Freitag, 29. Januar 2021

Die Allerseelenbruderschaft bei St. Kajetan in München


Vor einiger Zeit hat mich eine Leserin angeschrieben und auf eine empfehlenswerte Bruderschaft aufmerksam gemacht, die sich der Hilfe der Armen Seelen im Fegefeuer widmet. 

Auf diesem Blog wurde bereits vorletztes und wegen der Corona-Situation noch einmal letztes Jahr auf den Allerseelenablass aufmerksam gemacht, jährlich ab 1. November erworben werden kann. Bei der Allerseelenbruderschaft bei St. Kajetan handelt es sich dagegen um eine eigene in München befindliche Bruderschaft, die neben dem Gebet für andere Verstorbene auch ihre eigenen Mitglieder nach Eintreffen der Todesnachricht in die Gebete und Messen einschließt. 

Errichtet wurde die Bruderschaft am 28. Februar 1615 durch Bischof Stephan von Freising in der (zu Beginn des 19. Jh. abgebrochenen) Kirche des hl Laurentius "im Alten Hof" auf Ersuchen von Kurfürst Maximilian I. (auf den auch die Münchner Mariensäule zurückgeht) und dessen Gattin Elisabeth Renata, Herzogin von Lothringen, "zu Hilf und Trost aller christgläubigen Seelen im Fegefeuer". Diese Bruderschaft wurde von Papst Paul V. mit reichen Ablässen ausgestattet, 1622 bestätigte Papst Gregor XV. die Bestätigung der Bruderschaft für alle ihn umgebenden Lande. Neben einfachen Leuten traten auch Adelige und hochgestellte Persönlichkeiten bei wie die Prinzen des bayrischen Fürstenhauses und sämtliche Kurfürstinnen und Prinzessinnen. Der erste Präfekt der Allerseelenbruderschaft war kein anderer als der bayrische Feldherr Freiherr von Tilly

Heute wird die Bruderschaft von den Dominikanern mit Sitz in der Kirche des hl. Kajetan (auch als Theatinerkirche bekannt) betreut. 


In der Broschüre, die per E-Mail angefordert werden kann und auch den Anmeldebogen beinhaltet heißt es weiter zur Allerseelenbruderschaft: 

Der Zweck, zu dem die Allerseelenbruderschaft gegründet wurde und den sie auch heute noch zu erfüllen sucht, entspricht dem Zeugnis der Heiligen Schrift. So lesen wir im 2. Buch der Makkabäer: Der edle Judas "veranstaltete eine Sammlung, an der sich alle beteiligten, und schickte etwa zweitausend Silberdrachmen nach Jerusalem, damit man dort das Sühnopfer darbringe. Damit handelte er schön und edel, denn er dachte an die Auferstehung. Hätte er nicht erwartet, dass die Gefallenen auferstehen werden, wäre es nämlich überflüssig und sinnlos gewesen, für die Toten zu beten. Auch hielt er sich den herrlichen Lohn vor Augen, der für die hinterlegt ist, die in Frömmigkeit sterben. Ein heiliger und frommer Gedanke! Darum ließ er die Toten entsühnen, damit sie von der Sünde befreit werden" (2 Makk 12,43-45).

So leitete die Allerseelenbruderschaft ihre Mitglieder an, durch gemeinsame Gebete, Gottesdienste und gute Werke den im Reinigungsort ("Fegfeuer") leidende Seelen Trost und Hilfe zu bringen. Vor allem soll diese Hilfe nach Meinung der frommen Stifter jenen zuteil werden, die auf Erden niemanden haben, der ihrer im Gebet gedenkt. Auch dürfen die Mitglieder darauf vertrauen, ihrerseits einmal die Früchte dieser Gebets- und Opfergemeinschaft ernten zu dürfen.


Zu den Ablässen heißt es im Aufnahmezeugnis:

Um dem Armen Seelen besser helfen zu können, hat die Kirche die Bruderschaft mit Ablässen ausgestattet. Nach der letzten Anordnung der Apostolischen Pönitentiarie vom 29. Märt 1980 sind es zur Zeit folgende:

A. Vollkommene Ablässe
1. Am Tag der Aufnahme in die Bruderschaft
2. Am Fest des heiligen Laurentius, des Patrons der Bruderschaft, (10. August) oder am folgenden Sonntag.
3. An Allerheiligen und am Sonntag nach Allerseelen.

Bedingung: Beichte und Kommunion, Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters (Vater Unser, Ave Maria) und der gute Vorsatz, jede Sünde zu meiden.

B. Teilablässe
1. Wer in seiner Pflichterfüllung und in den Mühen des Lebens in demütigem Vertrauen zu Gott aufschaut und dabei - wenigstens im Geist - ein Stoßgebet verrichtet.
2. Wer im Geist des Glaubens sich selber und/oder seine Güter für die Notleidenden einsetzt.
3. Wer in Bußgesinnung freiwillig auf Angenehmes und Erlaubtes verzichtet.

Dazu sind vorausgesetzt der Stand der Gnade sowie die allgemeine Absicht, diese Ablässe zu gewinnen.

