Mittwoch, 28. April 2021

Lex Orandi, Lex Credendi - Letztendlich auch bei Hans Küng



Natürlich könnte man statt mit dem Begräbnis des Raymond Diocres bei diesem äußerst lesenswerten Artikel der Tagespost eher mit einem klassischen Küng-Witz kommen - der rückblickend doch genauso verstörend wirkt:  

"Warum würde Hans Küng nie selbst Papst werden wollen?
- Weil er dann ja nicht mehr unfehlbar wäre." 

 

[...] Die große Leerstelle dieser Feier, das ausgebliebene Zeugnis des Neuen Testamentes von Jesus Christus, dem Auferstandenen, in dem Gott selbst handelt und spricht, wurde noch vergrößert durch das verlesene Glaubensbekenntnis von Hans Küng, das am Ende des dritten Bandes seiner monumentalen Autobiographie steht. Darin dankt Küng für die Führung durch den „Urgrund, Urhalt und Ursinn unseres Seins, den wir Gott nennen.“ Über die Surrogate eines aufgelösten katholischen Glaubens konnte auch die Musikauswahl – Choral und Passionsauszug von Bach, Psalm in Vertonung von Mendelssohn – nicht hinwegtäuschen: Sie fungieren als kultureller Hintergrund, religiöse Atmosphäre, stimmungsvoller Glaubensersatz. Allerdings durfte sich durch die Überkommentierung des SWR für die Fernsehzuschauer diese Wirkung nicht entfalten. [...]



Mittwoch, 21. April 2021

Anselm von Canterbury: "Ich habe noch nicht erreicht, für was ich gemacht wurde."


Kleiner Zitatefund auf Facebook zum (Gedenk-)Tage. 

Anselm von Canterbury war übrigens einer der Vorgänger von Erzbischof Thomas Becket, auf dem in einem vorangegangenem Artikel auf diesem Blog bereits ausführlich berichtet wurde. 




Samstag, 17. April 2021

Jonathan Pageau, Satanismus und die Hölle der Selbstobsession



Zu dem die Woche vor der Karwoche und Ostern veröffentlichten Musikvideo von Lil Nas X (das wegen pornographischen und anzüglichen Inhaltes nicht weiterverlinkt wird) kann man viel sagen - mal abgesehen davon, dass er vor einiger Zeit bei Kindern Werbung gemacht hat und auch mit Elmo aus der Sesamstraße einen gemeinsamen Auftritt hatte.  Auch bei den "aufgepeppten" Nike-Schuhen, von denen alle 666 Exemplare einen Tropfen menschliches Blut enthalten sollen, kann man schon eher etwas amüsiert sein, wenn man das Herumwinken nach  allgemeiner medialer Aufmerksamkeit schnell durchschaut hat. 

Andere Gedanken zu dem neusten Stück des Pop-Satanismus macht sich dagegen der auf diesem Blog bereits erwähnte orthodoxe Künstler und Youtuber Jonathan Pageau, der sich mit neben dem popkulturellen Symbolismus des Videos und der Serie "WandaVision" auch mit der geistlichen Dimension dahinter auseinandersetzte. Der Artikel wurde von Autor Rod Dreher, der im deutschsprachigen Bereich für sein Buch "Die Benedikt-Option" bekannt sein dürfte, auf The American Conservative veröffentlicht, nachdem Pageau´s zweimalige Versuche, die Analyse für eine Veröffentlichung auf Youtube aufzunehmen, nicht funktionierten. Was ihm bisher noch nie passiert sei. 
[EDIT: Wie man oben sehen kann, konnte Pageau doch noch das Video erstellen.]


[...] Satanismus ist Ironie in sich selbst, von seiner rituellen Version der Schwarzen Messen zu seinen mehr philosophischen sozialen Manifestationen ist es die Neuformulierung der christlichen Geschichte von seiner Umkehrung und narrativen Rand. Es ist der Wasserspeier als Priester, der Rebell als König. Die Schauspielereien, der "Witz" des Satanismus ist der wichtigste Gedanke seiner Bedeutung und seines Zieles und letztendlich seiner Qualitäten. Wenn man einen Satanist nach dem Stile LaVeys über ihre Religion fragt, werden sie antworten, dass sie nicht an Satan glauben. Das ist natürlich schwierig für uns Christen, die ihr Leben nach der Wahrheit und dem Glauben ordnen. "Warum geben sie sich solche Mühe für etwas, an das sie nicht glauben?" [...] 

