Samstag, 17. April 2021

Jonathan Pageau, Satanismus und die Hölle der Selbstobsession



Zu dem die Woche vor der Karwoche und Ostern veröffentlichten Musikvideo von Lil Nas X (das wegen pornographischen und anzüglichen Inhaltes nicht weiterverlinkt wird) kann man viel sagen - mal abgesehen davon, dass er vor einiger Zeit bei Kindern Werbung gemacht hat und auch mit Elmo aus der Sesamstraße einen gemeinsamen Auftritt hatte.  Auch bei den "aufgepeppten" Nike-Schuhen, von denen alle 666 Exemplare einen Tropfen menschliches Blut enthalten sollen, kann man schon eher etwas amüsiert sein, wenn man das Herumwinken nach  allgemeiner medialer Aufmerksamkeit schnell durchschaut hat. 

Andere Gedanken zu dem neusten Stück des Pop-Satanismus macht sich dagegen der auf diesem Blog bereits erwähnte orthodoxe Künstler und Youtuber Jonathan Pageau, der sich mit neben dem popkulturellen Symbolismus des Videos und der Serie "WandaVision" auch mit der geistlichen Dimension dahinter auseinandersetzte. Der Artikel wurde von Autor Rod Dreher, der im deutschsprachigen Bereich für sein Buch "Die Benedikt-Option" bekannt sein dürfte, auf The American Conservative veröffentlicht, nachdem Pageau´s zweimalige Versuche, die Analyse für eine Veröffentlichung auf Youtube aufzunehmen, nicht funktionierten. Was ihm bisher noch nie passiert sei. 


[...] Satanismus ist Ironie in sich selbst, von seiner rituellen Version der Schwarzen Messen zu seinen mehr philosophischen sozialen Manifestationen ist es die Neuformulierung der christlichen Geschichte von seiner Umkehrung und narrativen Rand. Es ist der Wasserspeier als Priester, der Rebell als König. Die Schauspielereien, der "Witz" des Satanismus ist der wichtigste Gedanke seiner Bedeutung und seines Zieles und letztendlich seiner Qualitäten. Wenn man einen Satanist nach dem Stile LaVeys über ihre Religion fragt, werden sie antworten, dass sie nicht an Satan glauben. Das ist natürlich schwierig für uns Christen, die ihr Leben nach der Wahrheit und dem Glauben ordnen. "Warum geben sie sich solche Mühe für etwas, an das sie nicht glauben?" [...] 

[...] Geschichten haben Muster. Geschichten spielen sich selbst aus und wenn der Narrativ einmal ausgespielt ist, wird es immer Menschen geben, Geschehnisse und Organisationen, die diesen auf eine sehr tatsächlichen leibhaftigen Weise verkörpern werden. Die materielle Gründe, durch die das geschehen wird, sind eigentlich sekundär. Als Christus gesagt hat "Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!" [Mt 7,1], war das kein Moralisieren mit erhobenen Finger. Er hat den Leuten gesagt wie die Wirklichkeit funktioniert, wie die Projektion von Sünden auf unsere Feinde, diese fokussierte Aufmerksamkeit auf die Sünden anderer, den Platz für unser eigenes Ende bereitet, das Rätsel unserer eigenen Sphinx, und es ist diese speziellen Sphinx, von der wir verschlungen werden. [...]

[...] , man kann leicht sehen, wie all das mit Lil Mas Xs Montero und seinen Satanischen Schuhen verbunden ist durch eine seltsame Mischung aus Opfersein und Stolz. Genau wie Montero seine eigene Welt mit sich selbst bevölkert, besessen von seinem selbstbenannten Liebhaber, so hat auch Wanda alle anderen Seelen über ihre eigenen Launen gebogen und machte sie zu Ausdrücken ihrer selbst. Das ist wirklich der Ort, an dem der westliche Individualismus seine satanischen Farben zeigt. Während wir in amerikanischen Kinofilmen an die Szene am Ende gewohnt sind, in der all die Charaktere in einer Menge dem Protagonisten applaudieren als Stellvertreter für den Einzelnen und den zu kurz Gekommenen, sehen wir hier den Einzelnen mit seinen Eigenheiten, all seinen/ihren/ veränderlichen Gelüsten und Launen, während sie sich selbst als etwas aufspielen, nach der sich die gesamte Gesellschaft beugen und formen soll. 

In der Hölle von Montero sehen wir in flammenden Lettern das berühmte lateinische Sprichwort "amnat quod non intellegunt" (sie verurteilen, was sie nicht verstehen) eingraviert. Was mit diesem Bild gemeint ist, ist das ultimative Gegenteil: "Die Missverstandenen werden sie verurteilen." "Die Ausnahme wird die Regel entkräften."

Wenn in dem christlichen Bild, dem Hirten, der seine Herde ungeschützt verlässt, um das eine verlorene Schaf zu finden, haben wir hier eher das verlorene Schaf, das dem Hirten befielt, es nicht in seine Herde zurückzubringen - sondern die gesamte Herde in die Wildnis zu führen. Wenn wir in traditionellen Gesellschaften den Sündenbock-Mechanismus haben, der die Ausnahme opfert, um den Zusammenhalt zu erhalten, haben wir hier das Verlangen, die gesamte Welt für die Ausnahme zu opfern. [...] 

[...] Jemandem wie Lil Nas X dabei zuzusehen, wie er sich bei den Jubelrufen der medialen und kulturellen Türsteher über unsere Geschichten lustig macht, sie verhöhnt und auf den Kopf stellt, muss uns Christen daran erinnern, dass Christus Judas erwählte, der ihn aus seinem innersten Kreis aus verraten wird. Auf dieselbe Weise ist unsere gegenwärtige Situation Teil der Geschichte und die satanische Bilderwelt mit all ihrer Arroganz und Stolz legt in aller Schlichtheit den Schwachpunkt des modernen Säkularismus frei zutage. 

Und durch diese Bilderwelt, die wie eine Manifestation dessen erscheinen, wo Christen versagt haben, ist es letztendlich eine Neuformulierung der christlichen Geschichte vom Augenmerk zu dessen Gegenteil. Eine kopfstehende Welt, eine solipsistische, sterile und künstliche Welt muss zwangsläufigerweise zurückschnellen. Die Verherrlichung - sogar in verächtlichem Scherz - von satanischen Ausdrücken der Rebellion, erinnern uns, dass es nur der Gekreuzigte ist und die Geschichte des Selbstopfers, das diese endlose Revolutionen brechen wird. 




Weitere Vorträge von Jonathan Pageau sind verfügbar auf
- seiner Homepage von The Symbolic World
- Youtube
- Soundcloud
- iTunes





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