach auf einzelne Personen oder Institutionen schieben lässt?

Nämlich die eigene Bereitschaft, Leute von der Klippe zu stoßen, wenn es persönliche Vorteile bringt und nicht am eigenen bis zur Unkenntlichkeit oberflächlichen Weltbild gerüttelt wird?





*An dieser Stelle sei dem Schriftsteller Gerard Charles Wilson gedankt, der mich dazu auf wichtige Quellen hingewiesen hat und selbst eine beträchtliche Quellen- und Kommentarsammlung auf seinem Blog besitzt, auf die ich bereits beim Vorgängerbericht zurückgegriffen habe. Ich habe ihn bezüglich der Quellenlage zum Fall Searson persönlich angeschrieben, da wegen der regelrechten Flut von Anti-Pell-Artikel keine weiteren brauchbaren Informationen zu dessen Strafverfolgung durch den George Pell zu finden waren, obwohl sie in diversen Reportagen kurz genannt wurden - jedoch viel zu kurz und leider ohne weiterführende Informationen. 
An dieser Stelle nochmals vielen Dank, Gerard. 



Samstag, 5. September 2020

Priester auf Abwegen 3: Johannes Greber - Der Spiritist, der auch mal von Zeugen Jehovas zitiert wurde


Neben den Gefahren, die einen Priester von seiner Berufung entfremden - besonders wenn bestimmte persönliche Schwächen nicht rechtzeitig erkannt werden und sich mit der Zeit sogar verfestigen - gehören neben den bereits erwähnten materiellen und sinnlichen Versuchungen (denen man auch erfolgreicher begegnen kann) auch die intellektuelle Schwächen des ungefestigten Glaubens, der sensationalistischen Neugierde und der unmäßig angemaßten Deutungshoheit, die sich unter bestimmten Umständen explosionsartig verschlimmern können.

Während nach dem 1. Weltkrieg dies besonders die soziologischen Problemfelder betraf, wobei besonders die spätere Befreiungstheologie zu nennen ist, kamen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts neben der vorangehenden soziale Vergesellschaftung der Kirche ein heute eher als obskur betrachteter Bereich hinzu: Der Spiritismus, das angebliche Kontaktieren der jenseitigen Geisterwelt - seien es Verstorbene, scheinbare Engel oder andere übermenschliche Wesen. 


Zum Begriff und zur damaligen Bedeutung des Spiritismus
Für den modernen Menschen, der skeptisch nicht nur gegenüber angeblichen übernatürlichen Erscheinungen ist, sondern auch einem Weiterleben der Person nach dem Tod ihres physischen Körpers im Allgemeinen, mag dies vielleicht eine seltsame, aber vernachlässigbare Spinnerei sein - im Kontext der damaligen wissenschaftlichen Diskussionen stellte sich das jedoch etwas anders dar. 

Mit der zunehmenden naturwissenschaftlichen Unterwerfung der Wirklichkeit bildeten sich neben dem positivistischen Materialismus parallel auch ein vergeistigter Materialismus. Mit der Erkenntnis, dass für das Auge unsichtbare elektrische Impulse und Kräfte für das Funktionieren des tierischen und menschlichen Organismus zuständig sind, bildeten sich auch Spekulationen um diesen "Tierischen Magnetismus". Mediziner, freidenkerischer Philosoph und Evolutionspropagandist Ernst Haeckel war einer von vielen, die das materielle "Protoplasma" hinter der Lebenskraft sahen - und dahinter das Material der Seele vermuteten. 

Andere vermuteten das Weiterbestehen eines reellen energetischen Körpers auch außerhalb des materiellen Leibes, was beispielsweise in Geisterseherkreisen (die übrigens seit dem 18. Jahrhundert von gehobenen Kreisen und ihrer sensationellen Neugierde immer weitere Popularität und sogar Aufmerksamkeit bei Gelehrten fanden) die Übernahme des Begriffes "Ektoplasma" durch den französischen Mediziner Charles Richet erklärt, um die augenscheinliche Sichtung von Geisterwesen materiell beschreiben zu können (worunter auch die weit verbreiteten manipulierten "Geisterphotographien" zählten; in der Popkultur wurde der Begriff Ektoplasma übrigens durch den Film Ghostbusters von 1984 bekannt). Das Aufkommen des Faches der Parapsychologie paarte sich mit dem Bedürfnis der einfachen Bevölkerung, im Kontakt mit ihren meist zu früh Verstorbenen zu bleiben - was besonders nach Unglücken wie den amerikanischen Sezessionskriegen, dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg zu beobachten war.