Vollkommene und Teilablässe können auch den Verstorbenen zugewendet werden.


Eigentlich sind die angegebenen Verpflichtungen für die örtliche Mitgliedschaft um St. Kajetan in München vorgesehen, es besteht aber dennoch die Möglichkeit, der Bruderschaft anzugehören, ohne unbedingt vor Ort wohnen zu müssen.


Die üblichen vor Ort gültigen Andachten, Gottesdienste und Verpflichtungen sehen wie folgt aus:
1. Täglich wird der Rosenkranz für die Armen Seelen gebetet: am Werktag um 17:00 Uhr, an Sonn- und Feiertagen um 18:00 Uhr.
2. Für jedes verstorbene Mitglied wird in der Kirche eine Hl. Messe gelesen, obald die Nachricht von seinem Tod bei der Bruderschaft eingetroffen ist. Auch wird es fortan in alle Gebete und Messopfer der Bruderschaft eingeschlossen.
3. An den vier Quatembersonntagen, also am 2. Adventsonntag, am 2. Fastensonntag, am Dreifaltigkeitssonntag und am 2. Sonntag im Oktober findet um 17:00 Uhr eine Konventsandacht statt mit Rosenkranz, Predigt und Gebet vor ausgesetztem Allerheiligsten. Jeweils am darauffolgenden Montag wird um 8:00 Uhr ein Requiem für die Stifter der Erzbruderschaft, ihre Verstorbenen Mitglieder und alle verstorbenen Christgläubigen gefeiert.
4. Die Erzbruderschaft steht unter dem Schutz des hl. Märtyrers Laurentius, in dessen Kirche "im alten Hof" sie einst errichtet wurde. Da das Fest dieses Heiligen am 10. August begangen wird, findet am Sonntag darauf um 17:00 Uhr eine Konventsandacht statt.
5. Am Allerseelentag ist um 17:30 Uhr ein Requiem für alle Verstorbenen. Am Sonntag darauf findet um 10:30 Uhr ein Hochamt für alle lebenden und verstorbenen Mitglieder der Erbruderschaft und um 17:00 Uhr eine Konventsandacht statt.
6. Zu all diesen Gottesdiensten und Andachten sind die Mitglieder dieser Bruderschaft herzlich eingeladen. Wer daran nicht teilnehmen kann, wird gebeten, durch andere Gebete und gute Werke den Armen Seelen zu helfen. Doch er geht keine Bindung ein, die ihn unter Sünde verpflichten würde. 


Zu den den Andachtsübungen heißt es ebenfalls im Aufnahmezeugnis:

Nach altem Brauch beten die Mitglieder der Bruderschaft für die Armen Seelen täglich die beiden Psalmen 51 und 130.

Doch können sie stattdessen auch folgende Gebete verrichten:
Gott, du Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, schenke den Seelen deiner Dienerinnen und Diener Nachlass aller Sünden, damit sie die stets ersehnte Verzeihung durch unsere frommen Fürbitten erlangen durch Christus, unseren Herrn. Amen. 

Oder: 
Vater unser, Ave Maria und 
Herr gibt ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen. Lass sie ruhen in Frieden. Amen

Allen Mitglieder wird empfohlen, die von der Kirche gewährten vollkommenen Ablässe an den entsprechenden Tagen zum Nutzen der Armen Seelen zu gewinnen, außerdem Notleidende zu unterstützen, Verzicht und gute Werke zu üben, für die Verstorbenen zu beten sowie die Hl. Messe für die Armen Seelen aufzuopfern.

Gottesdient und Gebetsveranstaltungen sind aus dem Faltblatt, welches am Schriftenstand der Theatinerkirche aufliegt, sowie aus den Anschlägen im Schaukasten der Kirche zu ersehen. 


Auf persönliche Anfrage, was Mitglieder tun sollen, die nicht vor Ort wohnen d.h. aufgrund der Entfernung keine Möglichkeit an einer Teilnahme haben, wurde ich auf Punkt 6 obiger Auflistung verwiesen. 

Zum Beispiel können Mitglieder im Anschluss an das Abendessen ein Gebet für die Verstorbenen beten; aus dem Neuen Gotteslob (2013) zum Beispiel GL18, GL 28 (Hausgebet für die Verstorbenen), GL 569 (Litanei für die Verstorbenen), GL 655-658 (Totenvesper) oder GL 675 3+4 ( Andachtsabschnitte zum Totengedenken). 

Sofern möglich könne man auch Werktags eine Messe besucht werden, ein gutes Werk - auf welche Weise auch immer - sollte unterstützt werden, was eine innere Disziplin und Treue voraussetze. 

Bestimmte Gebete wie bei der Josefsbruderschaft gäbe es nicht, wenn man vom täglichen Rosenkranz mit der Lauretanische Litanei absehe, den man zu Hause für sich beten könne (werktags 17:00 Uhr, sonntags 18:00 Uhr). 


Für weitere Informationen kontaktiere man die angegebene Adresse und Telephon-Nummer oder per E-Mail.





Sonntag, 17. Januar 2021

Cornelius a Lapide: Warum der Name "Jesus" und nicht wie prophezeit "Emmanuel"?