[...] Geschichten haben Muster. Geschichten spielen sich selbst aus und wenn der Narrativ einmal ausgespielt ist, wird es immer Menschen geben, Geschehnisse und Organisationen, die diesen auf eine sehr tatsächlichen leibhaftigen Weise verkörpern werden. Die materielle Gründe, durch die das geschehen wird, sind eigentlich sekundär. Als Christus gesagt hat "Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!" [Mt 7,1], war das kein Moralisieren mit erhobenen Finger. Er hat den Leuten gesagt wie die Wirklichkeit funktioniert, wie die Projektion von Sünden auf unsere Feinde, diese fokussierte Aufmerksamkeit auf die Sünden anderer, den Platz für unser eigenes Ende bereitet, das Rätsel unserer eigenen Sphinx, und es ist diese speziellen Sphinx, von der wir verschlungen werden. [...]

[...] , man kann leicht sehen, wie all das mit Lil Mas Xs Montero und seinen Satanischen Schuhen verbunden ist durch eine seltsame Mischung aus Opfersein und Stolz. Genau wie Montero seine eigene Welt mit sich selbst bevölkert, besessen von seinem selbstbenannten Liebhaber, so hat auch Wanda alle anderen Seelen über ihre eigenen Launen gebogen und machte sie zu Ausdrücken ihrer selbst. Das ist wirklich der Ort, an dem der westliche Individualismus seine satanischen Farben zeigt. Während wir in amerikanischen Kinofilmen an die Szene am Ende gewohnt sind, in der all die Charaktere in einer Menge dem Protagonisten applaudieren als Stellvertreter für den Einzelnen und den zu kurz Gekommenen, sehen wir hier den Einzelnen mit seinen Eigenheiten, all seinen/ihren/ veränderlichen Gelüsten und Launen, während sie sich selbst als etwas aufspielen, nach der sich die gesamte Gesellschaft beugen und formen soll. 

In der Hölle von Montero sehen wir in flammenden Lettern das berühmte lateinische Sprichwort "amnat quod non intellegunt" (sie verurteilen, was sie nicht verstehen) eingraviert. Was mit diesem Bild gemeint ist, ist das ultimative Gegenteil: "Die Missverstandenen werden sie verurteilen." "Die Ausnahme wird die Regel entkräften."

Wenn in dem christlichen Bild, dem Hirten, der seine Herde ungeschützt verlässt, um das eine verlorene Schaf zu finden, haben wir hier eher das verlorene Schaf, das dem Hirten befielt, es nicht in seine Herde zurückzubringen - sondern die gesamte Herde in die Wildnis zu führen. Wenn wir in traditionellen Gesellschaften den Sündenbock-Mechanismus haben, der die Ausnahme opfert, um den Zusammenhalt zu erhalten, haben wir hier das Verlangen, die gesamte Welt für die Ausnahme zu opfern. [...] 

[...] Jemandem wie Lil Nas X dabei zuzusehen, wie er sich bei den Jubelrufen der medialen und kulturellen Türsteher über unsere Geschichten lustig macht, sie verhöhnt und auf den Kopf stellt, muss uns Christen daran erinnern, dass Christus Judas erwählte, der ihn aus seinem innersten Kreis aus verraten wird. Auf dieselbe Weise ist unsere gegenwärtige Situation Teil der Geschichte und die satanische Bilderwelt mit all ihrer Arroganz und Stolz legt in aller Schlichtheit den Schwachpunkt des modernen Säkularismus frei zutage. 

Und durch diese Bilderwelt, die wie eine Manifestation dessen erscheinen, wo Christen versagt haben, ist es letztendlich eine Neuformulierung der christlichen Geschichte vom Augenmerk zu dessen Gegenteil. Eine kopfstehende Welt, eine solipsistische, sterile und künstliche Welt muss zwangsläufigerweise zurückschnellen. Die Verherrlichung - sogar in verächtlichem Scherz - von satanischen Ausdrücken der Rebellion, erinnern uns, dass es nur der Gekreuzigte ist und die Geschichte des Selbstopfers, das diese endlose Revolutionen brechen wird. 





Weitere Vorträge von Jonathan Pageau sind verfügbar auf
- seiner Homepage von The Symbolic World
- Youtube
- Soundcloud
- iTunes


Schräger als Fiktion... Teil 14


Zufallsfund auf Twitter.