In der heutigen Zeit erlebt die Beschäftigung zeitweise eher nur partielle mediale Beachtung; bei Fernsehsendungen im angelsächsischen und amerikanischen Kulturkreis wie Ghost Adventures von Zak Bagans (der übrigens eine Dokumentation zum "Demon House" drehte, bei dem wegen mehreren Fällen von Besessenheit sogar die Erzdiözese Indiana eingeschaltet werden musste) ist trotz aller expliziten Warnungen auch die Motivation zu beobachten, den Zuschauer selbst zu solchen Untersuchungen anzuleiten. Ob Bagans etwas aus den körperlichen Schäden gelernt hat, die er offen zeigend aus dem "Demon House" davongetragen hat, das er aus Sicherheitsgründen letztendlich abreißen ließ, dürfte nicht nur dem geneigten Leser, sondern auch dem Blog-Verfasser weiterhin offen bleiben...

Eine Materialisierung nicht nur von geistigen Personen (bzw. das, was irgendwie in einem "Jenseitsäther" überlebt zu haben scheint), sondern auch von Emotionen, Schwingungen und (positiven oder negativen) Gedanken, die bereits im 18. Jahrhundert von Franz Anton Mesmer in Ansätzen vertreten wurde, entwickelte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zum Spiritismus weiter, der sich schon bald mit esoterischen Strömungen mischte und das Seelenleben, das bisher nur Terrain der Religion darstellte, selbst schon zu einer empirischen Wissenschaft und Philosophie machte, deren Vertreter - von Sherlock Homes-Autor Sir Arthur Conan Doyle bis "Euro-Buddhismus"-Guru Helena Blavatsky - sich in verschiedenste Richtungen auffächerten, wobei Bewegründe und Überzeugungen teils weit auseinandergehen, teils für Außenstehende überraschende Parallelen bilden.

An einem gewissen Punkt begannen auch Kirchenobere sich für das Phänomen Spiritismus zu interessieren, der in seinen teilweise echten immateriellen Kommunikationen ein ernstzunehmendes Argument gegen den materialistischen Atheismus und dessen Leugnung der den leiblichen Tod überlebenden Seele zu sein schien. Auf der anderen Seite bestand aber weiterhin das kirchenrechtliche Verbot magischen Praktiken (d.h. einem durch eine fremde Kraft erfragte, beschworene und erzeugte präternatürliche Einwirkung, die über den allgemeinen natürlichen Aufwand hinausgeht), was das Heraufbeschwören von fremden Kräften, Dämonen oder Verstorbenen beinhaltet (Nekromantie, vgl. dazu auch Dtn. 18,10-15; im Katechismus der Katholischen Kirche 2115-2117, was nach dem Codex Iuris Canonici von 1983 Can. 915 und 916 unter Verharrung in diesen Praktiken immer noch Ausschluss von der Kommunion und der Feier der Messe bedeutet), sodass man sich nach den Ursachen und den Urhebern hinter solchen Phänomenen erkundigen musste.

Zu dessen näherer Untersuchung tat sich unter anderem ehemalige anglikanische Geistliche Godfrey Raupert (1858-1929) besonders hervor. 


Godfrey Raupert und die Gefahr des echten Spiritismus
Dem später zum Katholizismus übergetretenen anglikanischen Geistlichen Raupert waren wie auch anderen Forschern die Doppelbödigkeit des Phänomens Spiritismus vertraut - dass viele intellektuelle Persönlichkeiten wie der schon erwähnte Sir Arthur Conan Doyle ebenso leicht auf Schwindel hereinfallen konnten, um "Beweise" für ihre Überzeugung zu finden (wie im Falle der sogenannten  Cottingley Fairies), aber auch das handwerkliche und schauspielerische Erzeugen von "Erscheinungen" war ebenso allgemein bekannt. Einer der bekanntesten Persönlichkeiten, die falsche Spiritisten und deren Methoden entlarvten, war der berühmte Illusionsmagier Eric Weisz - bekannt unter seinem Künstlernamen Harry Houdini.  

Dennoch kam es immer wieder zu Phänomenen, die nicht weiter als Schwindel erklärt werden konnten bzw. Umstände enthüllten, die der als Medium benutzen Person unmöglich bekannt gewesen sein könnten.