Als Nachtrag zum Fest des Heiligsten Namens Jesu sei hier aus dem Matthäus-Kommentar des Jesuiten Cornelius a Lapide (1567-1637) zitiert, von dem ich bisher leider nur englische Übersetzungen seiner Werke aus dem Lateinischen gefunden habe: 


[...] Man würde vielleicht sagen: Wie ist der Name Jesus [Übers: "Gott rettet"] derselbe wie Emmanuel [Übers.: "(Gott) mit uns"], wie der heilige Matthäus [Mt. 1,23] es andeutet? Tertullian (lib. contra Judaeos) antwortet darauf, dass er derselbe ist im Wortsinne wenn nicht im Klang. Dass Gott mit uns sein würde, ist derselbe Sinn wie wenn ein Retter - d.h. Jesus - mit uns sein würde. Denn niemand anderes als Gott könnte unser Retter sein.

Man beachte den Hebraismus, der hierzu verwendet wird. Er soll Emmanuel genannt werden, das heißt: Er soll Emmanuel sein. Von der Sprachfigur her ist das eine Metonymie, zur der auch folgende Stellen eine klare Ähnlichkeit aufweisen: Jer. 23,6 
["In seinen Tagen wird Juda gerettet werden, Israel kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Der HERR ist unsere Gerechtigkeit."] ; Sach. 8,3 ["So spricht der HERR: Ich bin nach Zion zurückgekehrt und werde wieder in der Mitte Jerusalems wohnen. Dann wird Jerusalem Stadt der Treue heißen und der Berg des HERRN der Heerscharen Heiliger Berg."] und Is. 9,6 - "Und er soll genannt werden: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. " Denn all die Dinge werden ausgedrückt - sei es explizit oder implizit - vom Namen Jesus.

Man bemerke ebenso, dass Christus von Matthäus nicht Isaiah Emmanu Jehovah genannt wird oder Emmanu Adonai oder Elohim, obwohl dies alles Namen Gottes sind, weil
Jehovah [Korr.: Jahwe "Ich bin der ich bin / der ist". Zur fehlerhafte und veraltete Übersetzung "Jehovah" siehe dazu den Wikipedia-Eintrag HIERdeutet auf das Wesen Gottes hin oder zeichnet Gott aus als die erste, oberste und unbeschreibliche Wesenheit, von der alle anderen Wesen ihre Existenz beziehen. Adonai deutet die Oberherrschaft Gottes und zeichnet Gott aus wie Er der Herrscher ist, der Richter und der Rächer aller Dinge. El dagegen deutet auf die Kraft und Allmacht Gottes hin und zeichnet Gott als den starken und allmächtigen aus, weil Gott seine höchste Kraft und Macht in der Menschwerdung manifestiert und in Christus, weil er durch Christus seine stärksten Feinde überwand, sogar die Teufel, die Hölle, den Tod und die Sünde und außerdem alle Sünden und Laster, wie viele und wie große auch immer. Aus diesem Grnd wurde auch der Engel, der dieses Geheimnis verkündete, Gabriel genannt - d.h. die Stärke Gottes.

Woraus man außerdem tropologisch beachten müsse: Gott ist mit uns, nicht nur in seiner Essenz, Präsenz und Kraft wie Er in aller und jeder Kreatur ist, sondern durch seine Menschwerdung Er auch wahrhaftig, in rechter Weise und wirklich mit uns ist als ein Bruder, lebend, mit uns sprechend in der menschlichen Natur, die Er angenommen hat. Deshalb - 2. - ist Er mit uns als das Haupt mit dessen Gliedern. Durch Christus als Haupt der Gläubigen strömt in diese geistlicher Sinn und Bewegung zusammen mit Ausrichtung und Führung. 3. Der Selbe, Mensch geworden, ist mit uns in der Eucharistie, als wäre es unsere Speise, uns sein eigenes Fleisch und Blut zur Speise gebend. So weit zum Physischen. 4. Sittlich ist Christus mit der Kirche wie ein Bräutigam mit seiner Braut ist, helfend, schützend, ertragend, sie zierend und fruchtbar machend. Daher sagt der Psalmist: "Auch wenn ich wandere im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir."(Ps 23,4) Deshalb ruft jeder Glaubende in jeder Schwierigkeit, Anstrengung und Bedrängnis Emmanuel an, das ist Gott mit uns, mit unserem Fleisch vertraut. Und freudig ruft er: "Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser." Und Ps. 27,1: "Der Herr ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist die Zuflucht meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen? Dringen Frevler auf mich ein, um mich zu verschlingen, meine Bedränger und Feinde; sie sind gestrauchelt und gefallen. Mag ein Heer mich belagern: Mein Herz wird nicht verzagen. Mag Krieg gegen mich toben: Ich bleibe dennoch voll Zuversicht." Und mit Paulus [Röm 8,31] : "Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?" Deswegen ist es nun rechtmäßig für jeden Gläubigen, aber besonders für einen Heiligen oder Märtyrer zu sagen, was der Engel zu Gideon gesprochen hat: "Der Herr sei mit dir, starker Held." (Ri 6,22) [Korr.: Ri. 6,12].