Neben der Tatsache, dass gerne die geschichtliche und theologische Realität ignoriert wird, mal (wieder) was unfreiwillig amüsantes...




Samstag, 10. April 2021

Von Jerusalem über Eichstätt in die Ukraine: Das Heilige Grab im Schottenkloster


Neben dem Grab der heiligen Walburga und des heiligen Willibalds hat Eichstätt auch eine andere Besonderheit zu bieten. Im Schottenkloster im Osten der Stadt befindet sich eine Nachbau des Heiligen Grabes zu Jerusalem, so wie es seit der Freilegung durch Kaiser Konstantin den Großen als eigenes Gebäude innerhalb der Auferste- hungsbasilika bis heute besteht.

Während des Mittelalters entstanden verschiedenste Nachbildungen des Ortes, an dem Christus am dritten Tag nach seinem Leiden und Sterben am Kreuz von den Toten auferstand, was für alle nachvollziehbar zum Herzstück des christlichen Glaubens gehört. 

In Deutschland sind Rotunden-Kirchen zu nennen wie die um 820 unter Abt Egil erbaute Michaelskirche in Fulda, die damals noch Teil des 1803 aufgelösten Klosters war, und die nach 940 vom hl. Bischof Konrad erbaute Mauritius-Rotunde im Konstanzer Münster. Bei runden oder oktogonalen "Templerkirchen" bleibt für viele seit dem 19. Jahrhundert die Diskussion teilweise offen, ob es sich wie in den anderen Fällen ebenfalls um einen Nachbau der Auferstehungsbasilika handelt - oder doch eher um einen Nachbau des Tempels/Felsendomes, der sich noch heute auf dem Areal des ehemaligen jüdischen Tempels befindet und bisweilen von Graphikern wie Hartmann Schedel oder Pietro Perugino als rundes Gebäude dargestellt wurde. Diskutabel, weil gerne zu schnell Parallelen zwischen der Bauform und dem beliebtesten Ritterorden der Esoterikszene gezogen werden. 

Neben dem Nachbau der Gebäudestruktur der Basilika selbst sind auch mehrere Nachbauten der sogenannten Ädikula (lat. "kleines Gebäude") selbst zu nennen. In Deutschland ist das bekannteste freistehende Beispiel das Heilige Grab in Görlitz aus dem 15. Jahrhundert. Als besonders extravagantes Beispiel in Italien kann man die Marmorversion davon in der Florentiner Kirche San Pancrazio nennen.

Auch blieben volksnahe Darstellungen der Passion Christi nicht alleine auf das Heilige Land beschränkt. Neben den Passionsspielen, die während des Mittelalters in Europa abgehalten wurden, und den Niederschlägen in der Liturgie verbreitete sich im 15. Jahrhundert die Passionsfrömmigkeit, die in den "Ölbergen" ihren Ausdruck fand, die man sogar in mehreren benachbarten Dörfern einzeln an der Kirche oder den Friedhöfen vorfinden konnte, wo sich Menschen sammelten. Im badischen Dorf Oberöwisheim ist neben einer solchen figürlichen Darstellung auch eine komplette Kanzel und die Reste einer scheinbaren Totenleuchte oder sogar einer  Bildstocklampe erhalten. In einigen Ortschaften entstanden sogar Nachbildungen der Via Dolorosa, unter denen sich besonders der Kreuzweg in Bamberg als ältester vollständig erhaltener hervortut. Im kleineren Maße sind in vielen Gemeinden auch vereinfachte Darstellungen des Grabes Christi zur Kar- und Osterzeit vertreten, die danach aber meist wieder abgebaut werden. 


Nach diesem kurzen Exkurs nun also zurück zum Heiligen Grab in der Schottenkirche zu Eichstätt.
Erbaut wurde dieses im Jahre 1166 durch Domprobst Walbrunn von Rieshofen, darüber wurde eine Rundkirche "Zum Heiligen Kreuz" mit Ost- und Westchor errichtet. 1194 wurde die Kirche durch Bischof Otto geweiht, betreut wurde sie durch "Schottenmönche" - Benediktiner aus Irland - der Abtei St. Jakob in Regensburg, daneben befand sich ein Leprosenhaus für heimkehrende kranke Kreuzfahrer. Um 1460 verlassen die Mönche das Kloster, da das Vermögen durch das Leprosenhaus aufgebraucht worden ist. 1483 wird es von den Rebdorfer Augustinerchorherren übernommen. 