Kirchliche Forscher wie der österreichische Zisterzienserabt Alois Wiesinger (1885-1955) vermuteten hinter den auftretenden Phänomenen teilweise präternatürliche Rudimente der ersten noch in göttlichen Gnadengaben lebenden Menschen, nach denen Adam und Eva dadurch theoretisch zu dem fähig gewesen seien, was man in paranormalen Gesellschaften als Telepathie, Telekinese und Hellsichtigkeit bezeichnet. Wiesinger wies dabei aber auch auf natürliche psychosomatische Erklärungen wie assoziative und unbewusste Beeinflussungen durch eine weitere Person bei Seancen (also Manipulation) hin, wozu er auch verschiedene Forscher des Jesuitenordens nennt, die diese Dynamik auch an Universitäten untersuchten. Eine generelle dämonische Ursache als einzige Erklärung lehnte er als generellen Ausgangspunkt ab und stand - wie er selbst in seinem Werk "Okkulte Phänomene im Lichte der Theologie" (1948) anmerkt - Forschern wie dem nun folgenden Godfrey Raupert offen kritisch gegenüber, die vehement vor der Gefahr durch das Okkulte und der Auseinandersetzung damit warnen.

In diesem Zusammenhang forschte auch der anglikanische Geistliche Raupert, zunächst mit der Society for Psychical Research, die 1882 in London gegründet wurde und sich mit paranormalen Phänomenen beschäftigte. Nach eigenen Angaben kam er zur Überzeugung, dass man es in vielen Fällen nicht mit der Entnahme eines "geistigen Reservoirs" aus dem Unterbewusstsein des Mediums und anwesender Personen zu tun hatte (sei es durch eine Art geistigem "Erfühlen" oder Telepathie), sondern mit Wesen, die Zugang zu Informationen hatten, die meist keine der anwesenden Personen überhaupt wissen konnte und sich doch als wahr erwiesen. In einem Experiment mit einem Medium stellte sich die Feststellung ein, dass das Wesen hinter diesen Tätigkeiten meist nur eine Zeit lang sich als Verstorbener oder allwissender Geist ausgeben kann. Als es in einer solche Seance dazu kam, dass der angeblich kontaktierte Verstorbene nach meist korrekten Angaben plötzlich eine unerwartet falsche Aussage machte, die so nie stattgefunden haben konnte, und bei der Beschwörung mit dem Namen Gottes plötzlich nicht nur angab, eben NICHT dieser bisher vorgegebene Verstorbene zu sein, sondern auch begann, die anwesenden Personen zu beleidigen, wurde Raupert plötzlich die Natur dieses dämonischen Lügengeistes bewusst.

Raupert begann aktiv, vor solchen Kontaktierungen zu warnen, und konvertierte später zum Katholizismus. Er hielt auch im expliziten Auftrag der kirchlichen Autorität (u.a. durch Papst Pius X.) Vorlesungen zu den Gefahren des Okkultismus, die er durch Begegnungen mit skeptischen Spiritisten immer wieder bestätigt fand: Ein angeblicher Verstorbener, ein Hochgeist oder ein anderes angeblich allwissendes Wesen fängt erst an, einen mit angeblichem Wissen und Sicherheit zu locken - um dann einen Fehltritt zu machen, der das Trugbild zusammenbrechen lässt. Oder die Person mit seiner Anwesenheit langsam, aber sicher in den Wahnsinn treibt, was Raupert ebenfalls erlebt hat. Seine Erfahrungen hat Raupert in Werken wie "The Dangers of Spiritualism" ("Die Geister des Spiritismus"), "Modern Spiritism: A Critical Examination of Its Phenomena, Character, and Teaching in the Light of the Known Facts" , "The Supreme Problem" und "Christ and the Power of Darkness" festgehalten. [Eine gelungene Zusammenfassung des Themas stellt auch das von Paulus Deusdedit herausgegebene Heft "Spiritismus - Der tote Kardinal erscheint" von Gotthard Media dar, der Raupert explizit zitiert.]

Auch unter modernen Exorzisten wie dem 2016 verstorbenen P. Gabriele Amorth, und P. Chad Ripperger, die sich auch gleichzeitig mit den auftretenden psychologischen und seelsorgerischen Phänomenen dahinter beschäftigen, werden besonders ebenso Geistliche vor einem "Absteigen" durch die eigene Neugierde regelmäßig gewarnt. Zwar könne man Fälle, in denen eine Besessenheit vermutet werden, versteckte Gegenstände und Zettel mit Fragen oder Inschriften zur Überprüfung verwenden (kann der Person durch einen Dämon versteckte Umstände und Inhalte auf Befehl des Exorzisten offenbar werden? Ist dies korrekt oder spielt die Person lediglich Scharade für mehr Aufmerksamkeit?), jedoch sollte weitere Fragen und Erkundigungen unterlassen werden; nicht nur weil man nach vermeintlich richtigen Antworten durch darauf folgende falsche Angaben in die Irre geführt werden kann, sondern weil der Dämon die individuelle Neugierde oder angesprochene Vorlieben zu nutzen weiß, um den beteiligten Priester selbst zu umgarnen und in eine Versuchung zu führen.

Eine solche Neugierde stellt auch nach Ripperger die "Öffnung" bei der evangelikale Praxis der "Zungenrede" dar, wie sie besonders in Amerika praktiziert wurde und später auch nach Europa gelangte und - wie wir gleich sehen werden - in spiritistischer Absicht eines ursprünglicheren  "Geistchristentums" von Greber angewandt wurde.


Ein besonderen Fall stellte auch der ehemalige Sekretär von Kardinal Herbert Vaughan dar, den Raupert in seinem Buch "Die Geister des Spiritismus" erwähnt. Dieser wandte sich trotz vehementer Warnung des Erzbischofs von Westminster nach dessen Tod 1903 aus Neugierde (die anscheinend schon vorher bestand) spiritistischen Gesellschaften zu, wo ein kontaktiertes Wesen angab, der verstorbene Kardinal zu sein und sich in Sachen Spiritismus schwer getäuscht zu haben, jetzt wo er das Jenseits selbst sehen könne. Die Erfragungen, die sich meist als wahr erwiesen, erschütterten den Sekretär so stark, dass er aus der Kirche austrat und selbst Spiritist wurde. Raupert, der noch zu Lebzeiten Vaughans gleich nach seinem Übertritt zum Katholizismus beauftragt worden war, seine Feststellungen über den Spiritismus katholischen Studenten und Seminaristen darzulegen und auf dieses Problem vorzubereiten, blieb in Kontakt mit dem Sekretär, der bald seine eigene Enttäuschung mit den Geistern erlebte und als laisiertes Mitglied der Kirche wieder beitrat, um letztendlich für immer die Finger vom Spiritismus zu lassen.

Einen vollkommen anderen Weg ging dagegen der deutsche Priester Johannes Greber.


Johannes Greber
Parallel zu den Aufklärungsaktionen Rauperts verlief die Karriere des 1874 im pfälzischen Wenigerath geborenen Pfarrers Johannes Greber. Nach Abitur in Prüm und Theologiestudium in Trier wurde der hochbegabte Greber 1900 zum Priester geweiht. 

Ab 1904 war er besonders im diakonischen Bereich tätig, gründete einen Hilfsbund, setzte sich während des Ersten Weltkrieges für die Versendung von Kindern zu deren gesundheitlichem Wohl - was er auch aus eigener Tasche bezahlte - und war als Mitglied der katholischen Zentrumspartei in Koblenz für soziale Fragen vertreten. 

Die große Veränderung kam jedoch mit einem Besuch bei einem "christlichen" Spiritistenkreis 1923 in Koblenz, wo er das Medium Erich Zimmermann (1908-1988) kennenlernte. Wobei die Umstände für Außenstehende immer noch rätselhaft erscheinen. Ein Laie soll ihn erst vorsichtig auf seine Meinung zu Spiritismus angesprochen haben, ihn jedoch nach einiger Zeit im Namen eines Auftraggebers etwas aufdringlicher zugeredet haben, zu einer dieser Sitzungen zu kommen, da er sich als Geistlicher mit solchen Bewegungen auseinandersetzen müsste und andererseits ein schweres Versäumnis begehe, worauf Greber seine Zustimmung gab. Allen Anschien nach ist Greber von diesem für ihn dato noch unbekannten Auftraggeber gezielt herausgesucht worden, was erst später klar werden sollte.

Greber soll als Seelsorger nach eigenen Angaben zunächst skeptisch und darauf bedacht, den Fall ohne großes öffentliches Aufsehen zu erregen lediglich zu überprüfen, da es sich hierbei um einen Personenkreis handelte, der eine Art Gottesdient mit Gebet und Bibellesen mit dieser obskuren Praxis verband. Womit auch schon das eigene Abgleiten in die undurchsichtige Geisterwelt begann. Angeblich soll Greber nicht sehr viel vom Thema Spiritismus gewusst haben, sondern eher ab und zu etwas davon etwas in der Zeitung gelesen haben, ohne sich näher damit zu beschäftigen.