 

1552 wurde das Kloster von den protestantischen Truppen des Herzogs Moritz von Sachsen, der das Jahr darauf bei der Schlacht bei Sievershausen durch eine Schusswunde getötet wird, geplündert und entweiht, wobei das Heilige Grab bestehen bleibt, das 1610 aufgrund des Abbruches der inzwischen baufälligen Kirche - von Verfallserscheinungen wird bereits in Urkunden von 1441 und 1541 berichtet - abgebaut und die Teile eingelagert wird. Daher kommen auch die eingemeißelten arabischen Ziffern, die man dort noch heute sehen kann.


Bischof Johann Konrad von Gemmingen plante zusammen mit dem dem Baumeister Elias Holl, einen runden Neubau, der auf das Heilige Grab seine besondere Betonung legen sollte. Der Plan konnte nie ausgeführt werden, dagegen kam es erst 1623 unter dessen Nachfolger Johann Christoph von Westerstetten, der auch die Kapuziner nach Eichstätt berief, zur Grundsteinlegung des heutigen Kirchengebäudes, deren Planung der Kapuzinerpater Stephan von Ellwangen übernahm. Das Heilige Grab wird in dem wesentlich vergrößerten südlichen Seitenschiff untergebracht, das von Außerhalb betrachtet optisch nicht weiter auffällt. 


Neben Verputz und Bemalungen des Heiligen Grabes im 17. Jahrhundert - das 1625 neu geweihte Kloster blieb beim Stadtbrand 1634 während des Dreißigjährigen Krieges verschont - , der um 1935/36 wieder entfernt wird, kommen im 19. Jahrhundert die Galeriebrüstung und die Laterne hinzu, auch wenn diese alten Zeichnungen zufolge schon zuvor dort bestanden haben sollen. Das Heilige Grab ist trotz dieser Umbauten immer noch der am besten erhaltene Nachbau aus romanischer Zeit. Auch der mittelalterliche Kopf über dem Eingang des Grabnachbaus, der als Engelskopf beschrieben wird, blieb trotz immer wieder unruhiger Zeiten bis heute erhalten. Auch die Grabkapelle, die neben dem Vorraum mit kleinem Altar in Eingang eine Grabkammer mit einer Christusfigur darin birgt, ist immer noch begehbar. 


Der Konvent der Kapuziner im Schottenkloster wurde 2009 aufgelöst und 2012 von den Passionisten übernommen, die neben der Messe auch in den im Ostchor zugänglichen Beichtzimmer täglich das Sakrament des Buße spenden. Zu den bekanntesten Kapuzinern des Kloster gehörten Pater Ingbert Naab, der sich als Kritiker der NS-Politik seit ihren Anfänger hervortat und auch mit Fritz Gerlich beim "Geraden Weg" zusammenarbeitete, der 1934 nach der "Nacht der langen Messer" im KZ Dachau ermordet wurde und für den seit 2017 der Seligsprechungsprozess läuft, und Pater Viktrizinus Weiß, für den seit 1935 ebenfalls der Seligsprechungsprozess läuft. Für den übrigens auch Naab geworben hat, der heute noch auf dem Friedhof der Kapuziner in Eichstätt begraben liegt. 

  

Überraschend an dem Heiligen Grab dürfte die Akkuratheit dieses Nachbaus sein, nicht nur in den Proportionen, sondern auch in den verwendeten Maßgaben, dass eine Ausmessung vor Ort wie im Falle des Bamberger Kreuzweges in keinster Weise ausgeschlossen werden kann. 

Eine ganz besondere Anerkennung dieses Sachverhaltes erhielt das Heilige Grab von Eichstätt durch den griechisch-katholischen Metropolit von Ternopil, Vasyliy Semenyuk, der es als Vorbild für eine weitere Nachbildung für den ukrainischen Marienwallfahrtsort Zarvanytsja - dem größten in der Westukraine - nutzte als Teil eines "ukrainischen Jerusalems". Es solle vom Aussehen her orignalgetreuer sein als das Heilige Grab in Jerusalem selbst, das immer wieder renoviert und gleichzeitig äußerlich verändert worden sei. Das Heilige Grab in Eichstätt sei "aufgrund seiner Genauigkeit und seines guten Zustandes einzigartig"

Nach einem Besuch 2013 in Eichstätt sei Erzbischof Semenyuk sofort von der Idee eines Nachbaus für die Gläubigen in der Ukraine, die sich keine Reise ins Heilige Land leisten können, begeistert gewesen. Das Diözesanbauamt hat ihm auch die Bauzeichnungen gegeben. Einen letzten Schliff erfuhr das Projekt, das von 2014 bis 2018 verwirklicht wurde, durch einen nochmaligen Besuch durch die Architekten, die es nochmals für die Planung begutachteten und vermaßen. Ein besonderes Geschenk brachte Francesco Patton von der Franziskaner-Kustodie des Heiligen Landes mit: 
Ein Stein aus der Grabeskirche, der als Reliquie in den Nachbau eingebaut wurde. 