Greber hatte zur Überprüfung des Sachverhaltes einen Zettel in seiner Tasche versteckt, von dem niemand wusste und der die Frage enthielt, warum in der jüngeren Zeit das Christentum auf immer weniger Menschen Einfluss ausübe. Was von dem Geist in dem scheinbar komplett fremdgesteuerten im Trancezustand befindlichen Medium nicht nur sofort korrekt erkannt wurde, sondern auch mit der weitschweifigen Bemerkung beantwortet wurde: Die Bibel sei vom bestimmten Personen (ohne Namen zu nennen) schon im ersten Jahrhundert verfälscht worden und die derzeitige Übersetzung basiere auf keinerlei kompletten Originalhandschrift. Eine Bemerkung, die praktisch deckungsgleich mit der Häresie des Modernismus ist und von vielen (besonders deutschen) Theologen trotz ihrer Verurteilung als glaubenszersetzender Aktionismus oftmals in der Geschichte immer wieder aufgekocht wurde. Auch Greber schien entsprechende Zweifel bereits zu hegen, für die ihm jetzt eine bestätigende Quelle aufzutun schien.


Greber im Bann der Geister und Hochengel
Nach vielen Besuchen und Vorkommnissen mit dem Medium und dessen angeblichem Hochengel, aber auch "assoziierten Geistern", die dem anwesenden Geist untergeordnet wären, bei dem ihm immer neues verborgenes Wissen offenbart wurde, das sich bei weiterer Nachforschung als korrekt erwiesen hat, gründete er auf dessen Anweisung in seiner Pfarrei einen eigenen Spiritistenkreis mit zwei Medien, den Brüdern Heinrich (geb. 1897) und Carl Gasber (geb. 1899), um weitere "Wahrheiten" geoffenbart zu bekommen - besonders im Hinblick auf jenseitige und existenzialistische Themen.

Der Geist hat ihm bereits die Überzeugung eingeflößt, dass nicht nur Teile der Bibel und der christlichen Lehre gefälscht worden seien, sondern dass der Spiritismus elementares Bestandteil des Christentums sei. Botschaften und Offenbarungen seien durch Medienengel auf Menschen übertragen worden, von denen sie Besitz ergriffen hätten; ein Teil des hoherpriesterlichen Ornats der Israeliten sein sogar eine Art Planchette, der urchristliche Gottesdienst sei eigentlich eine spiritistische Sitzung gewesen. Dass Greber nicht misstrauisch wurde besonders bei dem Umstand, dass so etwas weder von den Kirchenvätern genannt wird noch irgendwelche anderen Zeugnisse dafür existieren als Bibelstellen, die im rein spiritistischen Sinne neu gedeutet werden, mag verwundern. Wahrscheinlich war er inzwischen zu bezirzt von diesen wunderbar außergewöhnlichen Wesen. (Was man übrigens auch von der Homepage sagen könnte, von der die näheren Angaben über Grebers spiritistische Aktivitäten stammen, die auch Platz für Ufologen bietet.)

Ernsthafte Bedenken scheint Greber in diesem "Selbsterleben der Wahrheit" auch gegenüber den Ankündigungen des Geistwesens nicht groß gehabt zu haben, auch wenn ihm direkt gesagt wurde, dass der eine Junge "ganz unter der Gewalt des Geistes" stehen werde und "gezwungen" werden würde, die eingegebenen Gedanken" auszusprechen oder "niederzuschreiben", der andere dagegen in Trance fallen würde. Zwar wurde Greber gewarnt, dass er sich dagegen entscheiden könne, doch drohte ihm dieses Wesen, dass er "die Verantwortung zu tragen" habe, wenn nicht "von der Wahrheit Zeugnis gegeben" werden würde. 

Wobei auch diese Peitsche und Zuckerbrotmentalität nach den Zeugnissen Grebers immer wieder durchschimmerte. Mal wird Greber und seine Teilnehmer gewarnt vor weltlichen Dingen, die von den hohen Wahrheiten ablenken, um zu gewissen Gelegenheiten regelrecht mit verborgenem Wissen überschüttet und schmeichelnden Bemerkungen angebiedert zu werden, um das "freundschaftliche" und exklusive Verhältnis aufrecht zu erhalten. Komikenhaft wirkt auch das Auftreten zweier angeblicher ägyptischen Herrscher, die durch die Medien Pläne ihrer noch verborgenen Gräber zeichnen lassen, in den sich neben Schätze auch Werke über Weiße Magie befinden würden, nach denen Greber suchen solle. Was er zu Lebzeiten trotz vollmundiger Versprechen der beiden Geistgestalten nie umsetzen wird - er stirbt 1944 überraschend an einem Herzinfarkt. 


Verwarnung durch den Bischof, Auswanderung in die USA, Lehre und Tod
Trotz Verwarnung durch den Bischof betrieb Greber weiterhin parallel zu seinen Aufgaben in der Seelsorge und dem Hilfsbund seine spiritistischen Kreise. Ein vorangegangenes Verhör in der benachbarten Abtei Maria Laach beendete Greber dadurch, dass er auf einen dortigen Mönch hinwies, der an einer spiritistischen Versammlung teilgenommen hätte - was ihm eines seiner Medien sagte und sich bei weiterer Untersuchung auch als zutreffend erwiesen hat. Auch wenn es sich anscheinend um Untersuchungszwecke gehandelt hat, für die der Abt eine Sondergenehmigung erteilte.

Sein Bischof verlas ihm anschließend das kirchenrechtliche Verbot, an spiritistischen Sitzungen teilzunehmen, was Greber auch dokumentarisch unterschrieb, aber sich letztendlich nicht daran hielt. Um einem Amtsenthebungsver- fahren zuvorzukommen, bat er den Bischof, der nach mehreren weiteren Meldungen über Grebers ignorante Haltung wiederum vorlud, am 31. Dezember 1925 um Beurlaubung, um sich in Koblenz weiter um seinen Hilfsbund zu kümmern. Wo er - geneigter Leser mag an dieser Stelle vielleicht nicht sehr überrascht sein - als offiziell unlaisierter Priester weiterhin spiritistische Sitzungen trotz bischöflichem Verbot abhielt und 1929 auf Anraten einer Geisterbefragung in die mehr dem Spiritismus aufgeschlossene USA auswanderte - und wiederum eine Spiritistengruppe gründete, für die er seine bisher religionslosen deutschen Gastgeber zu Medien mit Trancezustand und allem Drumherum ausbildete. 

Greber bezog eine Wohnung in New York und heiratete eine gewisse Elisabeth, die zwei Kinder von ihm bekam und die ihm als Medium für eine vermeintliche Originalversion des Neuen Testamentes diente, für das er wiederum die Geister um Hilfe befragte und 1935 unter dem Titel Das Neue Testament - Eine Übersetzung nach ältesten Manuskripten (sic!) veröffentlichte. Darin wird weiterverfahren mit den spiritistischen Umdeutungen, die letztendlich auch die Leugnung der Dreifaltigkeit Gottes hinausgeht, die in den Übersetzungen Christus lediglich als gottähnlich darstellt.

Seine Ansichten legte er 1932 in seinem Buch Der Verkehr mit der Geisterwelt, seine Gesetze und sein Zweck dar, in dem er auch sein Abgleiten in den Spiritismus schildert und seine Christologie weiterführt: Christus sei nicht DER Sohn Gottes, sondern sei nur "Der erste" Sohn Gottes, der in seiner Präexistenz der Erzengel Michael gewesen sei und eine Sonderstellung unter den Geisterheeren hätte. Luzifer/Satan sei sein abgefallener "Bruder", bei dem Heiligen Geist müsse man eigentlich von der "heiligen Geisterwelt Gottes" sprechen, womit auch die Dritte Person geleugnet wäre durch Existenzverleugnung. Auch sei Gott nicht allgegenwärtig, da er Gestalt und Persönlichkeit besitze, also gebunden sei; auch wird ihm die Allwissenheit abgesprochen, da er die von ihm nicht festgesetzten zukünftigen Schicksale nicht kenne. Dazu kam noch ein Jenseitsverständnis, das typisch spiritistisch geprägt ist (Reinkarnation, Leugnung einer ewigen Hölle, aber auch einer ewigen Seligkeit, da man mit einer echten Willenfreiheit ständig von Gott abtrünnig werden könne - Luther lässt dazu herzlichst grüßen), sowie diverse Verschlimmbesserungen des Glaubens - die sich übrigens trotz angeblicher Originalität wie oben angedeutet ebenfalls nicht einmal bei den ältesten Zeugnissen der Kirche finden lassen. Ein ähnliches Phänomen konnte man bei den "Privatoffenbarungen" des 1864 in Graz verstorbenen Jakob Lorber beobachten, der ebenfalls die Dreifaltigkeit ablehnte und esoterisches Ersatzgut wie die Reinkarnation einführte - und heute ebenfalls in geistchristlichen Kreisen gerne aufgeführt wird.

Johannes Greber gründete seine eigene spiritistische Kirche, die er die "Church of Believers in God" nannte. Er starb am 31. März 1944 überraschend in New York. Seine Bewegung wurde von einigen Medien weitergeführt, dazu kommen noch diverse "geistchristliche" Kleingruppen die sich auf ihn berufen. 