Samstag, 3. April 2021

The Catholic Talk Show: Wer war der Dieb, der neben Jesus gekreuzigt wurde?

 


In ihrer neuesten Folge wendet sich The Catholic Talk Show einer außerhalb der Passion eher wenig beachteten Persönlichkeit zu, die als "erster Heiliger" das Patronat der Gefängnisinsassen, Gefängnissen, Gefägnisseelsorgern, reuigen Verbrechern, (zum Tode) Verurteilten, Sterbenden und der Totengräber sowie der Städte Gallipoli in Italien und Merizo in Guam innehat: Der "Gute Schächer", der neben dem Matthäus- und Markus-Evangelium mit besonderem Augenmerk in der Passion des Lukas-Evangeliums erwähnt wird als Mitgekreuzigter Jesu und auch unter dem Namen "Dismas" bekannt ist. 


Ryan DellaCrosse: Was wissen wir über Dismas bevor er an das Kreuz kam?

Ryan Scheel: Nun ja... Überraschenderweise eine Menge und überraschenderweise nichts, korrekt? Also, alles was wir wissen über Dismas vor dem Karfreitag ist [aus der] Goldenen Legende 
[die als Quelle das apokryphe "Nikodemus-Evangelium" nennt], verstehst du?

Ryan DellaCrosse: Ja.

Ryan Scheel: Also eine dieser Goldenen Legenden - ich denke sie kommt von einer der syrischen Kindheitsevangelien, klar. Eine der syrischen oder arabischen Kindheitserzählungen sagt, dass Sankt Dismas der Name des Guten Schächers, der Name des Bösen Schächer Gestas ist, okay. Und als sie nach dieser Tradition auf der Flucht nach Ägypten - als Maria, Jesus und Joseph nach Ägypten gingen, um dem Herodes zu entkommen - durch die Wüste gingen, um dorthin zu gelangen, war die Welt zu dieser Zeit sehr gefährlich, weil es dort keine Polizeistreifen gab, und wenn man dort unterwegs war, du weißt schon, [konnte] man auf Banditen treffen. Das war eine sehr gewöhnliche Sache. Und nach der Tradition wurde die Heilige Familie von Gestas und Dismas angetroffen, als sie nach Ägypten gingen. Und Gestas sagte: "Schau dir mal diese Familie an. Was ist das da?" Und sie haben diese Reichtümer gesehen, bei denen es sich wahrscheinlich um die Gaben der Weisen [aus dem Morgenland] handelte. Und sie waren der Meinung: "Lass uns diese Leute ausrauben und ... [Geste] umbringen. Und Dismas war aus irgendeinem Grund bewegt bei dem Anblick des Jesuskindes und überzeugte Gestas, das nicht zu tun, und ging sogar so weit, sie unterzubringen und ihnen Essen und Proviant zu geben für ihre Reise. Und dann hat Maria ihm gesagt, dass: "Du wirst eines Tages dafür gesegnet werden. Eine Tages empfängst du einen großen Segen dafür, wie du uns behandelt hast." Und nach der Tradition, trug Dismas dies immer bei sich und hatte die Erwartung, dass das passieren wird, er hatte immer diesen Samen des Glaubens in sich. Nun, das ist eine...

Fr. Rich Pagano: Das ist eine wunderschöne Geschichte. Ich denke, die habe ich noch nie zuvor gehört. Hast du die schon gehört DellaCrosse?

Ryan DellaCrosse: Nein.

Ryan Scheel: Also, ja. Das...

Fr. Rich Pagano: Woher stammt die nochmal?

Ryan Scheel: Es ist eine der Kindheitserzählungen. Sie sind - du weißt schon - Tradition, apokryphisch [Schriften, die von der Kirche bei Zusammenstellung nicht zum Kanon der vom Heilgen Geist inspirierten Heiligen Schriften anerkannt wurden]. Wahrscheinlich nicht wahr oder vielleicht doch. Das waren die Traditionen der frühen Christen.