Das "ursprüngliche" Evangelium Grebers und die Zeugen Jehovas
Wie schon in einem früheren Artikel angesprochen setzten sich viele im 19. und 20. Jahrhundert in den USA entstandene "urchristliche Bewegungen" auffälligerweise aus Elementen zusammen, die alles andere als "urchristlich" bzw. "christlich" sind. Neben den pentekostalen Einschlägen, die das eigene Ergriffenwerden zum persönlichen Lehramt erheben, so kam auch oft eine geistige Art von Boderlinestörung hinzu, die mal in krassen Relativismus, ein anderes Mal dagegen eine ebenso blinde (und aus dem Kontext gerissene) Buchstabengläubigkeit mündet, die sich durch eine echte oder nur eingebildete Gruppenkonkurrenz weiter verschärft und die eigene Exklusive Identität gegenüber den (übrigens heidnisch, wenn nicht den eigenen Ansichten folgenden) "Normalos" festigt. 

Bei den angesprochenen Zeugen Jehovas waren das einerseits ein primitivistisch romantisierter und gleichzeitig nie  wirklich dogmatisch gefestigter Glaube, der anfangs durch den obskuren Pyramidenmystizismus ihres Gründers Charles Taze Russell zunächst einen pseudowissenschaftlich-esoterischen Anstrich erhielt, später aber unter Hervorhebung des Begriffes "Bibelforscher" bemüht war, selbst die Modernisten in ihrer Anzweiflung des bisherigen offiziellen kirchlichen Bibelglaubens zu übertrumpfen. Als deutlichstes Beispiel sei die Ablehnung des Kreuzes gegenüber dem "Pfahl" genannt, das sich eher auf einen sich tiefer einfleischenden Antikatholizismus zurückführen lässt als auf historisch-kritische Textforschung.

Aber nicht nur fiktive Geschichten (!) wurden dafür als historische Zeugnisse hinzugezogen, sondern auch alles, was irgendwie alternativ gegenüber der allzu katholischen Auffassung des Glaubens wirkte. Es musste nur intellektuell genug wirken. Wie der Bibelkommentar vom anglikanischen Theologen E.W. Bullinger, von dem die Zeugen Jehovas die Ganztodtheorie übernommen zu haben scheinen, also die Überzeugung, dass mit dem Körper auch die Seele sterbe und lediglich eine Kopie davon nach dem Jüngsten Gericht mit dem ewigen Leben belohnt werde, während andere nicht wieder zurückgeholt werden. 

Und an dieser Stelle trat auch Johannes Greber hinzu. Denn dieser vermarktete seine Bibelversion wie schon zitiert als "Übersetzung nach ältesten Manuskripten". Und wie schon im Artikel mit der Leugnung des Kreuzes gegenüber dem Pfahl aufgezeigt, wurde diese "Übersetzung" nun zum Beweis herangezogen, dass Christus nicht Gott selbst sei, sondern "göttlich" bzw. "(wie) ein Gott" wie die Bibelforscher in ihrer Bibelübersetzung behaupten - obwohl dies dem ursprünglichen griechischen Text nach nicht haltbar wäre. Aber wozu gibt es denn sonst "Experten" wie den ehemaligen katholischen Priester Johannes Greber, der sogar noch in der Online-Version zu finden ist?



Eine weitere Stelle, an der Greber mit seiner "Übersetzung" auftaucht, ist die Behauptung, dass die auferweckten Gerechten, die nach der Auferstehung Christi in Jerusalem gesichtet wurden (Mt 27, 52-53), nicht wirklich auferweckt wurden - was ja sonst der Ganztodtheorie widersprechen würde -, sondern lediglich ihre Leichen freigelegt wurden. Oder "emporgeschleudert".



1983 wird jedoch von einem Leser gefragt, warum in den Schriften der Zeugen Jehovas "aus der Übersetzung des ehemaligen Priesters Johannes Greber" nicht mehr zitiert wird. Die Antwort: Anhand eines Vorwortes aus dem Jahre 1980 habe sich herausgestellt, dass Greber als Hilfe zur Übersetzung vom Spiritismus Gebrauch gemacht habe. Und das "wird für ungebührlich erachtet, im „Wachtturm“ eine Übersetzung zu zitieren, die mit dem Spiritismus in so enger Verbindung steht (5. Mose 18:10-12)."


Was jedoch nicht verraten wird: Bereits 1956 war im Wachturm-Artikel "Triumph über böse Geistermächte" die Verbindung Grebers zum Spiritismus bekannt.


Auch von den Veränderungen in Grebers "Übersetzung" wusste man bereits.


Aber bereits ein Jahr zuvor wies man auf den Spiritisten und "früheren katholischen Geistlichen" Johannes Greber hin, um aufzuzeigen, dass die katholische Kirche angeblich Menschen für den Spiritismus anfällig mache und dagegen keine Einwände erhebe. Was man - im Hinblick auf die obig genannten Fälle Rauperts und Grebers und der ausdrückliche Verurteilung solcher Praktiken durch kirchliche Obere - im besten Falle nur noch als erschreckende Unwissenheit, im schlimmsten letzendlich als schamlose Verlogenheit bezeichnen werden kann.



Epilog: Die Verblenung ihrer Gegner ist der beste Beweis der katholischen Kirche
Trotzdem muss man fragen: Wenn das alles schon 1955 bekannt war - warum wurden dann Zitate von Johannes Greber bis 1983 (explizit in den Schriften 1962 und 1976) verwendet?

Und hier werden die unheimlichen Parallelen zu Johannes Greber selbst sichtbar:
Um seine eigenen Ansichten bestätigt zu bekommen, darf die Fragwürdigkeit der Quelle gerne übersehen werden. Johannes Greber hätte bereits beim seltsamen Verhalten des "Hochengels" und seiner "Untergebenen" skeptisch werden müssen trotz aller wunderbaren Dinge, die er durch ihn erleben und erfahren durfte; die Zeugen Jehovas hätten selbst trotz aller Bestätigung der einen Position eine Art Unterscheidung der Geister bei ihren Quelltexten vornehmen müssen - dann wären nach einiger Zeit noch mehr Ungereimtheiten aufgefallen.

Oder wurden diese aus dem Grund nicht weiter beachtet, weil Greber ebenfalls davon ausging, dass Christus eigentlich der Erzengel Michael gewesen wäre, wie auch die Zeugen Jehovas davon ausgehen und damit die Frage der Glaubwürdigkeit aus subjektiver Sicht bereits geklärt war? War das Gütesiegel "Übersetzung nach ältesten Manuskripten" zu verlockend, um weitere Untersuchungen überhaupt anzustellen oder ist das schlicht und einfach beim Rosinenpicken der Quellen nicht weiter beachtet worden? Wie auch die übrigen Widersprüche, die sich bei einem wirklich kritischen "Bibelforschen" hätten ergeben sollen, aber wegen genereller personaler Inkompetenz dieser "Experten" nicht weiter ins Gewicht fiel?

Es stellt tatsächlich eine ordentliche Portion Ironie dar, dass Antikatholiken wie die Zeugen Jehovas gerade das Selbe lehren wie ein letztendlich heillos zum Spiritismus abgefallener Katholik, wenn beide gerade Christus zu einem Erzengel degradieren, seine Wesenseinheit mit dem Vater leugnen, die Erweckung der Toten zu beseitigen suchen und versuchen, die Ewigkeit der Seele herunterzuspielen - was niemand weiter zu merken scheint. Und sich anscheinend noch niemand über deren Idee Vater Gedanken gemacht hat, der seit den Stammeltern immer wieder gerne Gebrauch macht von der persönlichen Empörung gegenüber einer übergeordneten "angemaßten" Autorität, die einfach nicht so funktioniert, wie man es selbst am liebsten sehen und verstehen möchte.

Greber hat dazu die Hilfe der Geister gesucht, Jehovas Zeugen die einer "kritischen Bibelforschung".
Greber hatte genug Hinweise gehabt, dass diese Geister ihren eigenen Prinzipien widersprechen, die Zeugen Jehovas das Wissen, dass ihre Lehren nur aus zusammengeschusterten und aus dem Kontext gerissenen Textstellen bestehen können.
Und dazu war (und ist) es beiden Recht, für ihr "wahres", einem nur Wenigen zugänglichen exklusives Verständnis des Glaubens und Weltbild die Allmacht Gottes zu leugnen, indem sie das zeitlich fortdauernde Bestehen seiner Offenbarung in der Welt und damit direkt den aktiven Offenbarungs- und Heilswillen Gottes leugnen, der in der Kirche bis zum heutigen Tag wirkt und von dieser auch so verteidigt und verkündigt wird.


Allmächtiger und barmherziger Gott, schau gnädig auf mein demütiges Beten und mache mich, Deinen Diener, den Du, ohne eigene Verdienste, durch die unermessliche Freigebigkeit Deiner Milde den himmlischen Mysterien dienen lässt, zu einem würdigen Diener der heiligen Altäre, damit, was meine Stimme hervorbringt, durch Deine Heiligung gestärkt werde. Durch unseren Herrn. 
Oration für den Jahrestag der Priesterweihe