[...]

Ryan Scheel: Nun, der Name von Dismas kommt von dem griechischen Wort für "Sonnenuntergang". Daher kommt der Name.

Fr. Rich Pagano: Also Sonnenuntergang, um darauf anzuspielen, dass Jesus am Nachmittag gekreuzigt wurde und bis 3 Uhr, als er seinen Geist aushauchte, sich die Sonne verfinsterte und um zu zeigen, dass die Sonne unterging - ihr wisst schon, die Sonne der Gerechtigkeit ging auf in der Menschwerdung; die Sonne ging nieder in seinem Tod und Dunkelheit kam über die Erde und die Erde bebte. Und ihr wisst: Beim Tod von Dismas wurde Dismas zum Produkt von dem, was Jesus im Untergang der Sonne in [/und?] seinem Tod erreicht hat, indem er ihn zum neuen Leben erhob, zum neuen Aufgang, zum neuen Tag, wenn man das so sagen kann, in seiner Auferstehung. "Noch heute wirst d mit mir im Paradiese sein." Das ist das Versprechen, das Wirklichkeit wird in der untergehenden Sonne und wie passend ist es, dass der Name Dismas darauf anspielt. Das ist irgendwie bewegend.

[...]

Ryan Scheel: Und das ist einer dieser Fälle der Begierdetaufe. Okay.

Ryan DellaCrosse: Das ist ein guter Punkt.

Ryan Scheel: Wie konnte der heilige Dismas der erste Heilige werden - ihr wisst schon - er war nicht getauft. Und das war etwas ungewohntes für mich: Er war nicht getauft. Das ist das, was die Kirche als Begierdetaufe lehrt: Er hat es mit seinem ganzen Herzen verlangt, indem er den Retter anerkannte und sagte: "Herr, nimmt mich auf in dein Reich." [...]

Ryan Scheel: Eine andere Sache, die jedes Mal so interessant ist es, den reuigen und den reuelosen Dieb zu vergleichen und um was sie gebeten haben.

Ryan DellaCrosse: Ja.

Ryan Scheel: Dismas, der reuige Dieb hat nicht darum gebeten, heruntergenommen zu werden vom Kreuz. Gestas machte eine auf "Wenn du der Sohn Gottes bist, dann bring uns herunter." Dismas sagte: "Nimmt mich mit zu dir hinauf in dein Reich." So, wenn man am Kreuz ist, gibt es zwei natürliche Reaktionen oder zwei Richtungen: Du gehst runter oder du gehst hoch. Und es ist so interessant, dass er nicht gebeten hat, herabgenommen zu werden. Er hat darum gebeten, hinauf genommen zu werden. Und das ist der Grund, warum er dieser erste Heilige ist im Gegensatz zu Gestas, der als reueloser Sünder bekannt ist, der ... wer weiß, was mit ihm passiert ist.

Ryan DellaCrosse: Ja. Und das Heil kommt offensichtlich durch Leiden. Wie... Du weißt, das ist der Grund, warum wir während der Fastenzeit Opfer bringen. Darum bringen wir unsere Herzen zu Gott durch das Leiden. Leid hat einen Wert für das Reich Gottes, hat einen Wert im Gebet, um den Heiligen Geist auszugießen wie auch immer Gott entscheidet, es zu tun. Aber Gott berücksichtigt dieses Leiden. Wir leben in einer Welt, in der Leiden um jeden Preis ... ihr wisst, man versucht ihm aus dem Weg zu gehen. Wo Jesus das Leiden annimmt und [es] in der Anerkennung des Königs - wie du schon gesagt hast - zwei verschiedene Wege geht.
[...] 


Im Podcast wird außerdem die Kirche Saint Dismas erwähnt, die sich als einzig freistehende Kirche innerhalb eines US-Gefängnisses in New York befindet. Als einer ihrer prominentesten Spender ist der Mafioso Lucky Luciano zu nennen, der seit 1936 im Gefängnis einsaß und die Roteichenholz für die Kirchenbänke stiftete. Auch sollen sich in ihr zwei geschnitzte Engelsfiguren vom Flaggschiff des Seefahrers und Entdeckers Ferdinand Magellans befinden, die von dessen Nachkommen an die Kirche gestiftet wurden. 






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